Leif GW Persson : Zweifel

Zweifel

Leif GW Persson

Zweifel

Originalausgabe: Faller fritt som i en dröm Albert Bonniers Förlag, Stockholm 2007 Zweifel Übersetzung: Gabriele Haefs, Nina Hoyer btb Verlag, München 2010 ISBN: 978-3-442-74020-8, 782 Seiten, 10 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Am 28. Februar 1986 wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme mitten in Stockholm auf offener Straße erschossen. Zwei Jahrzehnte später beauftragt Lars Martin Johansson, der Leiter der Zentralen Kriminalpolizei in Stockholm, vier Mitarbeiter, Teile der umfangreichen Ermittlungsakten zu studieren und neue Erkundigungen über Verdächtige einzuholen. Parallel dazu ermittelt Kommissar Evert Bäckström auf eigene Faust in dem unaufgeklärten Mordfall ...
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Kritik

Als Leser des Polizeiromans "Zweifel" muss man viel Geduld mitbringen. Der schwedische Kriminologe Leif GW Persson schildert polizeiliche Ermittlungen nämlich nicht als Abenteuer, sondern v. a. als akribisches Aktenstudium. Das wirkt authentisch.

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Am 15. August 2007, einem Mittwoch, ruft Lars Martin Johansson, der Leiter der Zentralen Kriminalpolizei in Stockholm, zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter in sein Büro im Landeskriminalamt auf Kungsholmen: Hauptkommissarin Anna Holt und Kriminalkommissarin Lisa Mattei, die vor zwei Jahren in Philosophie promovierte, sowie die Kriminalkommissare Jan Lewin und Yngve Flykt. Es geht um den noch immer unaufgeklärten Mordfall Olof Palme. Der schwedische Regierungschef war am 28. Februar 1986 mitten in Stockholm auf offener Straße erschossen worden. Inzwischen haben sich Unmengen von Ermittlungsakten angesammelt. In der Hoffnung auf neue Erkenntnisse setzt Johansson die Kommissarinnen und Kommissare darauf an, Teile des Materials zu sichten. Als in den Medien Gerüchte über neue Ermittlungen bezüglich des Attentats auf Olof Palme kursieren, dementiert Johansson und versichert auch der zuständigen Oberstaatsanwältin, es gehe lediglich darum, die Aktenberge zu registrieren.

Nach zwei Wochen beginnt Johansson am Sinn der Aktion zu zweifeln.

Das, was vierzehn Tage zuvor wie eine ausgezeichnete oder jedenfalls brauchbare Idee gewirkt hatte, hatte bislang fünf unterschiedliche Resultate erbracht.
An die vierhundert Arbeitsstunden für Holt, Lewin und Mattei, denen es wirklich an anderen Aufgaben nicht fehlte. Vergeudung von polizeilichen Mitteln […]
Die Erkenntnis, dass bereits große Teile des Materials verloren gegangen waren. Der alte polizeiliche Grundsatz, dass der Täter, den man nicht findet, sich trotzdem in der Ermittlung versteckt, mochte ja durchaus zutreffen. Das Problem war nur, dass es diesmal viel zu viele Unterlagen gab, die viel zu unsortiert waren, als dass eine faire Chance bestanden hätte, den Täter dort zu entdecken […]
Vierzehn Tage waren vergangen, und was hatten drei der absolut besten Kräfte der Kriminalpolizei Schwedens eigentlich zustande gebracht? Aus sehr gutem Grund die allseits akzeptierte Vorstellung über den Fluchtweg des Täters in Frage gestellt. Und zum Trost ein neues Fragezeichen angeboten.

Während Anna Holt, Lisa Mattei, Jan Lewin und Yngve Flykt akribisch Akten studieren und neue Erkundigungen über Verdächtige einholen, befasst sich auch der erfahrene Kriminalkommissar Evert Bäckström auf eigene Faust mit dem Fall.

