Moses Isegawa : Die Schlangengrube

Die Schlangengrube

Moses Isegawa

Die Schlangengrube

Originalausgabe: Slangenkuil De Bezige Bij, Amsterdam 1999 Die Schlangengrube Übersetzung: Barbara Heller Karl Blessing Verlag, München 2002 ISBN 3-89667-160-X, 318 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Bat Katanga kehrt nach dem Studium in Cambridge nach Uganda zurück, wo Idi Amin sich inzwischen an die Macht geputscht hat. Bei dem korrupten, machtgierigen General Bazooka bewirbt er sich für ein führendes Amt im Energie- und Verkehrsministerium. Weil der skrupellose Emporkömmling Bazooka in dem tüchtigen Akademiker bald einen Rivalen vermutet, setzt er eine Geheimagentin auf ihn an ...
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Kritik

In "Die Schlangengrube" prangert Moses Isegawa die Gesetzlosigkeit unter Idi Amins Tyrannei in Uganda an: Korruption, Intrigen und skrupelloses Morden. – Stilistisch wirkt "Die Schlangengrube" wie eine Mischung zwischen Abenteuer- und Episodenroman.
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Bat Katanga wurde 1938 in Uganda als Sohn eines Kaffeerösters geboren. Er begann an der Makerere-Universität ein Mathematik- und Volkswirtschaftsstudium, das er in Cambridge abschloss. Anschließend kehrte er nach Uganda zurück, wo Idi Amin sich inzwischen an die Macht geputscht hatte.

Bats Schwester arbeitet als Krankenschwester und heiratet den Stadtplaner Mafuta Mingi. Sein Bruder Tajari verdient als Feuerwerker auf Hochzeiten und hin und wieder mit Autoreparaturen ein wenig Geld, zeigt aber auch kein Interesse an einem festen Job.

Von General Samson Bazooka Ondogar, dem gleichaltrigen Energie- und Verkehrsminister und Leiter der Antischmuggel-Einheit, lässt Bat sich für eine leitende Position einstellen. Bats Vorgesetzter sei bloß eine Galionsfigur, schärft der General ihm ein.

Anders als Bat musste Bazooka sich aus einfachen Verhältnissen hocharbeiten. Das gelang ihm in der Armee. Schon als Feldwebel nahm er sich, was ihm gefiel, so zum Beispiel die Oris-Autocrat-Armbanduhr, auf die er heute noch stolz ist. Er musste damals allerdings erst eine Handgranate zünden, bevor er die Uhr einem angetrunkenen Partygast abnehmen konnte. Inzwischen schwimmt er in dem Geld, das er durch Bestechung erhält oder für die Beute, die seine Leute den Schmugglern abnehmen.

Eine Woche nach dem Einstellungsgespräch mit Bazooka zieht Bat in eine Regierungsvilla mit Gärtner, Köchin und Wachmann auf einem Hügel am Viktoriasee. Und er fährt einen dunkelgrünen Jaguar XJ10. Zwölf Stunden am Tag arbeitet er, um das Ministerium zu reorganisieren. In kurzer Zeit verschafft er sich mit dem Erfolg seiner Arbeit Respekt. Bazooka empfindet ihn jedoch deshalb als Rivalen und setzt Victoria Kajiwa auf ihn an.

Victoria stammt aus einer wohlhabenden Familie von Textilimporteuren. Als die Zöllner bei einer Kontrolle in einer Stofflieferung eine Kiste mit Gewehren fanden, wurde ihr Vater festgenommen und kam trotz seiner Unschuld nie mehr frei. Victoria geriet in schlechte Gesellschaft und begann, sich zu prostituieren. So geriet sie an Bazooka. Ende der Sechzigerjahre zog sie zu ihm, aber ihr Traum, seine Frau zu werden, erfüllte sich nicht, denn eines Tages beendete er die Affäre und klärte Victoria darüber auf, dass er verheiratet sei und drei eheliche Kinder habe. In der Hoffnung, seine Hauptfrau im Lauf der Zeit verdrängen zu können, erklärte Victoria sich bereit, für Bazooka den Lockvogel zu spielen und die Männer auszuhorchen, die ihm im Weg standen. Kurz nach Idi Amins Putsch ließ Bazooka seine frühere Geliebte in einem Trainingslager ausbilden und verschaffte ihr dann zur Tarnung eine Stelle im Bauministerium.

Im Auftrag Bazookas macht Victoria sich bei einer Hochzeitsfeier im Nilbarsch-Hotel an Bat heran und geht mit ihm ins Bett. In den letzten beiden Jahren wurden fast alle Männer ermordet, mit denen sie geschlafen hatte; Sex war für sie nur Mittel zum Zweck. Aber in Bat verliebt sie sich, und sie behauptet deshalb Bazooka gegenüber, sie könne nichts Belastendes über ihn herausfinden.

