Der Rote Kakadu

Der Rote Kakadu

Der Rote Kakadu

Originaltitel: Der Rote Kakadu – Regie: Dominik Graf – Drehbuch: Karin Åström, Michael Klier, Günter Schütter – Kamera: Benedict Neuenfels – Schnitt: Christel Suckow – Musik: Dieter Schleip – Darsteller: Max Riemelt, Jessica Schwarz, Ronald Zehrfeld, Tanja Schleiff, Ingeborg Westphal, Peter Schneider, Kathrin Angerer, Devid Striesow, Klaus Manchen u.a. – 2006; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Wir erleben die letzten Wochen in der DDR vor dem Mauerbau aus der Perspektive von Jugendlichen, die in der legendären Tanzbar "Roter Kakadu" in Dresden Rock 'n' Roll tanzen und von Agenten der Staatssicherheit argwöhnisch beobachtet werden. Der 20-jährige Bühnenmaler Siggi ist einer von ihnen. Er hat sich in Luise verliebt, die mit dem Schürzenjäger Wolle verheiratet ist, und drängt sie, mit ihm in den Westen zu gehen, wo sie ihre Gedichte veröffentlichen könnte ...
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Kritik

"Der Rote Kakadu" ist mit Themen und Episoden überfrachtet. Überzeugend sind die Atmosphäre und die bis ins Detail sorgfältige Ausstattung des Films.

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Siggi (Max Riemelt) kann gut zeichnen und möchte Bühnenbildner werden. In der Hoffnung, später an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig studieren zu können, zog der Zwanzigjährige kürzlich zu seiner Tante Hedy (Ingeborg Westphal) nach Dresden und begann dort an der Semperoper eine Ausbildung als Bühnenmaler.

In einem Park trifft Siggi im April 1961 auf eine Gruppe Jugendlicher, die dort Rock ’n‘ Roll tanzt. Am Rand der Szene steht Luise (Jessica Schwarz), eine junge Frau, von der Siggi sich sofort angezogen fühlt. Bevor die nicht genehmigte Tanzveranstaltung richtig angefangen hat, treffen Einheiten der Volkspolizei ein und knüppeln die Jugendlichen auseinander. Siggi hilft Luise, die einen Schlag auf den Kopf bekommen hat, bei der Flucht. Nach hundert Metern werden sie von Luises Ehemann Wolle (Ronald Zehrfeld) eingeholt. Bevor Wolle und Luise verschwinden, erfährt Siggi noch, dass sie regelmäßig in der Tanzbar „Roter Kakadu“ im Stadtteil Weißer Hirsch sind.

Am Abend geht Siggi zu der Tanzbar, aber der Türsteher (Mike Zaka Sommerfeldt) lässt ihn wegen seiner billigen Kleidung nicht hinein. Um sich einen besseren Anzug kaufen zu können, stiehlt Siggi eine Meißen-Figur seiner Tante und verkauft sie einem Antiquitätenhändler (Michael Gerber) in Westberlin. Mit der neuen Garderobe bekommt er Zutritt zum „Roten Kakadu“ und sitzt von da an häufig mit Wolle und Luise am Tisch.

Weil im „Roten Kakadu“ neben Unterhaltungsmusik aus der DDR und russischer Folklore vor allem Jazz, Blues und Rock ’n‘ Roll live gespielt wird, lässt das Ministerium für Staatssicherheit die Besucher beobachten. Als Wolle eines Abends einen Tanzenden als Stasi-Offizier (Lutz Teschner) erkennt, uriniert er unbemerkt in dessen Sektglas. Der Agent lässt sich nichts anmerken und trinkt das Glas aus, aber er ahnt, wer ihm den Streich gespielt hat und wird sich an Wolle rächen.

Wolle und Luise kannten sich schon als Kinder. Mit zwölf überlebte Wolle als Einziger seiner Familie die alliierten Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Obwohl er Luise liebt, treibt er es zwischendurch auch mit der Sängerin Rena (Tanja Schleiff). Luise weiß, dass er ihr nicht treu ist, aber sie hält es für wichtiger, dass sie sich jederzeit auf ihn verlassen kann. Sie arbeitet in einer Schnapsfabrik und schreibt Gedichte, die sie allerdings nicht veröffentlichen kann, weil sie nicht linientreu sind.

Bei der Arbeit am Theater wird Siggi dem Dramaturgen Dr. Hurwitz (Devid Striesow) vorgestellt und zugleich vor ihm gewarnt: Hurwitz sei ein politischer Aufpasser, heißt es. Es dauert auch nicht lang, bis er Siggi als Spitzel gewinnen will, aber der junge Künstler lehnt das ab.

An einem der nächsten Abende rät ein Unbekannter Siggi übers Tischtelefon, das Lokal sofort zu verlassen, weil Wolle festgenommen werden soll. Siggi warnt Wolle und läuft mit ihm und Luise fort. Wolle wird von den Geheimpolizisten erwischt, zu Boden gedrückt und festgehalten, während ihm der von ihm kürzlich provozierte Stasi-Offizier ins Gesicht uriniert. Man wirft ihm staatsfeindliche Hetze vor und nimmt ihn fest.

