Stephen R. Covey : Die sieben Wege zur Effektivität

Die sieben Wege zur Effektivität
Originalausgabe: The Seven Habits of Highly Effective People, 1989 Die sieben Wege zur Effektivität. Übersetzung: Angela Roethe Campus Verlag, Frankfurt/M 1992 ISBN: 3-593-34601-X, 277 Seiten Die sieben Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg Erweiterte und überarbeitete Neuausgabe: 2004 Übersetzung: Angela Roethe und Ingrid Proß-Gill Gabal Verlag, Offenbach 2005 ISBN: 3897495732, 360 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Als "The Seven Habits of Highly Effective People" bzw. "Sieben Wege zur Effektivität" bezeichnet Stephen R. Covey ein ganzheitliches Konzept, das Menschen helfen soll, Schwierigkeiten als Herausforderungen anzunehmen, ihre verschiedenen Rollen auszubalancieren und erfolgreich zu sein.
Weiterlesen

Kritik

"Die sieben Wege zur Effektivität" sind keine Tricks für den schnellen Erfolg, sondern Stephen R. Coveys Leser und Hörer müssen sich darauf einlassen, ihr Leben nach Zielen und Prinzipien auszurichten.
Weiterlesen

Einführung

Als „The Seven Habits of Highly Effective People“ (auch: „Seven Basic Habits of Highly Effective People“) bzw. „Sieben Wege zur Effektivität“ bezeichnet Stephen R. Covey ein ganzheitliches Konzept, das Menschen helfen soll, Schwierigkeiten als Herausforderungen anzunehmen, ihre verschiedenen Rollen auszubalancieren und erfolgreich zu sein. „Die sieben Wege zur Effektivität“ sind keine Tricks für den schnellen Erfolg, sondern Stephen R. Coveys Leser und Hörer müssen sich darauf einlassen, ihr Leben nach Zielen und Prinzipien auszurichten.

Es geht nicht nur darum, Resultate zu erzielen, meint Stephen R. Covey; wichtig ist es auch, die eigenen Aktiva – Gesundheit, Wissen, Können, Werte, Beziehungen, Vermögen – zu bewahren und zu steigern. Effektiv ist, wer Stärken und Leistungen in Einklang bringt.

We are effective when we balance Production and Production Capability.

Stephen R. Covey empfiehlt, das Gelernte anderen Personen zu erklären, denn dadurch verstärkt sich der Lerneffekt.

Entscheidend ist, wie wir uns selbst, unsere Mitmenschen und die Welt sehen. Covey spricht in diesem Zusammenhang von Paradigmen und vergleicht diese mit Landkarten. So wie wir wohl kaum eine Karte mit dem Gelände verwechseln, müssen wir auch zwischen Paradigmen und der Wirklichkeit unterscheiden. Den richten Weg können wir nur finden, wenn die Karte in ausreichendem Maße mit der Realität übereinstimmt.

Bevor Stephen R. Covey auf die sieben Wege zur Effektivität im Einzelnen eingeht, führt er noch die Metapher vom „emotionalen Bankkonto“ (Emotional Bank Account) ein. Das funktioniert wie jedes andere Konto auch: Einzahlungen heben den Kontostand an, Abhebungen reduzieren ihn. Nur dass es hier nicht um Geld geht, sondern um den guten Willen, den andere Menschen uns entgegenbringen, wenn wir bei ihnen ein nicht überzogenes emotionales Bankkonto unterhalten. Einzahlungen erfolgen in Form von Höflichkeit, Einhalten von Zusagen, Erfüllen von Erwartungen, Loyalität und nötigenfalls Entschuldigungen.

(1) Freiheit. Wie Sie Ihr Leben proaktiv gestalten
Be Proactive. The Habit of Personal Vision

Anytime you think the problem is out there […], that thought is the problem. I have just empowered what’s out there to control me. And I am in a self-fulfilling prophecy. Sure enough, you will find that the evidence will support your conviction. – You are the programmer.

