Erster Weltkrieg:Reaktionen auf den Kriegsausbruch


Die Kriegsfreiwilligen standen im August 1914 vor den deutschen Meldebehörden Schlange; begeistert zogen die Soldaten in den Krieg und wurden dabei von der Bevölkerung umjubelt. Eine Woge nationaler Solidarität ging quer durch alle sozialen Schichten und politischen Gruppierungen. Kaiser Wilhelm II. rief am 4. August vor dem Reichstag: „Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den uns Gott gestellt hat […] Ich kenne keine Parteien mehr; ich kenne nur noch Deutsche!“

Tatsächlich blieb der befürchtete Zusammenstoß mit den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften aus.

Allerdings argumentierten die Sozialdemokraten bis zuletzt gegen den Krieg; noch am 25. Juli waren viele Tausende überall in Deutschland einem Aufruf des SPD-Parteivorstandes gefolgt und hatten gegen den drohenden Krieg demonstriert.

Am 31. Juli reiste Hermann Müller (1876 – 1931), ein Sekretär des SPD-Parteivorstandes, nach Paris, um mit französischen Sozialisten gemeinsame Maßnahmen gegen den Krieg abzusprechen – wie es 1907 auf dem Stuttgarter Kongress der Zweiten Internationale beschlossen worden war. Obwohl am selben Tag der pazifistische französische Sozialistenführer Jean-Jacques Jaurds (1859 – 1914) von dem radikalen Nationalisten Raoul Villain ermordet wurde, ließen sich die französischen Sozialisten nicht davon abbringen, im Kriegsfall ihrem Vaterland beizustehen („union sacrée“).

Die deutschen Sozialdemokraten waren aus den 13. Reichstagswahlen am 12. Januar 1912 als weitaus stärkste Fraktion hervorgegangen: knapp 35 Prozent der abgegebenen Stimmen und 28 Prozent der Reichstagsmandate hatten sie erhalten.

Die SPD nahm damit eine Schlüsselposition ein; ohne ihre Zustimmung wäre das Deutsche Reich schwerlich in der Lage gewesen, Krieg zu führen. Aber dem Parteivorsitzenden Friedrich Ebert gelang es, seine Genossen davon zu überzeugen, dass sich das Deutsche Reich gegen die erdrückende Übermacht der Feinde im letzten Augenblick zur Wehr setzen müsse: „In der Stunde der Not lassen wir unser Vaterland nicht im Stich.“ Am 4. August stimmte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion geschlossen für die Bewilligung der beantragten Kriegskredite. Eine von Karl Liebknecht (1871 – 1919) und Rosa Luxemburg (1870 – 1919) geführte Minderheit in der SPD opponierte gegen diesen „Burgfrieden“, diffamierte Andersdenkende als „kaiserliche Sozialisten“ und spaltete sich schließlich von den (Mehrheits-) Sozialisten ab (Gruppe Internationale, Spartakusbund, Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands).

Fortsetzung

© Dieter Wunderlich 2006

Erster Weltkrieg: Inhaltsverzeichnis

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In dem tragikomischen Roman mit dem ironischen Titel "Legende vom Glück ohne Ende" nimmt Ulrich Plenzdorf Prüderie und Spießertum ebenso aufs Korn wie die Ein­schrän­kung individueller Freiheit durch den Staat. Das Wort überlässt er einer Nachbarin, die alles beobachtet und in ihrer schlichten Sprache wider­gibt.
Legende vom Glück ohne Ende

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