Johan Theorin : Nebelsturm

Nebelsturm

Johan Theorin

Nebelsturm

Originalausgabe: Nattfåk Wahlström & Widstrand, Stockholm 2008 Nebelsturm Übersetzung: Kerstin Schöps Piper Verlag, München / Zürich 2009 ISBN: 978-3-492-05091-3, 447 Seiten, 19.95 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der 34-jährige Lehrer Joakim Westin und seine Frau Katrine ziehen von Stockholm nach Öland und richten sich mit den Kindern Livia und Gabriel auf dem 150 Jahre alten Hof Åludden ein, dem früheren Quartier des Leuchtturmwärters. Während Joakim die letzten Sachen aus Stockholm holt, glaubt er Katrines Stimme zu hören, und weil niemand ans Telefon geht, fährt er besorgt zurück. Unterwegs ruft er noch einmal an. Eine junge Polizistin hebt ab und sagt ihm, Livia sei ertrunken ...
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Kritik

"Nebelsturm" ist eine formal und inhaltlich überzeugende, anspruchsvolle und packende Mischung aus Familiensaga, Kriminalroman und Spukgeschichte.
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Jeden Winter versammeln sich die Toten, um Weihnachten zu feiern. Einmal jedoch geschah es, dass sie von einem unverheirateten Weib gestört wurden. Ihre Uhr war stehen geblieben, daher stand sie zu früh auf und machte sich mitten in der Weihnacht auf den Weg zur Kirche. Aus der Kapelle drang Stimmengewirr, als würde ein Gottesdienst abgehalten werden, und der Kirchenraum war voller Menschen. Da entdeckte das alte Weib in der Menge ihren Verlobten aus jungen Tagen. Er war vor vielen Jahren ertrunken, aber dort saß er zusammen mit anderen auf der Kirchbank.
Schwedische Volkssage aus dem 19. Jahrhundert (Seite 5)

Mein Buch, liebe Katrine, beginnt in jenem Jahr, in dem Hof Åludden erbaut wurde. Für mich ist dieser Hof immer mehr gewesen als nur das Haus, in dem ich mit meiner Mutter gelebt habe. Es war der Ort, an dem ich erwachsen wurde.
Der Aalfischer Ragnar Davidsson erzählte mir damals, dass die Gebäude zu großen Teilen aus der Ladung eines Schiffswracks, eines deutschen Holztransporters, errichtet wurden. Ich glaube ihm das. Auf einem Dachbalken an der Stirnseite der Scheune sind die Worte IN GEDENKEN AN CHRISTIAN LUDWIG eingeritzt.
Ich habe die Toten in den Wänden flüstern hören. Sie haben so viel zu erzählen. (Seite 7)

Im März 1846 kommt der Leuchtturmbauer Valter Brommesson nach Öland, stellt eine Arbeitsgruppe zusammen und beginnt im Nordosten der Ostseeinsel mit dem Bau von zwei Leuchttürmen. Während im folgenden Winter ein Nebelsturm tobt, strandet ein Schiff. Valter Brommesson und seine Männer ziehen sechs tote Seeleute aus dem Wasser. Die „Christian Ludwig“ aus Hamburg hatte eine große Menge Holz geladen. Die Balken verwendet der Leuchtturmbauer zur Errichtung eines Wohngebäudes für den Leuchtturmwärter. So entsteht der Hof Åludden.

Während eines Nebelsturms im Winter 1868 sucht eine Zwanzigjährige namens Kerstin auf dem Hof Åludden nach ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Carolina. Die beiden sind beim Leuchtturmmeister Sven Karlsson angestellt. Kerstin findet Carolina in der Scheune auf dem Heuboden, wo die Achtzehnjährige gerade eine Totgeburt erlitt, und muss zusehen, wie ihre Schwester stirbt. In ihrem Zorn hüllt Kerstin das Totgeborene in eine Wolldecke, trägt es zum Hauptgebäude und wickelt es vor dem Leuchtturmmeister und seiner Ehefrau Anna aus.

