Lars von Trier


Lars von Trier (eigentlich: Lars Trier) wurde am 30. April 1956 in Kopenhagen als zweiter Sohn von Inger Høst (1915 –1989) und Ulf Trier (1907 – 1978) geboren. Das dänische Paar hatte sich während des Zweiten Weltkriegs in der dänischen Widerstandsbewegung kennengelernt.

Weil Lars von Trier bereits als Kind unter Phobien und Depressionen litt, wurde er psychiatrisch behandelt. 1969 spielte er eine der beiden Hauptrollen in der dänisch-schwedischen Kinderfernsehserie „Hemmelig sommer“. Zu diesem Zeitpunkt drehte er schon selbst mit Freunden zusammen Animationsfilme auf Super-8. Vorbild könnte dabei sein als Filmregisseur tätiger Onkel Børge Høst (* 1926) gewesen sein.

1976, nach dem extern abgelegten Abitur, begann Lars von Trier an der Universität Kopenhagen Filmwissenschaften zu studieren, und von 1979 bis 1983 absolvierte er die Dänische Filmhochschule (Fachrichtung: Regie). Noch als Student erhielt Lars von Trier 1980 für seinen Kurzfilm „Nocturne“ beim Festival der Filmhochschulen in München den ersten Preis. Und zwei Jahre später wurde „Befrielsesbilleder“, seine 55 Minuten lange Abschlussarbeit an der Dänischen Filmhochschule, auf dem Münchner Filmfest als bester Film des Jahres ausgezeichnet.

1984 debütierte Lars von Trier mit seinem ersten Kinofilm: „The Element of Crime“. Mit diesem ersten Teil seiner „Europatrilogie“ („The Element of Crime“, „Epidemic“, „Europa“) gewann er bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Großen Technik-Preis (Prix Vulcain de l’artiste technicien) und wurde international bekannt.

Erst kurz vor ihrem Tod klärte Inger Høst ihren inzwischen 33 Jahre alten Sohn darüber auf, dass Ulf Trier nicht sein leiblicher Vater war. Später behauptete Lars von Trier, er habe sich bis dahin als Jude verstanden. Tatsächlich wurde er jedoch nicht von einem Juden gezeugt, sondern von Fritz Michael Hartmann (1909 – 2000), dem damaligen Vorgesetzten Inger Høsts im Sozialministerium in Kopenhagen. Der dänische Komponist Johann Peter Emilius Hartmann (1805 – 1900) war einer seiner Vorfahren.

Mit dem gleichaltrigen Filmproduzenten Peter Aalbæk Jensen zusammen gründete Lars von Trier 1992 das erfolgreiche dänische Unternehmen Zentropa für Kino- und Fernsehproduktionen.

Lars von Trier und einige andere Filmemacher beschlossen Anfang 1995 in Kopenhagen, „bestimmten Tendenzen“ im modernen Kino entgegenzuwirken, die von illusionistischen Hollywoodfilmen geprägten Sehgewohnheiten zu unterlaufen und dem Kino die verlorene Unschuld zurückgeben. Anlässlich der 100-Jahr-Feier des Kinofilms im Odéon-Théâtre de l’Europe am 20. März 1995 in Paris verteilten sie ihr Manifest. „DOGME 95 is a rescue action!“, heißt es darin. Dem puristischen „Dogma“ zufolge verzichteten die Filmemacher auf Sets und aufwändige Technik, Requisiten und Kostüme; sie beschränkten sich auf vorhandenes Licht und drehen mit Handkameras ohne Stativ in Farbe, ohne Verlaufsfilter und andere Manipulationsmittel. Hintergrundmusik war nicht erlaubt: Der Ton durfte nur zusammen mit dem Bild entstehen. Die Handlung spielte ausschließlich im Hier und Jetzt – und entsprach damit der von Aristoteles für das Theater geforderten Einheit von Ort und Zeit. Die ersten nach dem „Dogma 95“ entstandenen Filme präsentierten Thomas Vinterberg und Lars von Trier 1998 auf den Filmfestspielen in Cannes („Das Fest“, „Die Idioten“).

Während Lars von Triers erste Ehefrau, die drei Jahre ältere dänische Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Cæcilia Holbeksie, 1996 mit ihrer zweiten Tochter schwanger war, begann Lars von Trier eine neue Liebesbeziehung mit Bente Frøge, einer ebenfalls verheirateten Erzieherin in der von seiner ersten Tochter besuchten Kindertagesstätte. Nach den Scheidungen der beiden Ehen heirateten Lars von Trier und Bente Frøge 1997. Sie bekamen Zwillinge.

