Elisabeth Florin : Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

Elisabeth Florin

Commissario Pavarotti trifft keinen Ton

Commissario Pavarotti trifft keinen Ton Originalausgabe: Hermann-Josef Emons Verlag, Köln 2013 ISBN: 978-3-95451-122-8, 384 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Lissie von Spiegel fährt von Frankfurt nach Meran, um über ihre Entlassung als PR-Cefin einer Bank hinwegzukommen. In der ersten Nacht ihres Meran-Aufenthalts wird Karl Felderer ermordet, der Junior einer der reichsten Familien der Stadt. Commissario Luciano Pavarotti von der Mordkommission in Bozen leitet die Ermittlungen, und weil die Südtiroler einem Italiener misstrauen, bittet er die deutsche Touristin, sich für ihn umzu­hören. Lissie gewinnt bald den Eindruck, dass der Mord mit einem Jahrzehnte alten Verrat im Südtiroler Befreiungsausschuss zu tun haben könnte ...
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Kritik

Mit überbordender Fabulierlaune und spürbarer Liebe zu Südtirol ent­wickelt Elisabeth Florin eine unter­halt­same Kriminalgeschichte. Allerdings sind einige Zusammen­hänge in dem überfrachteten Krimi "Commissario Pavarotti trifft keinen Ton" unplausibel.
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Lissie von Spiegel fährt am Samstag, 30. April, mit ihrem Jaguar von Frankfurt am Main nach Meran, um darüber hinwegzukommen, dass sie von der Bank, bei der sie als Kommunikationschefin tätig war, nach einem Wechsel im Vorstand entlassen wurde. Obwohl sie gute Hotels gewohnt ist, hat sie sich ein Zimmer im Nikolausstift reservieren lassen, in einer Pension, deren Zimmer noch nicht mit Toiletten und Duschen ausgestattet sind. Der Grund dafür ist Sentimentalität, denn im Nikolausstift verbrachte Lissie einige Schulferien mit ihrem Vater, während sie sonst bei der Mutter lebte. Der letzte Aufenthalt war allerdings vor 30 Jahren. Damals überwarf sich die 17-Jährige mit ihrem Vater, weil der Rechtsanwalt die Verteidigung führender RAF-Terroristen übernommen hatte und sie das missbilligte. Trotz der langen Zeit erkennt Lissie die Besitzerin Elsbeth Hochleitner sofort wieder. Die Witwe lebt mit ihrem 13-jährigen verwaisten Enkel Justus in den Privaträumen des Hauses. Um das Einkommen aufzubessern, übernimmt Elsbeth Hochleitner Restaurierungsarbeiten. Diesen Beruf hatte sie ursprünglich erlernt, nach dem Tod ihrer Eltern jedoch aufgegeben, um deren Pension weiterführen zu können.

Am Sonntag wird Commissario Luciano Pavarotti von der Quästur Bozen der Polizia di Stato nach Meran gerufen. Katie Renzinger hat vor den Toiletten im Hinterhof ihrer Weinstube einen Toten gefunden. Jemand hat ihm den Schädel eingeschlagen. Es handelt sich um Karl Felderer, den Junior einer Familie, die nicht nur Hotels und Restaurants betreibt, sondern auch noch einige andere Grundstücke in Meran besitzt, darunter Filetstücke der Lauben. Commissario Pavarotti leitet die Ermittlungen und wird dabei von den Meraner Gendarmen Brunthaler und Emmenegger unterstützt. Die Spurensicherung erfolgt unter der Leitung von Arnold Kohlgruber, und bei der Meraner Gerichtsmedizinerin handelt es sich um Pavarottis jüngere Schwester Editha Klausner.

