Das weiße Band

Das weiße Band

Das weiße Band

Originaltitel: Das weiße Band / Das weisse Band. Eine deutsche Kindergeschichte – Regie: Michael Haneke – Drehbuch: Michael Haneke – Kamera: Christian Berger – Schnitt: Monika Willi –Darsteller: Christian Friedel, Burghart Klaußner, Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Josef Bierbichler, Ursina Lardi, Maria-Victoria Dragus, Leonard Proxauf, Steffi Kühnert, Rainer Bock, Leonie Benesch, Gabriela Maria Schmeide, Birgit Minichmayr, Detlev Buck u.a. – 2009; 145 Minuten

Inhaltsangabe

In seinem Film "Das weiße Band" porträtiert Michael Haneke eine norddeutsche Dorfgemeinschaft unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und analysiert die Mechanismen des Zusammenlebens. In den autoritären Strukturen dieses Mikrokosmos spiegelt sich das obrigkeitsstaatliche Denken in der wilhelminischen Gesellschaft. Die Menschen fügen sich scheinbar in die repressive Ordnung, aber durch Demütigung und Missbrauch, Gewalt und Strafandrohung stauen sich Aggressionen auf ...
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Kritik

Statt den von der medialen Reizüberflutung geprägten Sehgewohnheiten Rechnung zu tragen, mutet Michael Haneke den Zuschauern in "Das weiße Band" lange Einstellungen, den Verzicht auf Farbe, Musikuntermalung und stilistische Gimmicks zu.
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Die Bewohner des protestantischen Dorfes Eichwald in Norddeutschland sind praktisch alle vom Gutsherrn abhängig, dem Baron (Ulrich Tukur), der mit seiner Ehefrau (Ursina Lardi), den drei Kindern und den Bediensteten im Herrenhaus wohnt. In den Bauern ebenso wie den polnischen Saisonarbeitern sieht er nichts weiter als Arbeitskräfte, über die er nach Feudalherrenart verfügt. Innerhalb der Familien haben die Männer das Sagen; sie erwarten von Frauen und Kindern, dass sie sich demütig und ohne Widerworte fügen. Wann immer einen Mann sexuelles Begehren überkommt, muss ihm die Ehefrau für die Triebabfuhr – einen in der Regel kurzen, lieblosen Akt – zur Verfügung stehen.

Zu den Autoritäten im Dorf gehört auch der strenge Pastor (Burghart Klaußner), der selbst gegenüber seinen eigenen vier Kindern jede Gefühlsregung unterdrückt. Als Klara und Martin (Maria-Victoria Dragus, Leonard Proxauf), die beiden ältesten Kinder, eines Abends im Sommer 1913 zu spät nach Hause kommen, ordnet der Vater an, dass alle Familienmitglieder – die Missetäter, ihre beiden jüngeren Geschwister, der Pastor und seine von der Entscheidung überraschte Frau (Steffi Kühnert) – ohne Essen zu Bett gehen werden. Wie angekündigt, verabreicht er Klara und Martin am nächsten Abend im Beisein ihrer Geschwister je zehn demütigende Rutenhiebe aufs Gesäß, nicht ohne zu beteuern, wie sehr ihn die erforderliche Züchtigung schmerze. Außerdem müssen Klara und Martin ab jetzt wieder ein weißes Band im Haar bzw. an der Kleidung tragen, das sie an Reinheit und Tugend gemahnen soll.

Ebenfalls im Sommer 1913 stürzt der verwitwete Dorfarzt (Rainer Bock) mit seinem Pferd über einen dünnen, zwischen zwei Bäumen gespannten Draht. Der Arzt wird schwer verletzt in ein Krankenhaus in der Stadt gebracht. Das Tier verendet. Als der Gendarm (Christian Klischat) sich am nächsten Tag die Unfallstelle anschaut, fehlt der Draht. Nur die Einkerbungen an der Baumrinde sind noch deutlich zu erkennen. Monatelang liegt der Arzt im Krankenhaus. Um seine beiden Kinder Anna und Rudi (Roxane Duran, Miljan Chatelain) kümmert sich die alleinstehende Hebamme (Susanne Lothar), die schon längere Zeit seine Geliebte ist und ihm den Haushalt führt, obwohl sie auch für ihren geistig behinderten kleinen Sohn Karli (Eddy Grahl) sorgen muss.