Während bei Instinkthandlungen ein Reiz automatisch eine Reaktion auslöst, hat der Mensch die Möglichkeit, seine individuelle Reaktion frei zu wählen – und davon muss er Gebrauch machen. Das versteht Covey unter Proaktivität. Der proaktive Mensch ist sich seines freien Willens bewusst, fühlt sich für sein Tun verantwortlich und orientiert sich an Werten.

Statt sich über Dinge zu ärgern, die wir ohnehin nicht ändern können (Circle of Concern), sollten wir unser Handeln auf das konzentrieren, was in unserem Einflussbereich (Circle of Influence) liegt – der sich dadurch nach und nach vergrößert.

(2) Vision. Wie Sie Ihre Träume und Lebensziele verwirklichen
Begin with the End in Mind. The Habit of Personal Leadership

You see, once you can decide what you are about and what you treasure, what you value, you’ve automatically got guidelines. You’ve developed the criteria for making all the decisions in your life. – Write the program.

Alles wird zweimal erschaffen, zuerst in der Vorstellung, dann in der Wirklichkeit. Vor der Ausführung erfolgt die Planung, und bei der Planung sollten wir uns an Werten und Zielen orientieren. Weil die Ziele eine Hierarchie vom Lebens- bis zum Tagesziel darstellen, rät Stephen R. Covey dazu, mit einem Personal Mission Statement anzufangen. Nur so lassen sich die verschiedenen privaten und beruflichen Rollen in Einklang bringen. Ohne Klarheit über das, was wir im Leben erreichen möchten, kann es auch kein effektives Zeitmanagement geben.

(3) Sinn. Wie Sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren
Put First Things First. The Habit fo Personal Management

Once you have a clear picture of your priorities – that is values, goals and high leverage activities – now organize and execute around them. – Live the program.

In diesem Kapitel erklärt Stephen R. Covey die Zeitmanagement-Matrix, von der es heißt, dass sie ursprünglich von US-Präsident Dwight D. Eisenhower entwickelt wurde. Die Matrix besteht aus vier Quadranten:

  • wichtig und dringend
  • wichtig, nicht dringend
  • dringend, nicht wichtig
  • weder dringend noch wichtig

Nachdem wir die anstehenden Aktivitäten gemäß unserer Zielsetzung eingeteilt haben, müssen wir wohl oder übel zunächst die wichtigen und dringenden Aufgaben erledigen, aber wir dürfen nicht übersehen, dass es die wichtigen, nicht dringenden Aufgaben sind, durch die wir statt im System am System arbeiten, also das System verbessern. Tätigkeiten, die weder dringend noch wichtig sind, lenken nur ab; sie sollten in unserem Arbeitsplan gar nicht auftauchen.

Weniger wichtige, aber dringende Aufgaben lassen sich delegieren. Darauf geht Stephen R. Covey ausführlicher ein. Entscheidend ist, dass der Delegierende und der Ausführende sich von vornherein klar und einig über die angestrebten Ergebnisse, über Regeln, Ressourcen, Kompetenzen, Verantwortungen und Konsequenzen sind. In diesem Kontext erläutert Covey auch ein Kontinuum der Mitarbeiter-Entwicklung:

  • Stufe 1: Die Person wartet auf Instruktionen
  • Stufe 2: Die Person fragt, was sie tun soll
  • Stufe 3: Die Person schlägt vor, was zu tun ist
  • Stufe 4: Die Person handelt zwar unabhängig, vergewissert sich aber fortwährend beim Vorgesetzten, dass die Vorgehensweise richtig ist
  • Stufe 5: Die Person handelt unabhängig und berichtet regelmäßig darüber

(4) Gewinn.
Wie Sie ein Denken entwickeln, das Vorteile für beide Seiten sucht
Think Win-Win. The Habit of Interpersonal Leadership

The win-win philosophy is not just some little technique, some nice little phrase. A win-win person has an abundance mentality, meaning that his or her paradigm of life is, there is plenty out there for everybody and to spare.

