Funny Games

Funny Games

Funny Games

Originaltitel: Funny Games - Regie: Michael Haneke - Drehbuch: Michael Haneke- Kamera: Jürgen Jürges - Schnitt: Andreas Prochaska - Musik: Georg Friedrich Händel, Pietro Mascagni, Wolfgang Amadeus Mozart, John Zorn - Darsteller: Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Frank Giering, Arno Frisch, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann, Christoph Bantzer, Wolfgang Glück, Susanne Meneghel, Monika Zallinger - 1997; 100  Minuten

Inhaltsangabe

Zwei ausgesucht höfliche junge Männer dringen unter einem Vorwand in das Seehaus der Familie Schober ein und beginnen ein perfides Spiel. Sie erschlagen den Schäferhund, zertrümmern Georgs Bein, quälen und demütigen ihn und seine Frau Anna. Die Schobers sollen darauf setzen, dass sie in zwölf Stunden noch am Leben sind, und die sadistischen Eindringlinge wetten, dass sie es nicht mehr sein werden ...

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Kritik

Über die Motive der beiden perfiden Sadisten erfahren wir nichts. Greifbar sind nur der Realitätsverlust und die Abstumpfung durch das Fernsehen. Mit seinem sorgfältig aufgebauten und beeindruckend gespielten Film "Funny Games" verstört Michael Haneke die Zuschauer.
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Georg und Anna Schober (Ulrich Mühe, Susanne Lothar) fahren mit ihrem zehnjährigen Sohn Georg (Stefan Clapczynski) und dem Schäferhund Rolfi in ihr Seehaus, um ein paar Tage auszuspannen. Mit ihrem Geländewagen ziehen sie ihre Jolle. Während der mehrstündigen Autofahrt vertreiben sie sich die Zeit, indem sie abwechselnd CDs mit klassischer Musik einlegen und raten, um welche Komponisten, Sänger und Stücke es sich handelt.

Die Nachbarn ihres Seehauses – Fred und Eva Berlinger (Christoph Bantzer, Monika Zallinger) – sind mit einem Fremden im Freien. Georg und Anna halten kurz an und rufen Fred die Bitte zu, in zwanzig Minuten beim Wassern der Segeljolle zu helfen. Beim Weiterfahren äußern Georg und Anna sich verwundert über das fast abweisende Verhalten der sonst immer so herzlichen Nachbarn. Aber schon nach kurzer Zeit kommt Fred mit dem Unbekannten herüber, den er Georg als Sohn eines Geschäftsfreundes vorstellt. Der sportliche junge Mann, der weiße Shorts, ein weißes Sporthemd und weiße Handschuhe trägt, heißt Paul (Arno Frisch).

Während die drei Männer das Segelboot ins Wasser schieben, wäscht Anna den Salat für das Abendessen. Ein schüchterner, etwas pummeliger Fremder, der weiße Shorts und ein weißes Sporthemd und weiße Handschuhe trägt, kommt vom Nachbarhaus herüber, stellt sich als Peter (Frank Giering) vor und fragt Anna höflich, ob sie Eva mit vier Eiern aushelfen könne. Sie gibt ihm vier Stück aus dem Kühlschrank, aber er lässt sie in der Diele fallen. Es sei ihm schrecklich peinlich, versichert er mehrmals und bedankt sich dafür, dass Anna den Boden aufwischt. Er habe zwei linke Hände, bedauert Peter, folgt Anna noch einmal in die Küche und schiebt wie aus Versehen ihr neben dem Spülbecken liegendes Handy ins Wasser. Anna fischt es gleich wieder heraus, aber es funktioniert nicht mehr. Sie schluckt ihren Ärger hinunter, gibt Peter ohne viele Worte noch einmal vier Eier, und er verabschiedet sich.

