Lulu und Jimi

Lulu und Jimi

Lulu und Jimi

Originaltitel: Lulu und Jimi – Regie: Oskar Roehler – Drehbuch: Oskar Roehler – Kamera: Wedigo von Schultzendorff – Schnitt: Bettina Böhler – Musik: Martin Todsharow – Darsteller: Jennifer Decker, Ray Fearon, Katrin Saß, Rolf Zacher, Udo Kier, Hans-Michael Rehberg, Bastian Pastewka, Ulrich Thomsen, Simon Boer, Lavinia Wilson, Catherine H. Flemming, Alexander Beyer, Aaron Hildebrand, Anna Brüggemann u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Lulu und Jimi begegnen sich 1959 auf einer Kirmes. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Aber Jimi ist der mittellose Sohn eines afroamerikanischen GI; Lulu wohnt dagegen mit ihren Eltern in einer pompös eingerichteten Villa und soll den spießigen Fabrikantensohn Ernst heiraten. Darauf besteht ihre exaltierte Mutter Gertrud. Als Lulu und Jimi fliehen, hetzt Gertrud ihren Chauffeur und Liebhaber Schultz hinterher ...
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Kritik

"Lulu und Jimi" ist eine unterhaltsame Mischung aus Roadmovie, Thriller, Liebesgeschichte, Farce, Comic und Popmärchen. Oskar Roehler inszeniert die Handlung bunt, schrill, grotesk und plakativ-überzeichnet.
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Als die neunzehnjährige Lulu (Jennifer Decker) sich 1959 in der Nähe von Schweinfurt beim Autoscooter-Fahren auf einer Kirmes leicht verletzt, kümmert sich der hier beschäftigte Jimi (Ray Fearon) um sie. Zwischen den beiden ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber Jimi ist der mittellose Sohn eines afroamerikanischen Soldaten, Lulu wohnt dagegen mit ihren Eltern in einer pompös eingerichteten Villa und soll den spießigen Fabrikantensohn Ernst (Bastian Pastewka) heiraten. Darauf besteht ihre vulgär-exaltierte, alkoholkranke Mutter Gertrud (Katrin Saß), denn ohne das Geld des zukünftigen Schwiegersohns müsste sie ihr großspuriges Leben aufgeben. Der Vater Carli (Rolf Zacher) kann seiner Tochter nicht helfen, denn er steht unter der Fuchtel seiner bösen Frau, die ihn mit Hilfe des skrupellosen Psychiaters Dr. von Oppeln (Hans-Michael Rehberg) unter Drogen hält. Weil er nicht nur ein Rock’n’Roll-Rebell, sondern auch ein Schürzenjäger war, brachte Gertrud ihn vor zehn Jahren dazu, sich mit einem Messer zu entmannen. Sie schläft ohnehin lieber mit ihrem Chauffeur Schultz (Udo Kier).

Am nächsten Abend fährt Ernst mit seiner Beinahe-Verlobten ins Autokino. Unterwegs täuscht Lulu jedoch vor, ihr sei übel. Sie steigt aus und rennt allein zum Kirmesplatz, um Jimi wiederzusehen. Und als sie einen Tag später mit Ernst auf einer Gartenparty bei ihrer Freundin Anne (Lavinia Wilson) verabredet ist, nimmt sie Jimi kurzerhand mit. Die anderen Gäste sind entsetzt: Sie wollen nicht mit einem „Neger“ zusammen feiern. Aufgebracht verlässt Ernst die Party. Schließlich kann Lulus älterer Bruder Richard (Simon Böer) nicht länger mit ansehen, wie seine Schwester mit dem Schwarzen tanzt. Jimi lässt sich allerdings nicht einfach fortschicken. Er wehrt sich. Es kommt zu einer Prügelei. Dabei stürzt Richard mit dem Rücken in den langen, spitzen Absatz eines herumliegenden Damenschuhs. Die Ärzte können ihn retten, aber er bleibt querschnittsgelähmt.

Angesichts der Unbeugsamkeit ihrer Tochter wendet Gertrud sich an Dr. von Oppeln. Er soll das Mädchen ebenfalls mit Drogen ruhigstellen.

Lulu und Jimi wollen nach Amerika fliehen. Jimi besorgt zwei Schiffspassagen. Bevor sie losfahren können, wird Lulu zu Hause von ihrer Mutter, Schultz und Dr. von Oppeln regelrecht überfallen. Der Arzt betäubt sie mit einer Injektion. Sie wird in ihr Zimmer gesperrt, wo Gertrud ihr in den nächsten Tagen regelmäßig die Droge spritzt.