Bäckström hatte 1986 den Rechtsextremisten Victor Gunnarsson als Mordverdächtigen verhaftet. Der musste allerdings nach einer Woche wieder freigelassen werden, weil man ihm nichts nachweisen konnte. Vor einem Jahr wurde der unangepasste, ungehobelte, sexistische und rassistische Kommissar von der Mordkommission zur Abteilung für die Zuordnung von Diebesgut abgeschoben. Kürzlich erhielt er von dem Kunsthändler Juha Valentin Andersson Snygg, der sich Gustaf G:son Henning oder kurz GeGurra nennt, einen Hinweis auf einen Revolver, bei dem es sich um die Tatwaffe handeln soll. Angeblich waren damit zwei andere Morde und ein Suizid verübt worden, bevor jemand Olof Palme damit erschoss. Der Revolver wurde bei einer polizeilichen Hausdurchsuchung am 15. April 2005 in einer Wohnung in Flemingsberg gefunden. Ein Kunde, der wissen wollte, wieviel diese Waffe auf dem Antiquitätenmarkt einbringen würde, machte GeGurra darauf aufmerksam.

Auf penetrante Weise versucht Bäckström mehrmals am Tag, mit Lars Martin Johansson telefonisch verbunden zu werden. Nachdem er dessen Sekretärin als Frustfotze beschimpfte, droht Anna Holt ihm mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Da berichtet er ihr von dem Revolver. Nachfragen ergeben allerdings, dass die Waffe erst 1995 von der Firma Ruger in den USA hergestellt und an den deutschen Generalagenten in Bremen verkauft wurde. Es kann sich also nicht um die Tatwaffe handeln.

Ein anderer Revolver passenden Kalibers rückt in den Fokus der Ermittlungen. Ein fünfundvierzig Jahre alter Malermeister, Jäger und Sportschütze hatte damit am 27. März 1983 in Spånga seine sechzehnjährige Tochter, deren Freund und dann sich selbst erschossen. Die Waffe wurde bis Oktober 1988 in der Kriminaltechnischen Abteilung der Stockholmer Polizei aufbewahrt. Dann scheint man sie verschrottet zu haben. Zumindest steht das so in den Akten.

In diesem Zusammenhang wird Göran Wiijnbladh vernommen. Der Polizeiinspektor hatte bei der Kriminaltechnik in Stockholm gearbeitet, bis er im Herbst 1989 versuchte, seine Ehefrau mit Thallium zu töten, sich jedoch bei der Vorbereitung des Mordes mit Pulverrückständen an den Fingern selbst vergiftete und zwei Monate lang im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Frau ließ sich scheiden. Die Mordabsicht wurde vertuscht und Wiijnbladhs Vergiftung als Arbeitsunfall dargestellt. Allerdings versetzte man ihn ins Fundbüro. Seit fünfzehn Jahren lebt er in einer betreuten Wohnungseinrichtung in Bromma.

Zu Göran Wiijnbladhs Freunden gehörte Claes Adolf Waltin. Der war am 30. April 1945 zur Welt gekommen. Nach dem Jurastudium in Stockholm fing er 1975 in der juristischen Abteilung der Stockholmer Polizei an und wechselte zwei Jahre später zur Säkerhetspolisen (Säpo), dem schwedischen Nachrichtendienst, wo er es bis 1985 zum Oberintendenten und Stellvertreter des operativen Leiters Erik Berg brachte. Zehn Stunden nach der Ermordung von Olof Palme bekam Waltin einen Strafzettel, weil sein Auto in der Nähe des Tatorts auf einem Behindertenparkplatz stand. Die Säpo erklärte jedoch am 29. April 1986, er habe das Zivilfahrzeug dienstlich für eine Observierung genutzt. Im Mai 1988 kündigte Waltin, und zum 30. Juni quittierte er den Dienst. Damit kam er seiner Entlassung wegen dubioser Machenschaften zuvor. Während eines Urlaubs auf Mallorca scheint er im Oktober 1992 ertrunken zu sein. Die spanische Polizei identifizierte die angeschwemmte Leiche anhand einer Vermisstenanzeige seines Hotels und des Zimmerschlüssels in seiner Badehose. In seinem Testament gestand Waltin, seine Mutter Aino im Juni 1969 in der U-Bahn-Station in Östermalm vor den Zug gestoßen zu haben. Es sei kein Unfall gewesen.

