Rita Falk : Winterkartoffelknödel

Winterkartoffelknödel
Winterkartoffelknödel Originalausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2010 ISBN: 978-3-423-24810-5, 235 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der Eberhofer Franz ist Dorfgendarm in Niederkaltenkirchen bei Landshut. Als alle vier Mitglieder der Familie Neuhofer innerhalb weniger Monate ums Leben kommen, vermutet er, dass er es mit einem Vierfachmord zu tun hat, zumal ein Maklerbüro für das Grundstück 50 000 Euro bezahlte und es für den zehnfachen Preis an einen Tankstellenbetreiber verkaufte. Das erhärtet den Verdacht, aber der zuständige Richter sorgt dafür, dass Franz zum Polizeipsychologen gerufen wird ...
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Kritik

Der Mordfall, von dem Rita Falk in ihrem "Provinzkrimi" erzählt, ist grob gestrickt, dient aber auch nur als roter Faden. Der Reiz des Romans "Winterkartoffelknödel" liegt in dem Humor, der sich daraus ergibt, dass der Dorfgendarm selbst erzählt.
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Der Eberhofer Franz ist seit zwanzig Jahren bei der Polizei. Als Streifenpolizist arbeitete er in München, bis ihn ein Ereignis aus der Bahn warf: Er und sein Partner, der Birkenberger Rudi, mussten mehrmals einen Pädophilen von Stadelheim (JVA München) zum Gericht fahren. Als der Kerl sie provozierte, indem er beim Anblick von Kindern stöhnte, wich Rudi, der hinter dem Lenkrad saß, vom Weg ab, hielt im Wald und schoss dem Häftling kurzerhand das Gemächt weg. Wegen schwerer Körperverletzung wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach dem Schock nahm Franz zuerst eine Zeit lang keine Dienstwaffe mehr mit, und später bedrohte er jeden Parksünder mit der Pistole. Deshalb sorgte der Polizeipsychologe Dr. Dr. Spechtl, der zuvor als Hals-Nasen-Ohren-Facharzt praktiziert hatte, vor drei Jahren dafür, dass er in sein Heimatdorf Niederkaltenkirchen bei Landshut versetzt wurde. Dort ist er nun Dorfgendarm.

Seine Mutter war kurz nach seiner Geburt gestorben. Franz wohnt mit seinem Vater auf dem nicht mehr bewirtschafteten Bauernhof seiner verwitweten, vierundachtzig Jahre alten Großmutter. Weil der Vater fortwährend Platten von den Beatles auflegt und in voller Lautstärke abspielt, während er einen Joint raucht, hat Franz sich im ehemaligen Saustall eingerichtet. Die geplanten Umbauten gehen nur langsam voran. Als Nächstes soll ihm der Installateur Ignatz Flötzinger eine Heizung einbauen.

Als Franz beim Metzger Simmerl Blut- und Leberwürste kaufen will, stößt er dort auf eine ihm unbekannte Dame. Sie fragt, ob das Fleisch denn auch frisch sei. Da hält ihr der Simmerl eine Schweinshaxe hin und sagt:

„Schaun’s Frau, wenn S‘ herlangen, dann können S‘ den Puls noch fühlen.“

Sie kauft dann doch nur ein Paar Wiener. Wer denn das gewesen sei, fragt Franz. Der Simmerl mokiert sich darüber, dass der Dorfgendarm wieder einmal der Letzte ist, „der wo was erfährt“. Die Frau soll das seit langer Zeit unbewohnte Sonnleitnergut geerbt haben, ein altes Gemäuer mitten im Wald. Es wird angenommen, dass sie Dechampes-Sonnleitner heißt, wie die letzte Besitzerin, die 1973 mit ihrem kanadischen Ehemann nach Quebec zog.

Am Ersten Weihnachtsfeiertag kommt Franz‘ Bruder Leopold mit seiner aus Rumänien stammenden Ehefrau Roxana zu Besuch. In Landshut führt er eine Buchhandlung.

