Fjodor Michailowitsch Dostojewski : Die Brüder Karamasow

Die Brüder Karamasow
Erstausgabe: 1879/80 Die Brüder Karamasow Neuübersetzung: Swetlana Geier Ammann Verlag, Zürich 2003 ISBN 3-250-10259-8, 1280 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der habgierige und genusssüchtige Gutsbesitzer Fjodor Pawlowitsch Karamasow wird 1866 ermordet. Dmitri Fjdorowitsch, der älteste seiner vier Söhne, wird vor Gericht des Mordes beschuldigt und aufgrund von Indizien zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt. Aber Dmitri hat seinen Vater trotz seines Hasses nicht getötet ...
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Kritik

"Die Brüder Karamasow" ist eine Mischung aus Kriminalroman und Familienchronik. Fjodor Michailowitsch Dostojewski erzählt die Geschichte nicht chronologisch, wechselt mehrmals die Perspektive und führt die Leser auch bewusst in die Irre, um Spannung zu erzeugen.
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Fjodor Pawlowitsch Karamasow, ein habgieriger und genusssüchtiger Gutsbesitzer, war zweimal verheiratet: Nachdem Adelaida Iwanowna Muisowa ihn nach vier Jahren Ehe verlassen hatte, feierte Fjodor Pawlowitsch Orgien. Deshalb kümmerten sein Diener Gregorij Wassilijewitsch und dessen Frau Marfa sich um den kleinen Sohn Dmitri („Mitja“), bis ein Neffe Adelaidas den Jungen abholte und nach Moskau mitnahm, wo Dmitri bei Verwandten aufwuchs. Nach dem Tod Adelaidas, die formal noch immer seine Ehefrau gewesen war, vermählte der Witwer sich mit der sechzehnjährigen Sofia Iwanowna, die er während einer Geschäftsreise kennen gelernt hatte. Acht Jahre lang erduldete Sofia Iwanowna die Erniedrigungen durch ihren Mann und gebar ihm zwei Söhne: Iwan und Alexej („Aljoscha“). Dann starb sie. Iwan und Alexej kamen zu verschiedenen Pflegeeltern.

Alexej trat in ein Kloster in der Nähe seines Geburtsortes ein, wo der alte, liberale Mönch Starez Sosima, der wie ein Heiliger verehrte wurde, sich um seine charakterliche und geistige Bildung kümmerte. Auch seine beiden Brüder kehrten als Erwachsene wieder in die Heimat zurück: Dmitri, ein aufrichtiger Soldat, und sein vier Jahre jüngerer Halbbruder Iwan, ein grüblerischer Akademiker.

Dmitri und sein Vater zerstritten sich nicht nur wegen eines Stückes Land, sondern auch und vor allem, weil sie um die attraktive Agrafena Swetlowa („Gruschenka“) rivalisierten, in die Dmitri sich verliebt hatte, während Fjodor Pawlowitsch Karamasow ihr Geld anbot, um sie in sein Bett zu locken. Gruschenka kam jedoch nicht von ihrer ersten Liebe los, einem polnischen Offizier, der sie verführt und dann sitzengelassen hatte. Als Dmitri Gruschenka aufsuchten wollte, sie nicht zu Hause vorfand und ihre Dienerin Fenja ihm nicht verriet, wohin sie gegangen war, nahm er argwöhnisch an, sie sei bei seinem Vater. Aufgeregt rannte er nach Hause, kletterte über den Zaun und klopfte an ein Fenster. „Gruschenka, bist du es?“, rief der alte Gutsbesitzer. Sie war also doch nicht bei ihm. Trotzdem hob Dmitri zornig den Messingstössel, den er mitgebracht hatte, besann sich jedoch und lief wieder zurück. Da entdeckte ihn Gregorij Wassilijewitsch, und als Dmitri über den Zaun steigen wollte, packte er ihn am Fuß. Um freizukommen, schlug Dmitri ihm den Messingstössel auf den Kopf, und der Diener brach zusammen.

Während Dmitri von seinem Gewissen gequält wurde und daran dachte, sich im Morgengrauen zu erschießen, erschlug Pawel Smerdjakow Fjodor Pawlowitsch Karamasow von hinten mit einem Briefbeschwerer aus Gusseisen. Es war ein Vatermord, denn Fjodor Pawlowitsch hatte den Epileptiker Pawel Smerdjakow mit der schwachsinnigen Lisaweta Smerdjaschtschaja („die Stinkende“) gezeugt, die bei der Geburt des Kindes gestorben war. Seither hatte Pawel Smerdjakow als Lakai im Haus seines Vaters gearbeitet.

Die Polizei hielt jedoch Dmitri Fjdorowitsch Karamasow für den Mörder und nahm ihn fest. Aufgrund von Indizien wurde er zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt.

Pawel Smerdjakow gestand schließlich Iwan Fjodorowitsch, dem zweitältesten Sohn Karamasows, die Tat und nahm sich dann selbst das Leben.

Alexej Fjodorowitsch Karamasow verließ nach dem Tod seines Lehrers Starez Sosima das Kloster, um die Nächstenliebe und das Christentum mitten in der Gesellschaft zu predigen.

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„Die Brüder Karamasow“ ist eine Mischung aus Kriminalroman und Familienchronik. Es geht um Mord und Justizirrtum, Liebe, Neid, Geiz, Betrug, Frömmigkeit, Gut und Böse. Fjodor Michailowitsch Dostojewski erzählt die Geschichte nicht chronologisch, wechselt mehrmals die Perspektive und führt die Leser auch bewusst in die Irre, um Spannung zu erzeugen.

Bemerkenswert ist auch die Legende, die Iwan Fjodorowitsch seinem jüngeren Bruder erzählt: Jesus Christus kehrt wieder, und zwar 1555 in Sevilla. Wegen seiner starken Wirkung auf das Volk lässt ihn der neunzig Jahre alte Großinquisitor verhaften. In einem langen Monolog wirft er dem schweigend zuhörenden Sohn Gottes vor, die Menschen einer unbarmherzigen Freiheit überlassen zu haben. Für sie wäre es leichter gewesen, wenn Jesus einer der drei Versuchungen in der Wüste nicht widerstanden und sie durch Brot, Wunder oder Macht für sich gewonnen hätte. Erst seit die Kirche den Menschen ihre Autorität aufzwinge und ihnen die schreckliche Last der Freiheit abnehme, könnten sie glücklich sein. – Dostojewski thematisiert mit diesem Einschub seine Kritik an der institutionalisierten Kirche und lässt keinen Zweifel daran, dass der Mensch die Entscheidungsfreiheit zwischen Gut und Böse behalten muss.

Richard Brooks verfilmte den Roman „Die Brüder Karamasow“ 1957 mit Yul Brunner als Dmitri Fjdorowitsch Karamasow und Maria Schell als Gruschenka.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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