Am 16. Dezember 1884 bemerkt der Leuchtturmwärter Mats Bengtsson, dass im Nordturm das Leuchtfeuer ausgegangen ist. Er rennt hin. Auf der Treppe liegt der mit ihm befreundete Leuchtturmassistent Jan Klackman und brennt. Offenbar rutschte Klackman aus, als er mit einer Petroleumlampe unterwegs war. Dabei zerbrach die Lampe und setzte seine Kleidung in Brand. Er ist nicht mehr zu retten.

Im Winter 1900 gehen Petter und Edda Lind, die beiden Kinder des Leuchtturmwärters, aufs zugefrorene Meer hinaus, um mit einer Motorsäge Eisblöcke für den Vorratsraum auszusägen. Als der Fünfzehnjährige und seine zwei Jahre jüngere Schwester Aale entdecken, die aufs Eis sprangen und nicht mehr ins Wasser zurückfinden, sammeln sie einige davon ein. Plötzlich bricht das Eis mit gewaltigem Getöse. Edda springt von Scholle zu Scholle und rettet sich an Land, aber Petter wird ins offene Meer hinausgetrieben und nicht mehr gefunden.

Bei einem Nebelsturm im Winter 1916 wird eine Mine aus der Vertäuung gerissen und in unmittelbarer Nähe des Hofes Åludden an Land getrieben. Bevor der Leuchtturmmeister Georg Ljunggren und seine Männer die Mine sprengen können, muss sie erst vorsichtig ein Stück weit ins Meer hinausgezogen werden. Alma Ljunggren, die Ehefrau des Leuchtturmmeisters, ist in der Scheune, als sie die Detonation hört. Sie weiß, dass die Explosion zu früh erfolgte. Mit einer Schafschere ritzt sie „Georg Ljunggren + 7. Dezember 1916“ in eine Holzwand auf dem Heuboden.

Im Zweiten Weltkrieg sind Soldaten auf dem Hof Åludden einquartiert. Nach einem Nebelsturm im Winter 1943 suchen sie Greta Friberg, eine Sechzehnjährige aus Malmtorp bei Rörby, und finden sie erfroren im Schnee.

Torun Rambe hatte in Göteborg Kunst studiert und war dann nach Paris gegangen. Bei Kriegsbeginn wollte sie nach Schweden zurückkehren. Während eines Zwischenaufenthalts in Kopenhagen ließ sie sich 1940 auf eine Affäre mit einem dänischen Künstler ein. In Stockholm stellte sie dann fest, dass sie schwanger war, und 1941 gebar sie ihre Tochter Mirja. Anfang der Fünfzigerjahre ziehen die beiden von Stockholm nach Öland, und im Winter 1959 richten sie sich im ehemaligen Waschhaus des Hofes Åludden ein. Die Leuchttürme werden inzwischen elektrisch und automatisch betrieben, aber es gibt noch einen Aufseher, den Aalfischer Ragnar Davidsson.

Im Winter 1960 kommt der neunzehnjährige Markus Landkvist nach Öland und freundet sich mit Mirja Rambe an. Im Jahr darauf wird er zur Grundausbildung eingezogen und muss aufs Festland zurück. Während eines Heimaturlaubs im Winter 1962 defloriert er Mirja im Haus seiner Eltern.