Die Roxana redet beim Essen wieder kein Wort, zumindest nicht mit uns anderen, zum Leopold sagt sie einmal: „Läobold, kannst du Salz gäben?“, und Läobold gibt Salz. Sonst sagt sie nix. Sie richtet ein paarmal über den Tisch hinweg ihre rehbraunen Augen auf mich und klemmt eine dauergewellte Haarsträhne hinters Ohr. Irgendwann hab ich dann ihren strumpfsockigen Fuß auf meinem Gemächt, dass es mir die Augen rausdrückt. Ich muss husten, und der Semmelknödel hüpft in meiner Kehle rauf und runter, rauf und runter … Wie ich aufsteh, hängt ein lila Faden von ihrem Strumpf an meinem Reißverschluss, und sie hat eine fette Laufmasche. Und obwohl die [schwerhörige] Oma später brüllt: „Schau Bub, du hast da einen lila Faden an deinem Hosenstall“, und noch später: „Schau Roxana, du hast da ein Trumm Laufmasche in deiner Strumpfhose“, merkt keiner was.

Da klingelt das Diensttelefon. Die Frau, die Franz beim Simmerl gesehen hat, ist am Apparat. Aufgeregt berichtet sie, dass jemand bei ihr auf dem Sonnleitnerhof herumschleicht. Franz ist stolz, seinem Bruder demonstrieren zu können, dass man nicht einmal an Weihnachten ohne ihn auskommt. Mit seinem Hund Ludwig geht er hinauf. Die Anruferin wartet am Gartentor auf ihn.

Ja, und dann nehm ich erst mal die Personalien auf […] Einen Pass hat sie grad nicht zur Hand, was aber wurst ist, weil sie ja sprechen kann: Halbfranzösin, väterlicherseits, Vorname: Mercedes. Mercedes! Benz! Achtundzwanzig Jahre, eins zweiundsechzig groß, einundfünfzig Kilo. Dunkelbraune Haare, Augenfarbe blau. Sie beantwortet alles einwandfrei.
Erst bei der Frage nach dem Brustumfang wird sie stutzig.

Mit einer Taschenlampe sucht er den Boden ab und findet Fußspuren im Schnee. Er weiß auch sofort, von wem, denn solche „Quadratlatschen“ hat nur der Flötzinger.

Franz stellt den Installateur zur Rede und schaut sich dessen Schuhe an: Turnschuhe vom Vietnamesenmarkt in Tschechien, so schlecht gefälscht, dass als Markenname Abidas draufsteht. Innerhalb von wenigen Minuten schwellen Franz die Augen zu. Erst jetzt erfährt er, dass die Flötzinger-Kinder Ignatz-Fynn und Clara-Jane zu Weihnachten eine Katze geschenkt bekamen. Und Franz ist gegen Katzen allergisch. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Vernehmung abzubrechen und sich vom Flötzinger nach Hause bringen zu lassen.

Die Oma macht ihm Umschläge, bis er wieder etwas sehen kann. Dann fällt ihm ein, dass er den Ludwig vergaß. Also geht er los, und holt den vor Flötzingers Haus stehenden Streifenwagen samt dem Hund. Kurz darauf ruft der Flötzinger an, um zu melden, dass jemand den Streifenwagen aus der Auffahrt gestohlen hat.

Am nächsten Tag setzt Franz die Vernehmung fort. Sein Dienstzimmer im Rathaus kann er nicht benutzen, weil der Bürgermeister dort die Verwandten untergebracht hat, die wegen Weihnachten zu Besuch da sind. Also gehen die beiden Männer ein Stück.

Der Flötzinger hat den Auftrag, im Sonnleitnerhaus eine Heizung einzubauen, und er versprach der neuen Bewohnerin, am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen damit anzufangen. Am Abend fuhr er seine Frau Mary und die Kinder zum Franz Josef Strauß-Flughafen. Sie wollen Marys englische Verwandtschaft besuchen. Schließlich gibt er zu, sich in der Hoffnung, einen Blick durchs Fenster auf die nackte Bewohnerin erhaschen zu können, im Dunkeln auf dem Sonnleitner-Grundstück herumgetrieben zu haben. Mit der Drohung, ihn als Spanner vor Gericht zu bringen, presst Franz dem Installateur die Zusage ab, erst einmal bei ihm im Saustall die Heizung einzubauen und dann erst mit der Arbeit auf dem Sonnleitnerhof anzufangen.