Wiijnbladh will auf die Frage, ob er Waltin den am 27. März 1983 in Spånga beschlagnahmten Revolver überlassen habe, nicht antworten und beruft sich auf eine von ihm unterzeichnete Verpflichtungserklärung zur Geheimhaltung. Erst als er erfährt, dass Waltin im Herbst 1988 nicht mehr im Dienst war und es sich sowohl bei der Anerkennungsurkunde als auch bei der Medaille, die er von der Säpo bekam, um Fälschungen handelte, gibt er zu, dass er die Waffe im September 1988 seinem Freund aushändigte und zur Vertuschung einen Antrag auf Verschrottung zu den Akten legte. Waltin hatte ihm erklärt, die Säpo benötige den Revolver in einer brisanten Geheimsache.

Hatte jemand diesen Revolver Anfang 1986 unbemerkt aus der Kriminaltechnischen Abteilung genommen und nach der Ermordung Olof Palmes wieder zurückgebracht? Ließ Waltin die Waffe deshalb gut zwei Jahre später verschwinden?

Anna Holt und Lisa Mattei vernehmen Claes Waltins Vater Robert in Kristianstad. Der alte Mann ist überzeugt, dass sein Sohn nicht ertrank, sondern ermordet wurde. Zum Abschied erklärt er den beiden Kommissarinnen stolz, sein Sohn habe dafür gesorgt, dass der Landesverräter Olof Palme ausgeschaltet wurde.

Auch Evert Bäckström geht dem Verdacht nach, dass Claes Waltin mit dem Attentat zu tun hatte. Beim Studium von Polizeiakten findet er heraus, dass der damalige Jurastudent in der Nacht auf den 1. Mai 1968 eine zwei Jahre ältere Lehrerin in deren Wohnung in Södermalm mit einem Kerzenständer vergewaltigt haben soll. Bei seiner Vernehmung beteuerte Waltin, außer einvernehmlichem Geschlechtsverkehr sei nichts vorgefallen, und eine Woche später zog die Frau ihre Anzeige zurück. Das Verfahren wurde eingestellt. Bäckström stößt auf eine im September 1966 gegründete Gruppe mit dem programmatischen Namen „Fotzenfritzen“, der nur vier Stockholmer Jura-Studenten angehörten: Claes Waltin, der inzwischen ebenfalls verstorbene Wirtschaftsjurist Sven Erik Sjöberg, der milliardenschwere Bankier Theodor („Theo“) Tischler und Alf Thulin, ein bürgerlicher Parlamentsabgeordneter. Gerüchten zufolge bot Tischler dem damaligen Polizeichef von Stockholm viel Geld dafür, dass dieser die Fahndung nach dem Attentäter auf die sogenannte Kurdenspur ausrichtete. Handelte es sich bei den vier „Fotzenfritzen“ um Verschwörer gegen Olof Palme? Dass es bei dem Mord um Sex und Geld ging, wird für Bäckström zu einer obsessiven Idee.

Bei ihren Ermittlungen stößt Anna Holt auf eine Frau namens Jeanette Eriksson, eine Abteilungsleiterin bei einem Versicherungskonzern. Früher arbeitete sie als Kriminalassistentin bei der Säpo. Von Herbst 1985 bis März 1986 hatte sie ein Verhältnis mit ihrem Chef Claes Waltin. Als er sie wegen einer anderen Frau verließ, setzte Jeanette Eriksson sich mit ihr in Verbindung und warnte sie vor Waltins Sadismus. Zufällig handelte es sich um Pia Hedin, die später Lars Martin Johansson heiratete. Pia erzählt ihrem Mann, sie habe damals nicht glauben wollen, was Jeanette Eriksson ihr erzählte. Aber dann habe sie in Waltins Nachttisch Fotos gefunden, die es bewiesen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Am 7. Mai 1986 erhielt die Stockholmer Polizei einen zweiten Brief von einem anonymen Absender, der zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts einen verdächtigen Säpo-Agenten gesehen haben wollte. Auf dem Schreiben waren keine verwertbaren Spuren, aber auf dem Umschlag stellten die Ermittler Fingerabdrücke von Marja Ruotsalainen sicher. Von der wegen Drogenvergehen vorbestraften Siebenundzwanzigjährigen führte eine Spur zu ihrem zwölf Jahre älteren Freund Jorma Kalevi Orjala. Den verdächtigte man als Briefschreiber. Einige Monate später wurde er von einem Auto angefahren und starb. Der Fahrer flüchtete.

