Lewis Carroll : Alice im Wunderland

Alice im Wunderland
Originalausgabe: 1865 Alice's Adventures in Wonderland Alice im Wunderland Deutsche Erstausgabe: 1869 Übersetzung: A. Zimmermann Neuübersetzung: Christian Enzensberger Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 2010 ISBN: 978-3-458-35315-7 Neuübersetzung und Nachwort: Barbara Teutsch Illustrationen: Wiebke Rauers Dressler Verlag, Hamburg 2017 ISBN 978-3-7915-0017-1, 141 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Alice ist ein etwa zehnjähriges Mädchen, das sich über ein sprechendes weißes Kaninchen wundert, das auch noch eine Uhr bei sich hat. Neugierig folgt sie dem Tier in dessen Bau und gerät in ein unterirdisches Wunderland. Einmal wächst Alice bis weit über die Baumkronen hinaus. Auf die Größe eines Pilzes geschrumpft, erlebt Alice mit Fabeltieren und Spielkarten ein Abenteuer nach dem anderen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
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Kritik

Als der Mathematiker Charles Lutwidge Dodgson den kleinen Töchtern seines Dekans eine kuriose Geschichte über die Abenteuer eines Mädchens erzählt hatte, wurde er aufgefordert, sie aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Er wählte dafür das Pseudonym "Lewis Carroll" und den Titel "Alice's Adventures in Wonderland" ("Alice im Wunderland").
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An einem heißen Sommertag sitzt die etwa zehnjährige Alice neben ihrer ein Buch lesenden älteren Schwester auf einer Anlagenbank. Die Hitze macht sie ganz dumm und schläfrig. Sie überlegt gerade, ob sie nicht aufstehen und Gänseblümchen pflücken soll, da huscht ein weißes Kaninchen mit rosa Augen vorbei, das vor sich hin murmelt: „Herrjemineh, herrjemineh, ich komme zu spät!“ (Später, als Alice sich daran erinnert, fällt ihr ein, dass sie sich eigentlich über das sprechende Kaninchen hätte wundern müssen, aber im Augenblick des Erlebens kommt es ihr ganz natürlich vor.) Erst als das Kaninchen eine Uhr aus der Westentasche zieht, darauf blickt und dann weiterhastet, springt Alice auf, denn ein Kaninchen mit Uhr und Westentasche sah sie noch nie. Neugierig folgt sie dem Tier in dessen Höhle und purzelt durch einen Schacht immer tiefer und tiefer.

Schließlich findet Alice sich in einem Saal mit vielen verschlossenen Türen wieder. Sie nimmt den kleinen goldenen Schlüssel, den sie auf einem Glastisch findet und probiert, welche der Türen sie damit aufsperren kann. Erst bei der zweiten Runde stößt sie auf eine nur einen halben Meter hohe Tür, und da passt er. Um hinauszusehen, muss Alice sich allerdings auf den Boden knien. Die Tür führt in einen wunderschönen Garten mit Blumenbeeten und Wasserspielen, aber Alice kann nicht einmal ihren Kopf durch die Türöffnung stecken, geschweige denn hindurchgehen.

Nachdem Alice die winzige Tür wieder verschlossen hat, blickt sie sich weiter in dem Raum um. Auf dem Tisch entdeckt sie jetzt ein Fläschchen, von dem sie glaubt, dass es vorhin noch nicht da war. Alice trinkt ein wenig von dem Inhalt – und schrumpft plötzlich auf dreißig Zentimeter. Jetzt würde sie durch die Tür passen – aber sie kommt nicht mehr an den Schlüssel auf dem Tisch heran. Unter dem Tisch findet sie eine kleine Schachtel mit einem winzigen Kuchen, und als sie davon isst, wächst sie bis auf drei Meter. Nun ist es für sie ein Leichtes, den Schlüssel wieder zu ergreifen – aber durch die Tür passt sie jetzt noch weniger als zuvor. Verzweifelt weinend setzt Alice sich auf den Boden.

Das aufgeregte weiße Kaninchen kommt vorbei. Alice spricht es an. Da lässt es vor Schreck seinen Fächer und die weißen Handschuhe fallen und läuft davon. Alice nimmt den Fächer in die Hand und merkt, dass sie dadurch wieder kleiner wird – bis sie wieder nicht mehr zur Tischplatte hinaufreicht.

