Kommissar Süden und der Luftgitarrist

Kommissar Süden und der Luftgitarrist

Kommissar Süden und der Luftgitarrist

Originaltitel: Kommissar Süden und der Luftgitarrist – Regie: Dominik Graf – Drehbuch: Friedrich Ani nach seinem Roman "Süden und der Luftgitarrist" – Kamera: Alexander Fischerkoesen – Schnitt: Christel Suckow – Musik: Dieter Schleip – Darsteller: Ulrich Noethen, Martin Feifel, Jeanette Hain, Johanna Bantzer, Hubertus Hartmann, Christine Adler, Harry Täschner, Anka Sarstedt, Alexander Scheer, Philipp Moog, Nina Proll, Sascha Alexander Gersak, Franziska Schlattner, Olivia Pascal, Lena Baader, Philipp Sonntag u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

München 2008. Die Vermisstenstelle, bei der Hauptkommissar Tabor Süden tätig ist, hat viel zu tun. Der Taxifahrer Ludwig Hornung behauptet, seine Ehefrau Rosina in der U-Bahn gesehen zu haben, obwohl er deren Asche im Ostfriedhof bestatten ließ, nachdem sie als eines der Opfer des Tsunami am 26. Dezember 2004 identifiziert worden war. Südens Kollege Martin Heuer vermisst Edward Loos, der wie er in der Freizeit als Luftgitarrist auftritt. Loos scheint nach seinem Halbbruder Aladin Garnier zu suchen, der seit zehn Monaten verschwunden ist ...
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Kritik

In "Kommissar Süden und der Luftgitarrist" – der Verfilmung des Romans "Süden und der Luftgitarrist" von Friedrich Ani – gibt es weder eine stringente Handlung noch einen einheitlichen Spannungsbogen. Aus einem Nebeneinander von Handlungssträngen entsteht ein melancholisches Panorama vom brüchigen Leben in einer Großstadt.
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München 2008. Bei der von Volker Thon (Hubertus Hartmann) geleiteten Vermisstenstelle des Münchner Polizeidezernats 11, die bei der Identifizierung der Tsunami-Opfer vom 26. Dezember 2004 beteiligt war, meldet sich der Taxifahrer Ludwig Hornung (Philipp Moog) und behauptet, seine damals für tot erklärte Ehefrau Rosina (Nina Proll) in der U-Bahn gesehen zu haben. Die Mitarbeiter der Vermisstenstelle – Tabor Süden (Ulrich Noethen), Martin Heuer (Martin Feifel), Sonja Feyerabend (Jeanette Hain), Freya Epp (Johanna Bantzer), Paul Weber (Harry Täschner) – können sich das nicht vorstellen, aber sie überprüfen den Fall.

Tabor Süden und Sonja Feyerabend befragen Evelin Nehle (Franziska Schlattner), die 2004 mit ihrer Freundin Rosina in Thailand war. Die Boutiquen-Besitzerin behauptet, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie Rosina von der Welle fortgerissen wurde.

Weitere Nachforschungen ergeben, dass damals tatsächlich zwei Befunde vertauscht wurden. Bei der Asche in der Urne, die Ludwig Hornung auf dem Ostfriedhof bestatten ließ, handelt es sich um die einer anderen seit dem Tsunami vermissten Frau.

Kurz darauf taucht Rosina Hornung auf. Sie hatte nach dem Tsunami in Thailand ein neues Leben begonnen – ohne ihren Mann, von dem sie wie ein Anhängsel behandelt worden war. Vor vier Tagen kam sie nach München, um hier alles aufzulösen. Sie sei nicht mehr die Frau von früher, erklärt sie Hornung. Der will sie mit Gewalt bei sich behalten und prügelt sich mit ihr, aber sie kann sich losreißen und ihm entkommen.

Die sechzehnjährige Schülerin Vanessa Wegner ist von zu Hause fortgelaufen. Auch in diesem Fall wird die Vermisstenstelle tätig.