Zwei Minuten später kommt Peter zurück und hat diesmal auch Paul dabei: Der Hund sei an ihm hochgesprungen und habe die Eier zerbrochen. Nun bittet er um die letzten der vier Eier in dem Zwölferkarton. Paul erblickt einen teuren Golfschläger, ersucht Anna darum, ihn kurz ausprobieren zu dürfen und geht hinaus.

Georg, der noch mit seinem kleinen Sohn auf dem bereits gewasserten Boot beschäftigt ist, hört, wie Rolfi wütend bellt, dann kurz aufjault und verstummt. Um nachzusehen, geht er zum Haus hinauf.

Anna hörte den Hund ebenfalls und ist immer stärker beunruhigt. Sie fragt Peter und den inzwischen zurückgekehrten Paul, was das für ein Spiel sei und weigert sich, ihnen weitere Eier zu geben. Stattdessen fordert sie Peter und Paul auf, das Haus zu verlassen. Mit ausgesucht höflichen Worten meint Paul, er könne sich gar nicht erklären, warum die „gnädige Frau“ plötzlich so unfreundlich sei. In diesem Augenblick kommt Georg mit dem Jungen zur Tür herein. Anna möchte, dass er die beiden weiß gekleideten Fremden hinauswirft, aber er fragt erst einmal verwirrt, was los sei. Während Anna in die Küche geht, um die restlichen vier Eier zu holen, gerät Georg mit den beiden ungebetenen Besuchern in Streit. Als er Paul ohrfeigt, bricht dieser ihm mit einem Golfschläger das rechte Bein.

Alarmiert kommt Anna aus der Küche und sieht ihren Mann stöhnend am Boden liegen. Süffisant zieht Paul den Golfball aus der Hosentasche, den er vorhin eingesteckt hatte und fragt die Schobers, ob sie sich erklären können, wieso er den Ball noch habe. Richtig: Er sei nicht dazugekommen, den Golfball abzuschlagen, denn er habe den Schläger auf andere Weise ausprobieren müssen. Anna läuft ins Freie, um nach Rolfi zu suchen. Amüsiert dirigiert Paul sie wie bei einem Kinderspiel mit Zurufen wie „kalt“ und „heiß“, bis sie den Kadaver des erschlagenen Schäferhundes im Fond des Autos entdeckt.

Georg wird auf die Couch im Wohnzimmer gelegt. Sobald Paul sich über ihn ärgert, tritt er ihn gegen das gebrochene Bein unter der blutbefleckten Hose und Georg schreit auf. (Später bricht er ihm auch noch einen Arm.)

Plötzlich sind Rufe vom See her zu hören. Paul geht mit Anna zum Ufer. Es sind Robert (Wolfgang Glück) und Gerda (Doris Kunstmann) mit Gerdas Schwester (Susanna Meneghel) auf ihrem Segelboot, gute Bekannte von Anna und Georg, die ein Stück weiter ebenfalls ein Seegrundstück besitzen. Während einer kleinen Rundfahrt auf dem See haben sie die Jolle der Schobers entdeckt und sind deshalb näher ans Ufer gekommen, um sie zu begrüßen. Aus Furcht vor Peter und Paul tut Anna so, als sei alles in Ordnung und behauptet, Georg habe sich beim Wassern des Bootes etwas überanstrengt und deshalb hingelegt.

Als alle wieder im Wohnzimmer versammelt sind, bietet Paul den Schobers eine Wette an: Sie sollen darauf setzen, dass sie in zwölf Stunden noch am Leben sind. Er wettet, dass sie es nicht mehr sein werden.

Draußen wird es dunkel. Georg fragt nach dem Sinn der Grausamkeit. Da erzählt Paul mehrere widersprüchliche Geschichten über die angeblich verkorkste Jugend Peters. Er tadelt Peter, weil dieser zu dick sei und nennt ihm Anna als Vorbild. Sie soll Peter zeigen, dass sie keine Fettpolster hat. Damit der kleine Georg keinen psychischen Schaden durch den Anblick seiner nackten Mutter erleidet, stülpt Paul ihm einen Kissenbezug über den Kopf, bevor er Anna weiter demütigt, indem er sie zwingt, sich aus- und dann wieder anzuziehen.