Als sie nach Åludden zurückkommt, sieht sie, wie Ragnar Davidsson einige der etwa fünfzig Nebelsturm-Gemälde ihrer inzwischen erblindeten Mutter wegschleppt. Die trage er zum Strand hinunter, erklärt er. Wutentbrannt leert Mirja die Flasche Schnaps, die Ragnar auf dem Tisch stehen ließ und füllt sie mit Spiritus. Nachdem er alle Bilder fortgeschafft hat, nimmt Ragnar ein paar kräftige Schlucke. Mirja schaut zu und blickt ihm nach, als er zu seinem Motorboot hinuntergeht. Er schwankt, übergibt sich, und nachdem er das Boot losgemacht hat, ist er offenbar zu schwach, um es festzuhalten. Es wird aufs Meer hinausgetrieben. Daraufhin macht Ragnar sich zu Fuß auf den Heimweg. Er wird nach einigen Tage tot aufgefunden. Unweit seines Sommerhauses war er im Nebelsturm erfroren.

Als Ragnar gegangen war, fragte Torun ihre Tochter, ob er ihren Auftrag, die Gemälde zu vernichten, ausgeführt habe. Frustriert verließ Mirja ihre Mutter und zog nach Stockholm. Dort stellt sie fest, dass sie schwanger ist. 1963 bringt sie das erste ihrer fünf Kinder zur Welt: Katrine.

1996 kaufen der vierunddreißigjährige Lehrer Joakim Westin und seine Ehefrau, die Kunsterzieherin Katrine, den heruntergekommenen, einige Zeit als Quartier für Balkanflüchtlinge benutzten Hof Åludden. Katrine zieht bereits im August mit der fünfjährigen Tochter Livia und dem zweieinhalb Jahre alten Sohn Gabriel dort ein. Joakim, der zunächst noch in Stockholm zu tun hat, kommt im Oktober nach.

Katrine und Joakim Westin sind seit sieben Jahren verheiratet. In Stockholm wohnten sie zuletzt in einem von ihnen renovierten Haus in der Villengegend Bromma. Joakims drei Jahre ältere Schwester Ethel war alkoholkrank und drogensüchtig. Deshalb erhielten Katrine und Joakim vor vier Jahren das Sorgerecht für Ethels Tochter Livia. Immer wieder randalierte Ethel vor ihrem Haus – bis sie vor einem Jahr tot aufgefunden wurde. Vermutlich hatte sie sich in einem Bootsschuppen einen Schuss gesetzt und war dann im Drogenrausch ins eiskalte Wasser gestürzt. Joakim und Katrine adoptierten daraufhin Livia. Und weil sie nicht länger in der Großstadt bleiben wollten, sahen sie sich nach einem Haus auf dem Land um.

Joakim fährt noch einmal nach Stockholm, um die letzten Sachen zu holen, die Schlüssel des Hauses beim Makler abzugeben und bei seiner Mutter Ingrid Westin zu übernachten. In Stockholm glaubt er, Katrine rufen zu hören. Aber das ist ja nicht möglich; sie ist auf Åludden geblieben. Berunruhigt wählt Joakim die Nummer des Hofes, aber es geht niemand ans Telefon, und bei Katrines Handy hat er auch keinen Erfolg. Daraufhin sagt er den Besuch bei seiner Mutter ab und fährt zurück nach Öland. Unterwegs wählt er noch einmal die Nummer des Hofes. Diesmal wird abgehoben, jedoch nicht von Katrine, sondern von der Polizistin Tilda Davidsson, die frisch von der Polizeischule kommt und an diesem Tag ihren Dienst in Marnäs aufgenommen hat. Eine Person sei ertrunken, teilt sie Joakim mit, und als er darauf besteht, dass sie ihm den Namen durchgibt, nimmt die siebenundzwanzig Jahre alte Polizistin einen Zettel in die Hand, auf dem ihr Kollege Hans Majner die Namen der Bewohner von Åludden notiert hat. Tilda nennt Joakim den Namen, neben den Majner ein Kreuz gemacht hat: Livia Westin. Entsetzt nimmt Joakim zur Kenntnis, dass das Mädchen tot ist. So schnell wie möglich fährt er weiter, um Katrine beizustehen.

