Johannes Laudage : Otto der Große

Otto der Große

Johannes Laudage

Otto der Große

Otto der Große Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2001
Buchbesprechung

Inhaltsangabe


Wissenschaftliche Biografie über das Leben und Wirken Ottos des Großen (912 - 973), der seinem Vater Heinrich I. 936 auf den Königsthron folgte und 962 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde.


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Kritik

Was Johannes Laudage darlegt, folgert er vor den Augen des Lesers nach kritischer Prüfung aus den verfügbaren Urkunden und Überlieferungen: "Otto der Große".
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Bevor der Mediävist Johannes Laudage auf die „Welt der Kindheit“ von Otto dem Großen eingeht, schildert er eingehend die Schwierigkeit, anhand der wenigen verfügbaren Quellen ein Bild seiner Persönlichkeit, seines Charakters und seiner Beweggründe zu entwerfen — zumal die Zeitzeugen voreingenommen waren, sich bei ihren Beschreibungen an Stereotypen orientierten und mehr auf politische Taten als auf körperliche und psychische Eigenschaften achteten. Außerdem setzte bereits früh die Legendenbildung ein.

Gleich zu Beginn zeigt Laudage an einem Beispiel, dass mittelalterliche Chronisten nicht immer die Plausibilität ihrer Darstellungen nachprüften. So berichtet der Mönch Ekkehard über einen Besuch Ottos im Kloster von St. Gallen „am Vorabend von Christi Himmelfahrt, der damals auf den Tag der heiligen Jungfrau Pudentiana fiel“. Diese Konstellation ergab sich 947, 958 und 969 — aber zu diesen Zeitpunkten hielt Otto sich nicht in der Nähe des Bodensees auf. Tatsächlich besuchten er und sein gleichnamiger Sohn das Kloster am 14. August 972 — am Vorabend von Mariae Himmelfahrt! Ekkehard erzählt, der Kaiser sei nicht nur von seinem Sohn Otto, sondern auch von seinem Schwiegersohn begleitet worden. Konrad der Rote kam jedoch im August 955 bei der Schlacht auf dem Lechfeld ums Leben — ein Vierteljahr bevor Otto II. überhaupt geboren wurde. Aus der Luft gegriffen sind die Überlieferungen nur selten — aber es ist schwierig, ihren wahren Kern zu erkennen.

Leseprobe aus dem Schlusskapitel, in dem Johannes Laudage Bilanz zieht:


Die jahrhundertelange Verbundenheit von Deutschland, Italien und Burgund, das alle drei Reiche überwölbende Kaisertum, die latente Konkurrenzsituation zu Frankreich und die feindliche Abgrenzung von der heidnischen Slavenwelt, die Lehnsabhängigkeit der dänischen Könige und das Problem der ungeklärten Grenzen in Mittel- und Süditalien — all das und vieles mehr beruht auf Grundlagen, die in der Epoche Ottos des Großen geschaffen oder doch erheblich ausgebaut wurden. Es gibt also gar keinen Zweifel: Wir haben es mit einer Achsenzeit zu tun, die als Phase beschleunigten Wandels zu begreifen ist.
Allerdings lagen diese Ergebnisse zu keiner Stunde, also auch nicht in den letzten Jahren des Herrschers, im Rahmen dessen, was Otto propagiert oder beabsichtigt hat. Seine bewusst angestrebten Ziele waren oft eher kurzatmig und situationsabhängig, dienten in erster Linie der Steigerung der eigenen Autorität und der Stabilisierung einer ganz auf die eigene Person zugeschnittenen Regierungsform. Von ihnen ging kaum eine werbewirksame Kraft aus; selbst der Missionsgedanke und die sakramentale Fundierung des Herrscheramtes sahen sich lebhafter Kritik ausgesetzt. Wenn überhaupt, dann kann man allenfalls in Bezug auf die verwandtschaftliche Vernetzung mit der Elite Burgunds und Westfrankens von einer die unmittelbare Machtsphäre transzendierenden Konzeption sprechen. Eine wirklich zündende gesamtfränkische Reichsidee aber besaß Otto nicht; er musste sich daher seine Hegemonialstellung mühsam erkämpfen.

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Johannes Laudage verfügt über stupende Kenntnisse. Er legt keine romanartige Lebensgeschichte vor, sondern schildert das Leben Ottos des Großen anhand der verfügbaren Quellen und zeigt, wie er sich akribisch-gewissenhaft mit den verfügbaren Urkunden und Überlieferungen auseinandersetzt. Obwohl an jeder Stelle deutlich ist, wie er das Gesagte nach kritischer Prüfung aus Dokumenten folgert, lässt sich die Biografie „Otto der Große“ flüssig lesen.

Johannes Laudage (*1959) studierte Geschichte, Katholische Theologie und Historische Hilfswissenschaften. Mit 24 Jahren promovierte er und sechs Jahre später habilitierte er sich. Nach Lehrtätigkeiten in Köln, Mainz, Braunschweig, Heidelberg, Bonn und München übernahm er 1999 den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002
Textauszüge: © Verlag Friedrich Pustet

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