William Maxwell : Zeit der Nähe

Zeit der Nähe

William Maxwell

Zeit der Nähe

Originalausgabe: "The Folded Leaf" Harper & Brothers, New York 1945 "Das grüne Blatt", 1947"Junges Blatt am Baum", 1947 Zeit der Nähe Neuübersetzung: Helmut Mauró Carl Hanser Verlag, München 1991 Süddeutsche Zeitung / Bibliothek,Band 91, München 2008, 283 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Spud ist kräftig und ein hervorragender Sportler, ganz anders als sein intelligenter, schüchterner und ein Jahr jüngerer Freund Lymie. Mit 19 lernt Spud durch Lymie die Kommilitoninnen Sally und Hope kennen. Die vier werden enge Freunde, Spud und Sally darüber hinaus ein Paar. Wenn Spud jedoch beobachtet, wie gut Lymie und Sally sich unterhalten, beginnt er seinem Freund eifersüchtig zu misstrauen, und schließlich redet er kein Wort mehr mit ihm ...
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Kritik

In dem Roman "Zeit der Nähe" geht es ums Erwachsenwerden. Manche Abschnitte leitet William Maxwell durch längere Beschreibungen ein, und einige Passagen sind etwas handlungsarm, aber im letzten Drittel steigert sich die Dramatik.
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Chicago 1923. Lymon („Lymie“) Peters jr. ist fünfzehn. Seine Mutter Alma starb vor vier Jahren nach der Geburt ihrer Tochter, die nur vier Tage alt wurde. Lymon Peters sen. fand danach keinen Halt mehr, wurde alkoholkrank und isst mit seinem Sohn meistens in einem einfachen Restaurant.

In der Schule befreundet Lymie sich mit einem neuen Schüler, der ein Jahr älter ist als er: Charles („Spud“) Latham. Der kam kürzlich mit seinen Eltern und seiner sechs Jahre älteren Schwester Helen nach Chicago. Während Spud von allen geschätzt wird, weil er kräftig und sportlich ist, muss der schmächtige Lymie beim Aufstellen von Sportmannschaften immer warten, bis außer ihm keiner mehr zur Auswahl steht. In anderen Schulfächern tut Lymie sich jedoch leichter als Spud.

Bald gehört Lymie bei den Lathams sozusagen zur Familie: Er isst mit ihnen und schläft dort auch mitunter.

Vier Jahre später haben Lymie und Spud die High School hinter sich und gehen aufs College. Spud versucht sich nebenbei als Boxer. Bei der ersten Vorlesung im neuen Semester setzen sich Hope Davison und Sally Forbes neben Lymie. Bei der siebzehnjährigen Sally Forbes handelt es sich um die Tochter eines ordentlichen Professors der philosophischen Fakultät. An ihr ist ein Junge verloren gegangen, denn sie liebt Pferde, klettert gern auf Bäume, fühlt sich bei Gewittern wohl und hat für Gelehrsamkeit nichts übrig. Hope Davison ist ihre einzige Freundin. Durch Lymie lernen sich auch Spud und Sally kennen. Die beiden verlieben sich, und zusammen mit Lymie und Hope bilden sie ein eng befreundetes Quartett.

Als sie auf eine Universität außerhalb von Chicago wechseln, nehmen Spud und Lymie sich ein Zimmer bei dem geschwätzigen, geldgierigen Antiquitätenhändler Alfred Dehner, der das Obergeschoss seines Hauses an ein Dutzend Studenten vermietet hat.

Dort lernen die beiden Freunde Dick Reinhart kennen, einen mittellosen Kommilitonen, der bei Alfred Dehner gegen Kost und Logis putzt.

Eine Burschenschaft möchte Spud aufnehmen und ist bereit, ihm die Mitgliedsbeiträge zu erlassen, wenn er sich dafür als Kellner und Tellerwäscher zur Verfügung stellt. Spud würde das Angebot gern annehmen, aber er weiß nicht, woher er die 100 Dollar Aufnahmegebühr nehmen soll. Zu seiner Überraschung leiht ihm Dick Reinhart den Betrag und behauptet, eine Tante habe ihm Geld gegeben; tatsächlich stammt es von Lymie, der dafür seine gesamten Ersparnisse geopfert hat.

