Der Felsen

Der Felsen

Der Felsen

Originaltitel: Der Felsen - Regie: Dominik Graf - Drehbuch: Markus Busch und Dominik Graf, nach einer Idee von Klaus Maas und Peter Hollweg - Kamera: Benedict Neuenfels - Schnitt: Hana Müllner - Musik: Dieter Schleip - Darsteller: Karoline Eichhorn, Antonio Wannek, Sebastian Urzendowsky, Peter Lohmeyer, Ralph Herforth, Caroline Schreiber, Soraya Gomaa, Ulrich Gebauer, Christian Munteanu, Max Richter, Marlon Kittel, Martin Reinhold u.a. - 2001; 125 Minuten

Inhaltsangabe

Eine etwa 35-jährige Frau begleitet ihren Chef und Liebhaber zu einem einwöchigen Kongress auf Korsika. Dort teilt er ihr mit, dass seine Ehefrau schwanger sei und er deshalb das Verhältnis beenden und vorzeitig nach Deutschland zurückfliegen werde. Katrin bleibt allein zurück und gerät an einen straffällig gewordenen Jugendlichen, der sich in sie verliebt ...

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Kritik

Dominik Graf versucht in "Der Felsen", das Chaotische, das Fraktale der Wirklichkeit wiederzugeben. Einiges erfahren wir aus dem Off. Anderes sehen wir in grobkörnigen, mit einer kleinen Digitalkamera aufgenommen Bildern, die wie Urlaubsvideos aussehen.
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Am Strand von Calvi auf Korsika berichtet ein schwarzer Händler (Eriq Ebouaney) den Touristen von einem angeblichen Brauch aus seiner Heimat: Die Teilnehmer einer Runde wählen jeweils drei Gegenstände aus und legen sie auf den Boden. Dann muss jemand eine Geschichte erzählen, in der die Gegenstände vorkommen. Der letzte hat die Aufgabe, in seiner Erzählung den zuletzt und den zuerst platzierten Gegenstand zu verknüpfen. Gelingt ihm das nicht, verliert er seinen gesamten Besitz und in einigen Fällen sogar sein Leben.

Jürgen (Ralph Herforth) kauft bei dem Straßenhändler einen Ring aus Korallen und dazu passende Ohrringe. Er nimmt an einem einwöchigen Kongress in Calvi teil und hat seine Geliebte dabei, Kathrin (Karoline Eichborn), eine Frau Mitte dreißig, die als technische Zeichnerin für ihn arbeitet. Am fünften Tag gesteht er ihr, dass seine Ehefrau Andrea, die nichts von dem Ehebruch ahnt, schwanger sei und er deshalb beschlossen habe, ihr wieder treu zu sein. Den Schmuck hat er für Andrea gekauft. Er reist vorzeitig ab. Im letzten Augenblick, und von Jürgen unbemerkt, greift Kathrin nach der Tüte mit dem Ring und den Ohrringen. Sie will noch drei Tage bleiben, um Abstand zu gewinnen und mit sich ins Reine zu kommen.

In einem Straßencafé brütet sie über einer Ansichtskarte an ihre Mutter. Aber was soll sie schreiben? Schließlich wirft sie die leere Karte in einen Papierkorb auf der Straße. Dort fischt ein kleiner Junge, der herumläuft und von Touristen weggeworfene Gegenstände einsammelt, die Karte wieder heraus.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird Kathrin auf der Straße von ein paar Jugendlichen aus Deutschland angemacht. Einer von heißt Malte (Antonio Wanneck). Er geht mit ihr in eine Diskothek und stiehlt ihr unbemerkt den Korallen-Ring. Als sie danach betrunken in ihrem Wagen sitzt, wird sie von zwei Männern angesprochen. Die beiden bringen sie in ein privates Schlafzimmer und gehen mit ihr ins Bett. Anschließend fordern sie Kathrin auf, es nebenan auch noch mit dem Besitzer der Wohnung zu treiben.

Am nächsten Tag wählt sie die Nummer von Jürgens Apparat in der Firma und hinterlässt auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht, er möge ihr Geld schicken, denn ihre EC-Karte funktioniere plötzlich nicht mehr.

