Vermisst

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Vermisst – Originaltitel: Missing – Regie: Costa-Gavras – Drehbuch: Donald Stewart und Costa-Gavras nach dem Buch "The Execution of Charles Horman. An American Sacrifice" / "Missing" von Thomas Hauser – Kamera: Ricardo Aronovich – Schnitt: Françoise Bonnot – Musik: Vangelis – Darsteller: Jack Lemmon, Sissy Spacek, Melanie Mayron, John Shea, Charles Cioffi, David Clennon, Richard Venture, Jerry Hardin, Richard Bradford, Joe Regalbuto, Keith Szarabajka, John Doolittle, Janice Rule u.a. – 1982; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Der US-Amerikaner Charlie Horman zieht mit seiner Ehefrau Beth nach Santiago de Chile. Dort schreibt er u. a. für eine linksgerichtete Zeitung. Am 11. September 1973 wird er in Viña del Mar vom Militärputsch gegen Salvador Allende überrascht und begegnet US-amerikanischen Offizieren, von denen er annimmt, dass sie daran mitwirkten. Kurz darauf findet Beth die Wohnung verwüstet vor, und Charlie ist verschwunden. Mit ihrem Schwiegervater zusammen sucht sie nach ihm ...
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Kritik

In dem fesselnden und erschütternden Politthriller "Vermisst" ("Missing") prangert Costa-Gavras die Verletzung der Menschenrechte beim Militärputsch 1973 in Chile an und beschuldigt die USA, dabei mitgewirkt zu haben.
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Charles („Charlie“) Horman (John Shea) ist der Sohn des einflussreichen New Yorker Geschäftsmanns Edmund Horman (Jack Lemmon) und dessen Ehefrau Elizabeth. Zum Kummer seines Vater opponiert Charlie gegen das Establishment und zieht nach dem Studium mit seiner gleichgesinnten Ehefrau Beth (Sissy Spacek) in das von einer linken Volksfront regierte Chile, weil er die Welt nicht länger „durch die New York Times“ sehen mag. In Santiago de Chile arbeitet er an einem Zeichentrickfilm für Kinder, verfasst Drehbücher, betätigt sich als Übersetzer und schreibt für eine linksgerichtete Zeitung.

Als er sich im September 1973 einige Tage mit Terry Simon (Melanie Mayron), einer amerikanischen Freundin von ihm und seiner Frau, in Viña del Mar aufhält, werden sie am 11. September vom Militärputsch gegen Salvador Allende überrascht. Wegen der gesperrten Straßen müssen sie länger als geplant bleiben, und sie können Beth nicht verständigen, weil die Telefonleitungen unterbrochen sind. Immer wieder sind Schüsse zu hören. In den Straßen liegen überall Leichen. Nachts herrscht Ausgangssperre. Captain Ray Tower (Charles Cioffi) aus Paris, Texas, prahlt gegenüber Charlie und Terry damit, soeben einen Auftrag erfüllt zu haben. Seinen Andeutungen zufolge arbeitet er für die CIA und war am Sturz Allendes beteiligt. Aussagen wie diese hält Charlie in seinem Notizbuch fest, denn er will die Verwicklung der USA in den chilenischen Militärputsch anprangern.

Charlie und Terry lernen auch Andrew Babcock (Richard Bradford) kennen, einen Sonderbeauftragten der US-Marine, und Captain Tower bringt sie schließlich nach Santiago de Chile zurück. Vorsichtshalber lassen sie sich statt zu Charlies Wohnung zu einem Hotel fahren. Weil kein Taxi anhält und die nächtliche Ausgangssperre beginnt, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Nacht in dem Hotel zu verbringen. Das Telefon funktioniert noch immer nicht.

Beth ist sehr erleichtert, als die beiden am 16. September endlich wieder auftauchen.

Besorgt drängt sie darauf, das Land zu verlassen. Während Beth noch ihre schwangere Freundin Maria (Tina Romero) besucht, deren Ehemann Carlos (John Fenton) seit dem Beginn des Ausnahmezustands verschwunden ist, und sich von dem befreundeten Journalisten Frank Teruggi (Joe Regalbuto) und dessen Mitbewohner David Holloway (Keith Szarabajka) verabschiedet, fahren Charlie und Terry zum Hotel Cabrera. Terry hat bereits für den nächsten Tag einen Flug nach New York gebucht, und Charlie will versuchen, mit Beth ebenfalls so rasch wie möglich auszureisen. Einen Rat seiner erfahrenen amerikanischen Kollegin Kate Newman (Janice Rule) befolgend, lässt er auch für sich und Beth ein Hotelzimmer reservieren. Dann kehrt er nach Hause zurück, um Beth zu holen.