Zwischen den beiden Freunden ist es jedoch nicht mehr wie früher. Lymie kann es sich nicht erklären; er ahnt nicht, dass Spud von Eifersucht auf ihn und Sally zerfressen wird. Als Spud nach einem Boxkampf nach einem Veilchensträußchen an Sallys Mantel fragt und erfährt, dass sie es von Lymie geschenkt bekam, kann er sich kaum noch beherrschen und stürzt sich wieder in den Ring.

Einmal geht Lymie der Gedanke durch den Kopf, dass Sally vermutlich ihn heiraten würde, wenn Spud etwas zustoßen würde.

Wie ein treuer Hund folgt er seinem Freund überall hin, aber sie sprechen nicht mehr miteinander. Das kann Dick Reinhart nach einiger Zeit nicht länger mit ansehen. Deshalb klärt er Lymie über Spuds Eifersucht auf. Noch in derselben Nacht geht Lymie zu seinem Freund und beteuert ihm, es bestehe kein Grund zur Eifersucht. Als er Spud wieder verlässt, sieht es oberflächlich nach einer Versöhnung aus, doch Lymie weiß es besser.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Am nächsten Morgen findet Dick Reinhart seinen Mitbewohner blutüberströmt im Bad: Lymie hatte zunächst Jod geschluckt. Als er es erbrach, öffnete er sich mit einem Rasiermesser die Pulsader am linken Handgelenk, und weil die Wunde nicht stark genug blutete, zerschnitt er sich an beiden Armen alle Stellen, an denen er Adern sah. Zum Schluss zog er sich das Rasiermesser auch noch zweimal über die Kehle. – In einem kritischen Zustand wird er ins Krankenhaus eingeliefert.

George S. Calkins, der Rektor der Universität, verständigt Lymies Vater. Der fährt sofort los. Endlich kommt sein Sohn wieder zu sich, aber Peters verzeiht ihm nicht den Egoismus des Selbstmordversuchs.

Spud besucht Lymie im Krankenhaus. Er hat Tränen in den Augen, schaut seinen Freund nur an und küsst ihn zum Abschied. Sally schleicht sich durch einen Nebeneingang herein, weil man sie an der Anmeldung schon mehrmals abgewiesen hat. Sie richtet Lymie die Einladung ihrer Mutter Alice aus, nach seiner Krankenhausentlassung zwei Wochen bei den Forbes zu wohnen. Außerdem überbringt sie einen Brief von Hope, die Lymie zum Frühlings-Haustanz in ein paar Wochen einlädt. Spud kommt dazu und setzt sich neben Sally auf Lymies Bett. „Da wären wir also alle bei einander“, meint Sally.

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In den einundsechzig Kapiteln des Romans „Zeit der Nähe“ geht es um die Freundschaft von zwei ungleichen Jugendlichen, um das Erwachsenwerden, erste Liebe und Eifersucht. Manche Abschnitte leitet William Maxwell (1908 – 2000) durch längere Beschreibungen ein, und einige Passagen sind etwas handlungsarm, aber im letzten Drittel steigert sich die Dramatik.

Die Originalausgabe des Romans von William Maxwell wurde 1945 unter dem Titel „The Folded Leaf“ veröffentlicht. Eine geänderte Neuausgabe erschien 1949. Zwei Jahre davor hatte man zwei verschiedene deutschsprachige Übersetzungen der Originalausgabe veröffentlicht: „Das grüne Blatt“ und „Junges Blatt am Baum“. Die vorliegende Neuübersetzung von Helmut Mauró gibt es seit 1991 unter dem Titel „Zeit der Nähe“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Elke Heidenreich - Am Südpol, denkt man, ist es heiß
Quint Buchholz illustrierte die reizende kleine Geschichte "Am Südpol, denkt man, ist es heiß" von Elke Heidenreich.




Am Südpol, denkt man, ist es heiß

Elke Heidenreich

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