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Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere (Sachbuch) |
Frank Schätzing:
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GesternZunächst unternimmt Frank Schätzing mit seinen Leserinnen und Lesern eine Zeitreise durch die letzten 13,7 Milliarden Jahre, vom Urknall bis zum Auftreten des Menschen.
Gehen wir erstmal zurück, weit zurück, noch vor den Urknall. Was sehen Sie? Richtig, nichts. (Seite 22) Schließlich bedeckte ein Urmeer die gesamte Erde. In diesem Wasser entstanden die ersten Zellen, wobei ungeklärt ist, was zuerst da war: die Zelle oder der Stoffwechsel.
In den Tiefen des Ozeans jedoch regte sich etwas. Michael Russel vom Environmental Research Centre Glasgow und William Martin von der Universität Düsseldorf stellten eine Hypothese auf, derzufolge das Leben an hydrothermalen Quellen begann. Eine hydrothermale Quelle entsteht, wenn Magma nach oben drückt und den Meeresboden an einer Stelle aufreißt. Wasser strömt in die Ritzen, mitunter mehrere Kilometer tief, wird bis auf 400 Grad Celsius erhitzt und schießt wieder nach oben. Aufgrund des enormen Drucks verdampft das heiße Wasser nicht, aber sobald es mit dem kalten Meerwasser zusammentrifft, flocken die mitgeführten Schwefel-Metall-Verbindungen und Mineralien aus, sinken zu Boden und türmen sich allmählich zu einem Kamin auf. Weil es so aussieht, als würde schwarzer Rauch aus dem Schlot quellen, spricht man auch von "schwarzen Schloten", "schwarzen Rauchern" oder "Black Smokers". (Seltener sind "weiße Raucher".) 1979 wurde der erste "schwarze Schlot" entdeckt; der größte je gesehene war 24 Meter hoch. An den Flanken dieser heißen Gebilde lagern sich Eisensulfid und andere Substanzen in mikroskopisch kleinen Bläschen ab, in deren Innerem aus Schwefel, Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff aktivierte Essigsäure entsteht, die wiederum den so genannten Zitronensäurezyklus in Gang setzt, den bedeutendsten Stoffwechselzyklus überhaupt. Stickstoff und Essigsäure verbinden sich außerdem zu Aminosäuren, die sich weiter zu Peptiden und Proteinen – also zu Bausteinen des Lebens – verketten. Michael Russell und William Martin sind überzeugt, dass auf diese Weise auch die Nukleinsäuren RNS und DNS entstanden. Im freien, aufgewühlten Urozean war alles noch eine große, chaotische Party, selbst im gemütlichen Eisensulfidbläschen trieb es anfangs jeder mit jedem, doch nun kehrt Ordnung ein. Schluss mit dem Lotterleben! Wir wollen doch mal Fische, Vögel und Menschen werden. Etwas Disziplin, bitte. (Seite 45) Nachdem an den hydrothermalen Quellen Leben entstanden war, ging die Evolution weiter. Vor zweieinhalb Milliarden Jahren erwiesen sich die Cyanobakterien als "Kaninchen der frühen Jahre" (Seite 56). Sie vermehrten sich nicht nur rasant, sondern produzierten in ihrer Gesamtheit auch solche Mengen Sauerstoff, dass dieses für die meisten der damaligen Organismen giftige Gas nicht mehr im Meerwasser gebunden wurde, sondern in die Atmosphäre aufstieg.
Vor mehr als zwei Milliarden Jahren müssen ein paar größenwahnsinnige Prokaryonten dann beschlossen haben, sich nicht länger mit ihresgleichen gemein zu machen. Man wuchs [...]
Die ersten Zellen vermehrten sich durch Teilung. Klone sind jedoch identisch und dem Untergang geweiht, sobald sich die Umweltbedingungen zu ihren Ungunsten ändern. Erst mit dem Sex begann die Variation: Mutationen und unterschiedliche Gen-Mischungen sorgten für eine Diversifizierung, die wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass auch bei geänderten Lebensbedingungen ein Teil der Organismen überlebt.
