Django Unchained

Django Unchained

Django Unchained

Django Unchained – Originaltitel: Django Unchained – Regie: Quentin Tarantino – Drehbuch: Quentin Tarantino – Kamera: Robert Richardson – Schnitt: Fred Raskin – Musik: Ennio Morricone u. a. – Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, James Remar, David Steen, Dana Michelle Gourrier, Nichole Galicia, Laura Cayouette u.a. – 2012; 165 Minuten

Inhaltsangabe

Der aus Düsseldorf stammende Dentist Dr. King Schultz betätigt sich 1858 als Kopfgeldjäger in den USA. Er verabscheut die weißen Amerikaner, die sich als Herrenmenschen fühlen und Sklaven ausbeuten. Den Sklaven Django, der ihm assistiert, behandelt er als Partner, und er hilft ihm schließlich bei der Suche nach seiner Ehefrau. Sie finden Broomhilda bei dem Plantagenbesitzer Calvin J. Candie, der seine kräftigsten männlichen Sklaven auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen lässt ...
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Kritik

Die linear entwickelte Handlung von "Django Unchained" ist nicht besonders komplex, aber die Westerngroteske ist unterhaltsam. Dafür sorgt die für Quentin Tarantino charakteristische Verbindung von Gewaltexzessen, Komik und Dialogwitz.
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Der aus Düsseldorf stammende Dentist Dr. King Schultz (Christoph Waltz) fährt 1858 mit einem Pferdewagen durch Texas. Statt zu praktizieren, verdient er seinen Lebensunterhalt seit einigen Jahren als Kopfgeldjäger: Er spürt Verbrecher auf, die per Steckbrief tot oder lebendig gesucht werden, erschießt sie und kassiert die dafür ausgesetzten Prämien. Während er mit Toten Geld verdient, tun es die Sklavenhalter mit Lebenden.

Zur Zeit ist er hinter Big John, Lil Ray und Ellis Brittle (M. C. Gainey, Cooper Huckabee, Doc Duhame) her. Schultz weiß allerdings nicht, wie sie aussehen. Deshalb sucht er zunächst nach einem Sklaven namens Django (Jamie Foxx), der die Brittle-Brüder kennt und zuletzt auf der Caruccan Plantage lebte. Django gehört zu einem halben Dutzend Afroamerikanern, die von den Sklavenhändlern Ace und Dicky Speck (James Remar, James Russo) in Ketten gelegt wurden und zu einem neuen Besitzer getrieben werden. Schultz tötet Dicky Speck und schießt Ace Speck vom Pferd. Dann nimmt er Django die Ketten ab und fordert ihn auf, Dickys Pferd zu reiten. Den anderen Schwarzen rät er, den mit einem zertrümmerten Bein unter seinem toten Pferd eingeklemmten Sklavenhändler zu erschießen und sich in eine fortschrittlichere Gegend abzusetzen.

Für die Hilfe bei der Identifizierung der Brittle-Brüder verspricht er Django die Freiheit und 75 Dollar.

In der texanischen Kleinstadt Daughtrey betritt Schultz mit Django den Saloon. Einen reitenden Schwarzen haben die Bewohner noch nie gesehen, und dass einer den Saloon betreten würde, konnten sie sich bisher nicht einmal vorstellen. Der Wirt (Kim Robillard) rennt los, um den Sheriff zu holen. Schultz zapft deshalb selbst zwei Bier. Als Sheriff Bill Sharp (Don Stroud) auftaucht, erschießt Schultz ihn kurzerhand. Daraufhin umstellt der U. S. Marshall Gill Tatum (Tom Wopat) mit einem Großaufgebot von Deputys und bewaffneten Bürgern den Saloon und fordert die beiden Fremden auf, mit erhobenen Händen herauszukommen. Aber er kann niemanden verhaften. Stattdessen muss er Schultz ein Kopfgeld auszahlen, denn der Deutsche weist nach, dass es sich bei Bill Sharp um einen steckbrieflich gesuchten Verbrecher handelte.

