Die neun Pforten

Die neun Pforten

Die neun Pforten

Die neun Pforten - Originaltitel: The Ninth Gate - Regie: Roman Polanski - Drehbuch: Enrique Urbizu, John Brownjohn und Roman Polanski, nach dem Roman "Der Club Dumas" von Arturo Perez-Reverte - Kamera: Darius Khondji - Schnitt: Hervé de Luze - Musik: Wojciech Kilar - Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner, Barbara Jefford, Jack Taylor, James Russo, Allen Garfield, Willy Holt - 1999; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Der reiche Besitzer einer außergewöhnlichen Spezialbibliothek von Folianten über den Teufel beauftragt einen Experten, ein 1666 in Venedig gedrucktes Buch in seinem Besitz mit den einzigen beiden anderen erhaltenen Exemplaren der Ausgabe zu vergleichen und über ihre Echtheit zu urteilen. ...
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Kritik

In dem Gothic Thriller "Die neun Pforten" ist es Roman Polanski gelungen, ohne Schock- und Gruseleffekte durch geheimnisvolle Andeutungen Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Aber so ganz ernst gemeint ist das nicht.
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Ein älterer Herr (Willy Holt) legt einen Abschiedsbrief auf den Schreibtisch und erhängt sich in seiner Privatbibliothek. Die Kamera fährt auf eines der Bücherregale zu, in eine Lücke zwischen zwei Büchern hinein und neunmal durch eine sich öffnende Pforte. Dazu läuft der Vorspann.

Der aus Italien stammende Amerikaner Dean Corso (Johnny Depp) gilt als versierter Experte für antiquarische Bücher. In seiner Funktion als Schätzer gaukelt er einem Ehepaar schon mal einen viel zu hohen Wert für die Bibliothek des vom Schlag getroffenen Vaters vor – und jagt ihnen bei dieser Gelegenheit eine vierbändige Ausgabe des „Don Quijote“ aus dem Jahr 1780 für einen Spottpreis ab. Beim Verkauf im Antiquariat seines Partners Bernie Austin (James Russo) wird sich damit ein schöner Gewinn erzielen lassen.

Dean Corso wird von dem reichen Büchersammler Boris Balkan (Frank Langella) zu Rate gezogen, der über Jahrzehnte hinweg eine außergewöhnliche Spezialbibliothek von Folianten über den Teufel zusammengetragen hat. Darunter befindet sich auch ein 1666 von Aristide Tarchio in Venedig gedrucktes Buch mit dem Titel „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“. Aristide Tarchio wurde 1667 als Satanist auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Von dem Buch existieren noch drei Exemplare. Eines davon kaufte Boris Balkan von Andrew Telfer, dem Besitzer einer wertvollen Privatbibliothek, der sich einen Tag später erhängte. Balkan vertraut das Buch Dean Corso an und beauftragt ihn, für ein großzügiges Honorar die drei noch existierenden Exemplare zu vergleichen und über ihre Echtheit zu urteilen. Geld spiele keine Rolle.

Dean Corso sucht zunächst die Witwe Andrew Telfers auf. Liana Telfer (Lena Olin) weiß angeblich nichts von dem Verkauf des Buches, behauptet aber, ihr Mann habe es für viel Geld in Toledo erstanden. In einer öffentlichen Bibliothek vergleicht Dean Corso Reproduktionen aus „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ mit den Holzschnitten in der ihm vorliegenden Ausgabe. Dabei fühlt er sich zweimal von einer attraktiven Blondine (Emmanuelle Seigner) beobachtet. Nachdem seine Wohnung durchwühlt wurde, bringt er das überaus wertvolle Buch bei seinem Partner in Sicherheit.

Unvermittelt bietet ihm Liana Telfer sehr viel Geld für die Rückgabe des Buches. Sie verführt ihn. Ihren Oberschenkel ziert eine tätowierte Schlange. Nach dem Orgasmus verlangt sie noch einmal das Buch, und als er nicht bereit ist, es herauszugeben, schlägt sie ihn nieder. Er eilt ins Antiquariat seines Partners. Bernie hat sich erhängt. Das Buch liegt noch im Versteck. Corso steckt es in seine Umhängetasche. Er ruft Boris Balkan an und will den Auftrag zurückgeben, aber der will davon nichts wissen und verzehnfacht stattdessen das Honorar.

In Toledo erfährt Corso, nicht Andrew Telfer habe sich für das Buch interessiert, sondern dessen Frau. Er habe nur dafür bezahlt. Pablo und Pedro Ceniza (Jose Lopes Rodero), die beiden Brüder, die das Buch verkauften, weisen Corso darauf hin, dass sechs der neun Holzschnitte mit „AT“ (für Aristide Tarchio) signiert seien, drei mit „LCF“. Steht LCF für Lucifer?

Auf dem Weg ins Hotel wird er beinahe von einem einstürzenden Gerüst erschlagen.

