Brokeback Mountain

Brokeback Mountain

Brokeback Mountain

Brokeback Mountain – Originaltitel: Brokeback Mountain – Regie: Ang Lee – Drehbuch: Larry McMurtry und Diana Ossana, nach der Erzählung "Brokeback Mountain" von E. Annie Proulx – Kamera: Rodrigo Prieto – Schnitt: Geraldine Peroni, Dylan Tichenor – Musik: Gustavo Santaolalla – Darsteller: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Randy Quaid, Valerie Planche, David Trimble, Victor Reyes, Lachlan Mackintosh, Michelle Williams, Larry Reese, Marty Antonini u.a. – 2005; 135 Minuten

Inhaltsangabe

Ennis und Jack treiben 1963 die Herde eines Schafzüchters zu den Weiden am Brokeback Mountain und hüten sie dort einen Sommer lang. Dabei entdecken sie ihre Leidenschaft für einander. Erst nach vier Jahre sehen sie sich wieder. Beide haben inzwischen geheiratet und Familien gegründet. Ohne ihren Frauen die Wahrheit zu gestehen, verabreden sie sich von da an regelmäßig. Jack träumt davon, sich scheiden zu lassen und mit Ennis ein neues Leben anzufangen ...
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Kritik

Das tragische Western-Melodram "Brokeback Mountain" von Ang Lee geht auf die gleichnamige Erzählung von Annie Proulx zurück. Es handelt sich um ein anrührendes, einfühlsam inszeniertes und gespieltes Plädoyer für mehr Toleranz.
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Ennis Del Mar wuchs auf einer verschuldeten kleinen Ranch im Westen von Wyoming auf. Nachdem die Eltern bei einem Verkehrsunfall umgekommen waren, kümmerten sich die älteren Geschwister um ihn. Schließlich verlobte er sich mit Alma Beers (Michelle Williams) und begann, für ein Stück Land zu sparen.

Im Frühjahr 1963 meldet Ennis (Heath Ledger) sich bei der Arbeitsvermittlung für Farmarbeiter in Signal, Wyoming. Der wortkarge Neunzehnjährige erhält für den Sommer eine Stelle als Hirte bei dem Schafzüchter Joe Aguirre (Randy Quaid) am Brokeback Mountain. Zusammen mit dem gleichaltrigen Jack Twist (Jake Gyllenhaal), der bereits im Vorjahr hier arbeitete, soll er eine große Schafherde mit ihren Lämmern auf den Weiden oberhalb der Baumgrenze hüten. Während Jack sich um die Versorgung kümmert, verbringt Ennis die Nächte bei den Schafen, um sie gegen Kojoten zu beschützen.

Die beiden wortkargen jungen Männer werden Freunde. Als Ennis eines Abends zu betrunken ist, um vom Lager zu den Schafen zu gehen und zu Jack ins Zelt kriecht, kommt es zwischen ihnen zum Geschlechtsverkehr.

Am anderen Morgen tun sie den Vorfall als einmaliges Fehlverhalten ab, denn sie sind beide überzeugt, nicht homosexuell zu sein. Doch es bleibt nicht bei dem einmaligen Ereignis. Über ihrer Leidenschaft vernachlässigen sie die Schafe.

Weil sich der Winter früher als gewöhnlich ankündigt, soll die Schafherde bereits im August statt erst im September ins Tal gebracht werden. Ennis ärgert sich über den entgangenen Monatslohn. Bevor die Männer aufbrechen, eskaliert ein harmloser Spaß aufgrund der aufgestauten Gefühle in einer Schlägerei. Mit blutbefleckten Hemden lassen sie schließlich voneinander ab.

Drei Monate später heiratet Ennis seine Verlobte und zieht mit ihr zunächst in die Nähe von Riverton, Wyoming, und einige Zeit später ganz in die Stadt.

1967 erhält Ennis, der inzwischen mit Alma zwei Töchter hat, eine Postkarte, auf der Jack seinen Besuch ankündigt. Der Streit ist längst vergessen. Zur Begrüßung küssen sich die beiden Männer, ohne zu ahnen, dass sie von Alma beobachtet werden. Die Nacht verbringen sie in einem Motelzimmer.

Jack verdiente zunächst auf Rodeos etwas Geld. Inzwischen ist er ebenfalls verheiratet, mit Lureen Newsome (Anne Hathaway), der selbstbewussten Tochter eines reichen Landmaschinenhändlers in Texas, und die beiden haben einen acht Monate alten Sohn. Die Ehe ist jedoch unglücklich, und Lureens Vater (Graham Beckel) kann seinen Schwiegersohn nicht ausstehen. Jack würde am liebsten mit Ennis ein neues Leben anfangen, aber der kommt von einem Trauma nicht los: Als er neun Jahre alt war, zeigte ihm sein Vater die Leiche eines homosexuellen Ranchers, der an seinem Penis zu Tode geschleift worden war.

Ennis und Jack vereinbaren, sich von nun an regelmäßig zu sehen. Weil sie es nicht wagen, ihren Frauen die Wahrheit zu gestehen und ihre Familien nicht aufgeben wollen, täuschen sie zweimal im Jahr einen Angelausflug vor. Doch Alma, die von dem Geheimnis weiß, lässt sich 1975 scheiden, als ihre Töchter sieben bzw. neun Jahre alt sind, und heiratet den Lebensmittelhändler, bei dem sie seit Jahren beschäftigt war.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Die Jahre vergehen. Die Kellnerin Cassie (Linda Cardellini) fängt mit Ennis ein Verhältnis an, fühlt sich jedoch bald von ihm vernachlässigt und trennt sich wieder von ihm, obwohl sie ihn liebt. Jack beschwert sich ebenfalls darüber, dass Ennis zu selten Zeit für ihn habe. Darüber geraten die beiden Neununddreißigjährigen Anfang 1983 erneut in Streit.