Die Brittle-Brüder passen für den Big Daddy genannten Farmer Spencer Bennett (Don Johnson) auf dessen Sklaven auf. Schultz und Django finden und töten sie. Weil Schultz einen Steckbrief vorweisen kann, demzufolge Kopfgelder auf die Brittle-Brüder ausgesetzt wurden, war es legal, sie zu erschießen, und Bennett kann nicht am helllichten Tag vor all den Zeugen etwas gegen Schultz und Django unternehmen. Aber nach Einbruch der Dunkelheit rottet er sich mit anderen Plantagenbesitzern und einigen Helfern zusammen. Mit Fackeln und Ku-Klux-Klan-Masken reiten sie zum Nachtlager der beiden. Damit hat Schultz allerdings gerechnet und sich deshalb mit Django in der Nähe versteckt. Ein Gewehrschuss bringt seinen mit einer Dynamitladung präparierten Pferdewagen zur Explosion. Dabei kommen viele Angreifer ums Leben. Bennett gehört zu den Überlebenden, aber Schultz fordert Django auf, ihn zu erschießen.

Erst jetzt erfährt Schultz, dass Django verheiratet ist. Das Paar schuftete für einen Sklavenhalter. Weil dieser die beiden für aufsässig hielt, ließ er Broomhilda von Schaft (Kerry Washington) vor den Augen ihres Mannes von den damals für ihn arbeitenden Brittle-Brüdern auspeitschen, ihr ein R ins Gesicht brennen und dann beide Sklaven getrennt verkaufen. Sobald Django frei ist, will er nach Broomhilda suchen und sie befreien.

Schultz wundert sich über den Namen. Broomhilda sei bei einer deutschen Einwanderin aufgewachsen, erklärt Django und habe sogar deren Sprache gelernt.

Schultz erzählt ihm eine Version der Sage von Brunhilde: Die Prinzessin wurde inmitten eines Feuerkranzes auf einem Berg gefangen gehalten und von einem Drachen bewacht. Ein Held namens Siegfried tötete den Drachen, durchschritt das Höllenfeuer und befreite Brunhilde. Schultz erkennt die Parallele zwischen Siegfried und Brunhilde, Django und Broomhilda.

Er schlägt Django vor, den Winter über mit ihm zusammen als Kopfgeldjäger zu arbeiten. Dafür bietet ihm Schultz ein Drittel der Einnahmen an und seine Hilfe bei der Befreiung Broomhildas.

Nachdem Schultz und Django beträchtliche Kopfgelder kassiert haben, reiten sie im Frühjahr 1859 nach Greenville, wo Django und Broomhilda verkauft wurden. In einem Register entdecken sie eine Eintragung, derzufolge Broomhilda an den Plantagenbesitzer Calvin J. Candie (Leonardo DiCaprio) in Mississippi verkauft wurde.

Schultz hält es für ratsam, dem Sklavenhalter zunächst ihre wahren Absichten zu verheimlichen. Stattdessen sollten sie so tun, als wollten sie einen Mandingo-Kämpfer kaufen. Zu diesem Zweck will Schultz einen reichen Mann spielen, der vorhat, in das Sklavenkampfgeschäft einzusteigen, und Django soll die Rolle des Beraters übernehmen.

Um die Aufmerksamkeit des reichen Plantagenbesitzers zu gewinnen, bietet Schultz die übertrieben hohe Summe von 12 000 Dollar für einen Mandingo-Kämpfer. Candies Rechtsanwalt Leonide Moguy (Dennis Christopher) verrät den Besuchern, dass der frankophile Plantagenbesitzer mit „Monsieur“ angesprochen werden wolle, aber als Schultz sich bereit erklärt, französisch zu sprechen, rät Moguy ihm davon ab, weil Candie keine Fremdsprache beherrscht.

Zunächst müssen Schultz und Django bei einem Mandingo-Kampf zusehen, mit dem Candie sich die Zeit vertreibt. Erst als einer der beiden dem anderen die Knochen gebrochen und ihn mit einem Hammer erschlagen hat, wendet Candie sich ihnen zu.