Zeitsprung: Devon, vor 390 Millionen Jahren, früher Nachmittag. Es nieselt an der Südküste des variszischen Ozeans [...] Plötzlich begegnet der Hai einem sehr viel größeren Dunkleosteus, der ihn zermalmt. Seine Schrecklichkeit hat gespeist. Heute gab es Hai, zart und frisch. Danke, es hat gemundet. Die Rechnung bitte. (Seite 113) Im Trias (vor 251 bis 200 Millionen Jahren) trat mit dem Thecodontier der Stammvater der Saurier auf. "Also, wir haben beschlossen, Saurier zu werden. Dinosaurier, das heißt 'Schreckliche Echsen', echt ein saublöder Name, aber was soll's. Hauptsache weg mit dem reaktionären Amphibiengeschmeiß und dem ozeanischen Faschismus. Eiablage im Wasser und all der Quatsch. Die Therapsiden können wir vergessen. Säugetiere wollten die mal werden, einige hatten sogar schon Fell, pfui bah! Wir hingegen erklären die Unabhängigkeit vom Wasser und sagen dem Imperialismus der Säuger den Klassenkampf an. Nur ein toter Säuger ist ein guter Säuger! Lang lebe die Revolution!" (Seite 125)
Die Saurier "kippten vor 65 oder 65,5 Millionen Jahren aus den Latschen" (Seite 187), am Übergang vom Mesozoikum zum Klänozoikum, als es zum wiederholten Mal in der Erdgeschichte zu einem Massensterben kam. Während Gradualisten bei der Erklärung dieser Zäsuren in der Evolution von einem Ursachenbündel ausgehen, nehmen Katastrophisten ein singuläres Ereignis als Auslöser an. Eine der Ursachen könnte der Gammablitz einer Supernova gewesen sein. Die meisten Forscher vermuten allerdings Meteoriten- bzw. Asteroiden-Einschläge als Ursachen. (Ein Meteorid ist übrigens ein Meteorit, solange er noch nicht in die Erdatmosphäre eingetaucht ist. – Seite 511) Stürzt ein solcher Brocken mit zehn oder zwölf Kilometer Durchmesser ins Meer, kann es zu einem Tsunami mit einer bis zu 4 Kilometer hohen Wasserwand kommen (Seite 231). Es ist denkbar, dass dabei große Mengen Methanhydrat instabil werden und es zu einer abnormalen Freisetzung von Methan kommt. Schlägt der Meteorit bzw. Asteroid auf dem Land auf, wirbelt er mit der Energie von zehn Milliarden Hiroshima-Bomben so viel Staub in die Atmosphäre, dass die Sonne monate- oder jahrelang nicht mehr scheint und es zu einem drastischen Temperatursturz kommt. Vor 65 Millionen Jahren – also zur Zeit des Sauriersterbens – scheinen tatsächlich Meteoriten im Küstengebiet der mexikanischen Halbinsel Yucatan und in der Ukraine eingeschlagen zu sein: Der Boltysch-Krater in der Ukraine weist einen Durchmesser von 24 Kilometern auf, der Chicxulub-Krater auf Yucatan misst 200 Kilometer im Durchmesser. Es reichte! Wochenlang hatte er so gut wie nichs gefressen. Sein Leben war zu einem Dasein voller Pein geworden, die Kräfte hatten ihn verlassen, doch immer noch war er der Herrscher. Ein alter König, von Thronräubern bedrängt, vielleicht zum Tode verurteilt, doch ganz sicher nicht dazu bestimmt, als Futter in den Mägen elender Emporkömmline zu enden [...] Niemand biss ihn ungestraft in den Bauch und fraß ihm die Beute vor der Nase weg. (Seite 178f) Rasend vor Wut stürzt der schwer verletzte Megalodon sich auf die Weißen Haie. Der andere Hai hatte sich von seiner Betäubung erholt und sah, wie sein Kampfgefährte zerteilt wurde [...] Der Megalodon heftete sein gesundes Auge auf ihn. Die andere Seite des gewaltigen Schädels war eine blutige, aufgerissene Masse, doch dieses eine Auge, so ausdruckslos es starren mochte, sandte einen Blick aus, der geeignet war, den Hai zu Tode zu ängstigen. (Seite 179)