Einige Monate später fordert Ennis seinen Freund auf einer Karte zu einem weiteren Treffen im November auf, doch die Post kommt mit dem Vermerk „Empfänger verstorben“ zurück. Lureen sagt Ennis am Telefon, beim Aufpumpen eines Autoreifens sei dieser zerplatzt und Jack samt der Felge ins Gesicht geschleudert worden. Ennis ahnt jedoch, dass Jack wegen seiner Homosexualität totgeschlagen wurde.

Jack wollte, dass seine Asche am Brokeback Mountain verstreut werde. Um diesen Wunsch zu erfüllen, reist Ennis zu den Eltern des Toten (Roberta Maxwell, Peter McRobbie) nach Lightning Flat. Der verbitterte Vater erzählt ihm, Jack habe immer wieder davon gesprochen, mit Ennis zusammen die Farm der Eltern auszubauen. Vor ein paar Monaten habe er allerdings einen anderen Mann als Partner genannt: Randall Malone (David Harbour). In Jacks Zimmer entdeckt Ennis die beiden Hemden, die bei der Schlägerei im Jahr 1963 am Brokeback Mountain mit Blut befleckt worden waren. Jack hatte sie offenbar an sich genommen und aufbewahrt. John Twist lässt es am Ende nicht zu, dass Ennis die Asche seines Freundes am Brokeback Mountain verstreut; er besteht auf einer Beisetzung im Familiengrab.

Einige Zeit später erhält Ennis, der jetzt in einem Wohnwagen lebt, Besuch von seiner älteren Tochter (Kate Mara). Die Neunzehnjährige will demnächst heiraten und lädt ihn zur Hochzeit ein.

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Am 13. Oktober 1997 veröffentlichte „The New Yorker“ die Erzählung „Brokeback Mountain“ von E. Annie Proulx. Zwei Jahre später tauchte eine überarbeitete Version von „Brokeback Mountain“ in der Anthologie „Close Range. Wyoming Stories“ („Weit draußen. Geschichten aus Wyoming“) auf.

Gleich nach der ersten Publikation hatten Larry McMurtry und Diana Ossana die Geschichte in ein Drehbuch umgeschrieben, aber damals wagte es niemand, zwei schwule Cowboys auf der Leinwand zu zeigen.

Deshalb ruhte das Projekt, bis Ang Lee im Juli 2004 mit den Dreharbeiten begann. (Gedreht wurde in Calgary, Fort Macleod und La Mesilla.) Erstmals vorgeführt wurde der Film „Brokeback Mountain“ am 2. September 2005 bei den Filmfestspielen in Venedig.

Im Mittelpunkt des Western-Melodrams, dessen Handlung sich über zwei Jahrzehnte erstreckt, stehen die tragische Liebesbeziehung von zwei Cowboys, ihre Lebenslügen, ihre Ängste und unerfüllten Hoffnungen. Auch wenn Ang Lee, Larry McMurtry und Diana Ossana niemanden anprangern, wird doch klar, dass es sich bei „Brokeback Mountain“ um ein Plädoyer für mehr Toleranz handelt.

Die Thematisierung einer homosexuellen Beziehung ausgerechnet zwischen zwei Cowboys löste eine heftige Debatte aus. Kritiker warfen den Filmemachern vor, christliche Werte wie Ehe und Familie zu untergraben, zumal die beiden Männer nicht nur sexuell miteinander verkehren, sondern dabei zugleich ihre Ehen brechen, ohne dass dieses Handeln in „Brokeback Mountain“ in Frage gestellt wird.

Der Film – mit dem Ang Lee, Larry McMurtry und Diana Ossana eigentlich ein neues Genre kreiert hatten – wurde jedoch zu einem großen Kinoerfolg, und die meisten Besucher waren sich einig, dass es sich bei dem anrührenden, einfühlsam inszenierten Drama um großes Kino handelt. Ang Lee lässt sich viel Zeit, die Geschichte chronologisch zu erzählen. Bis in die Nebenrollen sind die Charaktere nuanciert ausgearbeitet, und den Schauspielern – allen voran Heath Ledger und Jake Gyllenhaal, aber auch Michelle Williams und Anne Hathaway – gelingt es, die Figuren überzeugend darzustellen. Heath Ledger und Jake Gyllenhaal hatten vor dem Beginn der Dreharbeiten eigens einen Monat in einem „Cowboy Training Camp“ verbracht, um sich auf ihre Rollen vorzubreiten. Bemerkenswert sind auch die grandiosen Landschaftsaufnahmen in satten Farben.

In „Brokeback Mountain“ dauert nichts zu lang, er [Ang Lee] schlachtet keine Szene aus. Er arbeitet mit kleinen Spiegelungen, aber so behutsam gestreut, dass man das schon Gesehene […] wiedererkennt, ohne dessen überdrüssig zu werden. Und es ist faszinierend, wie sehr Lee Räume sprechen lassen kann […] Seine Kulissen erzählen immer genau das, was er meint. (Susan Vahabzadeh, Süddeutsche Zeitung, 2. September 2005)

In den Kategorien „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Beste Filmmusik“ gab es je einen „Oscar“. Nominiert hatte man „Brokeback Mountain“ für acht „Oscars“.

Heath Ledger (1979 – 2007) und Michelle Williams verliebten sich übrigens bei den Dreharbeiten. Patenonkel ihrer am 28. Oktober 2005 geborenen Tochter Matilda Rose ist Jake Gyllenhaal.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Annie Proulx: Brokeback Mountain

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