Auf dem Weg zum Herrenhaus der Candyland Plantage werden Schultz und Django unfreiwillig Zeugen, wie Candie einen Sklaven namens d’Artagnan (Ato Essandoh) von drei Hunden zerfetzen lässt, weil er zu flüchten versuchte.

Nebenbei lenkt Schultz das Gespräch auf eine Deutsch sprechende Sklavin, und nach der Ankunft im Herrenhaus bittet er den Gastgeber darum, sie zu ihm ins Zimmer zu schicken. Candie zeigt Verständnis für den Wunsch, aber er muss Broomhilda erst einmal begnadigen, denn nach einem Fluchtversuch hat der ihm treu ergebene Haussklave Stephen (Samuel L. Jackson), der hier die Aufsicht führt, die junge Frau nackt in einen engen Verschlag sperren lassen. Dort sollte sie eigentlich zehn Tage gefangen gehalten werden. Stephen, der schon nicht fassen kann, dass ein Schwarzer auf einem Pferd geritten kommt und im Herrenhaus übernachten soll, protestiert gegen die vorzeitige Freilassung, fügt sich dann aber dem Befehl seines Besitzers.

Nachdem Broomhilda gewaschen und angekleidet wurde, bringt Lara Lee Candie-Fitzwilly (Laura Cayouette), die unverheiratete Schwester Calvin J. Candies, die augenscheinlich eine inzestuöse Beziehung mit ihrem Bruder hat, die Sklavin zu Schultz. Broomhilda nimmt wie die Candie-Geschwister und Stephen an, der Gast wolle Sex mit ihr haben. Aber im Zimmer des Gastes taucht auch Django auf, und die beiden Männer eröffnen ihr, dass sie gekommen seien, um sie freizukaufen.

Beim Abendessen bedient Broomhilda mit anderen Sklaven zusammen die Geschwister, Leonide Moguy und die Gäste. Candie spielt darauf an, dass Schultz wohl Broomhilda im Bett gehabt habe, aber seiner Schwester fällt auf, dass die Sklavin Django auf besondere Weise ansieht. In der Küche fragt Stephen daraufhin Broomhilda, ob sie einen der Besucher schon vorher gekannt habe. Sie beteuert, dass dies nicht der Fall sei. Aber als Candie ihr das Kleid aufreißen lässt, um dem Zahnarzt aus Deutschland Broomhildas Rücken zu zeigen, auf dem deutlich die Narben von Peitschenhieben zu sehen sind, beobachtet Stephen Django und merkt, wie dieser unter dem Anblick leidet.

Schultz einigt sich zum Schein mit Candie darauf, einen der Mandingo-Kämpfer für 12 000 Dollar zu kaufen. Er werde in einer Woche einen Anwalt mitbringen, um den Vertrag abzuschließen, sagt er. Dann kommt er auf Broomhilda zu sprechen und deutet an, auch sie kaufen zu wollen. Aber bevor er ein Angebot für sie abgeben kann, fordert Stephen seinen Besitzer flüsternd auf, unter einem Vorwand zu ihm in die Bibliothek zu kommen.

Als Candie dort eintritt, sitzt Stephen mit einem Glas Whisky in der Hand in einem Sessel, als wäre er der Hausherr. Die beiden Besucher seien Betrüger, sagt er, und täuschten das Interesse an einem Mandingo-Kämpfer nur vor. In Wirklichkeit gehe es ihnen um Broomhilda. Candie hält das zunächst für ein Hirngespinst des Sklaven, aber Stephen überzeugt ihn davon, dass Django und Broomhilda sich von früher kennen.

Candie kehrt zur Tischgesellschaft zurück und lässt sich seinen Zorn nicht anmerken. Der Hobby-Phrenologe hat einen Totenschädel mitgebracht. Der sei von einem Sklaven, der schon seinem Großvater und seinem Vater treu gedient habe, erklärt er, bevor er den Schädel aufsägt und auf angebliche Merkmale einer angeborenen Unterwürfigkeit hinweist.