Nach und nach purzeln eine Maus, eine Riesentaube, ein Adlerjunges, ein Papagei, eine Ente, eine Elster, ein Kanarienvogel und andere Tiere in den zehn Zentimeter tiefen Tränensee, der sich um Alice gebildet hat. Die findet es ganz natürlich, dass sie sich mit den Tieren unterhält, doch als sie von ihrer Hauskatze Dina und dem Hund des Bauern erzählt, verabschieden sich die Maus und die Vögel.

Noch einmal taucht das weiße Kaninchen auf. Diesmal verwechselt es Alice wohl mit einer Hausangestellten, denn es ruft „Marianne“ und schickt sie zu seinem Haus, um einen anderen Fächer und ein Paar Handschuhe zu holen. Alice läuft zu dem Haus des Kaninchens und sieht in einem der Zimmer tatsächlich Fächer und Handschuhe auf einem Tisch liegen. Bevor sie den Auftrag erledigt, trinkt sie aus einer herumstehenden Flasche und wird dadurch so groß, dass sie kaum noch Platz in dem Haus hat und es nicht mehr verlassen kann. Das weiße Kaninchen, das inzwischen vor dem Haus angelangt ist, berät mit der Eidechse Bill und anderen Bekannten, was zu tun sei, und jemand schlägt vor, das Haus anzuzünden. Endlich findet Alice noch ein paar Krümel von dem Kuchen, isst davon und wird wieder so klein, dass sie aus dem Haus des Kaninchens fliehen kann.

Auf der Flucht begegnet sie einem tolpatschigen Hundewelpen, der ihr riesig vorkommt. Dann spricht sie mit einer Raupe, die auf einem Pilz sitzt, der etwa so groß wie Alice ist und erfährt, dass die eine Seite des Pilzes größer, die andere kleiner macht. Alice umfasst den Schirm des Pilzes mit beiden Armen und probiert abwechselnd links und rechts ein Stückchen. Plötzlich kann sie ihre Schultern nicht mehr sehen, nur noch einen endlos langen Hals, der aus den Baumwipfeln zu ihrem Kopf heraufragt. Eine Taube fliegt ihr ins Gesicht und versetzt ihr mit den Flügeln einen Schlag, weil sie Alice für eine Schlange und Eierdiebin hält. Mit den langen Armen ist es gar nicht so einfach, ein Stückchen Pilz aus der anderen Hand zu essen, doch nach einiger Zeit gelingt es Alice, und sie schrumpft auf zweiundzwanzig Zentimeter.

In dieser Größe nähert sich einem Haus. Da kommt ein livrierter Diener mit einem Gesicht wie ein Fisch aus dem Wald gelaufen und hämmert an die Eingangstür. Ein anderer Diener, bei dem es sich augenscheinlich um einen Frosch handelt, öffnet und nimmt eine Einladung der Königin für die Herzogin entgegen. Alice betritt das Haus und findet die Herzogin in der großen Küche: Sie sitzt auf einem dreibeinigen Hocker und hält ein Baby im Arm, während die Köchin Suppe kocht und dabei so viel Pfeffer verwendet, dass Alice niesen muss. Auf dem Ofen sitzt eine bis über beide Ohren grinsende Lachkatze (Cheshire Cat). Unvermittelt schleudert die Köchin Feuerhaken, Kochtöpfe, Teller und Schüsseln auf die Herzogin. Die wirft Alice das Baby zu und sagt, sie solle es halten. Alice nimmt es mit hinaus ins Freie, stellt überrascht fest, dass es sich um ein Schweinchen handelt, setzt es auf dem Boden ab und sieht zu, wie das Tier in den Wald trabt.

