Jürgen Trimborn : Riefenstahl

Riefenstahl

Jürgen Trimborn

Riefenstahl

Riefenstahl. Eine deutsche Karriere. Biographie Originalausgabe: Aufbau Verlag, Berlin 2002 ISBN: 3-351-02536-X, 600 Seiten, 25 € (D) Aufbau Taschenbuch, Berlin 2003 ISBN: 3-7466-2033-3, 600 Seiten, 12.50 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Leni Riefenstahl wurde 101 Jahre alt. Bevor sie als Filmregisseurin im "Dritten Reich" neue Maßstäbe für den Dokumentarfilm setzte, hatte sie Karrieren als Tänzerin und Schauspielerin begonnen. Wegen ihrer Nähe zu Hitler wurde die Regisseurin nach dem Zweiten Weltkrieg – anders als z. B. Luis Trenker – ausgegrenzt. Mit 60 drang sie zu den Nuba im Südsudan vor und im Alter von 71 Jahren lernte sie Tauchen. Mit Nuba- und Unterwasser-Fotografien feierte sie im hohen Alter nochmals große internationale Erfolge ...
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Kritik

In der kritischen, sachlichen und akribisch recherchierten Biografie "Riefenstahl. Eine deutsche Karriere" deckt Jürgen Trimborn Unwahrheiten in den Legenden über Leni Riefenstahl auf und bietet eine umfassende Fülle von Details, Fakten und Daten.

Leni Riefenstahl (tabellarische Biografie)

Nachdem sich Jürgen Trimborn sechs Jahre lang mit Leni Riefenstahls Biografie beschäftigt hatte, traf er sie im Mai 1997 persönlich. In ihrer Villa in Pöcking am Starnberger See führte er ein längeres Gespräch mit ihr.

[…] und ich erlebte eine ausgesprochen freundliche und ernsthaft interessierte Gesprächspartnerin, eine Frau, die auch in hohem Alter noch eine enorme Ausstrahlung besaß, voller Pläne steckte und voll mitreißender Begeisterungsfähigkeit von ihrer Arbeit zu berichten wusste, niemals jedoch, ohne ihre Legende, ihre Version der eigenen Vita aus den Augen zu verlieren.

Leni Riefenstahl stellte Jürgen Trimborn zwar auch Material aus ihrem Privatarchiv zur Verfügung, entschied jedoch selbst, was sie auswählte und gestattete ihm keinen direkten Zugang zu dem Material. Trimborn beschloss daraufhin, die geplante Buchbiografie ohne weitere Mitwirkung Leni Riefenstahls zu schreiben, denn er wollte nicht die von ihr verbreiteten Legenden wiedergeben, sondern sich der Person kritisch nähern. Dazu gehörte auch, dass er sich von den Vorurteilen vieler Gegner Leni Riefenstahls frei machte.

[…] setzte ich es mir zum Ziel, jenseits aller Vorurteile, aber auch jenseits von Riefenstahls Selbstbild quasi „bei Null“ anzufangen und mich so objektiv wie möglich diesem Leben zu nähern.

Jürgen Trimborn wundert sich darüber, wie unreflektiert und undifferenziert in der Öffentlichkeit über Leni Riefenstahl geurteilt wird.

So komplex und widersprüchlich, wie es die Person Leni Riefenstahl ist, war die öffentliche Diskussion über sie gleichwohl nie.

Nur wenn man die Stationen ihres Lebens wie ihrer öffentlichen Wahrnehmung und Rezeption kennt, nur wenn man versucht hat, die Beweggründe ihres Handelns nachzuvollziehen, und auch die Widersprüche ihrer Biografie registriert, verhindert man, dass Menschen unkritisch und unreflektiert der »Macht der Bilder« erliegen, dass das Faszinosum Leni Riefenstahl ein größeres Gewicht bekommt als die historischen und biografischen Fakten.

Unter dem Titel „Riefenstahl. Eine deutsche Karriere“ legt Jürgen Trimborn eine ebenso kritische wie sachliche Biografie vor, in der er akribisch Unwahrheiten in den Legenden über Leni Riefenstahl aufdeckt. Er weist auf Widersprüche hin und vergleicht Angaben in verschiedenen Quellen.

Beispielsweise fand er heraus, dass Leni Riefenstahl unmittelbar nach Kriegsbeginn im September 1939 nicht für die Wehrmacht in Polen drehte, sondern andere Aufgaben hatte und vermutlich im Auftrag Hitlers einen

zusammenfassenden Dokumentarfilm über den „Blitzkrieg“ in Polen plante, der dann nicht zustande kam, weil es unmöglich war, unter Kriegsbedingungen Aufnahmen zu drehen, die ihren hohen künstlerischen Ansprüchen genügten. Am 10. September war sie in der Gegend von Konskie, wo auch Hitler an diesem Tag vorbeikam, und am 19. September trafen sowohl die Regisseurin als auch der „Führer“ in Danzig ein. Jürgen Trimborn führt eine Reihe von Argumenten an, die wohl nur den Schluss zulassen, dass Leni Riefenstahl am 12. September in Konskie Augenzeugin eines Massakers deutscher Soldaten an jüdischen Zivilisten wurde – was sie zeitlebens leugnete.

„Riefenstahl. Eine deutsche Karriere“ bietet eine umfassende Fülle von Details, Fakten und Daten. Die fesselnde Biografie besticht durch Gründlichkeit, den Kenntnisreichtum des Verfassers und den Verzicht auf Polemik. Allerdings haben sich auch kleinere Widersprüche und Ungenauigkeiten eingeschlichen. So heißt es beispielsweise auf Seite 358, die Uraufführung des Films „Tiefland“ sei am 12. Februar 1954 erfolgt, aber auf Seite 573 wird der 11. Februar 1954 als Datum angegeben.

Der Anmerkungsapparat umfasst 53 Seiten und liefert eine Reihe zusätzlicher und wissenswerter Details. Außerdem enthält der Anhang eine sechsseitige Zeittafel, eine Filmografie, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Personenregister.

„Riefenstahl. Eine deutsche Karriere“ ist ein Muss für jeden, der sich eingehend mit Leni Riefenstahls Biografie beschäftigt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012
Textauszüge: © Aufbau Verlag / Jürgen Trimborn

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