Kurz nach dem Reitunfall des Arztes kommt im Sägewerk des Guts eine Arbeiterin um Leben: Sie stürzt durch eine morsche Stelle im Fußboden des Obergeschosses. Während der Witwer (Branko Samarovski), ein Bauer, still um seine Frau trauert, hält sein ältester Sohn Max (Sebastian Hülk) den Baron für schuld am Tod seiner Mutter und verwüstet deshalb beim Erntedankfest ein Kohlfeld.

Es dauert nicht lang, bis der Baron herausbekommt, wer der Täter war. Als man seinen kleinen Sohn Sigi (Fion Mutert) schwer misshandelt im Sägewerk auffindet, verdächtigt man Max, den Jungen mit dem Kopf nach unten aufgehängt und ihm das Gesäß blutig geschlagen zu haben. Zwar stellt sich heraus, dass Max zur Tatzeit nicht im Sägewerk gewesen sein kann, aber seine Familie ist aufgrund der Vorfälle beim Gutsherrn in Ungnade gefallen. Sowohl Max‘ Vater als auch seine Schwester Frieda (Birgit Minichmayr) werden aus dem Dienst entlassen. Der dadurch in Existenznot geratene Bauer erhängt sich einige Zeit später in der Scheune.

Weil weder dem Kindermädchen Eva (Leonie Benesch) noch dem Hauslehrer (Michael Kranz) Sigis Verschwinden rechtzeitig aufgefallen war, entlässt die Baronin beide. Die siebzehnjährige Eva, die nicht in Eichwald aufwuchs, sucht verzweifelt Zuflucht beim einunddreißig Jahre alten Schullehrer (Christian Friedel), dem Sohn eines Schneiders in einer Nachbargemeinde ihres Heimatdorfes, der beim Erntedankfest mit ihr tanzte. Am nächsten Tag leiht sich der Lehrer vom Verwalter des Guts (Josef Bierbichler) einen Einspänner und bringt Eva zu ihren Eltern (Detlev Buck, Anne-Kathrin Gummich). Zur gleichen Zeit verlässt die Baronin mit Sigi und den Zwillingen das Dorf. Sie sucht Erholung in Italien.

Bei der Sonntagsmesse ruft der Baron die Gemeinde dazu auf, den oder die Schuldigen zu denunzieren. Er meint, man müsse die Fälle – den absichtlich herbeigeführten Sturz des Arztes und die Misshandlung seines Sohnes – aufklären, weil andernfalls der Frieden gefährdet sei. Es gibt zwar auch nach diesem Appell keine Hinweise auf die Täter, aber die Dorfbewohner belauern sich noch misstrauischer als bisher.

Nach einigen Monaten kommt der Arzt aus dem Krankenhaus zurück. Er schmeichelt seiner vierzehnjährigen Tochter Anna, sie sehe ihrer verstorbenen Mutter immer ähnlicher. Einige Zeit später ertappt Rudi eines Nachts, als er nicht schlafen kann, seinen Vater und seine weinende ältere Schwester mit hochgeschobenem Nachthemd [Inzest] im Behandlungszimmer. Der Vater habe ihr nur die Ohrläppchen durchstochen, beschwichtigt Anna ihren kleinen Bruder, damit sie Mutters Ohrringe tragen könne.

Die Hebamme bemüht sich immer verzweifelter, ihren Geliebten zu erregen. Nach einem ihrer vergeblichen Versuche, ihm durch Fellatio zu einer Erektion zu verhelfen, stößt er sie von sich und erklärt ihr unumwunden, er ekle sich vor ihr. Sie sei hässlich, ungepflegt und stinke aus dem Mund. Nach dem Tod seiner Frau habe er sich nur auf die Affäre mit ihr eingelassen, weil es ihm zu lästig erschien, zu den Huren in der Stadt zu fahren, aber er hätte statt ihr auch eine Kuh bespringen können, um sich Erleichterung zu verschaffen.

Der Pastor beschuldigt seinen pubertierenden Sohn Martin, er schade sich „an den feinsten Nerven seines Körpers“ und erzählt ihm eindringlich von einem anderen Jungen, der durch Masturbieren krank geworden und jämmerlich gestorben sei. Um Martin von dem sündhaften Tun abzuhalten, fesselt er ihm vor dem Schlafen beide Hände links und rechts ans Bett.