Unvermittelt lässt er Schultz und Django von seinen Männern entwaffnen. Erst danach kommt er auf das begonnene Verkaufsgespräch zurück. Schultz dachte, er könne Broomhilda für 300 Dollar erwerben, aber der Plantagenbesitzer verlangt jetzt für sie weitere 12 000 Dollar, und um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, packt er sie und droht, ihr mit einem Hammer den Schädel einzuschlagen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Schultz bleibt nichts anderes übrig, als Candie seine Brieftasche hinzuwerfen. Moguy zählt 12 000 Dollar ab und gibt die Brieftasche zurück.

Nachdem die Urkunden über den Kauf und die Freilassung der Sklavin unterzeichnet sind, wollen Schultz, Django und Broomhilda die Candyland Plantage so schnell wie möglich verlassen. Sie sind schon an der Türe, als Candie den Deutschen auffordert, den Vertrag mit einem Handschlag zu besiegeln, wie es in Mississippi Brauch ist. Schultz weigert sich, dem sadistischen Sklavenhalter die Hand zu reichen, aber da befiehlt Candie einem seiner Männer, ein Gewehr auf Broomhilda zu richten und sie bei der geringsten Bewegung zu erschießen. Schultz geht auf Candie zu und streckt die Hand aus, aber bevor dieser sie ergreifen kann, erschießt ihn der Zahnarzt mit einer im Ärmel versteckten Derringer-Pistole.

Im nächsten Augenblick wird er selbst von einem der Leibwächter erschossen, und es kommt zu einem blutigen Shoot Out zwischen Django und den zahlreichen Aufsehern der Plantage.

Stephen bekommt Broomhilda in seine Gewalt, und mit der Drohung, sie zu töten, zwingt er Django, sich zu ergeben.

Er wird nackt und mit dem Kopf nach unten aufgehängt. Gerade als Billy Crash (Walton Goggins) ein glühendes Messer zückt, um ihn zu kastrieren, überbringt Stephen den Befehl der Hausherrin, den Gefangenen am Leben zu lassen. Stephen wies Lara Lee Candie-Fitzwilly nämlich darauf hin, dass die meisten Männer an einer Kastration verbluten. Das wäre eine zu leichte Strafe, meinte er und riet ihr, Django als Sklaven an The LeQuint Dickey Mining Co. zu verkaufen. Dort würde er sich qualvoll zu Tode arbeiten müssen.

Unterwegs zeigt Django den drei Männern (Michael Parks, John Jarratt, Quentin Tarantino), die ihn zur Mine bringen sollen, einen Steckbrief. Darauf ist der erste Mann abgebildet, den er als Kopfgeldjäger tötete. Aber er lässt die Mitarbeiter der Minengesellschaft glauben, der Steckbrief sei aktuell und die Gesuchten würden sich auf der Candyland Plantage aufhalten. Er wolle ihnen helfen, sich das Kopfgeld zu verdienen, sagt er. Davon geblendet, durchschneiden die Männer Djangos Fesseln und geben ihm einen Revolver – mit dem Django zwei von ihnen kurzerhand erschießt. Der dritte stirbt bei einer von den Schüssen ausgelösten Explosion.

Django nimmt eine mit Dynamitstangen gefüllte Satteltasche und reitet zurück zum Herrenhaus, wo Broomhilda noch immer gefangen gehalten wird.

Während Lara Lee Candie-Fitzwilly, Stephen und einige andere bei der Beerdigung des Plantagenbesitzers sind, dringt Django unbemerkt ins Gebäude ein, zieht dem toten Schultz die Urkunden über Broomhildas Freikauf aus der Tasche und holt seine Frau.

