Die Ehre der Prizzis

Die Ehre der Prizzis

Die Ehre der Prizzis

Die Ehre der Prizzis - Originaltitel: Prizzi's Honor - Regie: John Huston - Drehbuch: Richard Condon und Janet Roach, nach dem Roman "Prizzi's Honor" von Richard Condon - Kamera: Andrzej Bartkowiak - Schnitt: Rudi und Kaja Fehr - Musik: Alex North - Darsteller: Jack Nicholson, Kathleen Turner, Anjelica Huston, Robert Loggia, John Randolph, William Hickey, Lee Richardson, Michael Lombard, Lawrence Tierney, Stanley Tucci u.a. - 1985; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Bei der Hochzeitsfeier einer Enkelin des Paten der Prizzis verliebt der zur "Familie" gehörende Profikiller Charley Partanna sich in eine Fremde namens Irene Walker, die sich als Steuerberaterin ausgibt. Kurz darauf vermählen sich die beiden. Da ahnt Charley noch immer nicht, dass es sich bei Irene um eine Auftragsmörderin handelt. Am Ende werden sie von den Prizzis sogar aufeinander angesetzt ...
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Kritik

John Huston und Richard Condon räumen mit dem Mythos von den besonderen Loyalitäten in den Mafia-"Familien" auf: In der unterhaltsamen Satire "Die Ehre der Prizzis" ist der Pate heuchlerisch, heimtückisch und zynisch. Auch den übrigen Mitgliedern der "ehrenwerten Familie" kommt es nur aufs Geld an.
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Bei der Hochzeit einer Enkelin des überaus mächtigen Mafia-Paten Don Corrado Prizzi (William Hickey) in Chicago entdeckt Charley Partanna (Jack Nicholson) eine Fremde, in die er sich auf der Stelle verliebt. Sie stammt aus Polen, hat jedoch ihren Namen amerikanisiert, nennt sich Irene Walker (Kathleen Turner) und gibt sich als Steuerberaterin aus. Irene lässt sich von Charley zum Tanzen auffordern; doch da wird sie zum Telefon gerufen und taucht anschließend nicht mehr auf. Nachts ruft sie Charley aus Kalifornien an und erklärt ihm, sie habe plötzlich nach Hause gemusst. Sie verabreden sich für den nächsten Tag.

Nach seiner Rückkehr aus Kalifornien erfährt Charley, dass während der Hochzeitsfeier ein Gegner der Prizzis erschossen wurde. Jemand zu erschießen wäre eigentlich seine Aufgabe gewesen, denn Charley erledigt die Auftragsmorde der Prizzis, seit er vom Paten wie ein Sohn aufgenommen worden war. Dass man in diesem Fall „ein auswärtiges Talent“ beauftragt hatte, wie Angelo („Pop“) Partanna (John Randolph) seinem Sohn Charley verrät, hat allerdings den Vorteil, dass die Polizei keinem aus der Familie etwas anhaben kann, weil alle bei der Hochzeitsfeier waren und deshalb über nachprüfbare Alibis verfügen.

Vor vier Jahren machte Charley sich innerhalb der Mafia-Familie Dominic Prizzi (Lee Richardson), einen der Söhne des Paten, zum Feind, weil er mit dessen Tochter Maerose (Anjelica Huston), die er von klein auf kennt, ein Verhältnis hatte und sie dann nicht heiraten wollte. Maerose Prizzi gilt seither als entehrt und verstoßen.

Charley erhält den Auftrag, die von zwei Gangstern in einem Spielcasino der Prizzis in Las Vegas veruntreuten 700 000 Dollar wiederzubeschaffen. Louis, einer der beiden Männer, wurde in Las Vegas erschossen. Den anderen, Marxie Heller (Joseph Ruskin), besucht Charley in Los Angeles und erschießt ihn kurzerhand in der Garage. Dann wartet er im Haus auf Hellers Ehefrau, die gerade beim Einkaufen ist. Als sie heimkommt, stellt Charley verblüfft fest, dass es sich um seine neue Geliebte handelt, die ihm erzählte, ihr Mann habe sie vor vier Jahren verlassen. Irene stammelt zunächst etwas verwirrt herum, dann behauptet sie, ihr Mann sei kürzlich wieder aufgetaucht und nun könne sie sich endlich von ihm scheiden lassen. Außerdem habe er wegen einer unheilbaren Krankheit nur noch wenige Wochen zu leben. Als Charley ihr verrät, er habe ihn gerade erschossen, reagiert sie nicht weiter darauf. Nach dem Geld aus Las Vegas befragt, tut sie so, als habe sie keine Ahnung und schlägt vor, im Reisekoffer ihres Mannes nachzusehen. Darin befinden sich gebündelte Geldscheine im Wert von 350 000 Dollar. Von seiner Liebe verblendet, glaubt Charley der Blondine, dass sie nichts davon wusste.

