Marie Hermanson : Muschelstrand

Muschelstrand

Marie Hermanson

Muschelstrand

Originalausgabe: Musselstranden Albert Boniers Förlag, 1998 Muschelstrand Übersetzung: Regine Elsässer Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 2000 ISBN: 3-518-41182-9, 298 Seiten, 39.80 DM (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Ein erfolgreiches Journalistenpaar scheint mit den vier eigenen Kindern und einer Adoptivtochter eine Vorzeigefamilie zu bilden. Aber die aus Indien stammende Adoptivtochter Maja erträgt die Umarmungen der anderen nur passiv: sie ist Autistin. Als das vierjährige Mädchen sechs Wochen lang verschwunden bleibt und nach dem Wiederauftauchen nicht verrät, wo es in der Zwischenzeit war, stehen die Gattmanns vor einem Rätsel. Diese Konfrontation mit dem Unerklärlichen – und verdrängte Schuldgefühle – lassen die Familie zerbrechen.
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Kritik

Wie geschickt der Roman "Muschelstrand" von Marie Hermanson aufgebaut ist, erkennt man erst am Ende, wenn deutlich wird, dass das ganze Buch von einer der Figuren geschrieben wurde und es sich bei einem der beiden Hand­lungs­stränge um eine Geschichte in der Geschichte handelt.
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Ulrika wächst als Einzelkind auf. Sie wohnt mit ihren Eltern in Göteborg. Im Sommer 1961 verbringt die Familie erstmals die Ferien in einem neu gebauten Sommerhaus bei Bohuslän. In der Nähe hat die aus Stockholm stammende Familie Gattmann ihr Sommerhaus. Bei Karin und Åke Gattmann handelt es sich um Journalisten und Buchautoren. Åkes Vater Tor ist Professor für Literaturgeschichte und wohnt mit seiner Ehefrau Sigrid ebenfalls in dem Haus. Die vierjährige Ulrika wünscht sich beim ersten Anblick der Familie am Strand, dass das jüngste der vier Kinder ihre Freundin werde, aber sie wagt es im Sommer 1961 nicht, das gleichaltrige Mädchen anzusprechen. Erst im Sommer darauf kommen Ulrika und Anne-Marie ins Gespräch, und obwohl sie sich nur während der Sommermonate sehen, freunden sie sich im Lauf der Zeit so eng miteinander an, dass Ulrika mehr Zeit im Sommerhaus der Gattmanns als bei ihren Eltern verbringt.

Anne-Maries Bruder Jens ist zwei Jahre älter. Außerdem sind da noch zwei deutlich ältere Schwestern: Lis und Eva. 1969 bringen die Gattmanns auch Maja mit in ihr Sommerhaus. Das 16 Monate alte Kind war ihnen im Frühjahr während einer Reportage in Indien in einem Kinderheim in Bangalore aufgefallen. Nachdem sie die Formalitäten für die Adoption erledigt hatten, reisten sie noch einmal hin und holten Maja nach Schweden.

In diesem Jahr kommen auch Karins Mutter, Jens‘ Freund Mårten mit seinen Eltern, der Künstler Nor Norin und Åkes Brüder Sven und Dan Gattmann, beides Ärzte, mit ihren Familien nach Bohuslän.

Zum Leidwesen vor allem Karins erträgt Maja Liebkosungen ihrer Adoptiveltern, ohne sie zu erwidern. Das kleine Mädchen aus Indien läuft nur Anne-Marie nach, möglicherweise, weil diese nicht versucht, sie zu umarmen oder zu küssen, sondern sie in Ruhe lässt. Auch im Alter von vier Jahren spricht Maja noch kein einziges Wort, obwohl sie offenbar sehr gut versteht, was andere sagen und die Ärzte feststellen, dass die Sprech- und Gehörorgane intakt sind.

Im Sommer 1972 haben Ulrikas Eltern keine Zeit für einen Urlaub und vermieten das Sommerhaus deshalb einer Familie aus Borås. Die 15-jährige Ulrika darf allerdings bei den Gattmanns wohnen und mit Anne-Marie in einem Zimmer schlafen. Ein Bett ist für sie frei, weil Eva sich in diesen Wochen in einem Kibbuz in Israel aufhält.