Der Säugling des Verwalters und seiner Frau (Gabriela Maria Schmeide) fiebert aufgrund einer Erkältung. Die Eltern können sich nicht erklären, wieso das Fenster mitten in der kalten Nacht offen stand, und ihre beiden Kinder Theo und Erna haben angeblich auch nichts bemerkt.

An Weihnachten besucht der Lehrer Eva bei ihren Eltern und hält um ihre Hand an, aber Evas Vater fordert ihn auf, mit der Brautwerbung noch ein Jahr zu warten. Notgedrungen erklärt der Lehrer sich einverstanden.

Auf dem Gutshof brennt nachts eine Scheune nieder.

Am Neujahrstag 1914 nimmt der Pastor Klara und Martin das weiße Band ab. Er habe jetzt wieder Vertrauen zu ihnen, sagt er. Und Martin darf nun auch wieder ungefesselt schlafen.

Ende April kehrt die Baronin mit den Kindern und einem italienischen Kindermädchen (Sara Schivazappa) nach Eichwald zurück.

Weil die Schüler vor dem Konfirmationsunterricht herumgetobt sind, stellt der Pastor seine Tochter Klara zur Strafe an die Wand und erklärt vor der ganzen Klasse, sie habe das mit dem Abnehmen des weißen Bandes in sie gesetzte Vertrauen nicht verdient. Für diese Demütigung rächt Anna sich, indem sie den Wellensittich ihres Vaters mit einer Schere ersticht und ihm den wie einen Gekreuzigten drapierten Kadaver auf den Schreibtisch legt. Aus Mitleid mit dem Vater bringt ihm Klaras kleiner Bruder Gustl (Thibault Sérié) einen von ihm gesund gepflegten Vogel.

Erna (Janina Fautz), die Tochter des Gutsverwalters, erzählt dem Lehrer, sie habe im Traum gesehen, wie Karli schwer misshandelt wurde und befürchte nun, der Traum könne wahr werden. Der Lehrer versucht, das Mädchen zu beruhigen. Es sei ja nur ein Traum gewesen. Doch als der Sohn der Hebamme dann tatsächlich mit zerschnittenem Gesicht und möglicherweise erblindet im Wald aufgefunden wird, berichtet er den ermittelnden Kriminalbeamten (Michael Schenk, Hanus Polak jr.) von dem angeblichen Traum der Schülerin. Obwohl die Beamten dem Mädchen unterstellen, es habe von der geplanten Tat erfahren und decke nun die Schuldigen, bleibt es bei der Behauptung, es sei ein Traum gewesen.

Der Arzt behandelt Karlis verletzte Augen im Beisein der Hebamme.

Theo schnitzt sich eine Flöte, aber sie funktioniert nicht. Deshalb balgt er sich mit Sigi um dessen Instrument und wirft ihn dabei in den See. Als sein Vater davon erfährt, schlägt und tritt er brutal auf ihn ein. Trotzdem beteuert Theo, die Flöte nicht zu haben. Sobald der Verwalter jedoch das Zimmer verlassen hat, bläst er lautstark eine Melodie.

Nach diesem Vorfall nimmt sich die Baronin vor, Eichwald endgültig mit den Kindern zu verlassen. Ihr Mann verbietet ihr, ohne seine Erlaubnis auch nur aus dem Raum zu gehen. Daraufhin lässt sie ihn wissen, dass sie sich während des Italienaufenthalts in einen anderen Mann verliebte. Eifersüchtig fragt der Baron, ob sie mit dem Italiener auch geschlafen habe. Bevor die Angelegenheit geklärt ist, überbringt der Verwalter die alarmierende Nachricht vom Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo. Das bedeutet Krieg!

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

In der Hoffnung, Eva noch vor seiner Einberufung heiraten zu dürfen, borgt der Lehrer sich von der Baronin, die nun doch bei ihrem Mann in Eichwald bleibt, ein Fahrrad. Damit will er zu Eva und ihrem Vater fahren. Aber als er es über den Gutshof schiebt, drängt ihn die Hebamme, ihr das Fahrrad zu überlassen. Karli habe ihr verraten, von wem er malträtiert wurde, und nun müsse sie zur Polizei, um die Schuldigen an all den unaufgeklärten Gewalttaten anzuzeigen.