Beth versäumt jedoch einen Bus, und die nächsten sind überfüllt und fahren an der Haltestelle vorbei. Kein Taxi nimmt sie mit. Weil sie es zu Fuß bis zur Ausgangssperre nicht mehr nach Hause schafft, verbringt sie die Nacht in einem Hauseingang.

Am nächsten Morgen findet sie die Wohnung verwüstet vor. Von Charlie fehlt jede Spur. Nachbarn wollen gesehen haben, wie er von einer chilenischen Militärpatrouille abgeholt wurde. Eine Zeugin erzählt, sie sei zufällig hinter dem Militärlastwagen hergefahren, bis dieser ins Nationalstadion einbog. Verzweifelt wendet Beth sich an die US-amerikanische Botschaft. Dort versichert man ihr, alles zu tun, um ihren Mann zu finden, aber Beth kommt bald zu der Überzeugung, dass niemand daran interessiert ist, das Schicksal des Vermissten aufzuklären.

Charlies Vater, ein erfolgreicher Geschäftsmann mit festen moralischen Grundsätzen und konservativen Wertmaßstäben, fliegt zunächst nach Washington. Dort drängt er einen Senator (Hansford Rowe) und einen Kongressabgeordneten (Ward Costello), etwas für seinen vermissten Sohn zu tun. Es heißt, Charlie Horman sei untergetaucht, und der Vertreter des Außenministeriums, mit dem Edmund Horman kurz sprechen kann, behauptet, dank der Bemühungen seiner Regierung seien alle US-Amerikaner in Chile freigelassen worden. Edmund Horman sieht ein, dass er in Washington nichts erreichen kann.

Zwei Wochen nach dem Verschwinden seines Sohnes trifft er bei seiner Schwiegertochter in Santiago de Chile ein.

Er verhehlt nicht, dass er Charlie für einen Versager hält und dessen politische Einstellung missbilligt.

Der US-amerikanische Botschafter in Santiago de Chile (Richard Venture) versichert Edmund und Beth Horman, er werde alles tun, um den Vermissten zu finden. Als einer seiner Mitarbeiter Beth auffordert, Charlies Freunde aufzulisten, lehnt sie das rundweg ab, weil sie befürchtet, dass sie festgenommen werden sollen.

David Holloway berichtet Beth und Edmund, er sei zusammen mit Frank Teruggi festgenommen worden. Chilenische Militärs brachten sie in das zu einem Konzentrationslager umfunktionierte Nationalstadion. Dort wurden sie gefoltert. Ein Soldat holte Frank Teruggi schließlich aus dem Raum, in dem er zusammen mit David und zahlreichen anderen Männern eingesperrt war. Seither hat David Holloway, der kurz darauf freigelassen wurde, nichts mehr von ihm gehört.

In der Botschaft heißt es inzwischen, Charlie habe seine Festnahme möglicherweise mit linken Gesinnungsgenossen selbst inszeniert, um die Militärjunta in Verruf zu bringen.

Als der Botschafter erfährt, dass Edmund Horman den Verdacht äußerte, die US-amerikanische Geheimdienste könnten an Allendes Sturz mitgewirkt haben, stellt er ihn sofort zur Rede und erklärt kategorisch, seine Regierung habe mit dem Militärputsch nichts zu tun.

Der US-amerikanische Konsul Phil Putnam (David Clennon) fährt mit Beth und Edmund in Santiago de Chile von Krankenhaus zu Krankenhaus, um nach Charlie zu suchen. In der italienischen Botschaft treffen sie auf einen ehemaligen chilenischen Polizeibeamten namens Paris (Martin LaSalle), der behauptet, er habe sich im Verteidigungsministerium aufgehalten, während Charlie im Beisein eines amerikanischen Beamten verhört und gefoltert worden sei.