Eines der beiden anderen Exemplare des Buches befindet sich in Sintra. Im Zug begegnet er wieder der Blondine, von der er nun annimmt, sie überwache ihn im Auftrag von Boris Balkan.

Victor Vargas (Jack Taylor), der Besitzer einer heruntergekommenen Villa in Sintra, lässt ihn bereitwillig Platz nehmen, damit er sein Exemplar und das mitgebrachte Seite für Seite vergleichen kann. Dean Corso bemerkt Abweichungen auf den Holzschnitten und stellt fest, dass auch in Vargas‘ Ausgabe drei Holzschnitte mit „LCF“ signiert sind – aber es sind drei andere!

Als er die Villa verlässt, rast ein Auto auf ihn zu: Jemand versucht ihn zu überfahren. Er rettet sich durch einen Sprung hinter einen Baum. Der Wagen bleibt stehen. Erst als ein Motorradfahrer hinzukommt, entfernt sich der unbekannte Autofahrer.

Im Hotel wird Corso von Boris Balkan angerufen. Woher kennt dieser seinen Aufenthaltsort? Balkan fragt ihn, was er herausgefunden habe. Nun will der Sammler auch dieses Exemplar – um jeden Preis.

Am nächsten Morgen wird Corso durch ein Klopfen geweckt. Die Frau, deren Namen er nicht kennt, steht in der Zimmertür und fordert ihn auf, mit ihr nochmals zu Victor Vargas zu fahren. Er zieht sich an, und als er aus dem Hotel tritt, wartet die Blondine bereits mit dem Motorrad auf ihn. Sie trägt einen schwarzen Helm und schwarze Lederkleidung und war wohl auch gestern sein Schutzengel. Vargas sei nicht im Haus, erklärt sie ihm und deutet auf den Teich. Darin schwimmt die Leiche des Villenbesitzers. Corso läuft ins Haus und sucht nach dem Buch. Er findet es halb verkohlt im Kamin. Die Holzschnitte hat jemand herausgerissen.

Dean Corso fliegt nach Paris. Frieda Baroness Kessler (Barbara Jefford) besitzt das dritte Exemplar der „neun Pforten“. Sie sitzt im Rollstuhl und schreibt gerade an einer Biografie des Teufels, die im nächsten Jahr veröffentlicht werden soll. Im Alter von 15 Jahren will sie den Teufel deutlich gesehen haben; es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Sie erzählt Corso von einem Geheimbund der silbernen Schlange, der sich regelmäßig treffe und Satansmessen veranstalte. Ihr eigenes Exemplar hält sie für echt. Daran könne gar kein Zweifel bestehen. Als sie herausfindet, wer sein Auftraggeber ist, verweigert sie ihm einen Blick auf das Buch, beendet das Gespräch und wirft ihn hinaus.

Auf der Straße wird Corso von einem Mann verfolgt. Er flieht hinunter ans Ufer der Seine, und als er schon glaubt, den Verfolger abgeschüttelt zu haben, steht dieser plötzlich vor ihm und greift nach der Umhängetasche mit dem Buch. In diesem Augenblick taucht die geheimnisvolle Frau auf und schlägt den Angreifer in die Flucht.

Wieder ruft Boris Balkan in dem Hotel an, in dem Corso abgestiegen ist. Er müsse es nochmals bei Frieda Kessler versuchen. Corso kopiert die Holzschnitte aus seinem Exemplar und versteckt es in der Minibar. Mittags geht er wieder zu der Baroness, legt ihr die Fotokopien auf den Tisch und zeigt ihr, dass in ihrem Exemplar drei andere Holzschnitte mit „LCF“ signiert sind. Es gibt also insgesamt drei mal drei Abweichungen: neun Holzschnitte, neun Abweichungen. Jetzt darf er sich im Nebenzimmer das Exemplar der Baroness genauer ansehen. Zwischen den Seiten steckt eine Ansichtskarte „Sorry Frieda. I saw it first. Boris“. Corso legt sie vor sich auf den Tisch. Plötzlich wird er von hinten auf den Kopf geschlagen. Als er zu sich kommt, hängt Baroness Kessler tot in ihrem Rollstuhl. Es brennt. Corso rafft seine Notizen und die Ansichtskarte zusammen und rettet sich auf die Straße.

Erschöpft sinkt er in seinem Hotelzimmer aufs Bett. Da fällt sein Blick auf einen Schal am Boden. Sofort sieht er in der Minibar nach. Das auf eine Million Dollar geschätzte Buch ist weg! Er fragt einen Aushilfsportier, wer in seinem Zimmer war. „Nur Ihre Frau“, lautet die Antwort. Die Blonde! Boris Balkan ruft an. Corso berichtet ihm, dass das Exemplar der Baroness Kessler verbrannte. Also gebe es nichts mehr zu tun, meint Balkan, der Auftrag sei erledigt. Er wohne im „Ritz“. Dean Corso solle das Buch in einer halben Stunde vorbeibringen und sein Honorar abholen. Der muss nun gestehen, was mit dem Exemplar seines Auftraggebers geschehen ist. Balkan fordert ihn auf, es unter allen Umständen wieder zu beschaffen und legt auf. Vom Portier, der inzwischen an seinen Platz zurückgekehrt ist, erfährt Corso, dass Liana Telfer in seinem Zimmer war und in welchem Hotel sie wohnt. Er bittet den Portier, Boris Balkan ein Fax zu schicken: „Es war die Telfer!“ Dann fährt er zu der angegebenen Adresse.