Tilda wartet auf Åludden bis er eintrifft und geht mit ihm noch in der Nacht hinüber zum Bauernhof von Roger und Maria Carlsson, die Joakims Familienangehörige aufgenommen haben. Dort trifft Joakim jedoch auf Livia statt auf Katrine. Majner hatte das Kreuz an der falschen Stelle gemacht.

Katrine scheint auf der zum Schutz der Leuchttürme gebauten Steinmole ausgerutscht und ins Wasser gefallen zu sein. Marianne, die Leiterin des Kindergartens, entdeckte die Tote, als sie Livia und Gabriel nach Hause fuhr, weil die Mutter sie nicht abgeholt hatte. Am Strand sind nur Katrines Spuren zu sehen sind. Die Polizei nimmt deshalb an, dass Katrine allein war und geht von einem Suizid aus. Gerlof Davidsson, der in einem Seniorenheim lebende, achtzigjährige Bruder von Tildas Großvater Ragnar Davidsson, ein ehemaliger Schiffskapitän, gibt seiner Großnichte allerdings zu bedenken, es könne auch jemand mit einem Boot an der Mole gewesen sein.

Zur gleichen Zeit tauchen bei dem Handwerker Henrik Jansson in Borgholm zwei Ganoven auf, die sich Tommy und Freddy Serelius nennen. Sein ehemaliger Kumpel Morgan Berglund gab ihnen die Adresse. Sie wollen in die monatelang leer stehenden Sommerhäuser einbrechen, so wie Henrik und Morgan es früher taten, und weil sie sich auf Öland nicht auskennen, drängen sie Henrik, dabei mitzumachen. Die Beute deponieren sie in einem Bootshaus, das Henrik von seinem Großvater Algot erbte.

Nach einer Reihe von Einbrüchen geben Tommy und Freddy sich mit Computern und Fernsehgeräten nicht mehr zufrieden. Im November rauben sie ein bewohntes Haus und die mittelalterliche Kirche von Marnäs aus. Beim Einbruch im Pfarrhaus von Hagelby, das an ein pensioniertes Lehrerehepaar aus Emmaboda verkauft wurde, werden sie vom Besitzer überrascht. Tommy, der wieder Methamphetamine genommen hat, sticht den Greis mit einem Schraubenzieher nieder.

Tilda Davidsson wird in Marnäs von ihrem Liebhaber Martin Ahlquist besucht, ihrem früheren Lehrer an der Polizeischule in Växjö. Nachdem sie miteinander geschlafen haben, erklärt Martin die Affäre für beendet, denn er will nicht riskieren, dass seine Ehefrau Karin etwas merkt.

Auch auf Åludden gibt es Besuch: Zunächst kommt Joakims Schwiegermutter Mirja Rambe aus Kalmar, eine stark geschminkte Künstlerin und Sängerin Mitte fünfzig mit einer Vorliebe für deutlich jüngere Liebhaber. Weder Joakim noch Katrine hatten einen engen Kontakt zu ihr. Als sie an einer Wand ein Gemälde ihrer Mutter Torun entdeckt, erwähnt sie, dass die komplette Sammlung inzwischen Millionen wert wäre. Es blieben jedoch nur sechs von ungefähr fünfzig Bildern erhalten. Mirja zeigt ihrem Schwiegersohn auf dem Heuboden eine Holzwand, in die zahlreiche Namen eingeritzt sind, die Namen der Toten von Åludden. Sobald Mirja fort ist, graviert Joakim dort den Namen seiner toten Frau ein.

Lisa und Michael Hesslin, die Nachbarn der Westins in Stockholm, besuchen ihren Freund Joakim. Mitten in der Nacht hält Michael Hesslin es auf Åludden nicht mehr aus. Lisa meint, er habe einen Albtraum gehabt. Jedenfalls fahren die beiden nach Borgholm und nehmen sich ein Hotelzimmer.