Marja Ruotsalainen wird nun noch einmal in ihrer Wohnung in Tyresö befragt. Sie sagt aus, am Abend des 28. Februar 1986 mit Jorma Kalevi Orjala zusammen in einem Restaurant in der Innenstadt gewesen zu sein. Dort fiel Marja der Kommissar aus Solna auf, der sie 1976 verhaftet hatte. Dass er inzwischen bei der Säpo arbeitete, vermutete sie, weil sie ihn als Bodyguard eines hochrangigen Politikers gesehen hatte. Marja Ruotsalainen ist überzeugt, dass ihr Freund nicht einem Verkehrsunfall zum Opfer fiel, sondern ermordet wurde.

Ihre Beschreibung passt auf den früheren Säpo-Mitarbeiter mit der Nummer 4711: Kjell Göran Hedberg.

Er wurde 1944 in Vaxholm als Sohn des Lotsen Einar Göran Hedberg und dessen Ehefrau Ingrid Cecila geboren. Nach einer Tischlerlehre arbeitete er auf einer Werft in Vaxholm und holte im Abendgymnasium das Abitur nach. Im Rahmen seines Wehrdienstes ließ er sich zum Kampftaucher ausbilden. 1976 warb ihn die Säpo von der Polizei in Solna ab. Er kam zum Personenschutz. Während der Justizminister, den er bewachen sollte, am 13. Mai 1977 bei seiner Lieblingsprostituierten war, raubte Hedberg ein nahes Postamt aus. Weil ihm der Minister aus naheliegenden Gründen für die Tatzeit ein Alibi gab und die beiden Belastungszeugen vor dem Gerichtstermin ums Leben kamen, konnte Hedberg nicht verurteilt werden. Obwohl vermutet wurde, dass er die beiden Zeugen ermordet hatte, blieb er straffrei. Die Säpo versetzte ihn lediglich in den Innendienst. 1982 schied Hedberg aus dem Dienst aus. Björn Söderström wurde sein Nachfolger.

Hedbergs Aussehen entspricht auch der Beschreibung einer damals zweiundzwanzigjährigen Zeugin, die sich am 1. März 1986 bei der Polizei gemeldet hatte, weil sie am Vorabend nach 23 Uhr auf der Treppe zwischen Kungsgatan und Mallmskillsnadsgatan von einem Mann angerempelt worden war, den sie nun – nachdem sie von Olof Palmes Ermordung gehört hatte – für den Täter hielt. Weil Madeleine Nilsson der Polizei als kleinkriminelle Prostituierte bekannt war, beachtete man ihre Zeugenaussage nicht weiter. (Im September 1987 starb sie an einer Überdosis.)

Lisa Mattei besucht Hedbergs früheren Klassenlehrer Ossian Grahn. Der gesteht ihr, Hedberg sei der einzige Schüler gewesen, vor dem er sich gefürchtet habe, obwohl er nicht explizit bedroht worden sei. Er verweist die Kommissarin an Gertrud Rosenberg, die damals mit Hedberg zusammen in der Klasse saß. Die Amtsärztin erinnert sich, Hedberg am 28. Februar 1986 nach 23 Uhr auf dem Sveavägen gesehen zu haben.