Der Stress lässt nicht nach: Der Dorfgendarm wird wegen eines tödlichen Unfalls zum Neuhofer-Haus gerufen. Das ist nun schon der dritte Todesfall in der Familie innerhalb weniger Monate. Der alte Neuhofer war Elektromeister. Ausgerechnet beim Einbau eines neuen Elektroherds in seinem eigenen Haus starb er an einem Stromschlag. Bald darauf erhängte sich seine depressive Witwe im Wald. Daraufhin erbten die beiden Söhne das Elternhaus. Das wollten sie nun zum Zweifamilienhaus umbauen. Aber als der Kran einen mit Schutt gefüllten Container übers Haus hob, löste sich der Behälter vom Haken, und der ältere der beiden Brüder, der gerade darunter stand, wurde zerquetscht. Damit hat sich der Umbau erübrigt, denn es gibt nur noch den Neuhofer Hans.

In der Kranfirma Krawall (von Kran und Wallner, dem Namen des Inhabers) will Franz den albanischen Kranführer Skender Sashi befragen, aber er muss erst einen Dolmetscher anfordern, bevor er damit anfangen kann. Offenbar brach der Karabiner-Haken, mit dem der Container am Kranseil hing.

Bald darauf liest der Franz auf einem Schild vor dem Neuhofer-Haus, dass hier eine OTM-Tankstelle gebaut werden soll. Das Grundstück liegt direkt an der lauten Durchgangsstraße. Zum Wohnen war das nicht schön. Für eine Tankstelle ist die Lage dagegen ideal.

Der Neuhofer Hans hat das Elternhaus also verkauft. Ermordete er womöglich den Vater, die Mutter und den älteren Bruder, um das Anwesen zu erben und es versilbern zu können? Einen Fußballspieler, der in der zweiten Halbzeit jedes Mal in die falsche Richtung rennt, kann Franz sich eigentlich nicht als Dreifachmörder vorstellen, aber er geht dem Verdacht nach.

Weil der Richter Moratschek vom Amtsgericht Landshut sich weigert, dem Dorfgendarm auf bloßen Verdacht hin eine Durchsuchungserlaubnis für das leer stehende Haus auszustellen, schlägt Franz ein Kellerfenster ein. In den Räumen herrscht ein unbeschreibliches Chaos. Franz wundert sich, wie die Leute gewohnt haben.

In der Nacht wird er durch einen Anruf geweckt: Der Neuhofer Hans meldet einen Einbruch. Der Gendarm fährt hin und schaut sich um, als ob er nie im Haus gewesen wäre. Die Einbrecher hätten alles verwüstet, klagt Hans. Erst jetzt begreift Franz, dass es in dem Haus nicht immer so chaotisch aussah. Aber wer außer einem Gendarm ohne Durchsuchungserlaubnis bricht denn in ein unbewohntes Haus ein, fragt er sich. Noch ein Fall, den es aufzuklären gilt.

Ein paar Tage später kommt der Simmerl mit seinem pubertierenden Sohn Max herüber. Nach ein paar Schlägen auf den Hinterkopf gesteht der Junge, er sei mit zwei Freunden in das Neuhofer-Haus eingebrochen und habe einen Stapel Pornohefte mitgenommen. Sie hätten sich nichts dabei gedacht, weil das Haus doch ohnehin abgerissen werden soll. Außerdem sei die Tür offen gewesen. Das habe ein anderer Einbrecher offenbar nicht gemerkt, denn der „Riesendepp“ zwängte sich durch ein eingeschlagenes Kellerfenster.

Nachdem das Haus abgerissen und mit dem Bau der Tankstelle begonnen wurde, sieht Franz dort einen Mann, den ihm die neue Bewohnerin des Sonnleitnerhofs vor einiger Zeit als befreundeten Architekten vorstellte, der sie beim Umbau berate. Er heißt Klaus Mendel, stammt aus Leipzig und spricht dementsprechend mit sächsischem Akzent. Ist er auch am Neubau beteiligt? Franz fragt den Pächter der Tankstelle. Der sagt, es handele sich um einen Geschäftspartner. Außerdem erfährt der Gendarm, dass die OTM für die Tankstelle eine halbe Million Euro an das Maklerbüro Immo-Novum bezahlte. Log der Neuhofer Hans, als er behauptete, er habe gerade mal 50 000 Euro für das Grundstück bekommen?