Bei einem Empfang erlebt Bazooka mit Entsetzen, wie Idi Amin ohne Vorwarnung bekanntgibt, dass er als Chef der Antischmuggel-Einheit von Robert Ashes abgelöst wird.

Bei Ashes handelt es sich um einen als Sohn eines alkoholabhängigen Fabrikbesitzers in Newcastle geborenen Engländer. Weil er kein Unternehmer werden wollte, trampte er als Jugendlicher nach London und meldete sich mit neunzehn zum Militär. So kam er während des Zweiten Weltkriegs nach Afrika. Danach häufte er als Bauunternehmer durch Erpressung und Bestechung ein Vermögen an, aber das langweilte ihn bald wieder. Deshalb kämpfte er als Söldner in Kenia gegen die Mau-Mau und erbeutete in Südafrika ein Kilo Rohdiamanten. Auf der Suche nach Herbert Williams, dem in Uganda vermuteten Kopf der IRA, kam er im Auftrag des britischen Geheimdienstes wieder nach Uganda – und wurde zu einem der engsten Vertrauten Idi Amins.

Während ihrer Schwangerschaft erfährt Victoria durch Kollegen beim Staatlichen Sicherheitsdienst, dass Bat mit einer anderen zusammen sei. Tatsächlich hat Bat bei einer Trauerfeier eine junge Frau namens Babit kennen gelernt und sich in sie verliebt.

Um zwischen zwei vorliegenden Angeboten für eine Lieferung von Baumaschinen zu entscheiden, fliegt Bat nach Saudi-Arabien. Der ältere der beiden konkurrierenden Prinzen erhält den Zuschlag, indem er Bat nicht nur die üblichen 10 Prozent der Auftragssumme in bar für den Minister mitgibt, sondern außerdem ein Nummernkonto für Bat einrichtet und dort weitere 2,5 Millionen US-Dollar einzahlt.

Ashes erfährt von der Schmiergeldzahlung und deutet Bazooka gegenüber etwas darüber an. Der lässt Bat einsperren und beabsichtigt, ihn bei passender Gelegenheit ganz aus dem Weg zu räumen. Um auch den viel gefährlicheren Rivalen Ashes auszuschalten, hetzt Bazooka seine Anhänger auf ihn:

„Hören Sie, Oberst: zehntausend Dollar für den Mann, der mir Ashes‘ Penis bringt. Amerikanische Dollar, cash. Bei Tag oder bei Nacht. Bei Regen oder Sonnenschein. Haben Sie verstanden? Zehntausend.“ (Seite 129f)

Zur gleichen Zeit verlangt Ashes von Big Bossman, dem Chef von Copper Motors, dass dieser ihn als Geschäftspartner akzeptiert. Bossman glaubt, ihn auslachen zu können, aber als sein Stellvertreter kurz darauf erhängt aufgefunden wird, geht er auf das vorgeschlagene Geschäft mit Ersatzteilen für die Armee ein und vermittelt Ashes eine Provision von 10 Millionen US-Dollar. Noch immer glaubt Bossman, Ashes hereinlegen zu können: Er lässt das Schmiergeld auf ein Nummernkonto auf den Cayman Islands überweisen, bereitet seine Flucht aus Uganda vor und schickt als Erstes seinen einzigen Sohn außer Landes. Bevor seine Frau dem Sohn folgen kann, nimmt Ashes sie fest. Mrs Bossman verrät nicht, wo die 10 Millionen Dollar sind. Ashes beschuldigt sie des Mordes an Bossmans Stellvertreter und verhaftet ihren Mann ebenfalls, angeblich, weil dieser mit den von Tansania aus operierenden Regimegegnern kollaboriert habe. In einer Gefängniszelle befiehlt Ashes seinen Leuten, vor Bossmans Augen dessen Frau mit einem Knüppel totzuschlagen. Dann muss der Geschäftsmann im Wald Holz sammeln, aufschichten und die Leiche darauf legen. Am Ende wird er selbst gefesselt und in die lodernden Flammen geworfen.

Bats Freunde und Verwandte wissen nicht, warum er verschwunden ist. Seine Schwester alarmiert den englischen Unterhausabgeordneten Damon Villeneuve, von dem sie weiß, dass er mit Bat in Cambridge studierte. Villeneuve wendet sich an die britische Botschaft in Uganda und lässt nicht locker, bis Idi Amin Robert Ashes befiehlt, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Der lässt kurzerhand eine Reihe von Bazookas Mitarbeitern im Ministerium festnehmen und verlangt von seinem Gegenspieler Bats Freilassung.