Pavarotti sucht die Familie des Ermordeten auf. Die hochschwangere Witwe Louisa Felderer steht unter Schock. Ihr verwitweter Schwiegervater Emil Felderer erklärt sich bereit, die Fragen des Kommissars zu beantworten und berichtet von Meinungsverschiedenheiten im Verband des Meraner Laubeneinzelhandels (VEMEL), dessen Vorsitzender sein Sohn war. Als Widersacher nennt Emil Felderer den Buchhändler Erich Kirchrather und Klaus Niedermeyer, den Inhaber eines weiteren Geschäfts in den Lauben. Ihnen missfiel, dass Karl Felderer mit Salvatore Topolini und dessen Sohn Claudio vorgeblich über die Verpachtung, tatsächlich sogar über den Verkauf einer Immobilie in den Lauben an deren Mailänder Lederwaren-Handelsunternehmen verhandelte.

Commissario Luciano Pavarotti quartiert sich im Nikolausstift ein. Mehr erlauben die Spesenregelungen nicht.

Weil er von Elsbeth Hochleitner erfährt, dass die hier ebenfalls wohnende deutsche Touristin am Nachmittag von dem Schürzenjäger Karl Felderer in einem Straßencafé angesprochen wurde, nimmt er Kontakt mit Lissie von Spiegel auf und ersucht sie, sich ein wenig umzuhören. Ihr würden die Südtiroler eher etwas anvertrauen als einem korpulenten italienischen Staatsbeamten.

„Weil ich Italiener bin, lügen mich die Hiesigen schon aus Prinzip an.“

Lissie war fest entschlossen, Licht in die Angelegenheit zu bringen – und sei es nur, um es diesem skurrilen Macho-Dickerchen aus Spaghetti-Land so richtig zu zeigen.

Zu diesem Zweck zieht Lissie von Spiegel am nächsten Morgen ins Hotel Felderer um. Nachdem sie sich in der Meraner Stadtbibliothek etwas Grundwissen über die Südtiroler Geschichte seit der Abtrennung von Österreich angeeignet hat, bittet sie auf Anraten der Bibliothekarin einen ebenfalls anwesenden älteren Herrn um eine Kurzfassung aus seiner Sicht. Peter Aschenbrenner, der einen altmodischen Elektroladen in den Lauben besitzt, schimpft über Mussolinis Faschistentrupps, die Südtirol terrorisierten, es in Alto Adige umbenannten und eine Italianisierung erzwangen.

Die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche ergibt, dass Karl Felderer mit mehreren Schlägen auf den Kopf getötet wurde. Von dem noch nicht gefundenen Tatwerkzeug blieben Spuren von Blattgold zurück.

Als sich bei den polizeilichen Ermittlungen herausstellt, dass Greta Niedermeyer nicht nur eine Affäre mit Karl Felderer hatte, sondern sich auch von ihrem Liebhaber in obszönen Posen nackt fotografieren ließ, verhaftet Commissario Luciano Pavarotti den Ehemann Klaus Niedermeyer, dem gleich mehrere Mordmotive unterstellt werden können: sein Kampf gegen den Verkauf von Lauben-Abschnitten an Italiener, Eifersucht bzw. Zorn auf den Nebenbuhler sowie das Interesse, eine ruf- und geschäftsschädigende Verbreitung der Nacktfotos seiner Frau zu verhindern. Bei der Hausdurchsuchung wundert sich Luciano Pavarotti über eine Kopie eines Vorvertrags von Karl Felderer mit der Topolini-Gruppe über den Kauf einer Lauben-Immobilie. Wie kommt das Papier in Niedermeyers Safe?

Pavarotti, der sehr gut Golf spielt, gibt sich ungeschickt, als er mit Claudio Topolini eine Partie austrägt, denn er möchte ihn aus der Reserve locken. Allerdings unterschätzt er den jungen Geschäftsman. Der durchschaut die Täuschung und verschlägt selbst ebenfalls absichtlich einige Bälle. Auf dem Rasen berichtet er, dass er am Samstag in Katie Renzingers Weinstube mit Klaus Niedermeyer ein paar Gläser Wein trank, während er vergeblich auf Karl Felderer wartete, mit dem er verabredet war. Niedermeyer sei von seinem letzten Toilettengang bleich zurückgekommen und habe sich kurz darauf verabschiedet, sagt er. Nach dem Tod Karl Felderers, so Claudio Topolini weiter, hätten die beiden Väter weiter über den Kauf der Lauben-Immobilie verhandelt, sich aber nicht auf den Preis einigen können.