Die Mittsommernacht wollen Anne-Marie und Ulrika, Jens und sein Freund Mårten, die 21-jährige Lis und ihrer Verlobter Stefan auf der kleinen Insel Kannholmen verbringen. Aber als sie gerade die Leinen des Bootes lösen, kommt Maja angelaufen und widersetzt sich Anne-Maries Versuchen, sie zurück ins Haus zu zerren. Jens schlägt daraufhin vor, die Vierjährige mitzunehmen, und nachdem Anne-Marie der Mutter Bescheid gesagt hat, machen sie sich zu siebt auf den Weg. Auf Kannholmen bauen sie ihre drei Zelte auf. Nach der kleinen Mittsommernachtsfeier, bei der einiges getrunken wird, lässt Ulrika sich von Jens überreden, statt mit Anne-Marie im Zelt mit ihm zusammen in einem Schlafsack im Freien zu schlafen.

Am nächsten Morgen vermissen sie Maja. In welchem Zelt hat sie geschlafen? Niemand weiß es. Die sechs jungen Leute und einige andere Jugendliche, die die Mittsommernacht ebenfalls hier gefeiert haben, suchen die ganze Insel ab. Vergeblich. Die Polizei setzt schließlich auch Hubschrauber ein, aber Maja wird nicht gefunden. Die Geschwister und ihre Freunde machen sich Vorwürfe, nicht besser auf die Vierjährige aufgepasst zu haben.

Sechs Wochen später entdeckt eine Familie – Rolf und Ulla Magnusson mit ihrem Sohn Reine – während eines Bootsausflugs ein kleines Mädchen, das auf einem schätzungsweise 15 Meter hohen Felsvorsprung steht. Reine sucht nach einem Aufstieg, findet aber keine Möglichkeit, auch nur in die Nähe des Kindes zu kommen. Von einem anderen Boot aus wird ein Notruf abgesetzt. Die Dunkelheit ist schon hereingebrochen, als sich ein Feuerwehrmann im Scheinwerferlicht von einer höher gelegenen Stelle der Klippen abseilt und das Kind birgt, das auf einer Fläche stand, die gerade groß genug für die kleinen Füße war. Es handelt sich um Maja. Sie ist gesund, wohlgenährt, und ihre Kleidung ist sauber. Sie muss sich also während der sechs Wochen in der Obhut einer älteren Person befunden haben.

Tor und Sigrid Gattmann schlafen bereits, als Maja gerettet wird. Am nächsten Morgen sitzen sie ahnungslos beim Frühstück. Da steht unvermittelt Maja vor ihnen. Tor erleidet vor Aufregung einen Gehirnschlag und muss ins Krankenhaus gebracht werden.

Zwei Wochen später wird Ulrika von ihrem Vater abgeholt und freut sich auf den bevorstehenden Schulwechsel. Anne-Marie will jedoch nicht weiter aufs Gymnasium gehen, sondern ins Ausland. Ulrika kriegt zwei Ansichtskarten von ihr: die erste aus Kalifornien, wo Anne-Marie als Au-pair-Mädchen tätig ist, und dann aus Texas, wo sie in einer Reinigung zu arbeiten angefangen hat. Danach hört Ulrika nichts mehr von ihrer Freundin.

Ihr Vater berichtet ihr einige Zeit später, dass Tor Gattmann starb und Åke und Karin sich scheiden ließen.

Ulrika arbeitet schließlich als Forschungsassistentin am Institut für Ethnologie. Ihr Spezialgebiet sind Mythen über sogenannte Bergentrückungen oder -verschleppungen, also Legenden über Menschen, die von einem Troll oder einem anderen übernatürlichen Wesen entführt und an einem unzugänglichen Ort gefangen gehalten werden. Ihrer Meinung nach entstanden diese Erzählungen, weil es für die Mutter eines vermissten Kindes und andere Angehörige leichter zu ertragen ist, an eine solche Entführung zu glauben, als sich vorzustellen, dass das Kind sich verirrt hat und nun verdurstet, verhungert oder erfriert. Unter der Annahme, dass das Kind von einem übernatürlichen Wesen gekidnappt wurde, sind auch die Schuldgefühle aufgrund verletzter Aufsichtspflicht geringer.

