William Gaddis : Letzte Instanz

Letzte Instanz

William Gaddis

Letzte Instanz

Originalausgabe: A Frolic of His Own, New York 1994 Übersetzung: Nikolaus Stingl Rowohlt Verlag, Reinbek 1996
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

"Gerechtigkeit? – Gerechtigkeit gibt's im Jenseits, hier auf Erden gibt's das Recht." William Gaddis prangert in diesem Roman die Manie der Amerikaner an, gegen alles und jedes, und sei es noch so nichtig, zu prozessieren.

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Kritik

Mit beißender Ironie stellt William Gaddis in "Letzte Instanz" die Methoden der erfolgreichen (Wirtschafts-)Anwälte und Großkanzleien bloß und nimmt auch die kleinen Winkeladvokaten aufs Korn.

William Gaddis: Letzte Instanz

„Gerechtigkeit? – Gerechtigkeit gibt’s im Jenseits, hier auf Erden gibt’s das Recht.“ Schon dieser erste Satz des Buches veranschaulicht die Haltung des Autors William Gaddis zu seinem Thema: Er prangert die Manie der Amerikaner an, gegen alles und jedes, und sei es noch so nichtig, zu prozessieren. Oft geschieht das durchaus mit dem bewussten Risiko, zu verlieren und auch viel Geld aufs Spiel zu setzen, aber die Erwägung, „die Berufung wird’s schon richten“ überwiegt in den meisten Fällen. Mit beißender Ironie stellt William Gaddis die Methoden der erfolgreichen (Wirtschafts-)Anwälte und Großkanzleien bloß und nimmt auch die kleinen Winkeladvokaten aufs Korn. Die einzige Sprache, die man in deren Kreisen versteht, ist Geld, und: Juristerei ist Sprache, Juristensprache, die außer einem anderen Anwalt niemand versteht – derart sarkastisch bewertet William Gaddis die amerikanische Justiz.

Die Anklagen treiben teilweise seltsame Blüten: So wird zum Beispiel ein Priester dafür verantwortlich gemacht, dass während einer Taufe in einem fließenden Gewässer der Täufling ertrank. Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht ist dem Beklagten nicht nachzuweisen, aber er muss als Schadensersatz die Kleidung im Wert von $ 18.76 zuzüglich einer Zivilstrafe von einem Dollar zahlen. In einem langjährigen Prozess anderer Größenordnung klagt die Kirche gegen Pepsi-Cola, weil die Firma sich durch ein Anagramm deren Namen (Episcopal) zu Eigen gemacht haben soll.

Es werden seitenlangen Gerichtsurteile zitiert, deren Rabulistik für den juristisch unbedarften Leser nicht immer einfach zu verstehen ist. Umso lebendiger sind die Dialoge zwischen den Personen. Die wörtliche Rede mit ihren teilweise abgehackten und unvollständigen Sätzen und oft missverständlichen Formulierungen ist wie vom Mund abgeschaut, sodass die bei den Protagonisten herrschende meistens hektische und aufgeregte Stimmung gut nachzuvollziehen ist.

Der Weg, nicht bloß herauszufinden, „was gerecht, sondern was richtig ist“, ist also ein höchst verschlungener, mit Klagen und Gegenklagen und mit dem Einsatz von viel Geld verbunden – das zeigt mit surrealer, teilweise kafkaesker „Logik“ diese böse Gesellschaftssatire.

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