Am Haus der Hebamme ist die Türe verschlossen, und die Fensterläden sind verriegelt. Der Lehrer trifft vor dem Haus auf Klara und ein halbes Dutzend Kinder. Sie würden sich Sorgen um Karli machen, behaupten sie. Er schickt sie fort und geht zum benachbarten Haus des Arztes. Dort hängt ein Zettel, demzufolge keine Ordinationen mehr stattfinden. Aus Sorge um Karli dringt der Lehrer mit dem Gutsverwalter zusammen in das Haus der Hebamme ein. Es ist niemand da. Die Hebamme, ihr behindertes Kind, der Arzt, Anna und Rudi bleiben verschwunden.

Dem Lehrer kommt es seltsam vor, dass Klara und die anderen Kinder nach dem Reitunfall des Arztes auftauchten, unmittelbar vor Sigis Misshandlung mit ihm gesehen wurden und nun nach Karli schauen wollten. Er befragt Klara und Martin. Die beiden beteuern ihre Unschuld, aber der Lehrer sieht ihnen an, dass sie etwas verschweigen. Den Gedanken, dass die Kinder etwas mit den Gewalttaten zu tun haben können, hält der Pastor für die Ausgeburt eines kranken Gehirns, und er droht dem Lehrer, er werde nicht nur für seine Entlassung sorgen, sondern ihn überdies ins Gefängnis bringen, falls er seinen Verdacht noch einmal äußern sollte.

Man tuschelt, der Arzt sei Karlis Vater. Das Kind sei aufgrund eines missglückten Abtreibungsversuches geistig behindert. Manche glauben sogar, die Frau des Arztes sei keines natürlichen Todes gestorben, sondern von ihrem untreuen Mann und der Hebamme ermordet worden.

Wegen des am 28. Juli 1914 ausgebrochenen Krieges dürfen der Lehrer und Eva vor Ablauf des Jahres heiraten. Nach dem Krieg kehrt der Lehrer nicht nach Eichwald zurück, sondern eröffnet in seinem Heimatort eine Schneiderwerkstatt. Keinen der Bewohner von Eichwald sieht er jemals wieder.

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In seinem Film „Das weiße Band“ porträtiert Michael Haneke eine norddeutsche Dorfgemeinschaft unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und analysiert die Mechanismen des Zusammenlebens. In den autoritären Strukturen dieses Mikrokosmos spiegelt sich das obrigkeitsstaatliche Denken in der wilhelminischen Gesellschaft. Der strenge protestantische Pastor macht es vor: In seiner lust- und lebensfeindlichen Einstellung glaubt er, seinen Kindern gegenüber keine Gefühle zeigen zu dürfen, sondern ihnen Schuldgefühle einimpfen und sie bei geringsten Verfehlungen rücksichtslos züchtigen zu müssen (schwarze Pädagogik). Auch die anderen Männer im Dorf erwarten von ihren Frauen und Kindern Unterwürfigkeit. An der Spitze der Hierarchie steht der Gutsherr, der in den Dorfbewohnern bloß Arbeitskräfte sieht. Die Menschen fügen sich scheinbar in diese repressive Ordnung, aber durch Demütigung und Missbrauch, Gewalt und Strafandrohung stauen sich Aggressionen auf. Auch wenn Michael Haneke das Ende offen lässt, können wir annehmen, dass die Kinder mit grausamen Gewalttaten gegen die Unterdrückung aufbegehrten. Es geht Michael Haneke offenbar in „Das weiße Band“ nicht um die Aufklärung des Kriminalfalls, sondern um die Ursachen, um die Zusammenhänge zwischen einer verabsolutierten Ideologie und einer unmenschlichen Tyrannei. In diesem Beispiel sind es ein pervertierter Protestantismus und das Aufkommen des Nationalsozialismus. Allerdings beschränkt Michael Haneke sich auf eine scheinbar objektive Darstellung und vermeidet jede oberflächliche Psychologisierung.

Die Episoden entwickeln sich chronologisch und werden von einem Erzähler aus dem Off – dem Schullehrer (Sprechrolle: Ernst Jacobi) – zusammengehalten. Im Alter von einunddreißig Jahren wurde er Zeuge der Ereignisse in Eichwald. Als Einziger bewahrte er zumindest innerlich eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den vorherrschenden Ordnungsprinzipien, aber er wagte es auch nicht, die von ihm geahnte Wahrheit aufzudecken.