Obwohl viel zu tun ist, nervt Martin Heuer seine Kollegen damit, dass der achtundzwanzigjährige technische Zeichner Edward Loos (Alexander Scheer) verschwunden sei. Loos, der in einem Architekturbüro in Frankfurt am Main beschäftigt ist, kam nach München, um – wie Martin Heuer – bei der deutschen Ausscheidung zur Weltmeisterschaft der Luftgitarristen mitzumachen. Da es keine Vermisstenanzeige gibt, will Volker Thon keinen Mitarbeiter für die Suche nach Edward Loos abstellen, aber Tabor Süden spürt, dass Martin Heuer sich zu Recht Sorgen macht und veranlasst Mildred Loos (Anka Sarstedt), ihren Sohn Edward als vermisst zu melden. Von dessen drei Jahre jüngerem Halbbruder Aladin Garnier hörte sie allerdings schon seit zehn Monaten nichts mehr. Mildred Loos, die früher als Souffleuse und Synchronsprecherin arbeitete, hat schon lange nur noch sporadisch Kontakt mit ihren Söhnen. Mit deren Vätern Marvin und Victor war sie nur kurz zusammen gewesen.

In der Pension Flora, in der Edward ein Zimmer hat, nimmt Tabor Süden verblüfft zur Kenntnis, dass der Luftgitarrist einen leeren Gitarrenkoffer besitzt. Das Gepäck des Vermissten ist da; auch sein Reisepass liegt im Schrank.

Tabor Süden und Martin Heuer fahren zu Aladin Garniers Haus in der Lerchenau. Dort wohnen Richard Diestel (Sascha Alexander Gersak) und Sibylle Haffner (Christine Adler). Aladin habe es ihnen überlassen, behaupten sie. Und sie wollen ihn seit zehn Monaten nicht mehr gesehen haben. Erst bei einer zweiten Vernehmung gibt Sibylle zu, dass Aladin vor einem halben Jahr noch einmal im Haus war und ein paar Sachen einpackte. Sie habe sich darüber gewundert, sagt sie, dass er einen Mantel und einen gelben Hut trug, obwohl es sommerlich warm war.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Während Martin Heuer sich bei der Prostituierten Lilo (Olivia Pascal) entspannt, mit der er liiert ist, verbringen Tabor Süden und Sonja Feyerabend ein Schäferstündchen in einem Hotelzimmer. Gleich darauf werden sie zu Evelin Nehles Boutique gerufen.

Aus Wut warf Ludwig Hornung einen Molotow-Cocktail in die Auslage. Er wollte sich nur dafür rächen, dass Evelin seiner Frau geholfen hatte, ihren Tod vorzutäuschen. Aber das Geschäft brannte völlig aus – und in den Trümmern findet die Feuerwehr Rosinas Leiche. Hornung wusste nicht, dass sie während ihres Aufenthaltes in München im Laden ihrer Freundin übernachtete. Er wird verhaftet.

Aladin Garnier soll die Nächte trotz der Kälte in einem am Luitpold-Park geparkten Volvo verbringen. Der Mann, der ein Haus besitzt und bis vor drei Jahren professionell Fußball spielte, dann aber wegen verschiedener Verletzungen siebzehn Mal operiert werden musste, scheint völlig aus dem Tritt gekommen zu sein.

In einer Kneipe am Luitpold-Park stoßen Tabor Süden und Martin Heuer auf Edward Loos. Mit ihm zusammen suchen sie weiter. Schließlich fällt Tabor Süden in einer Nebenstraße ein Volvo auf. Er kratzt etwas Reif von einer Seitenscheibe weg, um ins Innere des Fahrzeugs schauen zu können – und erblickt Aladin Garnier. Der Fünfundzwanzigjährige ist erfroren.

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So wie der „gesellige Einzelgänger“ Tabor Süden stehen bleibt, wenn andere sich setzen, unterscheidet sich auch der Fernsehfilm „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ von anderen Krimis. Es gibt weder eine stringente Handlung noch einen einheitlichen Spannungsbogen, sondern mehrere Handlungsstränge, die sich parallel entwickeln und nichts miteinander zu tun haben, außer dass in allen Fällen die Vermisstenstelle des Münchner Polizeidezernats 11 involviert ist. Aus diesem Nebeneinander entsteht ein melancholisches Panorama vom brüchigen Leben in einer Großstadt.

Bei „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ handelt es sich um die Verfilmung des Buches „Süden und der Luftgitarrist“ (Knaur Taschenbuch, München 2003, 189 Seiten, ISBN: 3-426-62075-8, 7.95 €). Friedrich Ani schrieb nicht nur den Roman, sondern auch das Drehbuch, und Dominik Graf führte Regie. Hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen von Ulrich Noethen und Martin Feifel.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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Aus Erinnerungen und einem nachdenklichen Monolog komponiert Javier Marías den Roman "Der Gefühlsmensch". Indem er den roten Faden immer wieder an anderen Stellen anknüpft, wiederholt, variiiert und kontrapunktiert er das Hauptthema und verwischt die Grenzen zwischen Realität und Imagination.
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