Nach einem halben Jahr im Gefängnis reist Bat mit Babit zu einem vierwöchigen Urlaub nach England.

Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass es doch schön wäre, Babit vor der Rückreise einen Heiratsantrag zu machen. Ohne weitere Feierlichkeit nahm er ihre Hand, küsste sie und fragte sie, ob sie seine Frau werden wolle. Sie sagte Ja. Dann schwiegen beide eine Weile, und Bat staunte, wie leicht manche Dinge passierten. (Seite 211)

Zurück in Uganda, erhält Bat eine führende Position im Finanzministerium.

Bat und Babit heiraten. Auch nach der Eheschließung der beiden fährt Victoria fort, Babit hasserfüllt mit Telefonanrufen zu terrorisieren.

Tajari klärt Bat darüber auf, dass Victoria für den Staatlichen Sicherheitsdienst arbeitet und offenbart ihm, dass er zu den Regimegegnern gehört. Er und seine Gesinnungsgenossen verteilen Nieder-mit-Amin-Flugblätter. Mit der Behauptung, einen illegalen Sender einrichten zu wollen, gelingt es Tajari, Geld von seinem Bruder zu bekommen.

Allerdings hat Tajari gar nicht vor, einen Sender zu betreiben, sondern er und seine Mitverschworenen benötigen das Geld, um zur Tarnung in Bulezi eine Autowerkstatt zu eröffnen. Dort stellen sie Plastik- und Düngemittelbomben her, mit denen sie versuchen, Idi Amins Regime zu destabilisieren.

Bei der fünften Explosion wird Bazookas Ehefrau ein Arm abgerissen, sie erleidet schwere Verbrennungen und erblindet.

Auf der Suche nach den Tätern erinnert Bazooka sich an Victoria, beschimpft sie, weil sie ihren Auftrag, Bat zu bespitzeln, nicht ausgeführt hatte und will von ihr wissen, wo dessen Bruder ist. Victoria hat nicht vor, noch einmal für Bazooka zu arbeiten. Sie taucht unter.

Kurz darauf kommt Bat zum Mittagessen nach Hause und wundert sich, wieso seine Frau ihn nicht empfängt. Er findet ihren Rumpf in der Badewanne, und ihr abgetrennter Kopf liegt auf dem Boden.

Daraufhin nimmt Tajari erneut Kontakt mit Bat auf. Die beiden sind sich sicher, dass Victoria den Mord in Auftrag gegeben hat. Tajari will sie umbringen, um den Tod seiner Schwägerin zu rächen, aber Bat hält ihn davon ab: „Töten ist nicht mein Stil.“ (Seite 261) Bat bittet seinen Bruder, Victoria und die Auftragsmörder ausfindig zu machen und der Polizei zu übergeben.

Ein paar Tage später zwingt Tajari Victoria, zu ihm ins Auto zu steigen. Durch eine halsbrecherische Fahrt jagt er ihr so lange Angst ein, bis sie ihm die Namen der Metzger nennt, die Babit in ihrem Auftrag umgebracht haben.

Victoria und ihre Helfer kommen vor Gericht. Bat und Babits Familie hoffen auf ein gerechtes Urteil, aber Bazooka nimmt sich vor, Victorias Verurteilung zu vereiteln. Unmittelbar vor dem Prozess legen Bats Anwälte ihr Mandat nieder, weil sie entführt und bedroht wurden. Bazooka macht sich einen Spaß daraus, Victorias Auftritte im Gerichtssaal regelrecht zu inszenieren. Dazu lässt er sie wie eine Prinzessin gekleidet und mit einem Gefolge von zehn Pagen auf einer Sänfte in den Saal tragen. Am Ende spricht der Richter die Angeklagten frei.

Danach nimmt Victoria mit ihrer kleinen Tochter einen Bus nach Westen. Sie zieht sich in die Berge zurück, nennt sich nun Paula und gibt ihrer Tochter den neuen Namen Damascena, lässt sich Bibel-Fernkurse aus Texas schicken und gründet eine Sekte.

Wütend darüber, dass es bisher niemand gewagt hat, ihm den Penis seines Gegenspielers zu bringen, wettet Bazooka mit einem anderen General, er werde sich einen Zeh abschneiden, wenn Ashes nicht innerhalb von sieben Monaten tot sei. Seine Anhänger zwingen die Schmuggler zur Zusammenarbeit, und gemeinsam locken sie die von Ashes persönlich angeführte Antischmuggeleinheit in einen Hinterhalt. Die Einheit wird aufgerieben, aber Ashes entkommt auf einem Schnellboot nach Majanji. Von dort fährt er mit einem Pick-up zur Grenzstadt Basia, reist mit einem falschen Pass nach Kenia ein und bucht in Mombasa eine Schiffspassage nach Kapstadt.

