Dancer in the Dark

Dancer in the Dark

Dancer in the Dark

Dancer in the Dark - Originaltitel: Dancer in the Dark - Regie: Lars von Trier - Drehbuch: Lars von Trier - Kamera: Robby Müller - Schnitt: François Gédigier und Molly Marlene Stensgård - Musik: Björk - Choreografie: Vincent Paterson - Darsteller: Björk Gudmundsdottir, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare, Jean-Marc Barr, Udo Kier, Stellan Skarsgård, Joel Grey, Cara Seymour, Vladica Kostic, Siobilan Fallon, Katherine Falkenberg, Jens Albinus, Reathel Bean, John Randolph Jones u.a. - 2000; 135 Minuten

Inhaltsangabe

Eine allein erziehende Immigrantin lebt nur dafür, das Geld für die Operation ihres erbkranken Kindes zu verdienen. Ausgerechnet ein feiger Gesetzeshüter stiehlt ihr die Ersparnisse und zwingt sie dazu, ihn zu töten. In einem Indizienprozess wird sie wegen Raubmordes zum Tod verurteilt und gehängt.
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Kritik

In "Dancer in the Dark" gibt Lars von Trier der leidvollen Alltagswelt mit kargen, verwackelten Handkamera-Bildern Authentizität. Aber wenn Selma sich in Tageträume flüchtet, bilden bunte Musical-Szenen einen Kontrast zu der düsteren Realität.
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Die Tschechin Selma Jezkova (Björk) emigriert in den Sechzigerjahren mit ihrem zehnjährigen Sohn Gene (Vladica Kostic) in die USA. Eine Erbkrankheit lässt die allein erziehende Mutter allmählich erblinden, aber sie täuscht den Augenarzt, indem sie die Buchstaben auf der Tafel auswendig lernt, damit sie weiter an der Stanzpresse in der Wannenfabrik arbeiten kann, denn sie braucht das Geld: Sie spart es, um für Gene eine Operation bezahlen zu können, durch die sein Augenlicht gerettet werden kann. Obwohl sie fast erblindet ist, übernimmt sie zusätzliche Nachtschichten und Heimarbeiten, denn die Operation ist teuer. Gene (!) ahnt nichts von seinen defekten Genen und weiß auch nicht, dass Selma eigens mit ihm in die USA auswanderte, weil nur dort die Möglichkeit einer Heilung für ihn besteht.

Die Arbeiterin Kathy (Catherine Deneuve) merkt, dass Selmas Behauptung, sie könne die Arbeit auch blind verrichten, mehr als eine Redensart ist. Sie hilft ihr, damit sie nicht noch einmal aus Versehen zwei Werkstücke in die Presse einlegt und die Maschine beschädigt.

Am Werkstor wartet jeden Tag Jeff (Peter Stormare) auf Selma. Der schüchterne Mann liebt sie und bietet ihr immer wieder an, sie nach Hause zu fahren, aber sie will nicht, dass er sich an sie bindet, denn sie rechnet damit, in Kürze völlig blind zu sein. Sie lebt nur dafür, das Geld für die Operation ihres Sohnes zu verdienen, das sie in einer Keksdose zu Hause versteckt.

Selma und Gene hausen in einem gemieteten Wohnwagen, der auf dem Grundstück von Bill und Linda Houston (David Morse, Cara Seymour) abgestellt ist. Um möglichst viel von dem verdienten Geld zu sparen, erlaubt Selma sich keinerlei Luxus und kauft ihrem Sohn auch nichts zum Geburtstag. Es ist ihr peinlich, dass Bill ihm ein gebrauchtes Fahrrad schenkt. Aber der Polizist hat eine Erbschaft gemacht und prahlt mit seinem Vermögen.

Eines Abends kommt Bill niedergeschlagen zu Selma in den Wohnwagen und gesteht ihr, dass sein ganzes Geld längst aufgebraucht ist. Linda ahnt nichts davon und kauft weiterhin in großem Stil ein. Es ist damit zu rechnen, dass die Bank sein Haus pfändet, und dann – so befürchtet er – wird er auch Linda verlieren. Um den Weinenden zu trösten, verrät Selma ihm ihr Geheimnis.

Ein paar Tage später fährt Bill sie im Streifenwagen von der Fabrik nach Hause und fragt, ob sie ihm ihr Geld für einen Monat leiht. Selma weist ihn ebenso freundlich wie bestimmt darauf hin, dass sie das Geld für ihren Sohn gespart hat. Bill wiegelt ab: „Ich hätte nicht fragen sollen.“ Er begleitet sie in den Wohnwagen, verabschiedet sich und tut so, als ginge er. Aber er schließt die Tür von innen und bleibt stehen, um zu beobachten, wo sie ihren Lohn versteckt. Erst dann schleicht er sich davon.

Ein bisschen Glück empfindet Selma nur, wenn sie mit ihrer mütterlichen Freundin Kathy ins Kino geht und sich von ihr erzählen lässt, was in dem Tanzfilm zu sehen ist. Auch die Proben für die geplante Musical-Aufführung eines Amateurtheaters bedeuten ihr viel. „In einem Musical geschieht niemals etwas Schlimmes“, erklärt sie Kathy. Während der Fabrikarbeit helfen ihr die Melodien über die Monotonie hinweg. Aber nach einiger Zeit hat ihre Sehkraft so nachgelassen, dass sie sich auf der Bühne nicht mehr zurechtfindet und ihre Rolle einer anderen Darstellerin überlässt.

Obwohl Kathy bei der Arbeit hilft, wo sie kann, wird der Vorgesetzte Norman von der Werksleitung angewiesen, Selma zu entlassen. Sie hat inzwischen 2026 Dollar gespart, nicht ganz den Betrag, den der Arzt für die Operation verlangt, aber sie ist zuversichtlich, dass er mit sich reden lässt.