Viele befürchten, etwas zu verlieren, sobald jemand anderes etwas bekommt, weil sie überzeugt sind, dass alles knapp ist. Sie befinden sich deshalb in einem ständigen Konkurrenzkampf. Für reifer hält Stephen R. Covey Personen, die Lösungen anstreben, die allen Beteiligten Vorteile bringen.

(5) Vertrauen. Wie Sie Ihre Beziehungen durch Aufmerksamkeit bereichern
Seek First to Unterstand, Then to be Understood.
The Habit of Communication

The single most important principle I have learned in the field of interpersonal relations is this: Seek first to understand, then to be unterstood. Most people listen not with the intent to understand but with the intent zu reply.

Ein Arzt, der eine Therapie beginnt, bevor er eine Diagnose gestellt hat, ist ein schlechter Arzt. In der Kommunikation ist es ähnlich: Bevor wir etwas entgegnen oder vorschlagen, sollten wir erst einmal empathisch zuhören und versuchen, den Gesprächspartner und die Situation zu verstehen. Dazu ist es erforderlich, nicht nur auf die Worte, sondern auch die nonverbalen Äußerungen zu achten, und der Zuhörer sollte sich zunächst mit Reaktionen bzw. Interpretationen zurückhalten, die von seinen persönlichen Erfahrungen geprägt sind. Erst im zweiten Teil der Kommunikation geht es darum, sich dem Gegenüber mitzuteilen.

(6) Kreativität.
Wie Sie durch Zusammenarbeit ungeahnte Potenziale wecken
Synergize. The Habit of Creative Cooperation

Synergy is the crowning achievement of all the habits. It leads to teamwork, team-building, unity and harmony. And remember, unity is not uniformity. It is not sameness. It is complementariness. Build a complementary team.

Synergie bedeutet in diesem Zusammenhang: Eins plus eins ergibt drei oder mehr. Zwei Personen erkennen mehr und finden bessere Lösungsmöglichkeiten als ein Einzelner, und zwar vor allem dann, wenn sie verschieden sind („value the differences!“), denn sie regen sich gegenseitig zu neuen Gedanken an, und in der gemeinsamen Anstrengung steht ihnen auch ein größerer Fundus an Wissen und Erfahrung zur Verfügung. Deshalb ist es wichtig, besonders auf die Teammitglieder zu hören, die eine abweichende Meinung vertreten („Die zwölf Geschworenen“).

(7) Erneuerung. Wie Sie sorgsam mit sich selbst umgehen
Sharpen the Saw. The Habit of Self-Renewal

The only person over which you have direct and immediate control ist yourself. So, the greatest assets to constantly develop, preserve and enhance are your own capabilities. And no one can do it to you. You have to do it for yourself. It is the single greatest investment you can make because it leverages everything else.

Hierzu erzählt Stephen R. Covey eine kleine Geschichte:

„Was machen Sie da?“
„Das sehen Sie doch. Ich säge diesen Baum in Stücke.“
„Wie lang sägen Sie denn schon?“
„Seit drei Stunden.“
„Sie sind bestimmt kaputt.“
„Ich bin wirklich kaputt, ja.“
„Warum schärfen Sie nicht ihre Säge?“
„Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen. Sehen Sie denn nicht, wie viel ich zu tun habe?“

Statt pausenlos zu schuften, ist es ratsam, die eigenen Fähigkeiten immer wieder aufzufrischen und zu verbessern. Dazu gehören die körperliche und mentale Fitness ebenso wie Guthaben auf den emotionalen Bankkonten unserer Beziehungspersonen.

