Fight Club

Fight Club

Fight Club

Originaltitel: Fight Club - Regie: David Fincher - Drehbuch: Jim Uhls, nach dem Roman "Fight Club" von Chuck Palahniuk - Kamera: Jeff Cronenweth - Schnitt: James Haygood - Musik: Michael Simpson und John King ("The Dust Brothers") - Darsteller: Edward Norton, Brad Pitt, Helena Bonham Carter, Meat Loaf Aday, Jared Leto, Zach Grenier, Richmond Arquette u.a. - 1999; 140 Minuten

Inhaltsangabe

Ein etwa 30 Jahre alter Yuppie fühlt sich trotz seines beruflichen Erfolgs vom Leben angeödet. Bei einer Dienstreise lernt er einen gleichaltrigen Geschäftsmann kennen, und weil er bei der Rückkehr sein Apartment durch einen Brand zerstört vorfindet, zieht er zu seinem neuen Bekannten, der in einem Abbruchhaus lebt und ihm zeigt, wie befreiend Schmerz wirken kann ...
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Kritik

Was kommt nach der Desillusion? Das ist die zentrale Frage des Films. – Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind verwischt. "Fight Club" ist ein Albtraum, ein zynischer Film voll sardonischer Einfälle, großartig inszeniert und hervorragend gespielt.
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Bei dem namenlosen Erzähler (Edward Norton) handelt es sich um einen etwa 30 Jahre alten Yuppie, der für einen großen amerikanischen Autohersteller herumreist und Unfälle auf mögliche Fabrikationsmängel hin untersucht. Nur wenn die zu erwartende Summe aller Schadenersatzansprüche die Kosten einer Rückholaktion zu übersteigen droht, veröffentlicht das Unternehmen eine entsprechende Aufforderung zur kostenlosen Reparatur. Andernfalls werden die Mängel geheim gehalten.

Dieses Leben ödet ihn an. Es raubt ihm den Schlaf. Ein Arzt, den er nach einem halben Jahr aufsucht, zeigt wenig Mitgefühl und rät ihm sarkastisch, eine Selbsthilfegruppe von Hodenkrebspatienten in der Methodistenkirche zu besuchen, wenn er erfahren wolle, was wirkliches Leid sei. Bei seiner ersten Begegnung mit den Männern weint er in den Armen des kastrierten Krebspatienten Robert („Bob“) Paulsen (Meat Loaf Aday). In dieser Nacht schläft er tief und fest. Daraufhin nimmt er an einem halben Dutzend Selbsthilfegruppen teil. Das Leid anderer Menschen ist wie eine Katharsis für ihn. „Jeden Abend sterbe ich, um meine Auferstehung zu feiern.“

Das geht so lange gut, bis er feststellt, dass eine junge Simulantin so wie er eine Selbsthilfegruppe nach der anderen besucht, um die Langeweile und Sinnlosigkeit ihres Lebens zu bekämpfen. Sie heißt Marla Singer (Helena Bonham Carter). Das bringt ihn wieder aus dem Gleichgewicht.

Bei einer Dienstreise sitzt ein gleichaltriger Geschäftsmann neben ihm im Flugzeug. Tyler Durden (Brad Pitt) nennt er sich. Sie kommen ins Gespräch und tauschen ihre Karten aus.

Bei seiner Ankunft vor dem Hochhaus, in dem er wohnt, sieht der Erzähler Rauch aus dem Obergeschoss quellen. Die Feuerwehr ist dabei, den Brand zu löschen, aber sein Apartment ist zerstört. Da ruft er Tyler Durden an. Sie treffen sich auf ein Bier. Tyler Durden nimmt ihn mit in das Abbruchhaus, in dem er wohnt, stellt jedoch eine Bedingung: „Schlag mich, so hart du nur kannst!“ Zuerst zögert der Erzähler, dann merkt er, wie befreiend Schmerz sein kann: Endlich fühlt er, dass er lebt! Die beiden wiederholen ihre Prügelei ein paar Mal. Dann gründet Tyler den Geheimbund „Fight Club“.

„Erst, wenn du am Nullpunkt bist, hast du wieder die absolute Freiheit“, predigt Tyler. „Alles, was du hast, hat irgendwann dich. Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit, alles zu tun, was du willst.“ Er arbeitet nebenbei als Filmvorführer und macht sich einen Spaß daraus, in Kinderfilme einzelne, nicht bewusst wahrnehmbare Pornoaufnahmen einzukleben. Oder er betätigt sich als Kellner und uriniert bzw. masturbiert vor dem Servieren auf die Gerichte.

Unvermittelt taucht auch Marla in dem Abbruchhaus auf. Beim Sex mit Tyler schreit sie sich die Seele aus dem Leib.

Ein Polizeibeamter unterrichtet den Erzähler darüber, dass seine Wohnung nicht, wie zunächst angenommen, durch ausströmendes und in Brand geratenes Gas, sondern durch eine Dynamitexplosion zerstört worden sei. Tyler versucht gar nicht zu verbergen, dass er den Sprengstoff angebracht hatte.