Die Verwaltungsangestellte Susi, die Franz gezeigt hatte, wie man Liebe macht und seither sporadisch mit ihm schläft, besorgt ihm Hans‘ neue Adresse in Landshut. Als Franz ihn auf die Differenz von 500 000 und 50 000 Euro anspricht, wird er blass wie ein Winterkartoffelknödel, bleibt aber bei seiner Aussage.

Eines Abends kommt Franz mit seinem Hund am Sonnleitnergut vorbei. Weil nach langer Zeit zum ersten Mal wieder Licht brennt, klingelt er. Sie sei bei ihrer krebskranken Mutter in Quebec gewesen, behauptet die Frau, die Franz weniger mit einem Mercedes als mit einem Ferrari assoziiert. Sie müsse auch gleich wieder hin, sagt sie. Aber in dieser Nacht bleibt sie erst einmal da – und nimmt Franz mit ins Bett.

Dem Neuhofer Hans scheint im Zusammenhang mit dem Verkauf des Elternhauses etwas aufgefallen zu sein. Darüber will er am nächsten Tag mit Franz reden. Aber noch in der Nacht stirbt er bei einem Verkehrsunfall. Mercedes ruft den Gendarm an. Sie gibt zu Protokoll, dass sie ihren Schoßhund (den Franz nur als „Mütze“ bezeichnet) an der Rollleine ausgeführt habe. Das Tier sei im Dunkeln auf die andere Straßenseite gelaufen, als der Hans auf seinem alten Roller gefahren kam. Offenbar verfing sich das Vorderrad in der über die Straße gespannten Leine. Hans stürzte und brach sich beim Aufprall gegen einen Baumstamm das Genick.

Am Karsamstag bereitet Franz‘ Großmutter einen Lammbraten zu, wie jedes Jahr. Franz mag kein Lamm, muss jedoch vier Scheiben von dem Fleisch essen:

Wenn die Oma merkt, dass es einem nicht schmeckt, da hört bei ihr der Spaß auf. Weil sie nämlich seit den frühen Morgenstunden in der verdammten Küche steht und kocht.
Und da hat’s dann zu schmecken. Aus!

Kurz nach Ostern klagt der Leopold, seine Roxana habe ihn verlassen und mit ihrer Bankvollmacht sein Privatkonto leergeräumt.

Überraschend taucht eines Tages Roxana wieder auf und sagt Franz reumütig, sie habe einen Fehler gemacht. Als die Großmutter sie entdeckt, schreit sie: „Ja, du Saumensch, du miserables! Schau bloß, dass dich schleichst!“ Aber da entdeckt Roxana ihren Noch-Ehemann:

„Läobold!“, ruft die Roxana.
„Roxana!“, ruft der Leopold.

Die beiden fallen sich in die Arme.

Bald darauf ist Leopold wieder allein. Er war nämlich nur zum Schein auf Roxanas Versöhnungsangebot eingegangen. Nachdem sie das Geld zurückgezahlt hatte, entzog er ihr die Bankvollmacht und warf sie raus.

Einige Zeit später fliegt Leopold nach Thailand, und ein paar Monate nach seiner Rückkehr zeigt er stolz das Ultraschallbild eines von ihm während des Urlaubs gezeugten Embryos herum. Die Mutter des ungeborenen Kindes wird, wenn alles gut geht, Weihnachten aus Thailand anreisen, und zwar mit ihren Eltern, weil sie noch minderjährig ist. Leopold will sie heiraten, sobald er von Roxana geschieden ist.

Als Susi in Wolfis Gasthaus erfährt, dass Franz etwas mit der Bewohnerin des Sonnleitnerhofs hatte, kündigt sie ihm wütend die Freundschaft auf und beendet das Verhältnis mit ihm. „Es hat sich ausgesusit!“, meint sie.

Weil Franz unter der Telefonnummer des Immobilienmaklers Immo-Novum tagelang nur den Anrufbeantworter erreicht, fährt er nach München. Dort stellt er fest, dass das Büro am Monatsanfang geschlossen wurde.