Weil das genetische Material von Mensch und Schimpanse zu 98,7 Prozent übereinstimmt, suchte man lange Zeit nach dem so genannten "Missing Link", doch inzwischen weiß man, dass es keinen gemeinsamen Vorfahren gab (Seite 39f). [...] inmitten des allgemeinen Wohlgefallens plumpste ein schnatterndes Äffchen vom Baum, rieb sich den Schlaf aus den Augen und beschloss, Mensch zu werden. (Seite 186) Da man am Boden den Feind oder die Beute umso früher entdeckt, je weiter man blicken kann, war es für die Primaten oder Prähominiden vorteilhaft, wenn sie aufrecht gingen. Zugleich bekamen sie damit die Hände für andere Zwecke frei, beispielsweise für den Gebrauch von Werkzeugen. Warum hat die Evolution überhaupt komplexeres Leben hervorgebracht? [...] Menschen sind intelligenter als Einzeller, gut, aber auch bei weitem anfälliger [...] Bakterien haben Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge überstanden, verkraften Hitze- und Kälteschocks und fühlen sich im Umfeld kochend heißer Tiefseequellen ebenso zu Hause wie in der Antarktis [...] Im Grunde sind sie das perfekte Endprodukt. Dennoch muss die Evolution Gründe gefunden haben, eine Entwicklung in Gang zu setzen, an deren Ende Zellkonglomerate Bücher schreiben, die von anderen Zellkonglomeraten gelesen werden. (Seite 21f) Heute
Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren prallte der Kleinplanet Theia auf die Erde und verschmolz zum größten Teil mit ihr, bis auf einige Trümmer, die um die Erde kreisten und sich schließlich zum Mond zusammenballten. Dadurch reduzierte sich die Rotationsgeschwindigkeit der Erde dramatisch. Heute dreht sich die Erde mit einem Drittel der Geschwindigkeit vor dem Zusammenstoß, und sie wird weiter durch die vom Mond verursachten Gezeiten abgebremst: Die Gravitation des Mondes lässt Flutberge über die Weltmeere wandern. Sie befinden sich allerdings nie direkt unterhalb des Mondes, denn das Wasser muss Kontinente umfließen und Reibungswiderstände überwinden. Die Reibung wiederum bremst die Erdrotation: Jedes Jahr werden die Tage um weitere 0,002 Sekunden kürzer. Das klingt nicht viel, aber in 2 Milliarden Jahren wird ein Tag auf der Erde 960 Stunden dauern! Spätestens jetzt sollten Sie die Erfrischungstüchlein auspacken. Gnadenlose 4000 Grad Celsius erwarten uns während der nächsten 2250 Kilometer. (Seite 32)
Bevor wir ein Ei kochen, stechen wir es an, damit die Schale nicht platzt. Auch die Erde würde es zerreißen, wenn die Rinde nicht in mehrere Platten zerteilt wäre, die auf der Asthenosphäre treiben (Plattentektonik). Durch die gegenseitige Reibung dieser Platten kommt es jedoch immer wieder zu Erd- und Seebeben. Ein Riff ist die Megalopolis der Tropen. Ein mariner Big Apple. (Seite 271)
Korallenriffe werden von winzigen Polypen gebaut. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Coelenterata. Diese Lebewesen bestehen eigentlich nur aus einem kleinen Säckchen mit einem Loch und Tentakeln. Im Körper der Polypen hausen Myriaden einzelliger Algen, die zur Photosynthese fähig sind und dem Wirtstier Glukose und Sauerstoff liefern. Der Polyp wiederum versorgt die Algen mit dem für die Photosynthese benötigten Kohlendioxid. Nachts stülpt der Polyp sich aus der von ihm gebauten Kalkfestung nach außen und hält seine mit Nesselzellen, giftgetränkten Fäden oder Miniharpunen bewaffneten Tentakel in die Strömung, um Kleinlebewesen zu fangen. Im Frühjahr stoßen die weiblichen Polypen Unmengen von Eiern aus, während die männlichen Sperma absondern. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen medusenähnliche Larven, die einige Tage frei im Wasser treiben, sich dann im Riff ansiedeln und eigene Kolonien gründen.
Ist der Hai grausam, weil er den Menschen frisst? Ist der Mensch grausam, weil er die Auster isst? Wird dem Hai das Leiden des Opfers bewusst, wenn dieses schreit? Oder nimmt er das Schreien als erfreuliches Indiz für die Frische der verzehrten Ware, so wie wir wohlwollend das Zucken der Auster betrachten, wenn wir ihr Fleisch mit Zitronensaft beträufeln? [...]
