Eeva-Liisa Manner : Das Mädchen auf der Himmelsbrücke

Das Mädchen auf der Himmelsbrücke
Tyttö taivaan laiturilla WSOY, Finnland 1951 Das Mädchen auf der Himmelsbrücke Übersetzung: Maximilian Murmann Nachwort: Antje Rávik Strubel Guggolz Verlag, Berlin 2022 ISBN 978-3-945370-36-0, 155 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die neunjährige Leena gilt in der Schule als verträumte Außenseiterin. Sie fühlt sich ungeliebt und unverstanden. Trost findet das sensible, hochbegabte Kind, wenn sich ihm eine fantasievolle Traumwelt auftut. Als Leena erstmals in einer Kirche Orgelmusik von Johann Sebastian Bach hört, wirkt das wie eine Zäsur in ihrem Leben.
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Kritik

Ihren Roman "Das Mädchen auf der Himmelsbrücke" entwickelt Eeva-Liisa Manner konsequent aus der kindlichen Perspektive der Hauptfigur. Dazu gibt es keine Korrekturen oder Kommentare. Gerade deshalb handelt es sich um einen märchenhaft-poetischen, feinfühligen und sehr berührenden Roman.
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Leena

Saara Magdaleena Muisto Susanna, kurz Leena, ist neun Jahre alt. Weil sie wegen einer Scharlach-Erkrankung spät eingeschult wurde und sich selbst Lesen und Schreiben beigebracht hatte, kam sie sofort in die zweite Klasse. Die Lehrerin Ida Nieminen hält das für einen Fehler, findet, dass die Schülerin zu verträumt ist und möchte darüber mit Leenas Mutter reden.

Aber die starb drei Tage nach Leenas Geburt, noch vor der Heirat. Leena wächst bei ihrer Großmutter in Viipuri auf, und die behauptet, dass Leenas Vater, ein alkoholkranker Restaurant-Pianist, im Ausland lebe und verheiratet sei.

Die Großmutter trauert um viele Menschen. Ihr Erstgeborenes starb nach wenigen Tagen, Leenas Mutter überlebte das Kindbett nicht, der Sohn Matti fuhr zur See und ging betrunken über Bord, und Leenas Großvater, ein Tischler, erhängte sich.

Krankheit

Den Zettel, den die Lehrerin ihr für die Großmutter mitgibt, faltet Leena auf dem Nachhauseweg zum Papierflieger und lässt ihn wie einen Vogel davonfliegen.

Als sie zu sich kommt, liegt sie im Bett und hält den Mann, der bei ihr sitzt, für Jesus, denn sie glaubt, gestorben zu sein. Aber später erfährt sie von der Großmutter, dass es der Arzt war. Ein Mann hatte sie bewusstlos am Ufer der Papulabucht gefunden und nach Hause getragen. Der Arzt hält es für möglich, dass Leena unter Epilepsie bzw. Fallsucht leidet.

Die Lehrerin reagiert ungehalten, als sie nach dem Brief fragt und erfährt, dass Leena ihn verlor. Dazu kommt, dass die Schülerin eine Woche lang unentschuldigt fehlte und jetzt behauptet, krank gewesen zu sein.

Musik

Leena geht ans Ende einer Straße und sieht das Meer, über dem Meer den Himmel und zwischen Wasser und Himmel einen dünnen Streifen: die Himmelsbrücke.

Sie betritt die Vesiportinkatu, eine katholische Kirche, und ist überwältigt von der Orgelmusik, die sie erstmals hört. Die sei von Johann Sebastian Bach, erklärt ihr die Ordensschwester Elisabet, die auf sie aufmerksam geworden ist. Kurz darauf lernt Leena auch den Organisten kennen. Bruder Filemon ist ein blinder und kauziger Greis.

Zu Hause erzählt Leena, wo sie war. Die Großmutter reagiert entsetzt und verbietet ihrer Enkelin, noch einmal die katholische Kirche zu besuchen, denn sie ist streng religiöse Protestantin. Und Leenas Begeisterung für die Musik teilt sie auch nicht. Das sei etwas nutzloses, meint sie.

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Die neunjährige Leena gilt in der Schule als verträumte Außenseiterin. Die Waise wächst bei ihrer verwitweten Großmutter auf, die jedoch ihrer Trauer um viele tote Angehörige nachhängt. Leena fühlt sich ausgegrenzt, ungeliebt und unverstanden. Trost findet das sensible und hochbegabte Kind, wenn sich ihm eine fantasievolle Traumwelt auftut und es am Ende einer Straße eine Himmelsbrücke sieht. Als Leena erstmals in einer Kirche Musik von Johann Sebastian Bach hört, die von einem blinden Organisten gespielt wird, wirkt das wie eine Zäsur in ihrem Leben.

Ihren Roman „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ entwickelt Eeva-Liisa Manner konsequent aus der kindlichen Perspektive der Hauptfigur. Dazu gibt es keine Korrekturen oder Kommentare. Gerade deshalb handelt es sich um einen märchenhaft-poetischen, feinfühligen und sehr berührenden Roman.

Eeva-Liisa Manner wurde am 5. Dezember 1921 in Helsinki geboren. Ihre Mutter starb am Tag darauf, und der Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits fort. Eeva-Liisa wuchs deshalb bei ihren streng religiösen Großeltern in Viipuri auf, bis die 17-Jährige während des Winterkriegs zwischen Finnland und der Sowjetunion 1939 nach Helsinki zurückkehrte. 1944 erschien ihr Gedichtband „Mustaa ja punaista“, und 1951 debütierte Eeva-Liisa Manner mit dem Roman „Tyttö taivaan laiturilla“ / „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“. 1957 zog sie nach Tampere um, und nachdem sie in den Sechzigerjahren ein kleines Haus in Churriana de la Vega bei Málaga erworben hatte, verbrachte sie immer wieder einige Zeit in Andalusien. Sie starb am 7. Juli 1995 in Tampere. Eeva-Liisa Manner zählt zu den bedeutendsten finnischen Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts.

Der Guggolz Verlag brachte den Roman „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ 2022 erstmals in deutscher Sprache heraus. Die Übertragung stammt von Maximilian Murmann. Das Buch enthält ein Nachwort der Schriftstellerin und Übersetzerin Antje Rávik Strubel.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2023

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