Evert Bäckström ist sich inzwischen sicher, dass es sich bei den „Fotzenfritzen“ um eine Verschwörergruppe gegen Olof Palme handelte. Claes Adolf Waltin war der Anführer. Sven Erik Sjöberg erschoss den Ministerpräsidenten. Alf Thulin war eingeweiht, und Theo Tischler sorgte dafür, dass die Polizei ihre Ermittlungsbemühungen auf falsche Spuren konzentrierte. Bäckström nimmt sich vor, die beiden noch lebenden Gruppenmitglieder zur Rede zu stellen. Doch als er den Abgeordneten Thulin auf dessen Mitgliedschaft bei den „Fotzenfritzen“ anspricht, lässt dieser ihn wegen angeblicher Geiselnahme festnehmen und vorübergehend in eine geschlossene psychiatrische Anstalt sperren.

Lars Martin Johansson schickt Anna Holt und Lisa Mattei am 1. Oktober nach Mallorca, wo sie mit Hilfe der spanischen Polizei Kjell Göran Hedberg aufspüren sollen. Gleichzeitig lässt er dessen drei Jahre jüngere Schwester Birgitta Hedberg observieren, die bis vor vier Jahren als Sekretärin bei einer Baufirma arbeitete.

Den Überwachern, die sich in einer Wohnung auf der anderen Straßenseite eingenistet haben, fällt auf, dass Birgitta Hedberg stets ein rotes Handy bei sich hat, das sie allerdings nicht benutzt. Dient es ausschließlich dazu, Kontakt mit ihrem Bruder zu halten? Linda Martinez vom örtlichen Pflegedienst putzt die Wohnung der Sechzigjährigen. Als diese zur Toilette geht, wählt die von der Polizei instruierte Putzfrau mit dem roten Handy eine bestimmte Nummer, lässt es kurz klingeln, bricht die Verbindung gleich wieder ab und löscht die Nummer aus dem Speicher. Auf diese Weise finden die Ermittler die Nummer des Handys heraus, und sie erfahren, dass damit zuletzt am 15. August jemand im Einzugsbereich eines Funkmasten bei Puerto Pollensa im Norden von Mallorca angerufen wurde.

Im März verbrachte Birgitta Hedberg eine Woche an der Costa del Sol in Spanien. Einen Tag nach ihrem Eintreffen mietete ihr Bruder am Flughafen von Malaga ein Auto, das er drei Tage später als gestohlen meldete.

Schließlich ermittelt die spanische Polizei Hedbergs Adresse auf Mallorca. Doch als der Zugriff im Beisein der beiden schwedischen Kommissarinnen erfolgt, ist das Haus leer. Offenbar wurde Hedberg rechtzeitig gewarnt.

Etwa zur gleichen Zeit erhält Johansson privat einen Anruf des pensionierten Kriminalkommissars Åke Persson. Der lädt ihn für den übernächsten Abend zum Essen ein. Persson wohnt in Råsunda. Er war 1975, als sein Freund Erik Berg die operative Führung der Säpo übernommen hatte, vom Nachrichtendienst eingestellt worden. 1999, ein Jahr nach Bergs Tod, hatte er sich pensionieren lassen.

Als Johansson die gebräunte Haut des Gastgebers anspricht, sagt dieser, er sei eine Woche lang auf Mallorca gewesen und gerade erst zurückgekommen. Dann erzählt er dem Leiter der Zentralen Kriminalpolizei in Stockholm, dass Claes Adolf Waltin im Oktober 1992 während eines Urlaubs auf Mallorca von Kjell Göran Hedberg im Meer ertränkt wurde, weil er inzwischen zu viel trank und deshalb für die Palme-Attentäter als Sicherheitsrisiko galt. Hedberg lebte zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Balearen-Insel. 1992/93 ließ er sich dort von Ignacio Ballester und dessen Söhnen eine Yacht bauen, die „Esperanza“.

Hedberg habe erfahren, dass zwei schwedische Kommissarinnen nach Mallorca gekommen waren, erzählt Persson. Ein mallorquinischer Polizist erzählte es einem der Söhne von Ignacio Ballester, und der sagte es seinem Kunden, der sich daraufhin mit der „Esperanza“ nach Korsika absetzen wollte. Bevor er auslaufen konnte, brachte Persson unbemerkt zwei Sprengladungen am Propangaskocher auf der Yacht an. Am 10. Oktober folgte er Hedberg mit einem anderen Boot und jagte die „Esperanza“ samt ihrem Eigentümer vor dem Cap de Formentor mit einem Handysignal in die Luft.

