Reservoir Dogs

Reservoir Dogs

Reservoir Dogs

Reservoir Dogs – Originaltitel: Reservoir Dogs – Regie: Quentin Tarantino – Drehbuch: Quentin Tarantino, Roger Avary – Kamera: Andrzej Sekula – Schnitt: Sally Menke – Darsteller: Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Randy Brooks, Kirk Baltz, Edward Bunker, Quentin Tarantino u.a. – 1992; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Joe Cabot und sein Sohn Eddie heuern sechs Ganoven für einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft an, die voneinander nur Decknamen erfahren. Aber der Coup wurde offenbar verraten, denn die Gangster geraten in einen Hinterhalt. Mr White bringt den schwer verletzten Mr Orange in eine leer stehende Lagerhalle, die als Treffpunkt vereinbart wurde. Aus einem gefesselten Polizisten, den Mr Blonde mitbringt, versuchen sie herauszuprügeln, wer der Spitzel ist ...
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Kritik

Außergewöhnlich ist nicht die Handlung, sondern die verschachtelte Form des Gangsterfilms "Reservoir Dogs. Wilde Hunde". Statt auf den Raubüberfall und dessen Vorbereitung konzentriert Quentin Tarantino sich auf die tragischen Folgen der Tat.
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Joe Cabot (Lawrence Tierney) und sein Sohn Eddie (Chris Penn) heuern sechs Ganoven für einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft an, die voneinander nur Decknamen erfahren: Mr White (Harvey Keitel), Mr Orange (Tim Roth), Mr Pink (Steve Buscemi), Mr Blonde (Michael Madsen), Mr Blue (Eddie Bunker), Mr Brown (Quentin Tarantino). Aber der Coup wurde offenbar verraten, denn die Gangster werden von siebzehn schwer bewaffneten Polizisten erwartet.

Mr Blue und Mr Brown überleben den Schusswechsel nicht. Sirenen von Streifenwagen heulen, Polizeihubschrauber knattern. Mr White und Mr Orange halten eine Autofahrerin an, um ihr den Wagen abzunehmen, doch als sie die Türe aufreißen, schießt sie sofort und trifft Mr Orange in den Bauch. Mit dem Schwerverletzten im Fond fährt Mr White zu einer leer stehenden Lagerhalle, die als Treffpunkt vereinbart worden war. Mr White, der eigentlich Larry Dimmick heißt, weiß, dass sein Kumpan ohne medizinische Versorgung qualvoll sterben wird, aber er verriet ihm seinen Vornamen und erzählte ihm, woher er kommt. Deshalb wäre es riskant, ihn zu einem Krankenhaus zu bringen, wo ihn die Polizei ausfragen würde.

Mr Pink trifft ein. Er hat die geraubten Diamanten versteckt und will so rasch wie möglich verschwinden, denn er vermutet einen Spitzel in den eigenen Reihen und befürchtet, dass dieser der Polizei auch den Treffpunkt genannt haben könnte.

Mr Blonde kommt mit einem gefesselten Polizisten im Kofferraum: Officer Marvin Nash (Kirk Baltz). Die Gangster heben ihn heraus, prügeln ihn zu einem Stuhl in der Lagerhalle und schlagen ihn wiederholt mit der Faust ins Gesicht, aber er beteuert, den Maulwurf in der Bande nicht zu kennen. Er sei erst acht Monate im Dienst, sagt er.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schließlich taucht Eddie auf. Er will mit Mr White und Mr Pink die vor dem Lager geparkten Autos wegfahren, die Aufsehen erregen könnten. Die Abwesenheit seiner Kumpane nutzt der Sadist Mr Blonde, die wehrlose Geisel spaßeshalber zu foltern. Dazu schaltet er das Radio ein, in dem gerade der Titel „Stuck in the Middle With You“ von „Stealers Wheel“ zu hören ist. Mr Blonde tänzelt herum und schneidet Nash mit einem Rasiermesser das rechte Ohr ab. Dann holt er einen Benzinkanister aus dem Auto und schüttet den Inhalt über den Polizisten. Bevor er ihn anzünden kann, kommt Mr Orange wieder zu Bewusstsein und erschießt Mr Blonde.