Doch als sie ihren letzten Lohn in die Blechbüchse legen will, merkt sie, dass sie leer ist. Bill! Sie geht hinüber zum Haus. Linda will sie nicht hereinlassen. Sie ist aufgebracht und verlangt, dass Selma wegzieht, denn sie hat Bill ertappt, wie er aus dem Wohnwagen kam. Er habe ihr gestanden, dass Selma ihn verführen wollte. Selma lässt sich nicht abweisen, geht ins Obergeschoss zu Bill und nimmt ihm das Geldbündel ab, das er bei sich hat. Als sie sich der Treppe nähert, zieht Bill seinen Dienstrevolver. Erst als er sie den Lauf anfassen lässt, glaubt sie, dass er sie mit einer Waffe bedroht. Er ruft nach Linda und behauptet, Selma wolle ihm sein Geld rauben. Linda soll Handschellen aus dem Streifenwagen holen. Während sie fort ist, kommt es zum Handgemenge zwischen Bill und Selma. Ein Schuss löst sich und verletzt Bill. Linda kommt mit den Handschellen und sieht ihren am Boden liegenden Mann. Er schickt sie zur benachbarten Farm, um Hilfe zu holen. Inzwischen fordert er Selma auf, ihn zu erschießen. Aber sie will nur ihr Geld zurück. Um sie zu zwingen, hält er das Geldbündel fest in der Hand. Beim Versuch, es ihm zu entwinden, löst sich ein weiterer Schuss. Bill stöhnt vor Schmerzen und verlangt immer wieder, erschossen zu werden. Da drückt Selma auf ihn ab, bis das Magazin leer ist. Das Geld bringt sie dem Arzt, der ihren Sohn operieren soll.

Für den Staatsanwalt ist der Fall aufgrund der Aussage von Linda klar: Selma verging sich an zwei Menschen, die gut zu ihr waren, sie auf ihrem Grundstück wohnen ließen und ihrem Sohn ein Fahrrad zum Geburtstag schenkten. Sie machte sich an Bill heran, weil sie es auf sein Geld abgesehen hatte. Wegen Raubmordes wird Selma zum Tod durch Erhängen verurteilt.

Kathy engagiert einen anderen Rechtsanwalt, der bereit ist, eine Revision zu versuchen. Und sie überredet Selma, einen Vollstreckungsaufschub zu beantragen. Der wird ihr gewährt. Der Anwalt prahlt damit, viel besser als der Pflichtverteidiger zu sein und auch mehr Geld zu bekommen. Kathy habe ihm 2026 Dollar bezahlt. Selma ist entsetzt: Kathy hat offenbar den für die Operation bestimmten Betrag von dem Arzt zurückgefordert, um Selmas neuen Verteidiger bezahlen zu können. Auf keinen Fall will Selma, dass Genes Operation verschoben wird. Sie verlangt die Annullierung des Vollstreckungsaufschubs und die Rückgabe des Geldes an den Arzt.

Panisch vor Angst geht sie am Tag der Hinrichtung zum Galgen. Im letzten Augenblick drückt Kathy ihr Genes Brille in die Hand: Der Junge wurde erfolgreich operiert.

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Eine allein erziehende Immigrantin lebt nur dafür, das Geld für die Operation ihres erbkranken Kindes zu verdienen. Ausgerechnet ein feiger Gesetzeshüter stiehlt ihr die Ersparnisse und zwingt sie dazu, ihn zu töten. In einem Indizienprozess wird sie wegen Raubmordes zum Tod verurteilt und gehängt.

Dem Bild einer emanzipierten Frau entspricht das nicht, eher schon einem altertümlichen Opfermythos.

Der leidvollen Alltagswelt gibt Lars von Trier mit kargen, verwackelten Handkamera-Bildern Authentizität. Aber wenn aus dem monotonen Klacken und Zischen der Maschinen in Selmas Kopf Rhythmus und Musik werden, sie der grausamen Wirklichkeit entflieht und bunte Musical-Szenen träumt, wechselt er den Stil. Bei der Inszenierung der sieben Einlagen setzt er weniger auf die Choreografie der Tanzenden als auf filmische Mittel: Erst durch den Schnitt der angeblich mit 100 Videokameras aufgenommenen Tanzszenen und den ständigen Wechsel der Perspektiven entsteht die Komposition.

Die 35-jährige isländische Popdiva Björk (eigentlich: Björk Gudmundsdottir) schrieb die Musik. Da die ehrgeizige Exzentrikerin während der dreimonatigen Dreharbeiten auf ihrem Mitspracherecht bei den musikalischen Sequenzen bestand und oft anderer Meinung als Lars von Trier war, drohte das Projekt zu scheitern. Der Regisseur soll Monitore auf den Boden geworfen haben, Björk zerfetzte angeblich ihr Kostüm und rannte mehrmals vom Set in Kopenhagen. „Keiner von uns hätte das auf sich genommen, wenn wir es vorher gewusst hätten“, stöhnte Lars von Trier. „Und wir würden es ganz sicher nicht wieder tun.“

Björk übernahm auch die Hauptrolle, und erwies sich – abgesehen von den Auseinandersetzungen auf dem Set – als Idealbesetzung: Sie spielte den Opfergang dieser engelsgleichen Frau mit außergewöhnlicher Intensität. Anschließend versicherte sie allerdings, „Dancer in the Dark“ bleibe ihr einziger Film.

Beim Filmfestival in Cannes 2000 wurde Björk Gudmundsdottir als beste Schauspielerin ausgezeichnet, und für den Film „Dancer in the Dark“ gab es eine „Goldene Palme“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

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