Während seines Aufenthalts in München trifft er sich mit dem Birkenberger Rudi, der nach zweieinhalb Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen worden war. Zunächst arbeitete er einige Zeit als Kaufhausdetektiv in München, aber jetzt hat er sich selbstständig gemacht, und er bietet seinem früheren Kollegen an, bei den Nachforschungen über Immo-Novum zu helfen. Rudi findet heraus, dass das Gewerbe in München abgemeldet wurde, gleichzeitig aber jemand auf Mallorca unter dem gleichen Namen ein Immobilienbüro einrichtete.

Margit Dechampes-Sonnleitner kommt unerwartet aus Kanada nach Niederkaltenkirchen. Franz fragt sie nach ihrer Tochter, aber die Erbin des Sonnleitnerguts beteuert, weder Kinder noch Nichten zu haben, und schon gar keine, die Mercedes heißen. Sie erzählt dem Gendarm, sie habe Alexandra Kleindienst vom Maklerbüro Immo-Novum telefonisch beauftragt, eine Heizung einbauen zu lassen, um das Haus besser verkaufen zu können. Das sei allerdings eine Fehlspekulation gewesen, denn außer dem Maklerbüro habe niemand das Anwesen kaufen wollen. Und der gebotene Preis sei ihr zu niedrig gewesen. Jetzt werde sie sich selbst um den Verkauf kümmern.

Nachdem Franz begriffen hat, dass ihn „der Ferrari“ an der Nase herumführte, fühlt er sich in seinem Verdacht bestätigt, dass die Neuhofers nicht durch verschiedene Unfälle kurz nacheinander starben, sondern ermordet wurden. Mit seinen Spekulationen über einen Vierfachmord nervt er den Richter Moratschek, bis dieser sich an den Münchner Polizeipsychologen Dr. Dr. Spechtl wendet, der Franz daraufhin zu sich bestellt. Als dieser über seinen leeren Magen klagt, fällt ihm der Psychologe ins Wort:

„Herrschaft, Eberhofer! […] Mich interessiert Ihr Magen einen Scheißdreck! Ihre Psyche ist defekt, das ist unser Problem!“

Während einer Autofahrt mit seiner Großmutter glaubt Franz, Klaus Mendel zu sehen, kann aber wegen des dichten Verkehrs nicht halten. Die Großmutter sagt, sie kenne den Mann ebenfalls. Er habe Gefrierkost ausgefahren. Franz glaubt das nicht, denn der Mendel ist doch Architekt. Aber zu Hause findet die Großmutter noch einen drei Jahre alten Bofrost-Prospekt, auf dem er abgebildet ist.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Kurz darauf erkennt Franz den Bofrost-Fahrer auf einem anderen Prospekt, den Rudi besorgte. Es handelt sich um ein Werbeblatt des neuen Büros Immo-Novum auf Mallorca. Neben Klaus Mendel steht Alexandra Kleindienst, und das ist niemand anderes als „der Ferrari“.

Rudi ließ sich auf eine Liebschaft mit einer Klientin ein, die ihn beauftragt hatte, ihrem Mann nachzuspionieren, weil sie vermutete, er würde sie betrügen. Der Verdacht erwies sich als falsch, aber nun schläft Rudi heimlich mit der Frau – und fürchtet sich vor ihrem Mann. Gerade als Rudi seine Geliebte mit einem zweiwöchigen Urlaub in einem Romantikhotel auf Mallorca überraschen möchte, beendet sie die Affäre mit ihm. Da drängt Rudi seinen Freund, ihn nach Mallorca zu begleiten, um dort den Vierfachmord aufzuklären.

Eigentlich hat Franz keine Lust, nach Spanien zu fliegen, aber er lässt sich dazu überreden.

Rudi zeigt ihm das Immo-Novum-Büro. Davor geht Franz so lange auf und ab, bis ihm „der Ferrari“ begegnet. Die Achtundzwanzigjährige, ob sie nun Mercedes Dechampes-Sonnleitner, Alexandra Kleindienst oder wie auch immer heißt, scheint sich über das Wiedersehen zu freuen. Sie verwickelt ihn in ein Gespräch, und bevor er sich versieht, liegt er mit ihr am Strand. Dort treiben sie es im Licht der untergehenden Sonne. Und danach kann Franz sich nicht mehr vorstellen, dass diese aufregende Frau irgendetwas Ungesetzliches getan haben könnte. Rudi muss ihm erst den Kopf zurechtrücken.