Plötzlich gelingt es dem Kind, aus dem Zimmer zu fliehen. Georg läuft nach oben, klettert aus dem Fenster und rennt zum Nachbarhaus. Paul fesselt erst einmal Anna mit Klebeband und geht dann mit ruhigen Schritten über den Rasen. Die Haustür der Berlingers ist nicht abgesperrt. Georg versteckt sich, und als Paul ihn findet, zielt das Kind mit einer Flinte auf ihn. Statt zu erschrecken, weist Paul den Jungen belustigt darauf hin, dass er erst den Hahn spannen müsse. Georg tut es und drückt ab, aber die Waffe ist nicht geladen. Paul wusste es, denn er hat die beiden Patronen in der Hosentasche. Er nimmt Georg und das Gewehr mit.

Peter hat inzwischen das Fernsehgerät eingeschaltet und verfolgt stumpfsinnig Reportagen über Katastrophen.

Es sei bedauerlich, dass das Kind auf ihn schießen wollte, meint Paul. Dafür müsse nun jemand sterben. Nachdem Peter mit einem Kinder-Abzählvers begonnen hat, diskutiert Paul mit ihm, wie alt Anna wohl sei. Sie einigen sich auf fünfunddreißig Jahre. Während Peter weiter abzählt, geht Paul in die Küche, um sich ein Brot zu machen. Ein Schuss und ein Schrei sind zu hören. Ungerührt fragt Paul aus der Küche, ob Peter auch daran gedacht habe, dass nicht die letzte gezählte Person, sondern die Nächste abgezählt sei.

Die Mattscheibe des Fernsehgeräts und die Wand dahinter sind voll Blut. Das Kind liegt tot am Boden. Lange verharren die Eltern. Dann flüstert Anna: „Sie sind weg!“, und hüpft mit zusammengebundenen Fußgelenken in die Küche, um ihre Fesseln aufzuschneiden. Als sie zurückkommt, schreit Georg gemartet auf. Erst nach einiger Zeit lässt er sich von Anna beruhigen. „Wir müssen weg, bevor sie zurückkommen“, meint sie. Sie hilft ihm auf, aber er stöhnt vor Schmerzen. Und die Haustür ist abgesperrt. Durchs Fenster kann Georg mit seinen Verletzungen nicht klettern. Anna probiert das Handy aus, aber es ist noch nass. Während Georg zurückbleibt und es mit einem Fön trocknet, läuft Anna davon, um Hilfe zu holen.

Weil auch das schwere Metalltor verschlossen ist, kann Anna nicht den Wagen nehmen. Mit einer Kneifzange macht sie ein Loch in den Zaun, durch das sie hinausschlüpfen kann. Bei den Berlingers antwortet niemand auf ihre Hilferufe. Anna läuft auf der Straße weiter. Als sich im Dunkeln ein Auto nähert, versteckt sie sich hinter einem Baumstamm, denn es könnten die beiden Sadisten sein. Aber dann besinnt sie sich: Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als das nächste Fahrzeug anzuhalten.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Gefesselt und geknebelt bringen Peter und Paul sie zurück.

Zur Strafe lässt Paul wieder abzählen. Diesmal trifft es Georg. Aber bevor Peter ihn erschießt, holt Paul ein Messer und schlägt Anna ein neues Spiel vor. Es heißt „liebende Gattin“. Er nimmt ihr den Knebel aus dem Mund. Sie soll sich hinknien, die Hände schön falten und ein Gebet fehlerfrei rückwärts aufsagen. Wenn ihr das gelingt, darf sie nicht nur wählen, ob sie oder ihr Mann als nächstes getötet werden, sondern auch, auf welche Weise: mit einem Schuss oder mit dem Messer. Unvermittelt packt Anna die Flinte und erschießt Peter. Da greift Paul nach der Fernbedienung des Fernsehgeräts und lässt den Film rückwärts laufen, bis zu der Szene, als Anna nach der Waffe greift. Dann sorgt er dafür, dass sie die Flinte nicht erwischt und erschießt mit der zweiten Patrone Georg.