Im Nationalstadion wenden Beth und Edmund sich über Lautsprecher an die Tausende von Gefangenen und fordern Charlie auf, sich zu zeigen. Aber er ist nicht da. Beth entdeckt unter den nicht identifizierten Toten in den Kellergewölben des Nationalstadions Frank Teruggi. Die Darstellung, man habe ihn unmittelbar nach seiner Freilassung tot in einer Straße aufgefunden, ist ebenso unglaubwürdig wie die offensichtliche Lüge eines US-Diplomaten, Frank Teruggi sei nach seiner Freilassung in den Norden Chiles gereist und werde in Kürze in die USA zurückkehren.

Während der Suche nach Charlie begreift Edmund Horman, dass er seinen Sohn und seine Schwiegertochter falsch einschätzte. Er beginnt Beth zu respektieren und bewundert ihren Mut.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mitte Oktober erfährt Edmund Horman von Peter Chernin (Robert Hitt), einem Mitarbeiter der Ford Foundation in Santiago de Chile, dass Charlie am 19. September im Nationalstadion ermordet wurde. Vergeblich versucht Edmund, den Namen des Zeugen herauszufinden, von dem Peter Chernin die Information bekommen hat.

In der US-amerikanischen Botschaft wird er mit dem Journalisten Samuel Cross (Alan Penwrith) bekannt gemacht. Der behauptet, Charlie sei auf dem Weg ins Ausland. Aufgebracht beschuldigt Edmund den Botschafter, die ganze Zeit über von Charlies Ermordung gewusst zu haben, dies jedoch wegen der Verwicklung in den Militärputsch vertuschen zu wollen.

Als Edmund ins Hotel zurückkommt, führen gerade zwei chilenische Beamte Beth ab. Er begleitet seine Schwiegertochter zur Vernehmung.

Kurz darauf teilt Konsul Phil Putnam mit, Charlie Horman sei tatsächlich am 19. September im Nationalstadion exekutiert worden. Man werde die zweifelsfrei identifizierte Leiche in den nächsten Tagen freigeben.

Daraufhin fliegen Beth und ihr Schwiegervater nach New York zurück.

Mit ihrer gerichtlichen Klage gegen elf Regierungsbeamte einschließlich des Außenministers Henry Kissinger scheitert die Familie Horman.

Charlies Leiche wird erst sieben Monate später in die USA überführt. Zu diesem Zeitpunkt ist es für eine aufschlussreiche Autopsie zu spät.

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Der fesselnde und erschütternde Politthriller „Vermisst“ („Missing“) von Costa-Gavras basiert auf dem 1978 von Thomas Hauser (*1946) veröffentlichten Sachbuch „The Execution of Charles Horman. An American Sacrifice“ (Neuauflagen ab 1982 unter dem Titel „Missing“). Am Beispiel eines authentischen Einzelfalls prangern Thomas Hauser und Costa-Gavras die Verletzung der Menschenrechte durch die chilenische Militärjunta an, die im September 1973 den sozialistischen Staatspräsidenten Salvador Allende Gossens stürzte und die Macht an sich riss (Militärputsch in Chile 1973). Zugleich beschuldigen sie die US-Regierung, an dem blutigen Militärputsch mitgewirkt zu haben.

Das von Donald Stewart und Costa-Gavras verfasste Drehbuch für „Vermisst“ wurde mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch Jack Lemmon und Sissy Spacek.

Nathaniel Davis, der US-amerikanische Botschafter in Chile von 1971 bis 1973, und der US-Offizier Ray Davis, der sich in der Rolle des Captains Ray Tower in „Vermisst“ wiederzuerkennen glaubte, klagten gegen Costa-Gavras und die Universal Studios wegen Verleumdung, hatten damit aber keinen Erfolg.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Charles Horman (Kurzbiografie)
Augusto José Ramón Pinochet Ugarte (Kurzbiografie)
Militärputsch in Chile 1973

Costa-Gavras (kurze Biografie / Filmografie)
Costa-Gavras: Z
Costa-Gavras: Music Box. Die ganze Wahrheit
Costa-Gavras: Der Stellvertreter
Costa-Gavras: Die Axt / Jobkiller. Eine mörderische Karriere

David Malouf - Die Nachtwache am Curlow Creek
David Malouf erzählt die kunstvoll verschachtelte Geschichte ruhig, sachlich und nachdenklich. Dabei gelingt es ihm, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite des Romans "Die Nachtwache am Curlow Creek" zu fesseln.
Die Nachtwache am Curlow Creek

David Malouf

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