Er erklärt Marvin Nash, dass er Freddy Newandyke heißt, für die Polizei arbeitete und als Undercover-Agent in die Verbrecherbande eingeschleust wurde.

Als Eddie, Mr White und Mr Pink zurückkommen, stoßen sie auf Mr Blondes Leiche. Bevor sie von Mr Orange Aufklärung verlangen, erschießt Eddie erst einmal den Cop. Mr Orange behauptet, Mr Blonde in Notwehr getötet zu haben, doch Eddie glaubt ihm das nicht.

Joe Cabot kommt herein, beschimpft Mr Orange als Polizeispitzel. Mr White, der Mr Orange inzwischen für einen Freund hält, will den Boss mit vorgehaltener Waffe davon abhalten, den Schwerverletzten zu erschießen. Eddie steht seinem Vater bei und zielt auf Mr White. Alle drei drücken gleichzeitig ab. Mr White tötet Joe und Eddie, wird aber auch selbst getroffen. Während er sich zu Mr Orange schleppt, schleicht Mr Pink davon, aber in diesem Augenblick trifft die Polizei ein. Freddy gesteht Mr White, dass er tatsächlich ein Undercover-Agent ist. Daraufhin drückt Mr White ihm den Lauf seiner Pistole ins Gesicht. Das Tor wird aufgerissen. Schüsse krachen.

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Für „Reservoir Dogs“ – seinen ersten Kinofilm – wählte Quentin Tarantino (* 1963) das Genre des Gangsterfilms (Heist Movie). Das Außergewöhnliche daran ist weder die einfache Handlung noch die karge Optik, sondern das Formale: Während in einem klassischen Gangsterfilm Vorbereitung und Durchführung des Verbrechens im Mittelpunkt stehen, spart Quentin Tarantino den Raubüberfall ganz aus und konzentriert sich auf tragische Konsequenzen der Tat. Außerdem erzählt er die Geschichte nicht linear, sondern verschachtelt.

„Reservoir Dogs“ beginnt mit einer Szene, in der Joe und Eddie Cabot mit den sechs angeheuerten Ganoven vor dem geplanten Raubüberfall in einem Diner frühstücken. Sie mutmaßen darüber, was der Titel des Songs „Like a Virgin“ von Madonna bedeuten könnte. Am Ende sträubt Mr Pink sich dagegen, der Bedienung Trinkgeld zu geben. Das tue er grundsätzlich nur in besonderen Fällen, erklärt er, und nicht, weil es einfach so üblich sei. Als Nächstes sehen wir, wie Mr White den schwer verletzten Mr Orange zu einem leer stehenden Lagerhaus fährt. Das Geschehen in der Lagerhalle, das in dem Zeitkontinuum des Films die Gegenwart bildet, wird mehrmals durch Rückblenden unterbrochen:

  1. Mr Pink rennt vom Tatort weg und wird von drei Polizisten verfolgt.
  2. Joe Cabot heuert Larry Dimmick alias Mr White an.
  3. Der Strafgefangene Vic Vega alias Mr Blonde bekommt die Chance einer Entlassung auf Bewährung, wenn er einen festen Arbeitsplatz vorweisen kann. Bei einem Freigang wendet er sich an Joe und Eddie Cabot. Sie versprechen ihm, sein Name werde in Kürze auf der Lohnliste der Dockarbeiter in Longbeach stehen.
  4. Freddy Newandyke alias Mr Orange wird für seinen Einsatz als Undercover-Agent der Polizei ausgebildet und in die Bande von Joe Cabot eingeschleust. Eddie, Mr White und Mr Pink holen ihn ab und fahren mit ihm zu den Juwelierladen. Dabei werden sie von der Polizei observiert.
  5. Mr Brown bricht am Steuer des eines Fluchtwagens mit einem Kopfschuss zusammen. Mr White schießt sich den Weg frei. Eine überfallene Autofahrerin schießt Mr Orange in den Bauch.