Als die Trauergäste in die Eingangshalle des Herrenhauses zurückkehren, taucht Django auf der Empore auf. Nachdem er die weißen Aufpasser erschossen hat, lässt er zwei Haussklavinnen fliehen, tötet dann Lara Lee Candie-Fitzwilly und zerschießt Stephens Knie. Während der Haussklave am Boden liegt und flucht, setzt Django eine zuvor ausgelegte Zündschnur in Brand und geht zu Broomhilda hinaus, die auf einem Pferd sitzt, ein zweites bei sich hat und auf ihn wartet.

Eine gewaltige Explosion zerstört das Herrenhaus.

Django und Broomhilda reiten los.

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In „Inglourious Basterds“ schreibt Quentin Tarantino die Zeitgeschichte um und zeigt, wie eine jüdische Widerstandsgruppe Hitler 1944 tötet. In der Westerngroteske „Django Unchained“ fühlen sich weiße US-Bürger als Herrenmenschen, und ein deutscher Kopfgeldjäger, der sie deshalb verabscheut, verhilft schwarzen Sklaven kurz vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg zur Freiheit.

In „Django Unchained“ geht es ebenso wie ein „Inglourious Basterds“ um Auflehnung in einer repressiven, von Rassenhass geprägten Gesellschaft. Quentin Tarantino veranschaulicht, was weiße Amerikaner ihren schwarzen Landsleuten antaten. Wer ein Ei zerbrochen hat, wird halb tot gepeitscht, und Hunde zerfetzen einen Sklaven nach einem gescheiterten Fluchtversuch. Das ist grausam, aber die Realität war eher noch grausamer. Die in „Django Unchained“ gezeigten Gewaltorgien stehen unter dem Motto „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ (Song der Politrock-Band „Ton Steine Scherben“, Musik von Rio Reiser, Text von Norbert Krause)

Es ist bemerkenswert, dass King Schultz und Django immer dann in Gefahr geraten, durchschaut zu werden, wenn sie kurz davor sind, ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken zu können.

Auch wenn es sich bei den aufbegehrenden Sklaven – den Guten – und den sadistischen, rassistischen Sklavenhaltern – den Bösen – um Stereotype handelt, werden die Figuren prägnant charakterisiert. Das gilt vor allem für den rasch lernenden Django (Jamie Foxx), den ebenso scharfsinnigen wie eloquenten Zyniker King Schultz (Christoph Waltz), den Haussklaven Stephen (Samuel L. Jackson), der seinem Besitzer intellektuell überlegen, aber treu ergebenen ist, und den sadistischen Sklavenhalter Calvin J. Candie (Leonardo DiCaprio), der sich für clever hält, aber ohne Stephen verloren wäre, der einen Sklaven nach der Hauptfigur im Roman „Die drei Musketiere“ d’Artagnan nennt, ohne zu wissen, dass der Autor Alexandre Dumas der Ältere der Enkel einer afroamerikanischen Sklavin war. Nur die Frauenfiguren in „Django Unchained“ bleiben vage und farblos.

Die Handlung von „Django Unchained“ ist für fast drei Stunden Film ein bisschen dünn und vorhersehbar. Anders als beispielsweise in „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“ entwickelt Quentin Tarantino sie in „Django Unchained“ linear und unverschachtelt. Nur hin und wieder fügt er eine Rückblende ein. Besonders einfallsreich ist das nicht.

„Django Unchained“ ist eine Hommage an den Italo-Western, eine Western-Groteske mit zahlreichen Anspielungen auf Elemente der Hoch- und Popkultur. Das reicht von deutschen Sagen (Brunhilde) und französischer Literatur („Die drei Musketiere“) bis zur Western-Parodie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971) von Enzo Barboni, auf die sich der Tanz des Pferdes am Ende bezieht.

Komisch sind beispielsweise der auf dem Dach des Pferdewagens an einer Spirale baumelnde Riesenzahn und eine ganze Reihe absurder Situationen, wobei den Dialogen wie immer bei Quentin Tarantino große Bedeutung zukommt.

