Dogma 95


Lars von Trier und einige andere Filmemacher beschlossen Anfang 1995 in Kopenhagen, „bestimmten Tendenzen“ im modernen Kino entgegenzuwirken, die von illusionistischen Hollywoodfilmen geprägten Sehgewohnheiten zu unterlaufen und dem Kino die verlorene Unschuld zurückgeben. Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Kinofilms im Odéon-Théâtre de l’Europe am 20. März 1995 in Paris verteilten sie ihr Manifest. „DOGME 95 is a rescue action!“, heißt es darin.

Dem puristischen „Dogma“ zufolge verzichten die Filmemacher auf Sets und aufwändige Technik, Requisiten und Kostüme; sie beschränken sich auf vorhandenes Licht und drehen mit Handkameras ohne Stativ in Farbe, ohne Verlaufsfilter und andere Manipulationsmittel. Hintergrundmusik ist nicht erlaubt: Der Ton darf nur zusammen mit dem Bild entstehen. Die Handlung spielt ausschließlich im Hier und Jetzt – und entspricht damit der von Aristoteles für das Theater geforderten Einheit von Ort und Zeit. Action ist verpönt.

Die ersten nach dem „Dogma 95“ entstandenen Filme präsentierten Thomas Vinterberg und Lars von Trier 1998 auf den Filmfestspielen in Cannes („Das Fest“, „Die Idioten“).

Weitere „Dogma“-Regisseure: Søren Kragh-Jacobsen, Kristian Levring, Jean-Marc Barr, Harmony Korine, Daniel H. Byun, Jose Luis Marques, Vladan Zdravkovic, Rick Schmidt, Maya Berthoud, Morgan Schmidt-Feng, Dave Nold, Lawrence E. Pado, Marlon Schmidt, Chris Tow, Antonio Domenici, Lone Scherfig, James Merendino, Martin Rengel, Rich Martini, Shaun Monson, Leif Tilden, Åke Sandgren, Mona J. Hoel, Vincent Lannoo, Ole Christian Madsen, Juan Pinzás, Vladimir Gyorski, Andrew Gillis, Michael Sorenson, Alex McAulay, Susanne Bier, Matthew Biancniello.

Insgesamt fünfunddreißig Filme erhielten das Dogma-95-Zertifikat – bis sich die Gruppe am 20. März 2005 auflöste.

© Dieter Wunderlich 2003/2005

Dogma-Filme:

Thomas Vinterberg: Zwei Helden (1996; nicht zertifiziert)
Lars von Trier: Breaking the Waves (1996; nicht zertifiziert)
Thomas Vinterberg: Das Fest (1998)
Søren Kragh-Jacobsen: Mifune (1999)
Ole Christian Madsen: Kira (2001)
Susanne Bier: Open Hearts. Für immer und ewig (2002)

Susanne Bier (kurze Biografie, Filmografie)
Lars von Trier (kurze Biografie, Filmografie)

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Obwohl er selbst im Ghetto von Lodz aufwuchs und seine Mutter von den Nationalsozialisten ermordet wurde, gelingt es Jurek Becker, in "Jakob der Lügner" ohne pathetische Anklagen, aber mit viel Humor vom Leben unter der nationalsozialistischen Willkür zu erzählen.
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