In der Nacht schreckt sie hoch: Im Badezimmer rauscht Wasser. Sie sieht nach und stößt auf Malte, der durch die offene Balkontür in ihr Hotelzimmer eingedrungen ist. Er wolle mit ihr zusammen sein, erklärt der Jugendliche. Während er im Zimmer auf sie wartet, schließt sie sich für eine Weile im Bad ein, um ihre verwirrten Gedanken zu ordnen. Währenddessen verlässt er das Hotel. Sie bemerkt das Fehlen des Ringes und fährt ihm nach. Den habe er ihr bereits in der Diskothek gestohlen, gesteht Malte; er hat ihn nicht mehr, verspricht jedoch, Ersatz zu beschaffen. Für den nächsten Vormittag verabreden sie sich zum Tauchen.

Als Malte zur vereinbarten Zeit nicht zum Strand kommt, fährt Kathrin zu dem Camp, von dem er ihr erzählt hat. Dort trifft sie auf Robert (Peter Lohmeyer), den Leiter des Camps, der ihr erzählt, es handele sich um ein Zeltlager, das im Rahmen eines Resozialisierungprogramms für straffällig gewordene Jugendliche aus Deutschland eingerichtet wurde. Malte sei sechzehn und am Morgen dazu eingeteilt worden, die Viehzäune eines Bauern zu reparieren.

Der Junge läuft jedoch während der Arbeit fort, obwohl er damit riskiert, nach Deutschland zurückgeschickt zu werden und seine Haftstrafe verbüßen zu müssen. Aber der Wunsch, Kathrin wiederzusehen ist stärker als seine Furcht vor den Folgen.

Unvermittelt entdeckt Kathrin ihren Bikini in der Hutablage des von Jürgen benutzten Leihautos. Statt nach Deutschland zurückzufliegen, ist er mit einer dunkelhaarigen Frau (Soraya Comaa) auf Korsika unterwegs!

Mit einem im Camp gestohlenen Auto sucht Malte nach Kathrin. Die beiden werden von dem Besitzer eines Tauchladens gesehen, der sowohl Malte als auch das Auto kennt und Robert telefonisch verständigt.

Malte lotst Kathrin zu einem kleinen Hotel in einem Bergdorf und mietet dort ein Zimmer. Sie hat nicht vor, mit dem Jungen ins Bett zu gehen und setzt sich stattdessen mit ihm ins Restaurant, um etwas zu trinken und zu essen. Plötzlich steht sein kleiner Bruder Kai (Sebastian Urzendowsky) – das Kind, das von Touristen fortgeworfene Gegenstände einsammelt – vor ihnen. Robert hat ihn geschickt: Wenn es ihm gelingt, Malte zur Rückkehr ins Camp zu bewegen, will Robert versuchen, ein deutsches Touristenpaar (Caroline Schreiber, Ulrich Gebauer) als Pflegeeltern für ihn zu gewinnen. Malte will sich nicht stellen, denn er weiß, dass er dann in ein deutsches Gefängnis muss. Mit einer Pistole, die Kai ihm zusteckt, schießt er aus dem Fenster und brüllt: „Ich geh‘ nicht mehr zurück!“ Robert lauert an einer Straßenecke, aber Kathrin verhilft Malte zur Flucht.

Sie und die beiden Jungen verstecken sich in den Bergen. Malte und Kathrin lieben sich. Am anderen Morgen lässt er das Auto über einen Abhang hinunterkrachen. Kathrin packt die Pistole in ihren Rucksack und geht allein los. Unterwegs wirft sie die Waffe in einen Gebirgsbach.

Als Jürgen allein auf einem Waldweg vom Hotel zum Strand geht, wird er von Malte verfolgt.

Das deutsche Touristenpaar, das sich für Kai interessiert hatte, erklärt Robert vor der Abreise, es fühle sich der Erziehung des Jungen nicht gewachsen. Die beiden verabschieden sich am Fährhafen von Kai. Als der Junge merkt, dass sie ihn nicht mitnehmen wollen, beißt er die Frau in die Hand, rennt mit dem Kopf gegen eine Steinmauer und stürzt sich dann ins Wasser. Robert holt ihn heraus und bringt ihn ins Krankenhaus, wo eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wird.