Hervorzuheben ist die vorzügliche Kameraführung von Robert Richardson, der zwischen Blutorgien grandiose Landschaftsaufnahmen bietet. Als Schultz den letzten der Brittle-Brüder aus dem Sattel schießt, sehen wir, wie ein feiner Blutnebel die weißen Blüten auf einem Baumwollfeld besprüht.

Quentin Tarantino hat in „Django Unchained“ einen Cameo-Auftritt. Einen kurzen Auftritt hat auch Franco Nero, der in dem Italo-Western „Django“ (1966) des Regisseurs Sergio Corbucci die Titelrolle gespielt hatte. Er mimt einen Gast in einem Saloon, der Django nach dem Namen fragt und dem dieser dann erklärt, dass das „D“ nicht mitgesprochen werde.

Originaltitel: Django – Regie: Sergio Corbucci – Drehbuch: Sergio Corbucci, Bruno Corbucci, Franco Rossetti, José Gutiérrez Maesso, Piero Vivarelli – Kamera: Enzo Barboni – Schnitt: Nino Baragli, Sergio Montanari – Musik: Luis Bacalov – Darsteller: Franco Nero, José Bódalo, Loredana Nusciak, Ángel Álvarez u.a. – 1966; 90 Minuten

Mit dem Namen Broomhilda von Shaft spielt Quentin Tarantino nicht nur auf die Edda bzw. das Nibelungenlied an, sondern auch auf den von Richard Roundtree gespielten Blaxploitation-Helden John Shaft und dessen gleichnamigen, von Samuel L. Jackson dargestellten Neffen.

Originaltitel: Shaft – Regie: Gordon Parks – Drehbuch: Ernest Tidyman, John D. F. Black, nach einem Roman von Ernest Tidyman – Kamera: Urs Furrer – Schnitt: Hugh A. Robertson – Musik: Isaac Hayes, J. J. Johnson – Darsteller: Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Cioffi, Christopher St. John, Gwenn Mitchell, Lawrence Pressman, Victor Arnold, Sherri Brewer, Rex Robbins, Camille Yarbrough, Margaret Warncke, Joseph Leon u.a. – 1971; 100 Minuten

Mandingo-Sklavenkämpfe hat es in Wirklichkeit nicht gegeben. Sie sind eine Erfindung des amerikanischen Schriftstellers Kyle Onstott (1887 – 1966), dessen Roman „Mandingo“ (1957) von Norman Wexler (Drehbuch) und Richard Fleischer (Regie) verfilmt wurde. Zuvor hatte bereits der deutsche Schriftsteller, Filmemacher, Kabarettist und Globetrotter Hanns Heinz Ewers (1871 – 1943) in seiner Novelle „Die Tomatensauce“ (1905) ähnliche (ebenfalls fiktive) Schaukämpfe in Andalusien beschrieben.

Originaltitel: Mandingo – Regie: Richard Fleischer – Drehbuch: Norman Wexler, nach einem Bühnenstück von Jack Kirkland bzw. einem Roman von Kyle Onstott – Kamera: Richard H. Kline – Schnitt: Frank Bracht – Musik: Maurice Jarre – Darsteller: James Mason, Susan George, Perry King, Richard Ward, Brenda Sykes, Ken Norton, Lillian Hayman, Roy Poole, Ji-Tu Cumbuka, Paul Benedict, Ben Masters, Ray Spruell u.a. – 1975; 125 Minuten

„Django Unchained“ spielt 1858/59. Mehrmals kommt Dynamit zum Einsatz, aber der Sprengstoff wurde erst 1866 von Alfred Nobel erfunden. Lara Lee Candie-Fitzwilly spielt „Für Elise“ auf der Harfe. Das Klavierstück hatte Ludwig van Beethoven zwar 1810 komponiert, aber es blieb unbekannt, bis es 1867 im Nachlass des Komponisten gefunden wurde. Calvin J. Candie besitzt eine Nachbildung der Büste der Nofretete. Diese wurde allerdings erst am 6. Dezember 1912 bei Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft unter Leitung von Ludwig Borchardt in Tell el-Amarna entdeckt.