In Chicago lässt Dominic Prizzi sich von Charley über den Einsatz in Kalifornien berichten, und als er erfährt, dass immer noch die Hälfte des veruntreuten Geldes fehlt, schickt er den verhassten früheren Geliebten seiner Tochter erneut los.

Als Charley seinem Vater stolz Fotos zeigt, die von Irene während der Hochzeitsfeier gemacht wurden, verbrennt dieser sie und klärt ihn darüber auf, dass es sich bei dieser Frau um das „auswärtige Talent“ gehandelt habe. Charley ist verblüfft, denn er hatte die Geschichte von der Steuerberaterin geglaubt. Nun weiß er nicht mehr, ob er Irene erschießen oder heiraten soll. Mitten in der Nacht sucht er Rat – ausgerechnet bei Maerose Prizzi. Sie rät ihm, die Frau zu heiraten, denn es sei doch nicht weiter schlimm, dass sie einen Auftragsmord übernommen habe: „Sie ist Amerikanerin und hat die Chance ergriffen, ein paar Dollar zu machen.“

Kurz entschlossen fliegt Charley am nächsten Morgen wieder nach Los Angeles. In einer Blitzhochzeit werden er und Irene noch am selben Tag getraut.

Durch die Eheschließung ihres früheren Geliebten gilt auch die Ehre Maerose Prizzis als wiederhergestellt, und der Don überredet seinen Sohn Dominic, sie wieder in die Familie aufzunehmen. Maerose schminkt sich bewusst unvorteilhaft, und als ihr Vater sie bedauert, weil er annimmt, dass sie unter der erlittenen Demütigung durch Charley noch immer leidet, erzählt sie ihm, dass dieser sie noch am Abend vor seiner Hochzeit „vier- oder fünfmal gebumst“ habe. Vor Schreck erleidet Dominic Prizzi einen Herzanfall.

Der Don ruft die Familienmitglieder in New York zusammen. Dort berichtet ein Bankangestellter namens Gomsky (Seth Allen), dass Robert Finlay (Michael Lombard), der Präsident des zu 25 Prozent den Prizzis gehörenden Geldinstituts, laufend seine eigene Bank betrüge. Um Finlay, der eigentlich Rosario Filargi heißt, einen Denkzettel zu erteilen, planen die Prizzis, ihn zu entführen, ihm sein gesamtes Vermögen als Lösegeld abzuverlangen und obendrein von seiner Versicherung gegen Kidnapping ein paar Millionen Dollar zu kassieren. An einem der nächsten Morgen steht Irene mit einer Puppe im Arm, die jeder für einen Säugling halten muss, im Aufzug, als Finlays Leibwächter nachschaut, ob der Bankpräsident gefahrlos seine Wohnung verlassen und zur Tiefgarage fahren kann. Charley versteckt sich auf der Etage. Als Finlay aus der Tür kommt, wirft Irene dem Bodyguard das vermeintliche Kind zu, und als dieser es instinktiv aufzufangen versucht, erschießt Charley ihn. Zufällig kommt in diesem Augenblick eine Frau mit dem Aufzug herauf – und wird von Irene kaltblütig erschossen.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei der ermordeten Zeugin um die Ehefrau eines Polizeioffiziers handelt. Für die Zeit bis zur Festnahme des Mörders oder der Mörderin setzt die Polizei alle geheimen Vereinbarungen mit der Mafia außer Kraft und beginnt, hart gegen Gesetzesübertretungen durchzugreifen. Die Polizeibeamten müssen deshalb zwar vorübergehend auf die Schmiergelder der Mafia verzichten, aber ihre Ehre lässt es nicht zu, die Ermordung der Frau eines Polizeioffiziers einfach hinzunehmen. Für die Verbrecherorganisationen wirkt sich das geschäftsschädigend aus, und es kommt deshalb zu Unruhen. Während einer Feier aus Anlass von Dominic Prizzis Versetzung nach Las Vegas bricht Feuer in dem Gebäude aus, der Chauffeur des Don wird erstochen, Dominic Prizzi auf offener Straße erschossen. Dahinter stecke, vermuten die Prizzis, der Clan des Paten Bocca (Ray Serra).