Bei der Inszenierung von „Dogville“ und „Manderlay“ ließ sich Lars von Trier vom epischen Theater inspirieren und verzichtete beispielsweise radikal auf Kulissen. Die Häuser, in denen die Handlung von „Dogville“ spielt, sind lediglich als Grundrisse auf den Hallenboden gezeichnet. Dadurch verhindert Lars von Trier bewusst die Illusion und erzeugt emotionale Distanz.

Spätestens seit „Antichrist“ gilt Lars von Trier als Skandalfilm-Regisseur. Dieses Image festigte er mit „Nymph()maniac“, dem Abschluss seiner „Trilogie der Depression“ („Antichrist“, „Melancholia“, „Nymph()maniac“).

Während einer Pressekonferenz bei den 64. Internationalen Filmfestspielen in Cannes im Mai 2011 äußerte Lars von Trier Sympathie für Adolf Hitler und löste damit einen Eklat aus. Die gegen ihn deshalb erhobene Anklage wurde im Dezember 2011 allerdings von der französischen Staatsanwaltschaft fallengelassen.

I understand Hitler. I think he did some wrong things but I can see him sitting in his bunker. I’m saying that I think I understand the man. He is not what we could call a good guy, but yeah, I understand much about him and I sympathize with him … But come on! I’m not for the Second World War. And I’m not against Jews. No, not even Susanne Bier. I am very much for them. As much as Israelis are a pain in the ass. How do I get out of this sentence? Okay, I am a Nazi. As for the art, I’m for Speer. Albert Speer I liked. He was also one of God’s best children. He has a talent that … Okay, enough. […] We Nazis like to do things on a big scale. Maybe I could do the Final Solution. (Lars von Trier in Cannes, Mai 2011; Quelle: www.vulture.com).

Depressionen haben Lars von Trier auch als Erwachsenen nicht losgelassen. Nach eigenem Eingeständnis wurde er dadurch auch alkoholkrank und tablettensüchtig.

Lars von Trier wurde mehrmals ausgezeichnet, u. a. 2000 mit einer „Goldenen Palme“ für „Dancer in the Dark“. Für den Song „I’ve Seen It All“ aus „Dancer in the Dark“ erhielt er gemeinsam mit Björk (Björk Guðmundsdóttir) und Sjón (Sigurjón Birgir Sigurðsson) eine „Oscar“-Nominierung.

Lars von Trier: Filmografie (Auswahl)

Literatur über Lars von Trier:

  • Stig Björkman, Lars von Trier: Trier über von Trier. Gespräche mit Stig Björkman (Frankfurt/M 2001)
  • Antje Flemming: Lars von Trier. Goldene Herzen, geschundene Körper (Berlin 2010)
  • Achim Forst: Breaking the Dreams. Das Kino des Lars von Trier (Marburg 1998)
  • Jana Hallberg, Alexander Wewerka (Hg.): Dogma 95. Zwischen Kontrolle und Chaos (Redaktion: Karin Meßlinger; Berlin 2001).
  • Björn Hayer: Lars von Triers Antichrist. Eine Analyse (Hamburg 2012)
  • Andreas Jacke: Krisen-Rezeption oder was Sie schon immer über Lars von Trier wissen wollten, aber bisher Jacques Derrida nicht zu fragen wagten (Würzburg 2014)
  • Lothar van Laak: Medien und Medialität des Epischen in Literatur und Film des 20. Jahrhunderts. Bertolt Brecht, Uwe Johnson, Lars von Trier (Paderborn / München 2009)
  • Charles Martig: Kino der Irritation. Lars von Triers theologische und ästhetische Herausforderung (Marburg 2008)
  • Marion Müller: Vexierbilder. Die Filmwelten des Lars von Trier (St. Augustin 2002)
  • Leo Stühl: Die Kunst im Horrorgenre: Gewaltexzesse und Pornografie in Lars von Triers Antichrist (Hamburg 2013)
  • Georg Tiefenbach: Drama und Regie. Lars von Triers Breaking the Waves, Dancer in the Dark, Dogville (Würzburg 2010)

© Dieter Wunderlich 2014 / 2015

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