Als Lissie von Spiegel sich ein zweites Mal mit dem Buchhändler Erich Kirchrather trifft, weiß sie bereits, dass er früher Mitglied der Südtiroler Volkspartei war und der SVP-Obmann Silvius Magnago zu seinen Freunden zählte.Um ihr Interesse an der Südtiroler Autonomie­bewe­gung zu erklären, behauptet sie, unter den von ihrem verstorbenen Großvater hinter­lassenen Schriftstücken Hinweise auf einen Verräter im Südtiroler Befreiungs­ausschuss entdeckt zu haben. Nun gehe sie der Sache nach, weil sie sich nach dem Verlust ihrer Anstellung als Journalistin versuchen wolle. Kirchrather meint, das nach dem Zweiten Weltkrieg von dem österreichischen Außenminister Karl Gruber und dem italienischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi unterzeichnete Autonomie­statut für Südtirol sei reine Augenwischerei gewesen. Tatsächlich habe Italien die Industrie in Bozen und Meran massiv gefördert, um möglichst viele italienische Arbeiter nach Südtirol umsiedeln zu können. Aber von einem Maulwurf, der Mitglieder der Südtiroler Untergrundbewegung an die Italiener verriet, sei ihm nichts bekannt, sagt Kirchrather.

Kurz darauf meldet er sich bei Commissario Pavarotti, um eine Aussage zu machen. Auch wenn er damit einen befreundeten Verbandskollegen schwer belasten müsse, halte er es nach reiflicher Überlegung für erforderlich, bei der Aufklärung des Mordfalls zu helfen, erklärt er. Dann kommt er auf die Verkaufsverhandlungen Karl Felderers mit Salvatore und Claudio Topolini zu sprechen. Klaus Niedermeyer sei mit einer Kopie des Vorvertrags zu ihm gekommen. Woher der befreundete Ladenbesitzer diese hatte, wisse er nicht. Jedenfalls hatte er ein paar Stunden zuvor Karl Felderer eine Kopie der Kopie gemailt und damit gedroht, das Papier der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ zuzuspielen, falls er die Verkaufsverhandlungen mit den Italienern nicht sofort abbrechen würde. Karl Felderer habe den Spieß jedoch umgedreht und gefragt, ob er die auf seinem Handy gespeicherten pornografischen Fotos von Greta Niedermeyer bei Facebook posten solle.

„Anfangs habe ich versucht, diese unerfreuliche Geschichte zu vertuschen. Ich wollte Klaus davor schützen, ins Gefängnis zu wandern. Es war mir ja sonnenklar, dass er ein erstklassiges Motiv für den Mord hatte, ein viel stärkeres noch als diese Eifersuchtssache. Ich hab gleich vermutet, dass er es war. Felderer hatte es in der Hand, ihn zu vernichten. Diese Schmach hätte Klaus nicht überlebt.“

Erst jetzt fällt Commissario Pavarotti auf, dass bei dem Toten kein Handy gefunden wurde.

Klaus Niedermeyer wird nach einem Nervenzusammenbruch in die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses gebracht.