1996 fährt Ulrika mit ihren neun bzw. sechs Jahre alten Söhne Jonathan und Max nach Bohuslän.

Ihr geschiedener Mann Anders lebt inzwischen mit einer Frau namens Åse und der zweijährigen Tochter Hedda zusammen. Alle drei Wochen sind Max und Jonathan von Freitagabend bis Montagmorgen dort.

Durch ein Fenster blickt Ulrika ins Innere des Sommerhauses der Familie Gattmann. Überrascht stellt sie fest, dass sie ihre eigene Wohnung in Majorna nach diesem Muster eingerichtet hat. Das war ihr nicht bewusst. Auch den Muschelstrand, auf dem 1972 Maja verschwand und wieder auftauchte, zeigt sie den Jungen. Beim Herumstöbern entdecken Max und Jonathan in einer Felsengrotte ein menschliches Skelett. Handelt es sich um einen Höhlenmenschen? Vorsichtshalber verständigt Ulrika die Polizei in Tångevik.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Toten um die seit November 1972 vermisste Kristina Lindäng handelt.

Nachdem Ulrika die Söhne wieder einmal zu Anders und Åse gebracht hat, fährt sie erneut zum Sommerhaus der Gattmanns. Wie damals liegt ein – inzwischen allerdings verrosteter – Schlüssel in seinem Versteck. Ulrika schließt die Tür auf, sieht sich im Inneren um und legt sich schließlich in eines der gemachten und unbenutzten Betten in dem Zimmer, das sie sich 1972 mit Anne-Marie teilte. Sie schläft ein.

Als sie aufwacht, wundert sie sich über den Geruch frischen Brotes. Jens Gattmann sitzt in einem der Zimmer und tippt auf einem Laptop. Es dauert eine Weile, bis er sie erkennt. Kein Wunder, denn als sie sich zuletzt sahen, war Ulrika 15, jetzt ist sie 39.

Jens erzählt Ulrika, dass das Haus seiner Mutter gehört. Sie benutzt es allerdings nicht, sondern hat sich mit sieben anderen katholischen Frauen in eine Art Klostergemeinschaft auf Gotland zurückgezogen. Um das Ferienhaus kümmern sich Eva und ihr Ehemann, die bei der Volkshochschule in Småland beschäftigt sind. Jens ist übers Wochenende hier; am Montag wird ihn seine Frau Susanne abholen.

Nach Majas Verschwinden und Wiederauftauchen zerbrach die Ehe seiner Eltern. Åke lebte einige Zeit mit einer Frau namens Mona zusammen. Er verfiel immer stärker dem Alkohol [Alkoholkrankheit], wurde schließlich obdachlos und erfror 1989 auf der Straße. Karin hatte das Haus im Stockholmer Stadtteil Bromma verkauft und war mit Maja in eine Wohnung auf Kungsholmen gezogen, später dann nach Varberg. Als Karin psychisch zusammenbrach und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, kam Maja in eine therapeutische Wohngemeinschaft in Stenungssund, wo sie noch immer lebt. Die Ärzte diagnostizierten bei ihr Autismus.

Ein Jahr nach dem Tod seines Vaters wurde Jens von Mona angerufen. Sie übergab ihm Papiere des Verstorbenen. Es handelte sich um Textentwürfe, die alle um dasselbe Thema kreisten: ein weggegebenes Kind. Jens fragte seine Mutter, ob sie sich das erklären könne, und sie gab unumwunden etwas zu, was sie ihren Kindern bis dahin verschwiegen hatte. Bei der Eheschließung war sie 17 Jahre alt und schwanger gewesen. Sie brachte dann eine Tochter mit einem schweren Geburtsfehler zur Welt, die sie auf Drängen der Angehörigen und der Ärzte in einem Heim aufwachsen ließ. Als Karin mit Eva zum zweiten Mal schwanger war, starb Lena – so hieß die Erstgeborene – an einer Grippe. Weil Karin und Åke das Kind weggegeben hatten, litten sie unter Schuldgefühlen. Mit der Adoption Majas wollten sie vermutlich etwas gutmachen. Umso schlimmer muss es für sie gewesen sein, dass die Adoptivtochter sich so distanziert verhielt. Als Jens mit seiner Mutter darüber sprach, äußerte sie die Überzeugung, Maja sei in den sechs Wochen, als sie nicht aufzufinden war, bei Lena gewesen. Damit tröstete sich Karin.