Ein gewisser John Hagman macht die Polizei im Dezember auf Einbruchsspuren an unbewohnten Sommerhäusern aufmerksam. Tilda Davidsson fällt auf, dass in einigen der ausgeraubten Häuser im Sommer die Fußböden von einer Firma in Marnäs abgeschliffen wurden, und zwar von einem Handwerker namens Henrik Jansson, der im August auch eine Woche auf Åludden beschäftigt war. Sie ruft ihn mehrmals an und hinterlässt auf seinem Anrufbeantworter die Bitte, sich bei ihr zu melden, aber Henrik will erst noch mit Tommy und Freddy Serelius das Diebesgut aus dem Bootshaus wegschaffen.

Kurz vor Weihnachten fällt Joakim auf, dass die Scheune ein Fenster mehr hat, als auf dem Heuboden zu sehen sind. Schließlich entdeckt er den versteckten Zugang zu einem Raum hinter der Wand, die mit den Namen der Toten von Åludden beschriftet ist. Dort stehen vier Kirchenbänke wie in einem Andachtsraum, und es liegen Erinnerungsstücke herum, darunter ein dickes Notizbuch mit der Aufschrift „Nebelsturmbuch“ von Mirja Rambe und eine Jeansjacke, die Joakims Schwester Ethel gehörte.

Nach der Bescherung am Heiligen Abend, als Gabriel zu Bett gegangen ist und Livia in ihrem Zimmer fernsieht, geht Joakim noch einmal in den verborgenen Raum hinüber und legt dort ein eigens für Katrine gekauftes Weihnachtsgeschenk ab. Als er Ethels Jacke aufhebt, fallen ein vergoldetes Etui und ein Zettel heraus, auf dem steht: „Seht zu, dass dieses Drogenflittchen von hier verschwindet.“

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Henrik fuhr an diesem Nachmittag zu seinem Bootshaus und verlud sein Boot auf dem Trailer. Dabei kam ihm der Gedanke, einen Teil der Beute im Boot zu verstecken, bevor er die Plane darüber spannte. Die Brüder Serelius kommen mit ihrem Lieferwagen. Während Freddy das Bootshaus leer räumt, erzählt Tommy, dass sie vorhaben, sich nach Kopenhagen abzusetzen. Vorher wollen sie noch auf dem Hof Åludden einbrechen, denn sie haben gehört, dass es dort wertvolle Gemälde gibt. Weil Tommy die vielen Fußspuren zwischen dem Bootshaus und dem Anhänger auffallen, schaut er unter die Plane und entdeckt die versteckten Sachen. Wütend rammt er Henrik einen Schraubenzieher in den Bauch. Freddy setzt sich ungerührt ans Steuer des Lieferwagens, Tommy fährt mit Henriks Auto und dem Boot auf dem Anhänger hinterher.

Henrik holt eine Axt seines Großvaters und schleppt sich zu Fuß auf dem kürzeren Weg am Strand entlang nach Åludden. Dort will er die Brüder Serelius überraschen.

Inzwischen klingelt Tilda vergeblich bei Henriks Wohnung in Borgholm. Von einer Nachbarin erfährt sie, dass er ein Bootshaus in Enslunda besitzt. In der Polizeiwache in Marnäs wird sie von Martin überrascht, der ihr ein Weihnachtsgeschenk mitgebracht hat. Sie will nichts mehr mit ihm zu tun haben, sieht jedoch im Rückspiegel, dass er ihr folgt, als sie nach Enslunda fährt. Vor dem Bootshaus sehen sie frisches Blut im Schnee und Fußspuren am Strand in Richtung zu den Leuchttürmen.

Obwohl ein Nebelsturm aufzieht, fährt Tilda nach Åludden, aber die Markierungen sind zugeweht; sie kommt in einer Kurve von der Straße ab und bleibt stecken. Martin kann nicht rechtzeitig bremsen und prallt auf ihren Wagen. Tilda ruft die Zentrale in Borgholm an. Hans Majner will Hilfe schicken, macht sie jedoch darauf aufmerksam, dass es wegen des Unwetters einige Zeit dauern werde. Also kämpfen Tilda und Martin sich zu Fuß durch den Nebelsturm.