Durch ein persönliches Geständnis seines Ex-Schwagers Albrecht Klausner erfährt Luciano Pavarotti, wie Klaus Niedermeyer in den Besitz der Vorvertrags-Kopie kam. Nach einer Weinprobe in der von Klausner nach der Scheidung von Pavarottis Schwester eingerichteten Enoteca Editha hatte er den betrunkenen Notar Ettore Tscholl nach Hause gebracht und dabei auf dessen Schreibtisch das Dokument liegen sehen. Weil es sich um den geplanten Verkauf des Laubenabschnitts an die Topolini handelte, in dem sich auch die Enoteca befindet, kopierte er die drei Seiten mit seinem Handy. Damit ging er dann Rat suchend zu Klaus Niedermeyer, der unbedingt eine Kopie davon haben wollte.

„Klaus sagte mir, wir könnten damit Karl endlich stoppen, der gerade dabei sei, ganz Meran kaputt zu machen.“

Albrecht Klausner bedauert, dass durch seine Mitwirkung Karl Felderer tot sei und Klaus Niedermeyer unter Mordverdacht stehe. Aber er habe die Enoteca nicht aufgeben wollen, denn vom Keller des Hauses führt ein vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammendes Tunnelsystem bis zur Nikolauskirche, und in diesen unterirdischen Gängen wurden vor dem Zweiten Weltkrieg Meraner Kinder verbotswidrig in deutscher Sprache und Südtiroler Volkskunde unterichtet.

„Unter meiner Enoteca war eine der berühmten Katakombenschulen.“

Am Sonntag, 8. Mai, überredet Lissie von Spiegel Luciano Pavarotti zu einer Wanderung von Hafling zur Leadner Alm. Dorthin hatte sie sich kürzlich im Nebel verlaufen und dabei die Besitzerin kennengelernt, eine alte Frau namens Loipfertinger.

Unterwegs erzählt der Commissario, dass Claudio Topolini aufgefallen sei, wie bleich sein Gesprächspartner von der Toilette in die Weinstube zurückkam. Pavarotti vermutet, dass Niedermeyer im Hinterhof auf Felderer gestoßen sei und ihn im Streit erschlagen habe. Lissie gibt zu bedenken, dass Niedermeyers Verstörung auch anders zu erklären sei: Vielleicht habe er den bereits Toten entdeckt.

„Er wollte wegen seiner Streitereien mit Felderer keinesfalls in die Geschichte verwickelt werden, hat Panik gekriegt und beschlossen, den Mund zu halten. Er hat sich Felderers Blackberry geschnappt, ist wieder in die Weinstube rein und hat sich dann, so schnell es ging, dünn gemacht.“

Frau Loipfertinger verhält sich gegenüber dem italienischen Kommissar argwöhnisch, bis er das Eis bricht, indem er sich von seinem Vater distanziert, der vor Jahrzehnten als Staatsanwalt an Gerichtsprozessen gegen Südtiroler Attentäter beteiligt war.

„Ich selbst war zwar zur Zeit der Bombenjahre noch ein kleines Kind, aber mein Vater hat sich damals als einer der ermittelnden Staatsanwälte die Hände schmutzig gemacht. Viel später, als mir das klar wurde, habe ich ihn gehasst dafür. Vor allem deshalb, weil er starrköpfig und stur geblieben ist, bis zu seinem Tod. Er hat nie eingesehen, dass damals viel Unrecht geschehen ist.“

Frau Loipfertinger wiederholt, was sie Lissie bereits beim ersten Besuch anvertraute. Ihr Ehemann Luis wurde nach Anschlägen auf Strommasten steckbrieflich gesucht und versteckte sich auf der Stettiner Hütte am Eisjöchl. Dort wurde er am 31. Oktober 1967 von Carabinieri erschossen. Verraten hatte ihn sein Freund Emil Felderer.

Wegen eines Unwetters übernachten Luciano Pavarotti und Lissie von Spiegel auf der Leadner Alm.