Die Dreharbeiten für „Django Unchained“ fanden vom 6. Februar bis 25. Juli 2012 statt. Drehorte: Evergreen Plantation in Louisiana, Second Line Stages in New Orleans, Alabama Hills, Kalifornien (Ahmanson Ranch in West Hills bei Los Angeles, Melody Ranch in Newhall, Santa Clarita, Independence, Lone Pine).

Sally Menke, die Quentin Tarantinos frühere Filme geschnitten hatte, war am 27. September 2010 im Alter von 56 Jahren gestorben. „Django Unchained“ wurde von Fred Raskin (* 1973) geschnitten.

Folgende Musikstücke wurden für „Django Unchained“ komponiert:
„Freedom“ von Anthony Hamilton und Elayna Boynton ,“100 Black Coffins“ von Rick Ross, „Ancora qui“ von Elisa Toffoli und Ennio Morricone, „Who Did That to You?“ von John Legend, „Ode to Django“ von Robert Diggs

Folgende Musikstücke wurden aus anderen Filmen übernommen:
„Django“ von Luis Bacalov und Rocky Roberts, „Town of Silence“ von Luis Bacalov, „La corsa“ von Luis Bacalov, „Blue Dark Waltz“ von Luis Bacalov aus „Django“;
„Minacciosamente Lontano“ von Ennio Morricone, „Un monumento“ von Ennio Morricone, „Dopo la Congiura“ von Ennio Morricone aus „Die Grausamen“;
„The Braying Mule“ von Ennio Morricone, „Sister Sara’s Theme“ von Ennio Morricone aus „Ein Fressen für die Geier“;
„Rito Finale“ von Ennio Morricone, „Norme con Ironie“ von Ennio Morricone aus „Brutale Stadt“;
„The Big Risk“ von Ennio Morricone aus „Das Wespennest“;
„I giorni dell’ira“ von Riz Ortolani in „Der Tod ritt dienstags“;
„Trinità“ von Franco Micalizzi aus „Die rechte und die linke Hand des Teufels“;
„Nicaragua“ von Jerry Goldsmith aus „Under Fire“;
„Lo chiamavano King“ von Luis Bacalov und Edda Dell’Orso aus „Lo chiamavano King“

Weitere Musikstücke in „Django Unchained“:
„Für Elise“ von Ludwig van Beethoven, „Dies irae“ aus dem Requiem von Giuseppe Verdi, „Unchained“ von James Brown und Tupac Shakur, „Ain’t No Grave“ von Johnny Cash, „I Got a Name“ von Jim Croce, „Too Old to Die Young“ von Brother Dege, „Freedom“ von Richie Havens, „Tracker’s Chant“ von Ted Neeley und Bruce Landon Yauger

Deutsche Synchronstimmen in „Django Unchained“: Charles Rettinghaus (Django), Christoph Waltz (Dr. King Schultz), Gerrit Schmidt-Foß (Calvin J. Candie), Engelbert von Nordhausen (Stephen), Sanam Afrashteh (Broomhilda von Shaft), Till Hagen (Leonide Moguy), Reent Reins („Big Daddy“ Spencer Bennett) u. a.

Christoph Waltz (* 1956), der bereits für seine schauspielerische Leistung in „Inglourious Basterds“ mit einem „Oscar“ ausgezeichnet worden war, erhielt für seine Rolle in „Django Unchained“ einen zweiten. Auch fürs Drehbuch von „Django Unchained“ gab es einen „Oscar“.

Fazit: Viele gute Szenen, durchaus unterhaltsam, aber „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“ finde ich besser.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

Quentin Tarantino: Reservoir Dogs. Wilde Hunde
Quentin Tarantino: Pulp Fiction
Quentin Tarantino: Jackie Brown
Quentin Tarantino: Kill Bill Vol. 1
Quentin Tarantino: Kill Bill Vol. 2
Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino: Sin City
Quentin Tarantino: Death Proof. Todsicher
Quentin Tarantino: Inglourious Basterds
Quentin Tarantino: The Hateful 8

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