Viele glauben, ein Hai greife einen Schwimmer oder Surfer an, weil er ihn aufgrund der Silhouette mit einem Beutefisch verwechsle. Dieser Frage gingen Gerhard Wegner und Erich Ritter 2004 nach. In rechteckigen Schwimmkästen erzeugten sie unterschiedliche Geräusche, und mit Robotern imitierten sie Surfer. Die Haie zeigten keinerlei Interesse an den Silhouetten, wenig Interesse für die Bewegung der Roboter, aber großes Interesse für den Kasten, sobald er bestimmte Geräusche abgab. Es gibt Eismeere und tropische Meere, Binnenmeere und Ozeane, Flachmeere und die lichtlose Tiefsee. Keines dieser Universen ist mit dem anderen vergleichbar. (Seite 271)
Bis 2010 will nun eine Organisation mit Sitz in Washington das Leben in den Ozeanen besser erforschen: "Census of Marine Life" (CoML). Morgen
Immer größere Containerschiffe – für 2010 sind 380 Meter lange, 55 Meter breite Schiffe mit einer Kapazität von 12 000 Containern vorgesehen – minimieren die Transportkosten auf den Meeren ebenso wie eine ausgeklügelte Logistik, die Internetplattformen benutzt, um Fracht und Kapazitäten virtuell so zu verknüpfen, dass die Schiffe auf allen Routen (und in beiden Richtungen) optimal ausgelastet sind. Um die Kosten weiter zu senken, arbeiten Stephan Wrage und dessen Unternehmen SkySails an 5000 Quadratmeter großen Drachen, die in 100 bis 500 Metern Höhe vom Wind getrieben werden und Schiffe ziehen, deren Energieverbrauch auf diese Weise reduziert wird. In wenigen Jahrzehnten wird kaum jemand in der westlichen Hemisphäre noch ohne Computerprothetik leben, diverse Neuroimplantate ersetzen unsere Organe und helfen uns beim Hören, Sehen und Denken. Computerpathogene werden ein größeres Gesundheitsrisiko darstellen als Herzinfarkt und Krebs, die dank des gentechnologischen Fortschritts weitgehend besiegt sind, während zugleich jeder durchschnittlich begabte Terrorist in der Lage ist, in irgendeinem Hinterzimmer virologische Waffen herzustellen. Wohlhabende Leute bringen Designerkinder auf die Welt und lassen sie vorsichtshalber klonen. Menschliche Hirne werden molekular gescannt, radikale Neuerungen im Bereich der Nano- und Femtotechnologie stellen uns Unsterblichkeit in Aussicht, wenn wir bereit sind, unsere Körper zu verlassen und uns mit künstlicher Intelligenz zu vernetzen. Maschinen entwickeln ein Bewusstsein und werden immer menschlicher, Menschen werden zu Maschinen. (Seite 435)
Außerirdisches Leben könnte es in unserem Sonnensystem auf dem Jupitermond Europa geben, meint Christopher Chyba vom SETI-Institut für Exobiologie in Mountain View. Der Trabant mit einem Durchmesser von 3 122 Kilometern reflektiert 64 Prozent des einfallenden Sonnenlichts, denn er ist mit blankem Eis überzogen. Diese bis zu 19 Kilometer dicke Eisschicht besteht allerdings wie die Erdkruste aus mehreren Puzzleteilen, die vermutlich auf einem 80 bis 100 Kilometer tiefen Ozean schwimmt, an dessen Oberfläche die Gravitation des Planeten Jupiter 30 Meter hohe Gezeitenwellen erzeugt. (Einen See unterhalb einer Eisschicht? So etwas gibt es auch auf der Erde: Wostok-See in der Antarktis.) 2008 soll ein Cryobot auf dem Jupitermond Europa landen und sich in das minus 163 Grad Celsius kalte Eis fräsen. ÜbermorgenIm letzten Kapitel seines Buches "Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere" warnt Frank Schätzing vor der Überfischung der Ozeane. Weil immer mehr Fischkutter und schwimmende Fischfabriken immer weniger fangen, geraten zunehmend auch jüngere Fische auf unsere Teller. Die betroffenen Arten – darunter vor allem der Kabeljau – sind vom Aussterben bedroht. Eine Spezies, die ihre Kinder verliert, ist auf dem besten Wege ins Museum. (Seite 496) Die Fischer, die sich an dem Raubbau auf den Meeren beteiligen, gefährden damit auch ihre eigene wirtschaftliche Existenz, drohen selbst zu Opfern der Überfischung zu werden und sich selbst zu dezimieren.