Peter und Paul zerren die gefesselte und erneut geknebelte Witwe auf das Segelboot und legen ab. Mitten auf dem See wird Anna von Paul ins Wasser gestoßen.

Während der Weiterfahrt klagt Peter, er habe einen Science-Fiction-Film über Paralleluniversen gesehen und könne seither Realität und Fiktion kaum noch unterscheiden.

Die beiden Jungen legen vor dem Seehaus von Robert und Gerda an. Inzwischen ist es acht Uhr morgens. Paul klingelt und erzählt Gerda, Anna habe unerwartet Besuch bekommen und schicke ihn um vier Frühstückseier …

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In „Funny Games“ experimentiert Michael Haneke mit sinnloser Gewalt und perfider Manipulation. Die beiden jungen, höflichen und freundlichen Sadisten geben ihren Opfern keinerlei Erklärung dafür, warum sie sie quälen. Auch die Zuschauer erfahren weder etwas über die Herkunft von Peter und Paul noch über deren Motive. Nur der Realitätsverlust und die Abstumpfung durch die Medien – vor allem das Fernsehen – sind greifbar.

„Funny Games“ gibt ja nicht vor, ein Film zu sein, der Realität beschreibt, sondern es ist ja die Parodie eines Genrefilms, wenn Sie so wollen […] (Michael Haneke in einem Interview)

Michael Haneke irritiert die Zuschauer nicht nur durch den Inhalt seines Films „Funny Games“, sondern auch durch ungewohnte stilistische Einfälle: Dreimal schaut Paul in die Kamera und wendet sich unmittelbar an die Zuschauer. Einmal zwinkert er uns nur komplizenhaft zu, dann schlägt er uns vor, mit ihm zu wetten, ob die Familie Schober nach zwölf Stunden noch leben wird oder nicht. Zum dritten Mal geschieht es, als Georg die Sadisten anfleht, endlich Schluss zu machen. Paul möchte jedoch weiterspielen und fragt die Zuschauer rhetorisch: „Ist es schon genug?“ Einmal nimmt er die Fernbedienung des Fernsehgeräts und spielt das Geschehen wie in einem Film ein Stück zurück, weil er mit dem Ablauf der Handlung nicht zufrieden ist. Quälend ist es für die Zuschauer, wenn die Kamera an einer bestimmten Stelle des Films minutenlang unverändert in einer Ecke des Wohnzimmers stehen bleibt und Anna und Georg aufnimmt, die ebenfalls wie erstarrt wirken.

Hervorzuheben sind noch das sorgfältig aufgebaute Drehbuch von Michael Haneke und die außergewöhnliche schauspielerische Leistung von Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering und vor allem von Susanne Lothar.

2007 drehte Michael Haneke ein Remake seines Films „Funny Games“. Dabei verlegte er die Handlung an die Ostküste der USA: „Funny Games U. S.“.

Michael Haneke wurde am 23. März 1942 in München als Sohn des Düsseldorfer Regisseurs Fritz Haneke und der österreichischen Schauspielerin Beatrix von Degenschild geboren. In Wien studierte er Psychologie und Philosophie. Von 1967 bis 1971 arbeitete er als Redakteur und Fernsehspieldramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden. Dann machte er sich als Theaterregisseur einen Namen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005 / 2008

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Arnon Grünberg - Der Vogel ist krank
Arnon Grünberg lässt sich in dem Roman "Der Vogel ist krank" viel Zeit, die zugleich hoffnungslose, tragische und komische Geschichte zu erzählen; der fehlende Schwung wird jedoch durch Sprachwitz und Situationskomik weitgehend kompensiert.
Der Vogel ist krank

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