Kathrin wird im Hotel von einer Polizistin (Nicole Max) aufgesucht. Man habe den Mann, der nach Zeugenaussagen bis vor zwei Tagen mit ihr zusammen gewesen sei, in der Nähe des Strands zusammengeschlagen. Als Täter wird Malte gesucht. Jürgen liegt bewusstlos im Krankenhaus, aber die Ärzte sind zuversichtlich, dass er genesen wird. Auf Fotos bei seinen Sachen erkennt Kathrin die dunkelhaarige Frau wieder, mit der er zuletzt zusammen war: Es handelt sich um eine italienische Kellnerin, die sich durch Liebesdienste für Touristen hin und wieder etwas zusätzlich verdient. Kathrin begreift, dass ihre Liebesbeziehung mit Jürgen längst zu Ende war und sie sich zuletzt nur noch an eine Hoffnung geklammert hatte.

Von Robert erfährt sie, dass Malte seinen Vater umgebracht hat. Eine halbe Nacht dauerte es, bis er verblutet war.

Ihren Charterflug hat sie versäumt. Im Reisebüro sagt man ihr, dass alle Flüge und Schiffspassagen der nächsten vierundzwanzig Stunden ausgebucht sind.

Malte taucht wieder bei ihr auf. Sie will nicht wissen, wieso er Jürgen zusammenschlug und verrät ihm auch nicht, dass sie ihn kennt. Sie verspricht dem Jungen, ihn von Korsika wegzubringen und verabredet sich mit ihm in einem Café. In einer Diskothek flirtet sie mit einem Mann nach dem anderen, bis sie einen gefunden hat, der bereit ist, sie und „ihren Sohn“ auf seiner Yacht nach Italien zu bringen.

Bereits in der Nacht setzt Malte sich in dem Straßencafé, in dem er am nächsten Morgen Kathrin erwartet, an einen Tisch und schläft dort ein. Robert und einige andere Männer entdecken ihn dort. Auf der Flucht springt der Junge durch ein Schaufenster, reißt sich dabei die Halsschlager auf und verblutet, bevor die Sanitäter eintreffen.

Wie versprochen, kommt Kathrin in das Café. Sie entdeckt eine notdürftig mit Sägemehl aufgesogene Blutlache und erfährt von der Bedienung, was geschehen ist.

Auf dem Weg zum Hafen begegnet sie Kai. Sie nimmt ihn mit, lädt ihn zu einem Frühstück ein und findet bei seinen Sachen auch die Ansichtskarte, die sie für ihre Mutter gekauft hatte. Der Yachtbesitzer legt ohne sie ab.

Wie an jedem Morgen, baut der schwarze Straßenhändler seinen Stand am Strand auf.

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„Der Felsen“ ist eine Liebesgeschichte und zugleich ein Sozialdrama, handelt von der Selbstfindung einer Frau und weist außerdem Thriller-Elemente auf. Es geht Dominik Graf jedoch nicht um psychologische Erklärungen, sondern er versucht, das Chaotische, das Fraktale der Wirklichkeit filmisch wiederzugeben. Statt Ursachen und Wirkungen nachzuspüren, verknüpft er Figuren, Gegenstände und Schauplätze mehr oder minder zufällig. Wer nicht bereit ist, darauf einzugehen und nur auf Plausibilität achtet, wird mit „Der Felsen“ wenig anfangen können.

Einiges erfahren die Kinobesucher von einer weiblichen (Jeanette Hain) und einer männlichen Stimme aus dem Off. Anderes sehen sie in grobkörnigen, an Urlaubsvideos erinnernden Bildern, die Benedict Neuenfels mit einer Mini-DV-Kamera aufgenommen hat. Szenen, die nicht im Sonnenschein gedreht wurden, sind sparsam ausgeleuchtet, so dunkel, dass kaum etwas zu erkennen ist, und mitunter bleibt der Bildschirm überhaupt dunkel, während der Ton weiter zu hören ist.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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Am Beispiel von Einzelschicksalen aus ganz verschiedenen sozialen Schichten zeigt Anatole France die Grausamkeit einer Terrorherrschaft, die im Dienst einer Ideologie in alle Lebensbereiche vordringt. "Die Götter dürsten" ist eine vehemente Anklage gegen Fanatismus und Intoleranz jeder Art.
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