Thomas Bernhard : Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen

Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen

Thomas Bernhard

Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen

Claus Peymann kauft sich eine Hoseund geht mit mir essen Erstaufführung: Bochum 1986 / Berlin 1999 Originalausgabe: Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 1990 ISBN: 3-518-40225-0, 79 Seiten, 16.80 DM
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Während Claus Peymann in Bochum daran zweifelt, ob es richtig ist, als Direktor des Burgtheaters nach Wien zu gehen, packt seine Sekretärin die Koffer. In Wien angekommen, schmiedet Peymann ehrgeizige Pläne. Kurz darauf kauft er sich eine neue Hose und geht mit Thomas Bernhard durch die Stadt. Ein Jahr später sitzt Peymann mit seinem Dramaturgen Hermann Beil auf der Sulzwiese und träumt davon, den kompletten Shakespeare an einem Abend im Burgtheater aufzuführen.
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Kritik

Unter dem Titel "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen" sind drei Dramolette zusammengefasst, mit denen Thomas Bernhard die Welt des Theaters auf unterhaltsame Weise karikiert.
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Claus Peymann verlässt Bochum

Die erste Szene spielt in Peymanns Büro in Bochum. Der Intendant zweifelt daran, ob es richtig war, den Vertrag zu unterschreiben, mit dem er als Direktor des Burgtheaters nach Wien berufen wurde. Während er sich darüber äußert und laut überlegt, was er mitnehmen soll, packt seine Sekretärin Christiane Schneider die Koffer. Nicht nur Kleidungsstücke und Peymanns weiße Weste legt sie ihn die Koffer, sondern auch Stücke, Schauspieler, Dramaturgen und Kritiker.

In der zweiten Szene befinden Claus Peymann und Fräulein Schneider sich im Büro des Burgtheaterdirektors in Wien. Peymann würde am liebsten gleich wieder abreisen, aber er muss seinen Vertrag erfüllen und nimmt sich vor, aus dem übernommenen Ensemble des Burgtheaters, von dem er nicht viel hält, wieder richtige Schauspieler zu machen, zuerst Menschen, dann Schauspieler. Während Peymann von seinen ehrgeizigen Plänen redet, stellt Fräulein Schneider beim Auspacken der Koffer fest, dass einige der mitgebrachten Schauspieler, Dramaturgen und Kritiker die Reise nicht überstanden haben.

Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen

Claus Peymann, der neue Direktor des Burgtheaters, und der Schriftsteller Thomas Bernhard gehen durch Wien. Peymann kaufte sich gerade eine neue Hose. Die alte Hose hängt über seinem Arm. Thomas Bernhard bietet mehrfach an, ihm die alte Hose abzunehmen, aber Peymann erklärt ihm gekränkt, dass für ihn, der er jeden Tag aufs Neue das Burgtheater in die Höhe stemme, das Gewicht einer alten Hose unbedeutend sei. – Schließlich gehen Claus Peymann und Thomas Bernhard in das Restaurant „Zauberflöte“ und bestellen Rindssuppe und Tafelspitz.

Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese

Ein Jahr nach ihrer Ankunft in Wien gehen der Burgtheaterdirektor Claus Peymann und sein Dramaturg Hermann Beil hinauf zur Sulzwiese am Kahlenberg und machen dort ein Picknick mit einer Flasche Gumpoldskirchner und zwei kalten Wiener Schnitzeln. Claus Peymann träumt davon, den kompletten Shakespeare einschließlich der Sonette an einem einzigen Abend im Burgtheater aufzuführen. Hermann Beil sagt wenig dazu, und wenn Claus Peymann ihn fragt, ob er seine Vorschläge gut finde, antwortet er zum Verdruss des Burgtheaterdirektors immer nur: „Natürlich.“

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Bei „Claus Peymann verlässt Bochum“, „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ und „Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese“ handelt es sich um kurze absurde Stücke, mit denen Thomas Bernhard die Welt des Theaters auf unterhaltsame Weise karikiert. Nicht nur über Intendanten, Dramaturgen, Schauspieler und Schriftsteller zieht er her, sondern auch über seine Landsleute, von denen Claus Peymann im Stück sagt, dass sie jeden Tag vor den Kulissen Österreichs eine Komödie aufführen, obwohl sie selbst glauben, sich in einer Tragödie zu befinden. Die Figuren werden zwar konkret benannt, aber sie stehen weniger für die Personen Claus Peymann, Hermann Beil und Thomas Bernhard als für Theatermacher und Schriftsteller schlechthin.

Obwohl Thomas Bernhard die drei Dramolette nicht für eine Aufführung konzipiert hatte, brachte Hermann Beil „Claus Peymann verlässt Bochum“ 1986 anlässlich des Abschiedfestes von Claus Peymann in Bochum auf die Bühne. Martin Schwab spielte Claus Peymann, und Kirsten Dene die anderen Rollen. Philip Tiedemann inszenierte „Claus Peymann verlässt Bochum“ 1999 am Akademietheater in Wien zusammen mit den beiden anderen kurzen Stücken: „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ und „Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese“. Bei den Wiener Festwochen 2006 verkörperten Claus Peymann und Hermann Beil sich selbst; Hermann Beil spielte darüber hinaus Peymanns Sekretärin Christiane Schneider und Thomas Bernhard. Carmen Maja-Antoni trat als Sprecherin auf. Regie führte Claus Peymann.

Claus Peymann wurde am 7. Juni 1937 in Bremen geboren. Als Schauspieldirektor in Stuttgart (1974 – 1979) geriet er erstmals in die Schlagzeilen, und zwar wegen einer Geldsammlung für die inhaftierte RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, die sich sonst keinen Zahnersatz hätte leisten können. Von 1979 bis 1986 war Claus Peymann Intendant am Schauspielhaus Bochum. Dann holte ihn das Burgtheater als Direktor nach Wien. Obwohl er polarisierte und immer wieder angegriffen wurde, blieb Claus Peymann dreizehn Jahre lang in Wien. Erst 1999 wechselte er zum Theater am Schiffbauerdamm in Berlin.

Hermann Beil wurde am 9. August 1941 in Wien geboren. Nach seiner Tätigkeit als Dramaturg am Basler Theater (1968 – 1974) arbeitete er am Staatstheater Stuttgart mit Claus Peymann zusammen, dem er 1979 nach Bochum, 1986 nach Wien und 1999 nach Berlin folgte.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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