Drei dieser Rückblenden sind betitelt: „Mr White“, „Mr Blonde“, „Mr Orange“. In die Rückblende über Mr Orange sind zusätzliche kleinere Rückblenden eingebaut. So wird zum Beispiel die Geschichte inszeniert, die Mr Orange den Gangstern erzählt, um sie für sich einzunehmen: Wir sehen, wie er mit einer Tasche voll Cannabis eine Bahnhofstoilette betritt und auf vier Polizisten mit einem Schäferhund stößt, die sich im Waschraum unterhalten.

Das Ende bleibt offen. Wir erfahren nicht, ob Mr White abdrückt und wer von den zu hörenden Schüsse getroffen wird.

„Reservoir Dogs“ gilt als besonders brutal. Zwar kommt immer wieder das blutgetränkte Hemd von Mr Orange ins Bild, aber Quentin Tarantino zeigt zum Beispiel nicht, wie dem gefesselten Polizisten das rechte Ohr abgeschnitten wird: Die eigentlichen Gewaltszenen entstehen im Kopf des Zuschauers. Auch mit Action-Szenen hat Quentin Tarantino sich zurückgehalten; „Reservoir Dogs“ ist eher dialoglastig, und die Lagerhalle wirkt beinahe wie eine Theaterbühne. Mit unspektakulären Mitteln ist es Quentin Tarantino gelungen, die Zuschauer zu fesseln; nicht eine Minute lang kommt Langeweile auf.

Quentin Tarantino – der selbst eine Nebelrolle in „Reservoir Dogs“ übernommen hat – zeigt schon in seinem Debütfilm seine unverkennbare Handschrift.

Auf den Titel soll er gekommen sein, als er in einer Videothek arbeitete, einem Kunden den Film „Au revoir les enfants“ empfahl und dieser erwiderte: „I don’t want no reservoir dogs!“

Auf Wiedersehen, Kinder – Originaltitel: Au revoir les enfants – Regie: Louis Malle – Drehbuch: Louis Malle – Kamera: Renato Berta – Schnitt: Emmanuelle Castro – Darsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö, Francine Racette, Stanislas Carré de Malberg, Philippe Morier-Genoud, François Berléand, François Négret, Peter Fitz, Pascal Rivet, Benoît Henriet u.a. – 1987; 105 Minuten

Die Idee, den Verbrechern Farb- als Decknamen zu geben, stammt aus dem Film „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“, in dem die vier Gangster Mr Blue, Mr Green, Mr Grey und Mr Brown heißen.

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 – Originaltitel: The Taking of Pelham One Two Three – Regie: Joseph Sargent – Drehbuch: Peter Stone, nach dem Roman „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ von John Godey – Kamera: Enrique Bravo, Owen Roizman – Schnitt: Gerald B. Greenberg, Robert Q. Lovett – Musik: David Shire – Darsteller: Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, Jerry Stiller, Nathan George, James Broderick, Dick O’Neill, Tom Pedi u.a. – 1974; 100 Minuten

Mr Blonde heißt eigentlich Vic Vega. Vincent Vega lautet der Name einer Hauptfigur in „Pulp Fiction“.

Folgende Songs sind in „Reservoir Dogs. Wilde Hunde“ zu hören:

  • George Baker Selection: „Little Green Bag“
  • Blue Swede: „Hooked on a Feeling“
  • Joe Tex: „I Gotcha“
  • Bedlam: „Magic Carpet Ride“
  • Sandy Rogers: „Fool for Love“
  • Stealers Wheel: „Stuck in the Middle With You“
  • Bedlam: „Harvest Moon“
  • Harry Nilsson „Coconut“

In den deutschen Kinos lief der Film unter dem Titel „Wilde Hunde“. Bei der ersten Ausstrahlung im Fernsehen – am 7. Mai 2009 im WDR – wurde stattdessen der Originaltitel „Reservoir Dogs“ verwendet.

Deutsche Synchronsprecher in „Reservoir Dogs. Wilde Hunde“: Fred Maire (Mr White), Torsten Sense (Mr Orange), Manfred Lehmann (Mr Blonde), Udo Schenk (Mr Pink), Tobias Meister (Eddie Cabot) u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino: Sin City
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Eugen Kogon - Der SS-Staat
Eugen Kogon, der selbst von 1939 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt gewesen war, veröffentlichte 1946 die erste umfassende und eingehende Darstellung über "das System der deutschen Konzentrationslager".
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