Kontinuum des Reifens (Maturity Continuum)

Stephen R. Covey gruppiert die sieben Wege zur Effektivität in einem Kontinuum des Reifens: Es beginnt mit dem Stadium der Abhängigkeit: Wir sind auf die Hilfe anderer angewiesen, um zu bekommen, was wir möchten. Von hier aus führen die Wege 1 bis 3 zu persönlichen Siegen – und zum Stadium der Unabhängigkeit, in dem wir uns das Gewünschte selbst verschaffen. Die Wege 4 bis 6 bringen uns zu öffentlichen Siegen und ins Stadium der Interdependenz, in dem wir in der Zusammenarbeit mit anderen erreichen, was wir möchten. Den 7. Weg ordnet Covey in einem Kreis an, der alles andere umschließt.

 

nach oben

„Sieben Wege zur Effektivität“ ist leicht zu verstehen. Stephen R. Covey gibt nützliche Anregungen und Denkanstöße, illustriert seine Erläuterungen durch anschauliche und unterhaltsame Beispiele und untermauert sie mit Zitaten.

2005 fügte er „The 8th Habit“ hinzu. „Der 8. Weg“, in dem es um Führung geht, macht das Gesamtkonzept gewissermaßen dreidimensional.

Stephen R. Covey studierte in Harvard. Nach seiner Promotion an der Brigham Young University unterrichtete er dort zwanzig Jahre lang als Professor für Business Management. 1985 gründete er das „Covey Leadership Center“, das er 1997 in ein neues internationales Unternehmen für Managementberatung einbrachte, die „Franklin Covey Company“. Das „Time Magazine“ rechnete ihn 1996 zu den fünfundzwanzig einflussreichsten Personen der USA. Längst gilt Stephen R. Covey als einer der bedeutendsten Vordenker für nichttechnisches Management-Wissen (Human Performance Management). Von seinem Buch „The Seven Habits of Highly Effective People“ („Die 7 Wege zur Effektivität“) sollen bereits 15 Millionen Exemplare verkauft worden sein. Dazu kommen Video- und Audiokassetten sowie anderes Material.

Stephen R. Covey: Bibliografie (Auswahl)

  • Stephen R. Covey: Die sieben Wege zur Effektivität. Ein Konzept zur Meisterung Ihres beruflichen und privaten Lebens (The Seven Habits of Highly Effective People, Übersetzung: Angela Roethe, Campus, Frankfurt/M 1992)
  • Stephen R. Covey, A. Roger Merrill und Rebecca R. Merrill: Der Weg zum Wesentlichen. Zeitmanagement der vierten Generation (First Things First, Übersetzung: Friedrich Mader, Campus, Frankfurt/M 1997)
  • Stephen R. Covey: So leben Sie „Die sieben Wege zur Effektivität“. Das bewährte Covey-Erfolgskonzept in der Praxis (Living the 7 habits, Übersetzung: Ingrid Proß-Gill, Campus, Frankfurt/M 2000)
  • Stephen R. Covey: Begleiter auf den 7 Wegen der Effektivität. Die kleine Covey-Bibliothek (The Portable 7 Habits, 7 Bände, Übersetzung: Wolfgang Ehle, Campus, Frankfurt/M 2002)
  • Stephen R. Covey: Die 7 Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg (The Seven Habits of Highly Effective People, Übersetzung: Angela Roethe und Ingrid Proß-Gill, Gabal, Offenbach 2005)
  • Stephen R. Covey: Der 8. Weg. Mit Effektivität zu wahrer Größe (The 8th Habit, Übersetzung: Ingrid Proß-Gill, Gabal, Offenbach 2006)
nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Textauszüge:
Stephen R. Covey: The Seven Habits of Highly Effective People.
A Video-Based Leadership Development Course. © Covey Leadership Center 1990
Stephen R. Covey: Seven Basic Habits of Highly Effective People
Audio Learning System. © Stephen R. Covey & Associates 1988

Louis Begley - Der Mann, der zu spät kam
In dem Roman "Der Mann, der zu spät kam" entwickelt Louis Begley elegant und unaufgeregt ein berührendes, differenziertes und einfühlsames Porträt eines entwurzelten Juden.

Der Mann, der zu spät kam

Louis Begley

Der Mann, der zu spät kam

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.