Wie sieht ein leeres Meer aus? Wir wissen ja nicht mal, wie ein volles aussieht. (Seite 498) |
Kommentar:
Unter der Überschrift "Vorgestern" – eigentlich handelt es sich um ein Vorwort – schildert Frank Schätzing, wie ihn der Herausgeber der Zeitschrift "PM" und der Chef des Verlags Kiepenheuer & Witsch in einem Hotel in Berlin auf die Idee brachten, die Ergebnisse seiner Recherchen für den Roman "Der Schwarm" in einem Sachbuch zu verarbeiten. Aus den vorgesehenen 150 wurden dann 500 Seiten, "eine Chronik der Meere und unserer Herkunft". Wir brauchen nicht lange, um hinzukommen, lediglich ein paar Jährchen. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit mit Anekdoten. (Seite 472)
Offenbar wollte Frank Schätzing auf keine der vorhandenen Notizen verzichten oder vielleicht auch demonstrieren, was er alles weiß. Dabei stützte er sich allerdings mehr auf Quantität als auf Qualität. Dann schellt bei Miss Evolution das Telefon. Wir sind so weit, sagt Gott, der Ozean ist flüssig. Packen Sie die Aminosäuren ein, ich will sie hier in fünf Millionen Jahren sehen! (Seite 486) Ebenso effekthascherisch ist es, die Leserinnen und Leser aufzufordern, sich in die Lage eines Hais zu versetzen, dem bei lebendigem Leib die Finnen abgeschnitten werden. Plötzlich erblicken Sie [...] einen schönen großen Fisch, merkwürdigerweise schon halbiert [...] Plötzlich hängen sie an einer langen Leine [...] Ein Mann reißt mit einem Ruck den Haken aus Ihrem Kiefer [...] Ein anderer [...] zieht Sie am Schwanz in die Höhe und schneidet Ihnen mit schnellen Hieben die Flossen ab. (Seite 318)
Frank Schätzing hat "Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere" in einem lockeren, flapsigen Plauderton geschrieben. Das liest sich flott, auch wenn er es hie und da übertreibt ("was die Cyanobakterien sicher freuen würde, wenn es ihnen nicht am Arsch vorbeiginge" – Seite 75). Zu dem unterhaltsamen Ton passen allerdings nicht die zahlreichen Fachbegriffe. All unser Wissen über das Aussehen und Verhalten lebender und längst verschwundener Arten, über Naturereignisse, über das Kausalitätengeflecht in der Natur, über unsere Rolle und die Zukunft unserer Spezies lebt, atmet und entwickelt sich, häutet sich mitunter, wächst, durchläuft Stadien der Metamorphose, gewinnt an Kontur [...] Dies ist kein Lehrbuch. Kein Manifest. Es trägt keine Botschaften vor sich her. Es ist ein Thriller. Denn nichts anderes ist die Erdgeschichte als eine ungeheuer spannende Story voller Wendungen und Überraschungen. Nichts in dieser Geschichte ist wirklich kompliziert, und schon gar nicht ist es langweilig. Es gibt nur Leute, die es gerne kompliziert und langweilig hätten [...] Nachrichten aus einem unbekannten Universum will eigentlich nur eines: unterhalten und Lust machen auf mehr. Lesen Sie dieses Buch, wie Sie wollen. Kreuz und quer oder in einem Rutsch. Die meisten Kapitel funktionieren für sich. (Seite 16)
Übrigen erschien gleichzeitig mit "Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere" die deutsche Übersetzung eines qualifizierten Sachbuchs des Meeresforschers Richard Ellis mit dem Titel "Der lebendige Ozean. Nachrichten aus der Wasserwelt" (Originaltitel: The Empty Ocean, Übersetzung: Olaf Kanter, 517 Seiten, Marebuchverlag, Hamburg 2006, ISBN 3-936384-94-0). |
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006
Frank Schätzing: Tod und Teufel |