Als Henrik auf dem Hof Åludden eintrifft, stellt er fest, dass die Türe aufgebrochen ist. Die Brüder Serelius sind also bereits da. Durchs Fenster sieht er zwei Gestalten im Nebelsturm auf das Haus zukommen. Sobald eine von ihnen die Tür öffnet, schleudert er die Axt in die Richtung – und trifft Tilda. Mit gebrochener Nase geht sie zu Boden. Ein Schuss knallt. Eine Scheibe splittert. Am Scheunentor steht Tommy mit einem Gewehr in der Hand. Er hat Henrik verfehlt, aber mit dem zweiten Schuss tötet er Martin.

In dem Andachtsraum neben dem Heuboden hört Joakim die Schüsse. Er klettert durch die Bodenluke und über die Leiter nach unten. Die Treppe zum Heuboden brennt. Gleich darauf verhaftet Tilda Freddy, dem offenbar die Petroleumlampe zerbrach. Als Tommy erneut auftaucht, fordert Tilda ihn auf, das Gewehr fallen zu lassen, aber er läuft davon, und sie bringt es nicht fertig, von hinten auf ihn zu schießen. Den Brand löscht Joakim mit Schnee.

Weil die Räumfahrzeuge nicht durchkommen, leiht die Polizei sich einen Panzer aus. Damit werden Tilda und Henrik ins Krankenhaus gebracht. Vorher wird Freddy im Haus mit Handschellen an die Heizung gefesselt, denn im Panzer ist nur Platz für die Polizisten und die Verletzten. Erst nachdem Joakim einen geeigneten Landeplatz freigeräumt hat, wird Freddy von einem Polizeihubschrauber geholt. Kurz darauf findet Joakim Tommy erfroren im Lieferwagen.

Als Kommissar Göte Holmblad, Tildas Vorgesetzter, nach Åludden kommt, gibt Joakim ihm Ethels Jeansjacke, den Zettel und das Etui mit.

Gerlof Davidsson, mit dem Joakim inzwischen Kontakt aufgenommen hat, um mehr über den Hof Åludden zu erfahren, kann sich nicht vorstellen, das Ragnar die Gemälde vernichtete, wie Mirja Rambe es in ihrem Nebelsturmbuch darstellt. Sein älterer Bruder Ragnar sei ein notorischer Dieb gewesen und habe die Bilder gewiss versteckt, meint er. Was Katrines Tod anbetrifft, geht Gerlof von einem Gewaltverbrechen aus. Möglicherweise habe Katrine ihren Mörder gekannt und sei arglos auf ihn zugegangen, als er mit seinem Boot an der Mole anlegte. Gerlof vermutet, dass der Mörder sie mit der Eisenspitze eines Bootshaken an der Kapuze packte, von der Mole schleuderte und dann unter Wasser drückte. Tatsächlich weist die Kapuze einen entsprechenden Riss auf, und bevor Henrik abgeholt wurde, verriet er Joakim, er habe zum Zeitpunkt von Katrines Tod eine weiße Yacht an der Mole bei den Leuchttürmen gesehen.

Die Gemälde findet Joakim im nördlichen Leuchtturm.

Vor Silvester bricht er mit Livia und Gabriel zu einem Besuch bei seiner Mutter in Stockholm auf. In Marnäs hält er am Friedhof und zeigt den Kindern das Grab ihrer Mutter. Dann überrascht er Mirja in Kalmar mit den Gemälden. Ingrid Westin freut sich über das Nebelsturm-Gemälde von Torun Rambe, das ihr Joakim als Geschenk von Mirja mitbringt.