Maerose Prizzi fliegt nach Las Vegas und erkundigt sich auf eigene Faust nach den fehlenden 700 000 Dollar. Eine Prostituierte erzählt, sie habe Irene Walker mit einem Koffer aus der Tür von Louis kommen sehen, bevor man seine Leiche fand.

Von Maerose entsprechend unterrichtet, bestellt der Don Irene zu sich, beschuldigt sie, das gesamte Geld genommen, aber Charley nur die Hälfte gegeben zu haben. Er gibt ihr fünf Tage Zeit, die fehlenden 350 000 Dollar plus 50 Prozent Bußgeld zu überbringen.

Irene gesteht Charley, ihn belogen, Louis erschossen und das gesamte Geld an sich genommen zu haben. Jetzt verlange der Don eine halbe Million von ihr. Außerdem warnt sie ihren Mann: Ohne zu ahnen, dass sie Charleys Frau geworden war, hat Dominic Prizzi die Berufskillerin beauftragt, ihn zu erschießen und ihr 50 000 Dollar Vorschuss dafür gegeben! Charley folgt dem Rat seines Vaters und bringt den von den Prizzis entführten Robert Finlay in seine Gewalt. Dann stellt er in einem Brief an Dominics Bruder Eduardo Prizzi (Robert Loggia) seine Forderungen, aber der Pate ködert ihn mit dem Versprechen, ihn zum Nachfolger Dominic Prizzis zu machen und fordert ihn auf, Finlay freizulassen. Dann klärt er Charley darüber auf, dass die Familie beschlossen habe, die Mörderin der Ehefrau des Polizeioffiziers zu liquidieren, damit die Polizei ihr geschäftsschädigendes Vorgehen beendet. Ausgerechnet Charley soll den Mordauftrag ausführen und „den lästigen Stein aus dem Schuh des Paten entfernen“. Als Charley sich sträubt, erinnert ihn der Don an den heiligen Eid, den er bei der Aufnahme in seine Familie schwor und meint, es sei ohnehin ein Fehler gewesen, eine Nicht-Italienerin zu heiraten.

Irene, die den Prizzis misstraut, bucht für den nächsten Tagen einen Flug nach Hongkong, um eine falsche Spur zu legen und nimmt die nächste Maschine nach Los Angeles. Dorthin folgt Charley ihr. Vor dem Schlafen entsichert sie im Ankleideraum ihre Pistole, doch als sie von der Tür des Schlafzimmers aus auf Charley schießt, verfehlt sie ihn – während er ihr mit einem vorsorglich bereitgelegten Wurfmesser die Kehle durchbohrt und sie tötet.

Charley fliegt zurück nach Chicago, wo er sogleich Maerose Prizzi anruft und sich mit ihr zum Essen verabredet …

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Als John Huston den 1982 veröffentlichten Roman „Prizzi’s Honor“ („Die Ehre der Prizzis“) von Richard Condon verfilmte, gewann er den Schriftsteller als Drehbuchautor. Vielleicht ist es dadurch erklärbar, dass die Gangsterkomödie durch zu viele Nebenhandlungen ein wenig unübersichtlich geworden ist. Ein fremder Drehbuchautor hätte den Plot bei der Adaptation fürs Kino möglicherweise stärker gestrafft – und das hätte dem Film gut getan. Auf jeden Fall räumt „Die Ehre der Prizzis“ mit dem von Mario Puzo („Der Pate“, „Omertà“) geprägten Mythos von den besonderen Ehrbegriffen der Mafiosi auf: In John Hustons ironischer Darstellung ist der Pate heuchlerisch, heimtückisch und zynisch. Auch den übrigen Mitgliedern der „ehrenwerten Familie“ kommt es ausschließlich aufs Geld und nicht auf Loyalitäten an. „Die Ehre der Prizzis“ ist eine unterhaltsame Satire auf die Mafia, sehenswert nicht zuletzt wegen der brillanten Darsteller, allen voran Jack Nicholson in der Rolle des einfältigen Auftragskillers.

In der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ wurde Anjelica Huston für die Rolle der Maerose Prizzi mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominierungen hatte es auch in folgenden Kategorien gegeben: (1) Bester Film, (2) Regie – John Huston, (3) Drehbuch – Richard Condon und Janet Roach, (4) Hauptdarsteller – Jack Nicholson, (5) Nebendarsteller – William Hickey, (6) Kostüme – Donfeld.

Soweit die Filmmusik nicht von Alex North komponiert wurde, stammt sie von Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini und Gioacchino Rossini.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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