Die bleierne Zeit

Die bleierne Zeit

Die bleierne Zeit

Originaltitel: Die bleierne Zeit - Regie: Margarethe von Trotta - Drehbuch: Margarethe von Trotta - Kamera: Franz Rath - Schnitt: Dagmar Hirtz - Musik: Nicolas Economou - Darsteller: Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler, Doris Schade, Vérénice Rudolph, Luc Bondy, Franz Rudnick u.a. - 1981; 105 Minuten

Inhaltsangabe

In Anlehnung an einige Momente in der Biografie der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin erzählt Margarethe von Trotta die weitgehend frei erfundene Geschichte zweier Schwestern, die sich beide um 1968 herum gesellschaftlich engagieren, die eine als kritische Journalistin einer feministischen Zeitschrift, die andere als Terroristin im Untergrund.
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Kritik

"Die bleierne Zeit" ist ein ernster, beinahe dokumentarisch wirkender und vor allem aus den Dialogen heraus wirkender Film ohne jede Effekthascherei.
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Juliane und ihre jüngere Schwester Marianne wuchsen in der Familie eines Pfarrers auf. Während die artige Marianne vom Vater verhätschelt wurde, brachte Juliane ihn desöfteren in Wut, weil sie sich nicht anpassen wollte und gegen seine Autorität aufbegehrte.

Juliane engagiert sich schließlich als Journalistin einer feministischen Zeitschrift für gesellschaftliche und politische Reformen wie zum Beispiel die Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 StGB, während Marianne sich im Untergrund Terroristen anschließt, die sich im Nahen Osten als Guerillakämpfer ausbilden lassen und glauben, mit Gewalt mehr Gerechtigkeit durchsetzen zu können. Dafür lässt Marianne sogar ihren zweijährigen Sohn Jan im Stich.

Werner (Luc Bondy), ein Freund, soll sich um den Jungen kümmern, aber der Journalist fühlt sich mit dieser Aufgabe überfordert, und als Juliane (Jutta Lampe) es ablehnt, Jan während Werners geplantem einjährigen Aufenthalt in Bali bei sich aufzunehmen, nimmt er sich das Leben.

Juliane, die mit dem Architekten Wolfgang (Rüdiger Vogler) zusammen lebt, sieht sich aus beruflichen Gründen außerstande, für das Kind zu sorgen und erreicht durch die mit ihr befreundete Ärztin Sabine (Vérénice Rudolph), dass Jan bei Pflegeeltern unterkommt.

Unvermittelt ruft Marianne (Barbara Sukowa) eines Tages bei Juliane an und verabredet sich mit ihr in einem Kunstmuseum. Einige Zeit später taucht Marianne mit zwei Terroristen nachts um drei Uhr völlig erschöpft bei Wolfgang und ihrer Schwester auf, geht jedoch wieder, nachdem sie einen Schluck Kaffee getrunken hat. Kurz darauf wird sie verhaftet.

Juliane muss eine demütigende Leibesvisitation über sich ergehen lassen, bevor sie in das Besucherzimmer der Haftanstalt geführt wird – aber Marianne bleibt in ihrer Zelle und will sie nicht sehen. Schließlich kommt es doch noch zu Besuchen – stets unter strenger Bewachung durch mehrere Beamte, die ihre Gespräche mitstenografieren –, aber die beiden Schwestern geraten fast jedes Mal wegen ihrer unterschiedlichen politischen Einstellung in Streit. Juliane wirft Marianne vor, statt der mühsamen aber sinnvollen Arbeit beispielsweise in der Entwicklungshilfe lieber die große Revolutionärin gespielt zu haben, und Marianne kritisiert ihre Schwester, weil diese mit ihrer journalistischen Tätigkeit nichts bewegen könne. Ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten wartet die allein in einem isolierten Trakt untergebrachte Terroristin immer verzweifelter auf den nächsten Besuch ihrer Schwester.

Während der Vater (Franz Rudnick) nichts von seiner kriminellen Tochter wissen will, überredet Juliane ihre Mutter (Doris Schade), einen Besuch bei ihr – Juliane – vorzutäuschen, um heimlich mit ihr gemeinsam zu Marianne in die Justizvollzugsanstalt fahren zu können.

Während eines Italienurlaubs sehen Juliane und Wolfgang in einem Restaurant plötzlich Mariannes Bild im Fernsehen, aber sie verstehen nicht, was dazu gesagt wird. Aufgeregt ruft Juliane zu Hause an und erfährt von ihrem Vater, dass ihre Schwester sich in der Gefängniszelle erhängt habe.

Als sie das entstellte Gesicht der Toten im Sarg sieht, bricht sie zusammen. Sobald sie sich erholt hat, engagiert sie Mariannes Verteidiger, eignet sich mit Sabines Hilfe medizinisch-forensisches Wissen aus Fachbüchern an und untersucht Mariannes Habseligkeiten bis ins Kleinste. Sie kann nicht glauben, dass Marianne sich umgebracht hat und will beweisen, dass sie ermordet wurde – obwohl sie sich mit dem aussichtslosen Unterfangen zunehmend isoliert und selbst ihren verständnisvollen Lebensgefährten Wolfgang gegen sich aufbringt.

Da wird sie eines Tages in eine Klinik gerufen: Der kleine Jan, der in seiner Pflegefamilie unter dem Namen Thomas eine neue Identität erhalten hatte, liegt mit schweren Brandwunden im Krankenbett. Jemand war offenbar darauf gekommen, dass es sich um den Sohn der Terroristin handelt und setzte die Höhle, in der er gern spielte, in Brand. Juliane nimmt ihren verstörten Neffen bei sich auf. Als er ein Foto Mariannes an der Wand entdeckt, zerreißt er es in kleine Fetzen. „Du hast Unrecht“, tadelt ihn Juliane. „Deine Mutter war eine außergewöhnliche Frau. Ich werde dir von ihr erzählen …“

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Von Gudrun Ensslins Schwester Christiane ließ Margarethe von Trotta sich zu dem Politdrama „Die bleierne Zeit“ anregen. Der aus einem Hölderlin-Gedicht stammende Titel spielt auf die gesellschaftliche Situation in den Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren in der Bundesrepublik Deutschland an. In Anlehnung an einige Momente in der Biografie der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin erzählt Margarethe von Trotta die weitgehend frei erfundene Geschichte zweier Schwestern, die sich beide um 1968 herum gesellschaftlich engagieren, die eine als kritische Journalistin einer feministischen Zeitschrift, die andere als Terroristin im Untergrund. „Die bleierne Zeit“ ist ein ernster, beinahe dokumentarisch wirkender und vor allem aus den Dialogen heraus wirkender Film ohne jede Effekthascherei.

Für „Die bleierne Zeit“ erhielt Margarethe von Trotta bei den Filmfestspielen in Venedig einen „Goldenen Löwen“. Die beiden Hauptdarstellerinnen Jutta Lampe und Barbara Sukowa wurden in Cannes mit einem „Goldenen Phönix“ ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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