Als Rudi sie am nächsten Tag wiedersieht, stellt er ihr einige Fragen, alle auf einmal:

„Warum bist du auf Mallorca und nicht in Kanada? Und wer ist Alexandra Kleindienst? Und Mercedes Dechampes-Sonnleitner? Warum erzählst du, das Sonnleitnergut gehört dir, obwohl du nur die Maklerin bist? Und wie viel Geld hast du mit dem Neuhoferhaus verdient? Warum hast du bei diesem dubiosen Unfall das Geknatter vom Neuhofer seinem alten Roller nicht gehört, wo man den doch schon kilometerweit hören konnte? Und warum ist der Klaus ein Bofrost-Fahrer, wo er doch angeblich ein Architekt ist?“

Da lässt sie ihn stehen. Rudi folgt ihr und hört, wie sie am Telefon sagt:

„Das wird jetzt ziemlich heiß hier!“
Pause.
„Ja, natürlich weiß ich, dass er ein Psychopath ist und dass ihn sowieso niemand ernst nimmt. Aber wir sollten jetzt keine schlafenden Hunde wecken! Er ist noch eine ganze Woche hier. Ich nehm den nächsten Flug nach Deutschland, dann bin ich erst mal aus dem Schussfeld.“
Pause.
„Na, gut. Wie du meinst. Bis später.“

Als Nächstes trifft Franz sich mit Klaus Mendel in der Lagerhalle eines Bekleidungsgeschäftes neben dem Maklerbüro. Er sagt:

„Um es kurz zu machen, ich glaub, du hast in Niederkaltenkirchen vier Leute abgemurkst und nebenbei noch vierhundertfünfzigtausend Euro kassiert.“

Mendel, der den Gendarm für einen Trottel hält und nicht weiß, dass Franz sein Diktiergerät eingeschaltet hat, gesteht ohne weiteres den Vierfachmord. Die OTM zeigte schon vor längerer Zeit großes Interesse am Neuhofer-Haus. Aber der alte Neuhofer wollte es nicht verkaufen, weil er es von seinen Eltern geerbt hatte. Als Bofrost-Fahrer belieferte Mendel auch die Neuhofers. Während Frau Neuhofer ihr Portemonnaie holte, um zu bezahlen, stand Mendel in der Diele neben dem Sicherungskasten und sah, wie ihr Ehemann einen Elektroherd anschloss. Da legte er kurz den Schalter der Sicherung um – und Herr Neuhofer sprühte Funken. Anders als ihr Mann hatte Frau Neuhofer bis dahin Interesse am Verkauf des Grundstücks gezeigt, aber nun wollte sie davon aus Gründen der Pietät nichts mehr wissen. Mendel musste nachhelfen. Als sie im Wald spazieren ging, brachte er sie um und täuschte einen Selbstmord vor. Danach wollte auch der ältere Sohn nicht mehr verkaufen. Nachdem Mendel den Kranhaken manipuliert hatte, wettete er mit dem Neuhofer-Sohn, dass dieser es nicht wagen werde, sich unter den Container zu stellen. Der Neuhofer Hans verkaufte nach dem Tod seines Bruders das Anwesen, obwohl Mendel den Preis kräftig gesenkt hatte. Um ihn daran zu hindern, dem Gendarm etwas über seine Beobachtungen zu erzählen, spannte Mendel im Dunkeln ein Drahtseil über die Straße, und danach erzählte Alexandra Kleindienst, mit der er seit vier Jahren verheiratet ist, die Geschichte mit der Hundeleine.

Als Franz die Aufnahme des Geständnisses abspielen will, hört er kaum mehr als einen Ventilator: Plopp, plopp, plopp.