Michael Haneke zeigt die Gewalttaten in „Das weiße Band“ nicht explizit. So verharrt die Kamera beispielsweise minutenlang im Korridor, während Martin die Rute holen muss und der Pastor dann hinter der verschlossenen Türe seine beiden ältesten Kinder züchtigt. Umso mehr achtet Michael Haneke auf die beklemmende Atmosphäre. Statt den von der medialen Reizüberflutung geprägten Sehgewohnheiten Rechnung zu tragen, orientiert er sich an der gravitätischen, heute etwas museal anmutenden Strenge Ingmar Bergmans zum Beispiel in „Wilde Erdbeeren“. Dazu gehören extrem lange Einstellungen, der Verzicht auf Farbe, Musikuntermalung und stilistische Gimmicks. Die wenig bewegte Kamera zeigt selten eine Totale, oft nur einen von einer Türe, einer Wand oder einer Zimmerdecke begrenzten Ausschnitt.

Die ohne Scheinwerfer bei Kerzenschein bzw. im Licht von Petroleumlampen gedrehten Szenen sind so dunkel, dass man auf einer lichtschwachen Leinwand kaum etwas erkennen kann. Für die Aufnahmen wurde ein Farbfilm verwendet. Die schwarz-weiße Endfassung ließ Michael Haneke digital nachbearbeiten.

Zur Vorbereitung auf die Realisierung des Filmprojekts informierte sich Michael Haneke eingehend über das Leben in einem wilhelminischen Dorf. So sind der Brauch mit dem weißen Band ebenso wie das Abmähen der Kohlköpfe als Racheakt authentisch. Für das Erntedankfest ließ Michael Haneke eigens drei Kilogramm schwere Landbrote backen. Weil das Getreide damals nicht so hoch wuchs wie heute, wurde eine alte Sorte ausgesät, die dann allerdings auf dem ungeeigneten Boden nicht gedieh, sodass am Ende doch auf einem Feld mit modernem Getreide gedreht werden musste.

Um glaubwürdige Gesichter zeigen zu können, engagierte Michael Haneke zweihundert Landarbeiter aus Polen und Rumänien als Komparsen.

Die Dreharbeiten fanden vom 9. Juni bis 4. September 2008 statt. Für das fiktive Dort Eichwald lieferten Netzow und Michaelisbruch in Brandenburg die Kulissen. In Netzow verschob man eigens die bereits projektierte Asphaltierung der Hauptstraße bis nach Abschluss der Dreharbeiten. Modernere Gebäude wurden mit Scheinfassaden von Fachwerkhäusern verblendet. Die Szenen vor dem Herrenhaus entstanden am Schloss Johannstorf bei Travemünde, und das zum Gut gehörende Sägewerk steht in Wirklichkeit in Rheinsberg-Zechlinerhütte. Die Innenaufnahmen erfolgten im Media City Atelier in Leipzig.

Der österreichisch-deutsche Film „Das weiße Band“ war bereits ab 17. September 2009 in einigen wenigen Kinos zu sehen, ab 24. September überall in Österreich und ab 15. Oktober auch in allen deutschen Städten.

„Das weiße Band“ wurde zwar als deutscher Beitrag in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ für einen „Oscar“ nominiert, ging jedoch am Ende leer aus. Umso erfolgreicher war „Das weiße Band“ mit dreizehn Nominierungen und zehn Trophäen bei der Verleihung des 60. Deutschen Filmpreises am 23. April 2010. Für den „Besten Spielfilm“ gab es die „Goldene Lola“. Ausgezeichnet wurden außerdem Burghart Klaußner (Nebendarsteller), Maria-Victoria Dragus (Nebendarstellerin), Michael Haneke (Regie und Drehbuch), Christian Berger (Kamera), Christoph Kanter (Szenenbild), Moidele Bickel (Kostüme), Guillaume Sciama und Jean-Pierre Laforce (Tongestaltung), Waldemar Pokromski und Anette Keiser (Maske). Damit ist „Das weiße Band“ der bisher erfolgreichste Film in der Geschichte des Deutschen Filmpreises.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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