Aufklärung

Die Vorstellung von der göttlichen Schöpfungsordnung wurde im 17. Jahrhundert beiseite geschoben und durch ein mechanistisches Weltbild ersetzt. Der Kosmos wurde als Riesenmaschine aufgefasst, deren Räderwerk ewigen Gesetzen folgt, die der Mensch mit Hilfe seiner Vernunft erfassen kann.

René Descartes (1596 – 1650) machte den Anfang. Der französische Philosoph und Mathematiker zeigte sich überzeugt davon, dass der Mensch allein durch Nachdenken und unabhängig von konkreten Erfahrungen die absolut gültigen Naturgesetze zu erkennen vermag. Weil er nur sicheres Wissen akzeptieren wollte, bezweifelte er zunächst einmal alles. Auf diese Weise kam er zu seinem berühmten Ausgangspunkt: „Cogito ergo sum“ (Ich denke, deshalb bin ich). Damit begründete er die Aufklärung und zugleich den Rationalismus.

Der Universalienstreit lebte wieder auf. Nur sprach man jetzt nicht mehr von Realisten und Nominalisten, sondern von Rationalisten und Empiristen.

Die Empiristen verabsolutierten die Bedeutung der Erfahrungen und bezweifelten, ob es überhaupt Naturgesetze bzw. absolut gültige Normen gibt. Der Londoner Philosoph und Kronanwalt Francis Bacon (1561 – 1626) erklärte: „Wissen ist Macht“. Das Forschen habe nur dann einen Sinn, wenn es dazu führe, die Natur zu beherrschen.

Der englische Astronom, Physiker und Mathematiker Isaac Newton (1643 – 1727) begründete die klassische Physik und verhalf den exakten Naturwissenschaften zum Durchbruch. Von konkreten Einzelfällen ausgehend, erarbeitete Newton eine geschlossene und mathematisch exakt formulierte Theorie der Mechanik, aus der durch logische Schlüsse Einzelfälle abgeleitet werden konnten, die sich empirisch überprüfen liessen. Was sich nicht im Experiment untersuchen und wiederholen ließ, was nicht exakt gemessen werden konnte und sich der mathematischen Darstellung entzog, verbannte er aus den Naturwissenschaften. Im Zentrum der Newtonschen Mechanik steht das allgemeine Gravitationsgesetz. Es besagt, dass jeder Körper von jedem anderen angezogen wird, und zwar um so stärker, je größer die Masse der Körper bzw. je kleiner die Entfernung zwischen ihnen ist. Mit dieser Kraft erklärte Newton sowohl Galileos Fallgesetze als auch Keplers Gesetze über die Bewegung der Planeten um die Sonne.

Der niederländische Philosoph Benedictus Spinoza (1632 – 1677) sah in Gott nicht mehr die über der Schöpfung thronende Person, sondern er nahm an, dass Gott und die Natur dasselbe sind.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) beschrieb die Welt – die er bekanntlich für „die beste aller nur möglichen“ hielt – als hierarchisch abgestuften Kosmos unendlich vieler „Monaden“ von der anorganischen Materie über den menschlichen Geist bis hin zu Gott. Keine Monade wirkt auf eine andere ein, und dennoch entsteht der Eindruck universaler Wechselwirkungen, weil der Demiurg die Abläufe innerhalb der einzelnen Monaden von Anfang an aufeinander abgestimmt hat.

Voltaire (1694 – 1778) trug durch seine geistvollen Kritiken und seinen unermüdlichen Kampf gegen Fanatismus und Intoleranz wesentlich zur Aufklärung bei („Candide“). Er entwarf das Bild einer eschatologischen Geschichte der Menschheit, die auf dem Weg zu einem immer klarer werdenden Erkennen der Welt voranschreitet. Der Mensch urteilt mit seiner Vernunft nicht nur über die Methoden und Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschungen, sondern entscheidet damit auch über die Normen ethischen, sozialen und politischen Handelns. Wenn nur möglichst viele Menschen durch das Bildungswesen ermutigt werden, ihren Verstand kritisch zu gebrauchen, muss dies zu einer besseren Gesellschaft führen.

Friedrich der Große, der von dem französischen Philosophen tief beeindruckt war, suchte das Gespräch mit ihm und stellte ihm 1750 bis 1753 ein Zimmer in Sanssouci zur Verfügung. Der preußische König, der sich auch als „Philosoph von Sanssouci“ fühlte, gab das Vorbild des aufgeklärten absolutistischen Herrschers: Er fühlte sich verpflichtet, für das Wohl seiner Untertanen zu sorgen, bezeichnete sich als „erster Diener des Staates“ und befürwortete die Aufklärung, die seiner Meinung nach „die Fackel der Wahrheit in die Finsternisse der Metaphysik“ trug . Aber auf den Gedanken, dem Volk irgendeinen Einfluss auf die Regierung zu gewähren, kam er nicht. Er entschied „alles für das Volk, nichts durch das Volk“.

Die Kluft zwischen dem Rationalismus und dem Empirismus überbrückte schließlich Immanuel Kant (1724 – 1804): Von einem in seinem eigentlichen Sein nicht erkennbaren „Ding an sich“ strömt etwas Undefinierbares aus. Einen Teil davon können wir wahrnehmen – allerdings nur in vorgegebenen Anschauungs- und Denkformen. Kant ging also davon aus, dass alles Erkennen aus zwei Quellen gespeist wird: die Inhalte werden sukzessiv von außen gewonnen, die Formen aber, in denen diese Erfahrungen bewusst werden, stammen aus dem überindividuellen menschlichen Geist. Raum und Zeit nannte Kant als Beispiele solcher Formen.

Literatur über die Aufklärung

  • Philip Blom: Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, d’Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie. Übersetzung: Michael Bischoff. Eichborn Verlag, Frankfurt/M 2005, 467 Seiten, 30 € (D)

© Dieter Wunderlich 2004

Kurzbiografien:
Isaac Newton
Gottfried Wilhelm Leibniz
Immanuel Kant

Umberto Eco - Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana
Der "illustrierte Roman", den Umberto Eco nach einem billigen Comic-Heft "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" betitelt hat, beeindruckt nicht durch seinen formalen Aufbau, sondern nur durch die großenteils durchaus witzige Auswahl und Zusammenstellung der trivialen Elemente.
Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

Umberto Eco

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