Zurück in Deutschland, berichtet er Moratschek von dem Geständnis. Aber als er zugeben muss, dass der Mitschnitt unbrauchbar ist, wirft ihn der Richter hinaus. Rudi wartet im Korridor auf Franz:

„Was hat er denn gesagt, der Moratschek?“ […]
„Der Moratschek hat gesagt, dass er jetzt die Schnauze voll hat vom Eberhofer seinen Spinnereien!“, sagt der Richter statt meiner. Er kommt grad durch seine Bürotür und macht sich auf den Weg zum Kaffeeautomaten.

Rudi bittet den Richter um fünf Minuten, packt seine Videokamera aus und zeigt eine einwandfreie Bild- und Tonaufnahme des Geständnisses in der Lagerhalle auf Mallorca. Er hatte sich zwischen Schaufensterpuppen versteckt, unbemerkt gefilmt und nicht einmal Franz etwas davon erzählt.

Nachdem Moratschek das gesehen und gehört hat, sorgt er dafür, dass die spanische Polizei Klaus Mendel und Alexandra Kleindienst verhaftet und nach Deutschland abschiebt. Weiß wie Winterkartoffelknödel steigen sie in München aus dem Flugzeug. Sie tragen Handschellen.

Während der Untersuchungshaft erhängt Mendel sich in seiner Zelle. Seine Witwe steht schließlich allein vor dem Gericht. Sie wird zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und noch im Gerichtssaal freigelassen.

Trotz des milden Urteils ist Franz stolz und zufrieden. Er denkt:

Der Eberhofer Franz, der alte Psychopath, klärt quasi im Urlaub und völlig entspannt alle ungeklärten Fälle der letzten Jahre auf.

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Wer einen spannenden Thriller mit raffinierten Tätern und scharfsinnigen Ermittlern erwartet, wird von „Winterkartoffelknödel“ enttäuscht sein. Der Mordfall, von dem Rita Falk in ihrem „Provinzkrimi“ (so der Untertitel) erzählt, ist grob gestrickt, dient aber auch nur als roter Faden. Der Reiz des Romans liegt nicht in der Aufklärung eines Verbrechens, sondern im Drumherum. Rita Falk lässt den nicht besonders hellen Dorfgenarm selbst in der Ich-Form erzählen, und zwar in einem hochdeutsch frisierten Bayrisch mit doppelter Verneinung und anderen Finessen des Dialekts. Erst aus dieser Perspektive und dieser Sprache ergibt sich der Humor. Wer dafür Antennen hat, wird bei der Lektüre von „Winterkartoffelknödel“ gut unterhalten.

Niederkaltenkirchen ist übrigens ein fiktiver Ort.

Rita Falk wurde am 30. Mai 1964 in Oberammergau geboren.

Für meine Eltern kam ich zu einem relativ ungünstigen Moment, sagen wir einmal: mindestens zehn Jahre zu früh. Mein Vater studierte in München, und meine Mutter musste in Vollzeit unser Überleben sichern. Mir persönlich war das aber wurst.

Als Rita acht Jahre alt war, zog die Familie nach München. Ein Jahr später kauften die Eltern ein Haus in Landshut. In der niederbayrischen Hauptstadt lebt sie mittlerweile mit ihrem zweiten Ehemann, einem Polizisten, und drei Kindern. „Winterkartoffelknödel“ ist ihr Debütroman. 2011 folgten „Dampfnudelblues“ (ISBN 978-3-423-24850-1) und „Schweinskopf al dente“ (ISBN 978-3-423-24892-1), zwei weitere „Provinzkrimis“ über den Eberhofer Franz.

Den Roman „Winterkartoffelknödel“ von Rita Falk gibt es auch in einer gekürzten Fassung als Hörbuch, gelesen von Christian Tramitz (Bearbeitung: Anne Schumacher, Regie Angela Kübrich, Berlin 2010, 4 CDs,
ISBN 978-3-89813-991-5).

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011
Textauszüge: © Deutscher Taschenbuch Verlag

Rita Falk: Dampfnudelblues

John Williams - Stoner
"Stoner" ist ein ernster Entwicklungs- und College-Roman. John Williams erzählt chronologisch, stringent, leise und ohne Schnörkel. Wie sein Protagonist hält er sich zurück, er verzichtet auf sprachliche Extravaganzen und formale Experimente.
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