Dancing with Devils

Dancing with Devils

Dancing with Devils

Originaltitel: Dancing with Devils – Regie: Klaus Lemke – Drehbuch: Klaus Lemke – Kamera: Paulo da Silva – Schnitt: Rainer Schmidt – Darsteller: Saralisa Volm, Nina Schwabe, Rodion Levin, Stefan Witte, Gregor Biermann, Helge Thomsen u.a. – 2008; 75 Minuten

Inhaltsangabe

Nach 1½ Jahren wird Saralisa aus "Santa Fu" entlassen. Sie hatte tatenlos zugesehen, wie ein Mann an einer Überdosis Drogen gestorben war. Nina, die Geliebte des Toten, wartet schon auf sie und schwört Rache. Zunächst kommt Saralisa bei ihrem Bruder in St. Pauli unter, doch als er sie mit Kokain erwischt, wirft er sie hinaus, und sie muss auf der Straße schlafen. Der DJ Rodion verliebt sich in Saralisa, ohne zu ahnen, dass seine Freundin Nina sie töten will ...
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Kritik

Die Handlung ist in "Dancing with Devils" weniger wichtig als die hoffnungslose Atmosphäre. Überzeugende Laiendarsteller und der Stil des Regisseurs Klaus Lemke lassen die düstere Milieustudie vom Kiez in Hamburg authentisch wirken.
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Saralisa (Saralisa Volm) wird aus der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel („Santa Fu“) entlassen. Sie verbüßte dort achtzehn Monate lang eine Haftstrafe wegen unterlassener Hilfeleistung, denn sie hatte tatenlos zugesehen, wie ein Bekannter an einer Überdosis Drogen gestorben war. Nina (Nina Schwabe), die Geliebte des Toten, wartet schon auf Saralisa und droht ihr, sie aus Rache umzubringen.

Während Saralisa sich von zwielichtigen Männern Geld und Kokain besorgt, wird sie von Nina beschattet. Von ihrem Bruder Stefan (Stefan Witte), dem Wirt der „Cobra-Bar“ in St. Pauli, bekommt Saralisa die Schlüssel zu seiner Wohnung. Doch als er sie mit Kokain erwischt, wirft er sie hinaus, und sie muss in Hauseingängen schlafen.

Als Saralisa sich eines Morgens an einem Trinkbrunnen auf der Straße die Zähne putzt, hebt Rodion (Rodion Levin) ein Drogenbriefchen auf, das ihr aus der Hosentasche fiel. So lernen sie sich kennen. Der aus Russland stammende DJ, der den Nachtklub „Fundbureau“ betreibt, verliebt sich in Saralisa, ohne zu ahnen, dass sie die Frau ist, die seine Freundin Nina töten will, und zwar mit einer Pistole, die sie für ihn in die Elbe werfen sollte.

Als Rodion mit Saralisa in ein Stundenhotel geht und mit ihr zusammen Drogen nimmt, raubt sie ihm die Kasse des Nachtklubs, die er bei sich hat. Als er wieder zu sich kommt und den Diebstahl bemerkt, ruft er sie auf dem Handy an und verlangt sein Geld zurück. Sie bestellt ihn in ein Hotelzimmer. Dort sitzt sie auf dem Bett, trägt nichts außer seinem Mantel und wirft mit den Banknoten um sich.

Bald wird Saralisa auch von einem Fotografen verfolgt, bei dem sie sich als Model bewarb und dem sie eine teure Kamera stahl, um sie zu versetzen.

Sie jobbt in einer Videothek, wird aber nach kurzer Zeit gefeuert und fängt in einer Boutique an. Als der Besitzer mit ihr in die Tiefgarage geht, um sich von ihr einen blasen zu lassen, taucht Nina auf. Doch sie stolpert, und die Pistole fällt ihr aus der Handtasche. Saralisa hebt die Waffe auf. Sie zwingt Nina, sich vor den Boutiquen-Besitzer zu knien und die ihr zugedachte, demütigende Rolle zu übernehmen.

Nina weiß nun, dass sie es nicht fertigbringt, einen Menschen zu töten, und sie gibt Rodion die Pistole zurück.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mehrere Kokain-Konsumenten sterben in St. Pauli. Offenbar hat jemand aus Profitgier mit giftigen Substanzen gestreckte Ware in Umlauf gebracht. Auch Rodion ist unter den Toten. Saralisa sucht nach dem Dealer, und als sie ihn identifiziert hat, folgt sie ihm in eine Toilette, drückt ihm ein Springmesser an die Halsschlagader und zwingt ihn, den Inhalt eines Drogenbriefchens zu schnupfen. Bevor er stirbt, verrät er, dass er das Kokain vom Wirt der „Cobra-Bar“ bekam.

Daraufhin geht Saralisa zur Wohnung ihres Bruders und wartet im Treppenhaus, bis er nach Hause kommt. Als Stefan seine Tür aufsperrt, ersticht sie ihn von hinten.

Für den Mord wird sie zu neun Jahren Haft verurteilt.

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„Saralisa ist ein sich selbst hassendes Monster, das sich von seinen schlimmsten Teufeln zu befreien versucht, indem es die in andere verpflanzt und dort bekämpft“, erklärt Klaus Lemke dem Journalisten Peter Luley. Jedenfalls bringt sie Unglück. Aber die Handlung ist in „Dancing with Devils“ weniger wichtig als die hoffnungslose Atmosphäre: Als eine „fiebrig-nervöse Milieustudie voller verlorener Seelen“ bezeichnet Peter Luley den Film (Süddeutsche Zeitung, 8. April 2009).

Wie gewohnt, hat Klaus Lemke bei „Dancing with Devils“ auf ein Drehbuch verzichtet. Was an einem Tag bzw. in einer Nacht gedreht wird, denkt er sich angeblich morgens aus. Und er arbeitet mit Laiendarstellern, die pro Drehtag einheitlich 50 Euro bekommen. Saralisa Volm kennen wir bereits aus „Finale“; Nina Schwabe war sowohl in „Träum weiter, Julia!“ als auch in „Finale“ dabei. Die beiden männlichen Hauptrollen spielen der Kiez-Wirt Stefan Witte und der in der Szene bekannte, aus St. Petersburg stammende Mitbegründer des Party-Komitees „Datscha-Projekt“, DJ Rodion Levin. (Stefan Witte starb 2008 durch Selbstmord.) Auch das „Fundbureau“ gibt es; es befindet sich zwischen Altona, St. Pauli und Eimsbüttel. Wenn über dem Tunnelgewölbe die S-Bahn fährt, klirren die Flaschen im Regal.

Die überzeugenden Laiendarsteller und die semi-improvisierte Arbeitsweise von Klaus Lemke lassen „Dancing with Devils“ authentisch wirken, obwohl die Handlung zugleich auf einer unwirklichen Ebene stattzufinden scheint. Zu der dichten Atmosphäre trägt auch die Musikuntermalung bei, deren Bandbreite von einer Instrumentalversion des u. a. von Hans Albers gesungenen Liedes „La Paloma“ bis zu der Ballade „Me and Bobby McGee“ von Janis Joplin reicht.

„Dancing with Devils“ war erstmals am 23. Oktober 2008 auf den Hofer Filmtagen zu sehen. Die eigentliche Premiere erfolgte am 8. April 2009 im ZDF.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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