Er geht hinüber zu den Hesslins. Michael ist mit seinem Sohn unterwegs, um Silvesterfeuerwerk zu kaufen. Joakim zeigt Lisa eine Kopie des Zettels, den er in Ethels Jeansjacke fand und behauptet, entweder sie oder Michael habe ihn geschrieben. Während er auf ein Foto an der Wand starrt, auf dem Michael an Bord eines weißen Motorbootes zu sehen ist, beschuldigt er seinen vermeintlichen Freund, Ethel und Katrine ermordet zu haben.

Ethel – die den guten Ruf des Villenviertels gefährdete – ließ sich von ihm zu einem nahen Bootshaus locken. Dort gab er ihr das versprochene Heroin, und als sie high war, stieß er sie ins eiskalte Wasser. Weil er befürchtete, Katrine könne ihn durchschauen, fuhr er allein zu seinem Sommerhaus auf Gotland, schipperte mit seiner Yacht nach Öland und ermordete auch Katrine.

Als Michael vom Einkaufen zurückkommt, zeigt Joakim ihm das Polaroidfoto eines Etuis mit der Gravur „Hesslin Financial Services“. Das Etui, das Joakim der Polizei übergab, hatte Ethel Michael vermutlich auf dem Weg zum Bootshaus gestohlen.

Im Februar wird Joakim in Marnäs als Lehrer anfangen. Und er hat vor, nebenher die auf dem Hof Åludden begonnenen Renovierungsarbeiten fortzusetzen.

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Nebelsturm […] ist ein meteorologisches Phänomen, das in seiner besonderen Erscheinung nur auf Öland vorkommt. Es ist ein kräftiger Sturm aus Nordost, der in Begleitung von Eis, Schnee und Nebel über die Landschaft fegt und alles mit sich reißt, das sich ihm in den Weg stellt. Es gilt als lebensgefährlich, sich bei Fåk aus dem Haus zu wagen. (Seite 6)

Vor dieser bedrohlichen Kulisse spielt die Handlung des Romans „Nebelsturm“. Es ist eine gelungene Mischung aus Familiensaga, Kriminalroman und Spukgeschichte. Hinsichtlich der Gespenster lässt Johan Theroin offen, ob es sich um Einbildungen handelt, aber die entsprechenden Passagen tragen maßgeblich dazu bei, eine schaurige Atmosphäre zu schaffen. Andeutungen lassen Schlimmes befürchten. Obwohl Johan Theorin sich viel Zeit nimmt und seine Sprache eher nüchtern wirkt, zieht die spannende Handlung den Leser in ihren Bann und lässt ihn nicht mehr los. Erst mit dem Showdown geht die Atmosphäre verloren, und als am Schluss die Aufklärung erfolgt, hat die Spannung bereits nachgelassen.

„Nebelsturm“ beginnt 1846 mit dem Bau des Hofes Åludden auf Öland – dem wichtigsten Schauplatz – und endet einhundertfünfzig Jahre später. Jeder Abschnitt des Buches fängt mit einem Auszug aus Mirja Rambes „Nebelsturmbuch“ und einem der vielen Todesfälle auf dem Hof an. Die eigentliche Handlung spielt von Oktober bis Dezember 1996. Johan Theorin baut sie geschickt aus verschiedenen Strängen auf, die er immer stärker miteinander verknüpft, bis alles eng zusammenhängt, und sich die wechselnden Perspektiven auf ein und dasselbe Szenario richten.

„Nebelsturm“ ist ein formal und inhaltlich überzeugender, anspruchsvoller und packender Kriminalroman. Dafür wurde Johan Theorin mit dem International Dagger Award ausgezeichnet, dem Preis der britischen Crime Writers‘ Association für den beten internatinalen Kriminalroman.

Johan Theorin (* 1963) plant angeblich ein „Jahreszeiten-Quartett“ aus seinem Debütroman „Öland“, „Nebelsturm“ und zwei noch ungeschriebenen Romanen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Piper Verlag

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