Am frühen Montagmorgen erhält der Kommissar einen Anruf und lässt sich gleich darauf von Frau Loipfertinger nach Meran fahren. Louisa Felderer fand nämlich ihren Schwiegervater tot im Arbeitszimmer vor. Emil Felderer sitzt mit einem Schussloch in der Stirn in seinem Sessel am Schreibtisch, und eine Pistole liegt vor ihm. Auf den ersten Blick sieht es nach einem Suizid aus, aber Arnold Kohlgruber, dem Leiter der Spurensicherung, fällt auf, dass am Kopf des Toten keine Schmauchspuren sind, und er nimmt an, dass der Schuss aus mindestens drei Meter Entfernung abgefeuert wurde. Es handelt sich also um einen weiteren Mord! Der Täter kam wahrscheinlich mit einer elektronischen Zugangskarte aus dem Hotel in die Privaträume der Familie Felderer.

Weil sich Klaus Niedermeyer noch im Landeskrankenhaus befindet, also nicht Emil Felderers Mörder sein kann, und es unwahrscheinlich ist, dass die beiden Felderers innerhalb weniger Tage zwei verschiedenen Mordfällen zum Opfer fielen, bricht Commissario Pavarotts Theorie zusammen.

Lissie von Spiegel, die noch schlief, als der Commissario aufbrach, macht sich nach einem kurzen Frühstück in der Leadner Alm zu Fuß auf den Weg nach Hafling. Auf halber Strecke entdeckt sie Elsbeth Hochleitners Enkel Justus. Augenscheinlich ist er abgestürzt. Weil es in der Gegend kein Mobilfunknetz gibt, eilt Lissie zurück zur Alm, denn Frau Loipfertinger verfügt über einen Telefonanschluss. Ein Rettungshubschrauber bringt den verunglückten Jungen ins Krankenhaus.

Von Frau Loipfertinger erfährt Lissie, dass auch Justus‘ Vater Axel Hochleitner bei einer Bergtour verunglückte. Vor zehn Jahren stieg der Steuerberater mit Karl Felderer gemeinsam zur Hohen Weißen hinauf und stürzte dabei ab. Weil Justus‘ Mutter schon kurz nach der Geburt des Sohnes weggegangen war, blieb dem Jungen nur noch seine verwitwete Großmutter. Karl Felderer entwickelte sich zu einem Vaterersatz für ihn, der allerdings sehr zur Sorge Elsbeth Hochleitners immer gefährlichere Bergtouren mit dem Jungen unternahm.

Zurück in Meran, klingelt Lissie am Nikolausstift, aber es scheint niemand da zu sein. Durch eine nicht abgesperrte Hintertür dringt sie in das Gebäude ein, denn sie möchte sich in Justus‘ Zimmer umsehen und hofft, mehr über ihn zu erfahren. Plötzlich steht Elsbeth Hochleitner mit einer Flinte im Anschlag vor ihr. Als sie die deutsche Touristin erkennt, legt sie die Waffe nieder.

„Ich hab unten Geräusche gehört und ganz schreckliche Angst gekriegt, nach allem, was in letzter Zeit in Meran passiert ist“, schluchzte sie. „Dann hab ich das Gewehr gepackt. Es war überhaupt nicht geladen!“

Am Dienstagmorgen, 10. Mai, erkundigt sich Lissie bei Viola Matern, die an der Rezeption des Hotel Felderer sitzt, ob der kleine Elektroladen in den Lauben schon geöffnet habe. Sie möchte einen Föhn kaufen. Zu ihrer Überraschung handelt es sich bei dem Ladenbesitzer um Peter Aschenbrenner, den sie bereits aus der Meraner Stadtbibliothek kennt. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einem der drei Männer auf einem alten Foto begreift sie, dass es sich um seinen Vater handelt: Emil Felderer, Luis Loipfertinger – und Aschenbrenner senior.