Liana Telfer verlässt gerade das Hotel. Vergeblich winkt Corso nach einem Taxi. Da ist plötzlich wieder sein Schutzengel zur Stelle. Sie setzt sich in den roten Sportwagen, den ein anderer Hotelgast gerade geparkt hat, fordert Dean Corso zum Einsteigen auf und verfolgt Liana Telfer. Sie verlieren das Auto jedoch aus den Augen. An einer Weggabelung bleiben sie unschlüssig stehen. Liana Telfers Mädchenname lautet St. Martin. Das steht auch auf einem Wegweiser vor ihnen. Da fahren sie hin. Es ist Nacht, als sie ankommen. Ein Bäcker, der bereits bei der Arbeit ist, erklärt ihnen, „Madame St. Martin“ wohne im Schloss.

Dort findet offenbar ein Treffen des Geheimbundes der silbernen Schlange statt. Dean Corso und seine Begleiterin dringen in ein Zimmer ein, in dem sich Liana Telfer gerade für die schwarze Messe umzieht. Corso entreißt ihr das Buch. Ein anderer Mann kommt dazu. Mit vorgehaltener Pistole bringt dieser die beiden Einbrecher in den Keller, um sie dort zu erschießen. Auf der steilen Treppe kann Corso ihn überwältigen. Er zieht dessen schwarze Kutte an und mischt sich unter die Gäste, die Liana Telfers satanischer Predigt zuhören. Boris Balkan – der offenbar das Fax erhalten hat – stürmt plötzlich herein und mokiert sich über das „Geschwafel“. Vor den Augen der Gäste erwürgt er Liana Telfer.

Corso flieht. Auf der Ansichtskarte von Boris Balkan an Frieda Baroness Kessler ist eine Burg abgebildet. Ein Kneipenbesitzer weiß, wo sie zu finden ist. Dort überrascht Dean Corso seinen Auftraggeber, der die neun mit „LCF“ signierten Holzschnitte aus den drei Büchern auf einem Tisch sortiert und eine Teufelsbeschwörung vorbereitet. Corso bricht durch den morschen Fußboden und bleibt hilflos hängen. Balkan stellt sich in einen Feuerkreis und ruft nach dem Teufel. Nichts geschieht. Schließlich überschüttet er sich selbst ekstatisch mit Benzin. Corso befreit sich aus seiner Lage. Er erschießt den rettungslos Brennenden und flüchtet ins Freie.

Draußen wartet die Blondine. Sie lieben sich vor den lodernden Flammen.

Als er sie fragt, warum Boris Balkan die Teufelsbeschwörung nicht gelungen sei, meint sie: „Der neunte Holzschnitt war eine Fälschung.“ Er möchte mehr erfahren, aber sie weist ihn auf die sich dem Nullpunkt nähernde Nadel der Benzinanzeige hin, und er fährt in eine Tankstelle.

Als Dean Corso vom Zahlen zurückkommt, ist sie nicht mehr da. Unter einem der beiden Scheibenwischer klemmt eine Kopie des gefälschten Holzschnitts. Darauf hat sie „Ceniza Bros.“ geschrieben. Corso reist noch einmal nach Toledo, aber Pablo und Pedro Ceniza sind nicht mehr da. Ihr Haus wird gerade ausgeräumt. Zwei Arbeiter kippen einen Schrank um. Da flattert Corso ein Papier vor die Füße. Es handelt sich um eine Doppelseite, die wohl jemand aus „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ herausgerissen hat. Auf dem Holzschnitt ist eine nackte Frau abgebildet, die vor einer lichtüberfluteten Burg auf einem Fabelwesen sitzt.

Dean Corso schreitet auf die Burg zu. Vor ihm öffnet sich das Tor. Licht erstrahlt.

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Unter dem Titel „Die neun Pforten“ verfilmte Roman Polanski den 1993 veröffentlichten Roman „El club Dumas. La novena puerta“ von Arturo Pérez-Reverte (deutsch: „Der Club Dumas“, Übersetzung: Claudia Schmitt, 1996).

Auch in diesem Gothic Thriller ist es Roman Polanski gelungen, ohne Schock- und Gruseleffekte durch geheimnisvolle Andeutungen Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Aber so ganz ernst gemeint ist das nicht. „Horror und Humor gehören eng zusammen“, behauptete Roman Polanski einmal in einem Interview mit Rüdiger Suchsland. Gegen Ende zu – von der schwarzen Messe an – steigert sich das Tempo, aber zugleich verliert die Inszenierung an Sorgfalt und Niveau.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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