Eines Nachts nimmt Tyler seinen neuen Freund mit, als er aus dem Müllcontainer einer Klinik, in der Fettabsaugungen durchgeführt werden, das Abfallfett stiehlt. Das menschliche Fett sei ein hervorragender Rohstoff für die Seifenproduktion, erklärt Tyler. Damit könne man aber auch Dynamit erzeugen. Er kippt dem Erzähler etwas von einem ätzenden Zwischenprodukt auf den Handrücken. Der Mann schreit vor Schmerzen.

Fast jeden Montagmorgen taucht der Erzähler mit Hämatomen und neuen Verletzungen im Gesicht in seinem Büro auf. Als sein Chef ihm kündigen will, meint er: „Ich habe da eine bessere Idee. Ich werde freier Berater und bekomme mein Gehalt auch weiterhin.“ Der Manager greift zum Telefon und alarmiert den Sicherheitsdienst, aber sein Gegenüber erpresst ihn mit seinem Wissen über geheimgehaltene technische Mängel in verschiedenen Kfz-Modellen und fingiert eine wüste Schlägerei. Als die Wachleute die Tür öffnen, ist die Büroeinrichtung demoliert, und der Erzähler liegt blutend am Boden. Mit offenem Mund steht sein Chef immer noch mit dem Telefonhörer in der Hand am Schreibtisch.

Unter den Mitgliedern des Fight Clubs verteilt Tyler „Hausaufgaben“. Die Männer müssen zum Beispiel Raufereien mit Fremden auf der Straße provozieren und sich dann absichtlich zusammenschlagen lassen. Für den um sich greifenden Wandalismus macht die Polizei zunächst illegale Boxclubs verantwortlich.

Ohne seinen Freund einzuweihen, löst Tyler den Fight Club durch das Projekt „Chaos“ ab. Erste Regel: Keine Fragen!

Einmal fährt er mit seinem Freund und zwei Mitverschworenen im Auto auf die Gegenspur und lässt das Lenkrad los. Sie kollidieren mit einem anderen Fahrzeug, schleudern über die Böschung und überschlagen sich. Nur leicht verletzt kriechen sie aus dem Wrack.

Bob Paulsen ist eines der ersten Mitglieder des Geheimbunds, die von der Polizei erschossen werden.

Schließlich findet der Erzähler heraus, dass Tyler überall in den USA Fight Clubs gegründet und das Projekt „Chaos“ gestartet hat. Er reist herum und stellt überrascht fest, dass ihn viele für Tyler halten. Um sich Gewissheit zu verschaffen, fragt er Marla, ob sie Sex mit ihm gehabt habe. Sie versteht die Frage nicht: Er, Tyler, müsse es doch wissen.

Plötzlich macht er sich Sorgen um Marla. Er hält auf der Straße einen Omnibus an, drückt Marla das Geld aus seiner Hosentasche in die Hand und schiebt sie in den Bus. Sie müsse weg aus der Stadt, denn hier werde etwas Furchtbares passieren.

Der Erzähler zeigt sich selbst an, wegen Wandalismus und Herstellung von Sprengmitteln. Er habe geplant, alle Kreditkartenunternehmen in die Luft zu sprengen, damit alles wieder bei Null anfangen könne. Zwei Polizisten berichten ihm, er, Tyler, habe ihnen bereits angekündigt, dass er sich stellen würde und ihnen für diesen Fall befohlen, ihm die Hoden abzuschneiden. Der Erzähler reißt eine Pistole heraus und flieht.

In einem leerstehenden Hochhaus drückt ihm Tyler den Lauf einer Pistole in den Mund. Im nächsten Augenblick hat er die Waffe in der Hand und schießt sich in den Hals. Er sieht, wie Tyler an der gleichen Stelle getroffen wird und zu Boden sinkt. Marla kommt mit ein paar der Verschworenen herein. Während sie nach seiner Verletzung sieht, sackt vor den Fenstern ein Hochhaus nach dem anderen in sich zusammen.

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Ein Yuppie, der sich trotz seines beruflichen Erfolgs von der inhumanen Industriegesellschaft abgestoßen fühlt, verlangt nach Schmerz, um sich wieder lebendig zu fühlen. Konventionen und Wertvorstellungen versucht er durch Anarchie zu ersetzen. Vielleicht kann man alles auf Null zurückdrehen und noch einmal von vorn anfangen. Aber er rechnet eher mit seiner Selbstvernichtung.

Was kommt nach der Desillusion? Das ist die zentrale Frage des Films „Fight Club“ von David Fincher.

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind verwischt, nicht zuletzt, weil die Geschichte aus der Perspektive des Schizophrenen erzählt wird. „Fight Club“ ist ein Albtraum, ein zynischer Film voll sardonischer Einfälle, großartig inszeniert und hervorragend gespielt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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