Bazooka erhält den Befehl, Krieg gegen die aus Tansania eingedrungenen Aufständischen zu führen. Obwohl es ihm verboten ist, kehrt er einige Zeit später heimlich nach Kampala zurück, aber seine schwer verletzte Frau wurde inzwischen von Major Ozi, dem Kommandanten der sog. Eunuchen, also der Leibwache Idi Amins, aus dem Krankenhaus geholt, und von seinen Kindern fehlt jede Spur. Dann kommt es auch noch durch das Abschneiden des Zehs zu einem Wundbrand. Bevor Bazooka daran stirbt, schießt er sich mit einer Schrotflinte in den Mund.

Idi Amin wird gestürzt.

Tajari bedankt sich bei seinem Bruder für die finanzielle Unterstützung. Ihre Schwester hat inzwischen ihr zweites Kind bekommen.

Die neue Regierung bietet Bat seinen früheren Posten an, und er ist bereit, ein neues Leben zu beginnen.

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Idi Amin (1928 – 2003) meldete sich nach der Schule zum ugandischen Militär („Fourth King’s African Rifles“). Er kämpfte in Birma, gegen aufständische Nomaden im Norden von Uganda und gegen den „Mau-Mau“-Aufstand in Kenia. An der Seite des gleichaltrigen Ministerpräsidenten Apollo Milton Obote beteiligte er sich 1966 an dem Staatsstreich gegen Präsident Mutesa II. Nach seiner eigenen Kaltstellung durch Obote putschte Idi Amin am 25. Januar 1971 und errichtete eine korrupte Tyrannei. Amnesty international beschuldigt Idi Amin, für die Ermordung von hunderttausend politischen Gegnern verantwortlich zu sein. Im Frühjahr 1979 floh Idi Amin vor tansanischen und exilugandischen Guerilla-Verbänden und ging ins Exil nach Libyen. Er starb am 16. August 2003 in einem Krankenhaus in Saudi-Arabien an Nierenversagen.

Seinen zweiten Roman – „Die Schlangengrube“ – lässt Moses Isegawa während der Tyrannenherrschaft Idi Amins in Uganda spielen. Isegawa prangert die Gesetzlosigkeit, die Korruption, die Intrigen und das skrupelloses Morden an. Idi Amin selbst taucht allerdings nur als Randfigur auf, und wir erfahren auch so gut wie nichts über die zeitgeschichtlichen Hintergründe.

Der eigentliche Protagonist ist ein Schwarzer, der nach dem Studium in Cambridge nach Uganda zurückkehrt und dort ein hohes Regierungsamt übernimmt: Bat Katanga. Einige Kapitel handeln jedoch nicht von ihm, sondern von zwei konkurrierenden Handlangern Idi Amins, von seinem Bruder, der zu den Aufständischen gehört und von der Rivalität zwischen Bats früherer Geliebten Victoria und seiner Ehefrau Babit. Darüber hinaus gibt es noch einige schemenhafte Nebenfiguren wie das Ehepaar Kalanda und einen namenlosen Professor in Wandegeya, Bats Schwester und einen britischen Abgeordneten. Sobald eine neue Figur eingeführt wird, teilt Moses Isegawa etwas über deren Vorgeschichte mit, aber das hält meistens nur den Fortgang der Handlung auf.

Für politische oder psychologische Entwicklungen scheint Moses Isegawa sich nicht zu interessieren. Motivationen sind nur selten nachvollziehbar.

Stilistisch wirkt „Die Schlangengrube“ wie ein Abenteuerroman. Die Geschichte zerfällt in einzelne zumeist nur lapidar dargestellte Episoden, weist keinen Spannungsbogen auf, und es wäre wohl erforderlich gewesen, sie besser zu strukturieren.

Moses Isegawa wurde 1963 in Uganda geboren. Er besuchte ein katholisches Priesterseminar und arbeitete vier Jahre lang als Geschichtslehrer. Seit 1990 lebt er in Amsterdam.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © Karl Blessing Verlag

Idi Amin (Kurzbiografie)
Kenia (Geschichtlicher Überblick)

Wolfgang Herrndorf - Tschick
"Tschick" ist eine Mischung aus Road Novel und Abenteuergeschichte, Episodenroman und Coming-of-Age-Story. Wolfgang Herrndorf erzählt die pikareske Geschichte in einer vom Jugendjargon inspirierten Kunstsprache.

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