Siggi und Luise retten sich mit ihrem ebenfalls aus dem „Roten Kakadu“ geflohenen Freund Walti (Volker Michalowski), dem „kleinen“ Lewerenz, in die Villa seines Vaters, des „großen“ Lewerenz (Klaus Manchen), eines früheren Fabrikanten, der den jungen Leuten rät, sich in den Westen abzusetzen, bevor die Grenzen dichtgemacht werden. Siggi wäre dazu bereit. Er hält Luise vor Augen, dass es in der BRD keine Zensur gibt, aber für die überzeugte Sozialistin kommt Republikflucht nicht in Frage: Für sie ist die DDR das bessere System, und sie ist zuversichtlich, dass die negativen Züge im Lauf der Zeit beseitigt werden können.

„Der Rote Kakadu“ muss schließen.

Während Wolle im Gefängnis sitzt, stiehlt Siggi einer Freundin seiner Tante Hedy zwei Meißen-Figuren, und von dem Geld, das ihm der Antiquitätenhändler in Westberlin dafür bezahlt, lässt er einen Band mit Luises Gedichten drucken. Statt sich über das Geschenk zu freuen, wirft Luise das Buch in weitem Bogen in die Elbe: „Dafür kann man in den Knast wandern!“, schreit sie. Sobald Siggi fort ist, fischt sie das Buch schluchzend aus dem Wasser, und zu Hause trocknet sie die Seiten mit dem Bügeleisen.

Aufgrund seines Umgangs mit Wolle und dessen Clique im „Roten Kakadu“ wird Siggi nicht zum Studium zugelassen. Er soll sich erst einmal als Arbeiter in einem Straßenbahndepot bewähren und dort wieder Anschluss an die werktätige Bevölkerung finden.

Wolle wird aus der Haft entlassen, aber er soll Luise bespitzeln.

Als Siggi erfährt, dass Luise wegen des Lyrikbandes festgenommen wurde, gibt er bei der Staatssicherheit zu Protokoll, dass er hundert Exemplare des Buches als Überraschung für Luise drucken ließ.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nicht nur der Wirt (Frank Auerbach) der Tanzbar „Roter Kakadu“, sondern auch die Musiker und einige der Gäste müssen sich vor Gericht verantworten. Alle bis auf Siggi werden zu Haftstrafen verurteilt. Luise spuckt Siggi vor die Füße, denn aus dem Freispruch für ihn schließt sie, dass er eine Verpflichtungserklärung gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit unterschrieb und sie verriet.

Im Treppenhaus des Gerichtsgebäudes wird Wolle bei einem Fluchtversuch niedergeschossen. Man bringt den Schwerverletzten in ein Krankenhaus.

Die von Siggi bestohlene Freundin seiner Tante hat den Diebstahl der Meißen-Figuren inzwischen bemerkt und angezeigt. Als Siggi in der Wohnung seiner Tante verhaftet werden soll, hält Hedy die Beamten hin, damit er durchs Fenster entkommen kann.

Bevor er sich nach Westberlin in Sicherheit bringt, drängt er Luise noch einmal, mitzukommen. Sie will warten, bis Wolle aus dem Krankenhaus entlassen wird, aber sie verabredet sich mit Siggi im Westen.

Zusammen mit dem „großen“ Lewerenz gelangt Siggi nach Westberlin. In einem Hotel treffen sie den Sohn des früheren Unternehmers, der schon vor einigen Tagen die DDR verließ, und Siggi begreift plötzlich, dass Walti Luise wegen des Lyrikbandes verraten hatte.

In der Nacht zum 13. August 1961 wird die Grenze abgeriegelt und mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen.

Luise schreibt in einem Brief, sie bleibe mit Wolle in dem Land, in dem sich das Leben lohne. Danach hört Siggi nie wieder etwas von ihr.

Er bekommt eine Anstellung als Bühnenmaler, und 1966 hat er seine erste Ausstellung.

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In „Der Rote Kakadu“ von Dominik Graf geht es um die letzten Wochen in der DDR vor dem Mauerbau. Wir erleben die Zeit aus der Perspektive von Jugendlichen, die in der legendären Tanzbar „Roter Kakadu“ in Dresden Rock ’n‘ Roll tanzen und von Agenten der Staatssicherheit argwöhnisch beobachtet werden. Eine Dreiecksgeschichte, ein Konflikt zwischen einem jugendlichen Schürzenjäger und einem brutalen Stasi-Offizier sowie ein Verrat unter den jungen Leuten sorgen für die erforderliche Dramatik. Das Drehbuch wurde allerdings mit Themen und Episoden überfrachtet; es wirkt nicht geschlossen. Dass die Filmemacher den fehlenden Humor in „Der Rote Kakadu“ hin und wieder durch Klamauk ersetzt haben, ist kein Gewinn, sondern ein Stilbruch. Überzeugend sind dagegen die Atmosphäre und die bis ins Detail sorgfältige Ausstattung des Films. Auch die Verschiedenartigkeit der drei Charaktere Siggi, Luise und Wolle ist gelungen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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