„Das ist Ihr Vater dort auf dem Foto, richtig? Wurde der auch von Emil Felderer verraten, genauso wie der Luis Loipfertinger?“, entfuhr es ihr.
„Ja, das war mein Vater! Er ist tot“, stieß Peter Aschenbrenner hervor. „Bestialisch gequält und ermordet von diesen italienischen Henkersknechten. […] Sein bester Freund hat’s getan, Emil, dieses Schwein. Für Geld hat er ihn verkauft, und unsere Sach gleich mit!“
In Lissies Magen bildete sich ein Kloß, der schnell wuchs. […]
„Sie waren es, Sie haben den Alten erschossen!“, rief Lissie und bereute es sofort. Was machte sie da? Der Mann war nicht nur irre, der war gefährlich.

Peter Aschenbrenner zieht plötzlich eine Pistole und sperrt Lissie in einen Abstellraum. Kurz darauf riecht sie Rauch. Der Wahnsinnige hat Feuer gelegt! Es brennt!


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Später, als Lissie von Spiegel bereits im Krankenhaus liegt, findet Commissario Pavarotti heraus, dass Peter Aschenbrenners Tochter Viola Matern der deutschen Touristin zum Laden ihres Vaters gefolgt war und sie dann aus dem brennenden Gebäude rettete.

„Die blöde Kuh, die bei uns im Hotel wohnt, wollte zu Vater in den Laden, angeblich um einen Föhn zu kaufen“, bequemte sie sich schließlich zu einer Auskunft. „Ich hab aber genau gewusst, dass die bloß schnüffeln wollte.“

Peter Aschenbrenner wird bald darauf gefunden. Er hat sich mit seinem Auto in eine Kiesgrube bei Terlan katapultiert und ist tot.

In einer Alubox hatte er mehrere von Emil Felderer beschriebene Seiten Papier bei sich. Es handelt sich um die Lebensbeichte des Unternehmers, die er vermutlich gerade abgeschlossen hatte, als der Mörder seinem beabsichtigten Selbstmord zuvorkam. Er sei als Sohn von Pachtbauern in der Nähe von Terlan aufgewachsen, heißt es da. Nachdem Emil Felderer mit einem Stipendium Literatur studiert hatte, arbeitete er als freier Journalist für den Lokalteil der „Dolomiten“. Der Verleger, ein fanatischer Anhänger der Südtiroler Autonomiebestrebungen, führte ihn beim Südtiroler Befreiungsausschuss ein, und Emil Felderer verriet einige der „saudummen Burschen“, wie er sie nannte, an den italienischen Geheimdienst.

Peter Aschenbrenner erpresste Emil Felderer seit Jahrzehnten mit der Drohung, ihn als Verräter zu entlarven und am Ende ermordete er ihn.

Um sich in Peter Aschenbrenners Haus umsehen zu können, lässt Commissario Pavarotti die Tür vom Schlüsseldienst öffnen – und trifft im Inneren auf Viola Matern. Offensichtlich suchte sie nach Geld. Also wusste sie von der Erpressung. Und ihr Vater benutzte ihre elektronische Zugangskarte, um vom Hotel Felderer aus in die Privaträume der Familie einzudringen und Emil Felderer zu erschießen. Commissario Pavarotti verhaftet Viola Matern und lässt sie abführen. Als er sich aufs Fensterbrett stützt, kippt die Sandsteinplatte weg, und in dem Hohlraum darunter entdeckt er von Emil Felderer ausgestellte Schuldscheine. Der älteste ist vom Dezember 1992 datiert, also fast 20 Jahre alt.

Zur gleichen Zeit schleicht sich Lissie von Spiegel aus ihrem Krankenhauszimmer und besucht Justus Hochleitner, der auf derselben Etage liegt. Nachdem sie mit ihm gesprochen hat, verlässt sie unbemerkt das Krankenhaus und eilt zum Nikolausstift, wo sie erneut von Elsbeth Hochleitner mit einer Flinte bedroht wird.

Lissie, die gerade mit schlotternden Knien auf einen Stuhl niedersinken wollte, ließ das Vorhaben schleunigst bleiben. Das war jetzt das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass eine Waffe auf sie gerichtet war. Das wird ja langsam zur Dauereinrichtung bei mir, irrlichterte es durch Lissies Kopf. Der Statistik zufolge würde das in diesem Tempo nicht mehr lange gut gehen. Irgendwann drückte jemand ab, und dann war es aus.