Die spanische Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Unfall durch einen Defekt am Propangaskocher handelte.

Åke Persson gesteht seinem Gast, dass er schon seit einer Hausdurchsuchung nach Waltins Tod im Herbst 1992 über die Attentäter Bescheid wusste. Als er nun erfuhr, dass der Chef der Zentralen Kriminalpolizei in Stockholm neue Ermittlungen im Mordfall Olof Palme durchführen ließ, handelte er, denn durch eine Zeugenaussage Hedbergs wäre ein schlechtes Licht auf die Säpo und insbesondere seinen langjährigen Vorgesetzten Erik Berg gefallen.

Am 2. November stirbt der Sonderberater des Regierungschefs an einer Gehirnblutung. Die Polizei geht von einem natürlichen Todesfall aus. Åke Persson ist die letzte Person, die den einflussreichen Mann lebend sah.

Der Mordfall Olof Palme bleibt offiziell unaufgeklärt.

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In seinem 2002 veröffentlichten Roman „Mellan sommarens längtan och vinterns köld“ („Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters“, Übersetzung: Gabriele Haefs, btb, München 2005, 696 Seiten, ISBN 3-442-75140-3) schildert Leif GW Persson, wie es zum Attentat auf den schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme gekommen sein könnte. „Zweifel“ spielt zwei Jahrzehnte später. Hier geht es um eine der Theorien über den unaufgeklärten Mord, um die sogenannte Polizeispur, die Leif GW Persson mit vielen großenteils fiktiven Details veranschaulicht.

Als Leser des Polizeiromans muss man viel Geduld mitbringen, denn es dauert einige hundert Seiten, bis die Handlung Fahrt aufnimmt. Anders als in einem der üblichen Krimis, in denen ein Kommissar mit Hilfe seiner Intuition und ein paar Zufällen einen verwickelten Mordfall in fünf Tagen aufklärt, zeigt der schwedische Kriminologie-Professor Leif Gustav Willy Persson (* 1945), wie zäh die Polizeiarbeit wirklich ist. Da geht es nicht um Abenteuer, sondern um akribisches Aktenstudium und Vernehmungen, von denen die meisten nicht weiterführen. Leif GW Persson schildert diese unspektakuläre Ermittlungsarbeit ausführlich, sachkundig und authentisch.

Wöchentliche Einsatzbesprechungen im Landeskriminalamt auf Kungsholmen in Stockholm vom 15. August bis 1. Oktober 2007 ergeben die Kapitelaufteilung in „Zweifel“. Vor jedem Kapitel blicken wir jeweils kurz am 10. Oktober 2007 auf einen Schauplatz im Norden von Mallorca. Parallel zu den Ermittlungen des vom Leiter der Zentralen Kriminalpolizei in Stockholm eingesetzten Teams verbeißt sich auch der fiese Kriminalkommissar Evert Bäckström in den Fall, und ein pensionierter Mitarbeiter des schwedischen Nachrichtendienstes Säpo namens Åke Persson (!) spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Weniger überzeugend als die minuziöse Beschreibung der Ermittlungen ist die Figurenzeichnung. Evert Bäckström wirkt eher wie eine Karikatur. Die anderen Ermittlerinnen und Ermittler bleiben noch farbloser als die Verdächtigen.

Die Lektorierung der Übersetzung von Gabriele Haefs und Nina Hoyer lässt ebenfalls zu wünschen übrig.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011
Textauszüge: © btb Verlag

Olof Palme (Kurzbiografie)

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Joanne K. Rowling alias Robert Galbraith erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Privatdetektivs, dessen Charakter sie lebendig wer­den lässt Die Mordverdächtigen bleiben jedoch Karikaturen, und der Krimiplot von "Der Seidenspinner" ist für 671 Seiten zu schlicht.
Der Seidenspinner

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