Am Sonntagabend gibt Jens Ulrika das Manuskript zu lesen, das er soeben fertiggestellt hat. Es beginnt mit den Worten:

Sie bewegt sich in einer grauen Welt. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Sie liebt diese Welt ohne Licht und Dunkel, eine Welt ohne Schatten, ohne Farben. Nichts ist wirklich sichtbar, und nichts ist wirklich verborgen, alles ist Ahnung, Verwechslung.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Jens schreibt, wie er sich Majas Verschwinden erklärt.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Frau, deren Skelett Ulrikas Söhne 24 Jahre nach der Vermisstenmeldung am Muschelstrand fanden: Kristina Lindäng.

Kristina war ein schüchternes und schweigsames Kind. Nach dem Abitur begann sie Kunstgeschichte zu studieren, doch weil die Dozenten von ihr eine Beteiligung an den Diskussionen verlangten, brach sie das Studium zum Entsetzen ihrer Eltern bald wieder ab und arbeitete zwei Jahre lang als Putzfrau in einem Krankenhaus. Als sie der Arbeit fernblieb, nur noch mit Tiermasken vor dem Gesicht aus dem Haus ging und ihr Essen auf den Fußboden kippte, um es wie ein Tier aufzunehmen, ließen die Eltern sie in eine psychiatrische Klinik bringen.

Dort wurde Kristina eines Tages von einem Mann angesprochen. Er brachte sie dazu, mit ihm Minigolf zu spielen. Dann zerrte er sie in ein Zypressengehölz und vergewaltigte sie. Kristina wehrte sich nicht; sie war wie gelähmt.

Nach diesem Erlebnis hatte sie kein Mitleid mehr mit Tieren, die von einem Raubtier gefangen und gefressen werden. Sie meinte zu verstehen, wie die sich dabei fühlen. Eine Klarheit in der Angst. Unterwerfung. Schweigen. Der Geist des Beutetiers.

Nach der Entlassung aus der Psychiatrie wohnte die 21-Jährige vorübergehend in einem Apartment und nahm täglich an einer Beschäftigungstherapie im Krankenhaus teil. Gudrun Samuelson, eine Sozialarbeiterin aus Lillhagen, verhalf ihr schließlich zu einer Unterkunft in einer abgelegenen Hütte auf der Landzunge Kalvön. So primitiv es war, es gefiel Kristina; sie fühlte sich dort wohl.

Am Morgen nach der Mitsommernacht 1972 paddelte sie mit einem Kajak, das sie im April einem 17- oder 18-jährigen Jungen abgekauft hatte, vor dem Muschelstrand und sah die Zelte der Leute, die hier gefeiert hatten. Alle schliefen noch, bis auf ein kleines Mädchen, das in den Sand urinierte. Ohne ein Wort zu sprechen, nahm Kristina das Kind in die Arme und brachte es zu ihrer Hütte.

Als die Hubschrauber und die vielen lauten Leute endlich fort waren, gingen Kristina und das Kind gern zum Muschelstrand. Dort entdeckten sie einen Gang zwischen den Felsen, durch den sie zu einer Nische hinaufklettern konnten, die sie sich auspolsterten. Von dort aus beobachteten sie die Möwen.

Einmal schlief Kristina dort ein, und als sie aufwachte, stand das Kind weiter oben auf einem Felsvorsprung und konnte weder vor noch zurück. Kristina hörte den Motor eines Bootes und Stimmen von der anderen Seite des Felsens. Dann kamen weitere Boote, und schließlich sah sie zu, wie sich ein Feuerwehrmann zu dem Mädchen abseilte und es in Sicherheit brachte.

