Marco Lalli : Die Himmelsleiter

Die Himmelsleiter

Marco Lalli

Die Himmelsleiter

Die Himmelsleiter Scherz Verlag 2000
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Heilant und Altomonte befreunden sich um 1968 während des Physikstudiums in Heidelberg. Altomonte hält sich für ein Genie, strebt nach einer revolutionären wissenschaftlichen Entdeckung und fühlt sich berufen, die Unvollkommenheit in der Welt auszumerzen. Auf Menschen wie Heilant, die moralische Gebote achten und sich mit weniger als dem Außergewöhnlichen zufrieden geben, sieht er ein wenig verächtlich herab ...
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Kritik


Wie in einem Puzzle und außerdem im ständigen Wechsel zwischen zwei zeitlichen Ebenen setzt sich in diesem Kriminalroman allmählich das Bild eines Weltzerstörungsplans eines psychopathischen Genies zusammen.

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Thomas Heilant und Massimo Altomonte befreunden sich um 1968 während des Physikstudiums in Heidelberg. Altomonte hält sich für ein Genie, strebt nach einer revolutionären wissenschaftlichen Entdeckung und fühlt sich berufen, die Unvollkommenheit in der Welt auszumerzen. Auf Menschen wie Heilant, die moralische Gebote achten und sich mit weniger als dem Außergewöhnlichen zufrieden geben, sieht er ein wenig verächtlich herab. Das Engagement seines Kommilitonen gegen Atomkraftwerke und für die Schonung der Umwelt belächelt er als typisch deutsche Eigenschaft. Die beiden jungen Männer rivalisieren um ihre italienische Kommilitonin Alessandra. Als Heilant bereits glaubt, sie für sich gewonnen zu haben, stellt sich heraus, dass sie ein Kind von Altomonte erwartet. Chloé wächst bei den Großeltern auf, denn ihr Vater lebt nur für seine wissenschaftlichen Ideen und ihre Mutter hat sich der RAF angeschlossen. Nach Jahren verabredet sich Alessandra mit Heilant. Das wird ihr zum Verhängnis, denn ein Sonderkommando der Polizei findet es heraus, und sie stirbt im Kugelhagel.

Am 26. November 1989, kurz nach 3 Uhr nachts, findet bei einem missglückten Experiment im Europäischen Institut in Genf eine Explosion statt. Dabei kommt ein Wissenschaftler ums Leben. Chloé identifiziert die Leiche als die ihres Vaters, des Physik-Nobelpreisträgers Massimo Altomonte. Von einem weiteren Forscher, dem Amerikaner Dr. Kenneth White, fehlt jede Spur. Erst am 30. November unterrichtet Professor Bell, der wissenschaftliche Direktor des Instituts, die Öffentlichkeit. Wenige Stunden vorher erfuhr der „Spiegel“-Journalist Liepman durch eine anonyme Anruferin von dem Unglück. Liepman telefoniert mit seinem Kollegen Heilant in Hamburg, von dem er weiß, dass er mit Altomonte befreundet war.

Heilant reist zur Beerdigung nach Genf. Zusammen mit Chloé versucht er herauszufinden, was geschehen ist – und verliebt sich dabei in die attraktive junge Frau, die ihn an Alessandra erinnert.

Altomonte beschäftigte sich mit der Kernfusion. Offenbar dachte er auch darüber nach, wie man einen Raum mit Hilfe sogenannter Solitonentunnels in einen energieärmeren, stabileren Zustand überführen könnte. Baute er das „Vakuum-Blasen-Instanton“, um seine Erkenntnisse auf das Universum anzuwenden, also die Welt zu vernichten? Als Heilant mit Bells Genehmigung Altomontes elektronische Dateien durchsucht, entdeckt er auf der Liste der aktuellen Benutzer des Computers die Log-on-ID des Nobelpreisträgers. Lebt Altomonte? Wurde nicht seine, sondern Whites Leiche begraben? Ein Institutsangestellter versichert Heilant, er sei auf ein elektronisches Programm hereingefallen, mit dem sich Altomonte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz versucht hatte.

Von einem plötzlichen Verdacht getrieben, rast Heilant mit Chloé am Heiligen Abend von Locarno – wo sie die Feiertage verbringen wollten – nach Genf. Mit seinem von Bell ausgestellten Sonderausweis gelingt es ihm, auf das Gelände des Forschungsinstituts vorzudringen …

Diese Geschichte liest Dr. Moulin, der therapeutische Leiter einer Nervenheilanstalt, in den Neunzigerjahren auf einem Computer-Bildschirm. Sie ist auf Disketten gespeichert und trägt den Titel „Das letzte Experiment – oder wie ich das Universum rettete“. Hinterlassen hat sie ein am 27. Dezember 1989 aufgenommener Patient, der sich gerade durch einen Stromschlag in der Badewanne das Leben genommen hat: Thomas Heilant.

Als Chloé dessen persönliche Sachen abholt, sagt sie zu Dr. Moulin: „Er hat sich seine Wahnvorstellungen von der Seele geschrieben. Das ist die plausibelste Erklärung. Wir sollten es dabei belassen.“ Der Arzt überlegt, welche Rolle Chloé wohl in der Geschichte gespielt haben könnte …

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Was hier chronologisch wiedergegeben wird, setzt sich in dem Kriminalroman „Die Himmelsleiter“ erst allmählich aus vielen Einzelteilen zusammen, wobei der Autor fortwährend zwischen den Anfängen der Geschichte in den späten Sechziger- und ihrem Ende in den Neunzigerjahren hin und her wechselt – bis das obendrein in eine Rahmenhandlung eingebettete Puzzle den Weltzerstörungsplan eines psychopathischen Genies erkennen lässt.

Auf die Achtundsechzigerjahre in der Bundesrepublik Deutschland und den „heißen Herbst“ 1977 spielt Marco Lalli an, auch auf die Überzeugungen von Umweltschützern und Atomkraftgegnern, auf Existenzialismus, Chaostheorie, künstliche Intelligenz und umwälzende Erkenntnisse der modernen Physik sowie ein paar der Überlegungen, die Douglas R. Hofstadter in seinen Büchern verbreitet hat. Die pseudowissenschaftlichen Andeutungen sollen dem Kriminalroman eine besondere Atmosphäre geben.

An der Sprache ließe sich noch sehr viel hobeln. Ein paar Beispiele:

  • Die Autobahn verengte sich, als sammle sie Kraft …
  • Die Stirn durchzogen drei tiefe Spalten, jene, die schon immer zu sehen gewesen waren, grübelte er über etwas nach, sich aber nach und nach wie müde Infanteristen eingegraben hatten …
  • An diesem Tag wurde der Grundstein gelegt, meine halbfertige Dissertation niemals zu beenden.
  • Es oszilliert hin und her.

Aber die farbige Darstellung der Handlung ist gelungen, und der verschachtelte Aufbau beweist nicht nur das erzählerische Talent des Autors, sondern sorgt auch für so viel Spannung, dass man das Buch in einem Zug durchlesen möchte.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2003

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