Jimi befreit Lulu. Mit seinem Straßenkreuzer fliehen sie in Richtung Hamburg.

Gertrud hetzt den beiden Schultz nach, und der Chauffeur heuert den psychisch gestörten Stalingrad-Überlebenden Harry Hass (Ulrich Thomsen) an.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Unterwegs nehmen Lulu und Jimi die betrunkene Sängerin Josephine (Catherine H. Flemming) mit, die auf der Straße herumtorkelte. Nachts halten sie auf einem Waldweg und schlafen ein wenig. Am anderen Morgen ist Josephine fort. Und sie hat Jimis gesamte Ersparnisse mitgenommen.

Durch Fernhypnose bringt von Oppeln die inzwischen schwangere Lulu eines Nachts dazu, das Motelzimmer zu verlassen und ins Wasser zu gehen. Jimi wacht auf und rettet sie. Als sie zu sich kommt, kann sie sich an nichts mehr erinnern.

Als Harry Hass herausfindet, dass Jimi kein Geld mehr hat, überredet er ihn zu einem gemeinsamen Überfall auf die Sparkasse des Ortes, in dem sie gerade übernachtet haben. Die Männer stehen bereits vor der Tür des Geldinstituts, als Jimi vor der kriminellen Handlung zurückschreckt. Er läuft weg. Schultz schießt aus dem Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes mit einem Gewehr auf ihn und trifft ihn zweimal in die Brust.

Zwei Männer finden den Schwerverletzten. Weil er zwei Schiffskarten bei sich hat, nehmen sie ihn auf der Ladefläche ihres Lastwagens mit nach Hamburg.

Währenddessen verlangt Harry Hass von Schultz das vereinbarte Honorar. Als er merkt, dass dieser ihn übervorteilen will, erschießt er ihn kurzerhand.

Dann holt er Lulu im Motel ab. Jimi sei bei einem missglückten Banküberfall von Schultz getötet worden, sagt er. Da weiß Lulu, dass er Jimi hereinlegte und den Auftrag hat, sie zu ihrer Mutter zu bringen. Sie tötet ihn mit zwei Schüssen in den Bauch.

Während sie mit Jimis Straßenkreuzer weiter nach Norden fährt, legt sie in irgendeiner Stadt eine Pause ein und schläft auf dem Rücksitz. Ein Passant erkennt sie und alarmiert die Polizei. Gertrud holt sie aus der Haft und bringt sie nach Hause. Dann ruft sie Dr. von Oppeln an. Der soll den „Bastard“ ihrer Tochter wegmachen. Robert, der seine Schwester nach wie vor liebt, protestiert gegen die geplante Abtreibung, aber Gertrud verhöhnt den Gelähmten. Als sie schläft, erstickt er sie mit einem Kissen.

Einige Monate später steht Jimi überraschend vor der Türe. Er wurde auf dem Schiff operiert und ist nun aus den USA zurückgekehrt, um nach Lulu zu sehen. Sie fallen sich um den Hals. Und Lulu zeigt Jimi stolz das farbige Baby, das sie geboren hat.

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„Thank you, David L.“, heißt es im Vorspann. Tatsächlich wirkt „Lulu und Jimi“ wie ein Remake des Films „Wild at Heart“ von David Lynch. Oskar Roehler versteht „Lulu und Jimi“ jedoch als Hommage. Unübersehbar spielt er auch auf „Romeo und Julia“ und „West Side Story“ an. Allerdings hat er die Handlung in die vom Wirtschaftswunder geprägten Fünfzigerjahre der Bundesrepublik Deutschland verlegt. (1959 ist auch Roehlers Geburtsjahr.)

„Lulu und Jimi“ ist eine unterhaltsame Mischung aus Roadmovie, Thriller, Liebesgeschichte, Farce, Comic und Popmärchen. Es geht um die Liebe eines Paares, die von Rassenhass, Spießertum, Geldgier und Bösartigkeit bedroht wird. Oskar Roehler inszeniert die Handlung bunt, schrill, grotesk und plakativ-überzeichnet. Kitsch setzt er bewusst als Stilmittel ein. Die bonbonfarbenen Bilder versetzen uns in eine Welt der Barbie-Puppen.

Die Französin Jennifer Decker (* 1982) und der Engländer Ray Fearon (* 1967) überzeugen in den Hauptrollen. Auch die Nebenrollen sind mit Ulrich Thomsen, Udo Kier und Rolf Zacher hervorragend besetzt. Der heimliche Star des Films heißt Katrin Saß.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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