Lissie weiß inzwischen, dass Justus Hochleitner von seinem Vater Epilepsie geerbt hat und während eines Anfalls abstürzte. Elsbeth Hochleitner bestätigt ihren Verdacht, dass Karl Felderer am Tod von Justus‘ Vater schuld war, weil er ihm vor einem Anfall beim Aufstieg zur Hohen Weißen die Tabletten aus dem Rucksack genommen hatte und dann zuschaute, wie er abstürzte. Das Gleiche hatte er mit Justus vor.

„Und da haben Sie Karl ermordet, weil Sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten! So war es doch, oder?!“
[…] Elsbeth Hochleitner nickte. „Ich hab gewusst, dass die nächste Bergtour geplant ist. Die Sarner Scharte, ich bitt Sie!“ Die Frau lachte kurz und meckernd. „Da war mir endgültig klar, worauf Karl aus war. Es ging nicht mehr um irgendwelche Machtspielchen oder dass er den tollen Max vor dem Kleinen markiert. Der wollte, dass mein Justus stirbt. Warum, weiß ich nicht. Ich versteh’s nicht.“

Elsbeth Hochleitner gibt zu, Karl Felderer im Hinterhof der Weinstube aufgelauert zu haben. Zuvor hatte sie beim Pfarrer eine Heiligenfigur abgeholt, die sie restaurieren sollte. Damit erschlug sie Karl Felderer, als er gegen die Hauswand urinierte.

Lissie kann die alte Frau nicht aufhalten. Elsbeth Hochleitner radelt zur Talstation der Seilbahn und fährt mit der letzten Kabine, eigentlich nur einer Lastenfuhre, zur Leiter Alm hinauf. Dann geht sie den Hans-Frieden-Felsenweg Richtung Hochmuther und lässt sich an einer Steilwand in die Tiefe fallen.

Am Donnerstag, 12. Mai, packt Lissie ihre Sachen. Inzwischen hat sie sich mit Louisa Felderer angefreundet. Die Witwe hat beschlossen, wieder ihren Mädchennamen Louisa von Gartenstedt anzunehmen. Eigentlich erwartet sie die Niederkunft erst in zwei Wochen, aber als sie bei ihrer neuen Freundin im Zimmer sitzt, platzt die Fruchtblase, und sie bittet Lissie, die Hebamme anzurufen, mit der eine Hausgeburt vereinbart wurde. Die Telefonnummer liege auf Karls Schreibtisch, sagt sie.

Während sich die Hebamme um die Gebärende kümmert, blättert Lissie in einem der Kalender, die auf Karl Felderers Schreibtisch liegen. Sie kann kaum fassen, was sie im Kalender von 2001 liest. Offenbar war Karl Felderer wahnsinnig. Die Frage, die ihn umtrieb, lautete:

„Wie fühlt es sich an, wenn du glaubst, gleich sterben zu müssen?“

„Ich werde ein wissenschaftliches Experiment durchführen, eine Art Fallstudie, bei der ich die Versuchsanordnung genau bestimmen kann. Dass im Verlauf dieser Studie jemand zu Tode kommt, lässt sich natürlich nicht vermeiden.“

Weil die von Emil Felderer ausgestellten Schuldscheine von Peter Aschenbrenner erpresst wurden, sind sie ungültig. Louisa von Gartenstedt erbt das gesamte Vermögen. Sobald sie dazu in der Lage ist, wird sie Meran mit dem Kind verlassen und zu Lissie von Spiegel nach Frankfurt ziehen.

In einem der beiden Abschiedsbriefe, die Elsbeth Hochleitner hinterließ, wird Luciano Pavarotti gebeten, sich um ihren verwaisten Enkel Justus zu kümmern. Da kommt es dem Commissario gelegen, dass unter seiner Leitung in Meran eine Mordkommission eingerichtet wird.