Als Nächstes gelangt Alice zum Haus des Märzhasen. Der sitzt mit dem Hutmacher und einer Haselmaus an einem Tisch unter einem Baum und trinkt mit ihnen Tee. Der Hutmacher ärgert sich, weil seine Uhr, die übrigens nur den Tag und nicht die Stunde anzeigt, nachgeht, und er wirft dem Märzhasen vor, es sei falsch gewesen, das Uhrwerk mit Butter zu schmieren. „Es war die allerbeste Butter“, verteidigt der Hase sich. „Das schon“, gibt der Hutmacher zu, „aber sicher sind Krümel mit hineingerutscht. Du hättest sie nicht mit dem Brotmesser hineinschmieren sollen!“

In einem Baum entdeckt Alice eine Tür, und als sie hineingeht, befindet sie sich wieder in der Halle, in der sie unmittelbar nach dem Sturz durch den Kaninchenbau war. Diesmal macht sie es richtig: Sie nimmt den Schlüssel vom Tisch und sperrt die Tür auf, bevor sie ein Stückchen Pilz knabbert und so weit schrumpft, dass sie in den Garten gehen kann.

Dort sind drei Gärtner damit beschäftigt, weiße Rosen rot anzumalen. Alice fragt nach dem Grund, und sie erzählen ihr, dass sie versehentlich einen weißen Rosenstock pflanzten und deshalb befürchten, auf Befehl der Königin geköpft zu werden. Im nächsten Augenblick naht schon ein feierlicher Spielkarten-Zug mit dem König und der Königin, und sobald die Königin die drei Gärtner entdeckt, ruft sie: „Kopf ab!“

Alice will sie zunächst auch den Kopf abschlagen lassen, aber dann befiehlt die Königin dem Greif, Alice zur Suppenschildkröte zu bringen, damit diese dem Mädchen ihre Geschichte erzählen kann. So hört Alice erstmals von der Hummerquadrille am Strand.

Als sie und der Greif zurückkommen, findet eine Gerichtsverhandlung statt. Angeklagt ist ein Bube. Richter ist der König persönlich, der deshalb unter der Krone eine Perücke trägt. Der König verlangt schon zum wiederholten Mal, dass die Geschworenen endlich ihr Urteil fällen, aber die Königin will, dass vorher die Hinrichtung stattfindet. Das hält Alice für einen Unsinn und sie protestiert. Zornig befiehlt die Königin daraufhin, Alice den Kopf abzuschlagen. Weil Alice jedoch inzwischen wieder ihre normale Größe hat, fürchtet sie sich nicht vor den Spielkarten. Die wirbeln plötzlich auf und flattern auf sie herab. Alice stößt einen kleinen Schrei aus und wehrt die Karten ab. Da erwacht sie mit dem Kopf im Schoß ihrer Schwester, die ihr ein paar welke, von den Bäumen herabgefallene Blätter aus dem Gesicht streicht.

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Die wissenschaftlichen Abhandlungen von Charles Lutwidge Dodgson (1832 – 1898), einem Mathematikprofessor an der Christ Church in Oxford, wurden kaum beachtet. Er war sehr gehemmt, lebte ganz zurückgezogen und blieb zeitlebens Junggeselle. Kontakt hatte er eigentlich nur zu Kindern. Die besuchten ihn gern, ließen sich Geschichten von ihm erzählen und sich von ihm fotografieren, mitunter auch nackt.

Bei einer Bootsfahrt mit Lorina, Edith und Alice – den kleinen Töchtern seines Dekans Henry George Liddell – am 4. Juli 1862 erzählte Dodgson von den kuriosen Abenteuern eines Mädchens, die er sich gerade ausgedacht hatte. Alice Liddell forderte ihn auf, die Geschichte aufzuschreiben, und der Schriftsteller Charles Kingsley (1819 – 1875) ermutigte ihn, sie zu veröffentlichen. Unter dem Titel „Alice’s Adventures in Wonderland“ („Alice im Wunderland“) wurde sie 1865 gedruckt. Der Autor wählte dafür das Pseudonym „Lewis Carroll“. Eine Fortsetzung kam sieben Jahre später heraus: „Through the Looking-Glass and What Alice Found There“ („Alice hinter den Spiegeln“, auch: „Alice im Spiegelland“, „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“). Leider sind die lustigen Wortspiele, fantasievollen Wortneuschöpfungen und bizarren Gedankenkonstruktionen von Lewis Carroll in den meisten Übersetzungen verloren gegangen.

Die Bücher wurde des Öfteren verfilmt, zuletzt von Tim Burton: „Alice im Wunderland“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Tim Burton: Alice im Wunderland

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