Der Verlust traf Kristina tief. Zum ersten Mal fühlte sie sich einsam. Einige Zeit später ging sie mit einer Thermosflasche voll Tee und allen verfügbaren Tabletten gegen ihre Krankheit zum Muschelstrand. Dort trank sie den Tee und schluckte alle Tabletten.

Die Sozialarbeiterin Gudrun Samuelson war kurz zuvor noch bei ihr gewesen. Dabei hatte sie den Eindruck gewonnen, dass Kristina die Psychopharmaka überdosierte. Als sie im November 1972 mit zwei Sanitätern zurückkam, um Kristina zu holen, war sie nicht mehr da.

Bevor Jens und Ulrika sich am Montag verabschieden, zeigt er ihr noch ein Foto von Anne-Marie, die seit damals in Texas geblieben ist. Sie hat drei Kinder, war ein paar Mal verheiratet und ebenso oft geschieden. Auf dem Schnappschuss ist Anne-Marie vor einem Gartengrill abgebildet.

Sie trug Shorts und ein T-Shirt, das Fett quoll nach allen Seiten.

Meine goldene Anne-Marie. Die Honig-Anne-Marie. Bergentrückt in ihrem Fett.

Sogar auf diesem schlechten Foto, sogar in diesem fetten Körper hatte sie eine Art Strahlglanz, einen Blick in den Augen, einen Zug um den Mund, etwas Freches und Lockendes und Unerreichbares. oder bildete ich mir das nur ein? War es nur, weil Jens gesagt hatte, es sei Anne-Marie? Bevor er es mir gesagt hatte, hatte ich doch nur eine übergewichtige Frau mittleren Alters ohne jede Ausstrahlung gesehen.

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Ein erfolgreiches Journalistenpaar scheint mit den vier eigenen Kindern und einer Adoptivtochter eine Vorzeigefamilie zu bilden. Åke und Karin Gattmann sind gebildet und glauben, dass sie sich rational verhalten. Aber die aus Indien stammende Adoptivtochter Maja erträgt ihre Umarmungen nur passiv, und es stellt sich heraus, dass es sich bei ihr um eine Autistin handelt. Als das vierjährige Mädchen sechs Wochen lang verschwunden bleibt und nach dem Wiederauftauchen nicht verrät, wo es in der Zwischenzeit war, stehen die Gattmanns vor einem Rätsel. Diese Konfrontation mit dem Unerklärlichen in Verbindung mit notdürftig verdrängten Schuldgefühlen lässt die Familie zerbrechen.

Marie Hermanson erzählt in ihrem Roman „Muschelstrand“ abwechselnd aus zwei Perspektiven. In den mit „Ulrika“ überschriebenen Kapiteln kommt eine Ich-Erzählerin zu Wort, die in ihrer Kindheit bzw. Jugend mit der jüngsten Tochter der Gattmanns befreundet ist, die Familie bewundert und Maja um ihren Platz darin beneidet. Im Alter von 39 Jahren kehrt Ulrika noch einmal an den Ort des Geschehens zurück und befreit sich dabei von den Illusionen aus der Vergangenheit. Jedes zweite Kapitel in „Muschelstrand“ trägt den Namen „Kristina“. In diesen Abschnitten entwickelt Marie Hermanson einen zweiten Handlungsstrang, in dessen Mittelpunkt eine junge Frau steht, von der in der dritten Person Singular erzählt wird.

Wie geschickt der Roman „Muschelstrand“ aufgebaut ist, erkennt man erst am Ende, wenn deutlich wird, dass das ganze Buch von einer der Figuren geschrieben wurde und es sich bei einem der beiden Handlungsstränge um eine Geschichte in der Geschichte handelt.

Hier noch zwei Zitate aus „Muschelstrand“:

Alles ist Chaos, man muss sich selbst eine Ordnung schaffen.

Es gibt Menschen, die einen Schlüssel zu uns haben. Die Räume aufschließen können, die wir immer in uns haben, aber in denen wir noch nie waren.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013
Textauszüge: © Suhrkamp Verlag

Marie Hermanson: Der Mann unter der Treppe

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