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Mit überbordender Fabulierlaune verknüpft Elisabeth Florin in ihrem Debüt-Kriminalroman „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ die Meran-Reise einer soeben entlassenen Frankfurter PR-Managerin mit aktuellen und Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen. Die Überfrachtung mit verschiedenen Mordfällen, tödlich endendem Verrat und anderen Verbrechen führt jedoch dazu, dass die Handlung auseinanderdriftet, statt am Ende zusammenzulaufen.

Als Ermittler hat sich Elisabeth Florin zwei ebenso farbige wie gegensätzliche Charaktere ausgedacht. Allerdings erscheint es zweifelhaft, ob sich ein italienischer Commissario der Mordkommission in Bozen bei seinen Ermittlungen in Meran von einer deutschen Touristin unterstützen lässt, sie dazu anstiftet, das Hotel zu wechseln und Zeugen bzw. Verdächtige für ihn zu befragen.

Zufälle und Geisteskrankheiten spielen in „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ eine zu große Rolle, und einige Zusammenhänge sind schlichtweg unplausibel, etwa wenn die Obsessionen eines wahnsinnigen Mörders in einem offen herumliegenden Kalender nachzulesen sind.

Die Kapitel in „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ sind chronologisch vom 30. April bis 15. Mai angeordnet. Die teilweise mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Ereignisse hat Elisabeth Florin zum Beispiel in Form von Ermittlungsergebnissen eingebaut. An zwei, drei Stellen erzählt sie auch erst nachträglich in einer Rückblende, was am Tag zuvor geschah. Dieses Stilmittel verwendet sie geschickt.

Weil Elisabeth Florin sich Zeit lässt, die Geschichte zu entwickeln und dabei mit viel Liebe für Südtiroler Lokalkolorit sorgt, bietet „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ eine recht unterhaltsame Lektüre – bestens geeignet für Ferien in oder bei Meran.

Sprachlich hätte der Kriminalroman noch einiges an Politur nötig gehabt. Da wären stereotype Wendungen zu beseitigen gewesen, etwa wenn Lissie und der Kommissar mehrmals beim Aufstehen die Beine aus dem Bett schwingen. Dreimal kollert eine Träne nicht über eine Wange, sondern über eine „Backe“. Auch Wörter wie „Seelenklempner“, „sich berappeln“, „Dreckwäsche“ und Formulierungen wie „seine oberen Extremitäten in Sicherheit bringen“, „höchste Eisenbahn, dass sie sich die Zähne putzte“ oder „den körpereigenen Wasserhahn volle Pulle aufdrehen“ würden zwar unter Umständen in Dialoge passen, gehören jedoch nicht in den übrigen Text. Herunter wird mit hinunter verwechselt, und statt eines linken Busens ist wohl eine weibliche Brust gemeint. Beenden wir die Aufzählung mit einer feindselig zischenden Espressomaschine.

Der auf den Operntenor Luciano Pavarotti anspielende Titel bezieht sich übrigens auf die Ungeschicklichkeit des Kommissars im Umgang mit anderen Menschen, die dessen Vorgesetzter auf Defizite in der Sozialkompetenz zurückführt.

Elisabeth Florin setzte ihre 2013 mit „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ begonnende Romanreihe fort: 2014 bzw. 2016 folgten „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ und „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015
Textauszüge: © Hermann-Josef Emons Verlag

Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod
Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Marguerite Yourcenar - Anna, soror ...
Die kraftvolle, ergreifende Erzählung wirkt wie aus einem Guss, stilistisch homogen und in einem großen Schwung verfasst. Obwohl es sich bei "Anna, soror ..." um ein Jugendwerk Marguerite Yourcenars handelt, ist die Komposition bereits meisterhaft.
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Marguerite Yourcenar

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