Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die Entdeckung der Unendlichkeit – Originaltitel: The Theory of Everything – Regie: James Marsh – Drehbuch: Anthony McCarten, nach dem Buch "Mein Leben mit Stephen Hawking. Die Liebe hat elf Dimensionen" von Jane Hawking – Kamera: Benoît Delhomme – Schnitt: Jinx Godfrey – Musik: Jóhann Jóhannsson – Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, David Thewlis, Harry Lloyd, Simon McBurney, Abigail Cruttenden, Maxine Peake, Emily Watson u.a. – 2014; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Der geniale Kosmologie-Student Stephen Hawking verliebt sich 1962 in die Romanistik-Studentin Jane Wilde. Die beiden heiraten 1965, obwohl bei Stephen inzwischen eine amyotrophische Lateral­sklerose diagnostiziert wurde und die Lähmungserscheinungen fortschreiten. Bald ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Aber er promotivert und forscht weiter. Als sich der Organist Jonathan Hellyer Jones zu einem engen Freund der Familie entwickelt und die Pflegerin Elaine Mason eingestellt wird, verschieben sich die Beziehungen ...
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Kritik

Wir begleiten das zunehmend ge­lähmte Genie Stephen Hawking von 1962 bis 1989. Trotz seiner Krank­heit handelt es sich bei "Die Entdeckung der Unendlichkeit" um eine ermutigende, lebensfrohe Geschichte, die von Eddie Redmayne und Felicity Jones überzeugend gespielt wird.
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Nach dem Physik-Studium in Oxford wechselt Stephen W. Hawking (Eddie Redmayne) 1962 an die Universität Cambridge, um sich mit Kosmologie zu befassen. Sein Kommilitone Brian (Harry Lloyd), mit dem er sich ein Zimmer im Studentenwohnheim teilt, wundert sich darüber, wie wenig Stephen arbeitet, obwohl er die schwierigsten Aufgaben bewältigt. Seine Lösungen kritzelt er mitunter rasch auf die Rückseite irgendwelcher Zettel, aber Professor Dennis Sciama (David Thewlis) erkennt dennoch die Genialität des Studenten.

Bei einer Studentenfete kommt Stephen Hawking mit der Romanistik-Studentin Jane Wilde (Felicity Jones) ins Gespräch. Die junge, regelmäßig zur Kirche gehende Frau fragt, was Kosmologie sei, und er antwortet, dass es sich dabei um die Wissenschaft für religiöse Atheisten handele. Er arbeite an der alles umfassenden Formel für die Erklärung des unendlichen Weltalls, sagt Stephen. Zum Abschied schreibt Jane ihm ihre Telefonnummer auf, und er holt sie bald darauf zum Maiball ab.

An einem der nächsten Sonntage wartet er vor der Kirche, bis sie aus der Messe kommt und nimmt sie mit nach Hause zum Mittagessen, um sie seinen Eltern Frank und Isobel (Simon McBurney, Abigail Cruttenden) vorzustellen.

Ein Vortrag von Roger Penrose (Christian McKay), den Stephen Hawking mit Prof. Sciama zusammen in London besucht, lenkt seine Aufmerksamkeit auf das Konstrukt der Schwarzen Löcher bzw. Singularitäten.

Nachdem Stephen Hawking kurz vor seinem 21. Geburtstag auf dem Campus gestürzt ist, wird er medizinisch untersucht. Danach eröffnet ihm der Arzt, dass er voraussichtlich innerhalb von zwei Jahren an einer Motoneuron-Erkrankung sterben werde. Im Lauf dieser Zeit werde er durch die amyotrophische Lateralsklerose (ALS) seine Bewegungsfähigkeit immer stärker einbüßen. Stephen fragt, ob er auch seinen Verstand verlieren werde. Nein, das Gehirn sei von der Erkrankung nicht betroffen, antwortet der Arzt, allerdings werde er seine Gedanken nicht mehr äußern können.

Die niederschmetternde Diagnose stürzt Stephen Hawking in eine schwere Depression. Er will nur noch allein sein. Als Jane anruft, legt er auf, ohne sich gemeldet zu haben. Daraufhin geht sie zu ihm und bringt ihn dazu, wie besessen eine Partie Croquet mit ihr zu spielen. Jane will Stephen trotz der deprimierenden Perspektive nicht aufgeben. Am 14. Juli 1965 heiraten die beiden.

Stephen Hawking promoviert 1965/66 und übernimmt Lehr- und Forschungsaufgaben an der Universität Cambridge. Seine Vorlesungen hält er im Rollstuhl sitzend. Dennis Sciama fördert ihn weiterhin, und schließlich beruft die Hochschule Stephen Hawking auf einen eigenen Lehrstuhl.

Jane Hawking, die inzwischen zwei Kinder geboren hat – Robert (Lottie Hamilton, Rufus Taylor, Oliver Payne, Tom Prior) und Lucy (Delilah Sexton, Raffiella Chapman, Sophie Perry) –, fühlt sich durch die Situation zunehmend überfordert. Doch obwohl Stephen sich kaum noch bewegen kann und immer häufiger an Erstickungsanfällen leidet, will er keine Pflegerin einstellen. Sie seien eine normale Familie, erklärt er. Beryl Wilde (Emily Watson) schlägt ihrer verzweifelten Tochter Ende 1977 vor, beim Kirchenchor mitzusingen, um einen Ausgleich für die enorme Belastung zu finden und auf andere Gedanken zu kommen.

Jonathan Hellyer Jones (Charlie Cox), der junge Organist und Leiter des Kirchenchors, dessen Ehefrau ein Jahr zuvor an Leukämie starb, freut sich über den Neuzugang, erteilt darüber hinaus Janes Sohn Robert Klavierunterricht und wird zu einem engen Freund der Familie Hawking. Als Jane dann noch einmal schwanger wird, argwöhnt ihre Mutter, dass Jonathan der Vater des Kindes sei.

Während der Wagnerianer Stephen nach Bordeaux fliegt, um ein Konzert seines Lieblingskomponisten zu hören, fährt Jane auf seinen Vorschlag hin mit Jonathan und den Kindern zu einem Camping-Platz. Sie stellen zwei Zelte auf, aber als die Kinder eingeschlafen sind, schleicht Jane sich zu Jonathan hinüber.

Stephen Hawking bricht im Konzertsaal zusammen, wird ins Krankenhaus gebracht und fällt ins Koma. Der behandelnde Arzt rät Jane, die künstliche Beatmung ausschalten zu lassen. Aber sie will nichts von Sterbehilfe wissen. Sie besteht darauf, ihren Mann in einem Flugzeug nach England zurückzubringen.

Dort muss ein Luftröhrenschnitt vorgenommen werden, der ihm das bisher bereits mühsame Sprechen vollends unmöglich macht. Als Jane eine Buchstabiertafel besorgt, weigert Stephen sich, sie zu benutzen. Erst als sie die Pflegerin Elaine Mason (Maxine Peake) einstellt, nutzt Stephen die Buchstabiertafel, um mit der selbstbewussten jungen Frau zu kommunizieren. Elaine ist begeistert von seiner Intelligenz und seinem Witz.

Bald wird die Buchstabiertafel durch einen Schreib- und Sprachcomputer ersetzt. Damit verfasst Stephen Hawking das Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“.

Jane entnimmt dem Manuskript, dass er die Existenz Gottes nicht mehr ausschließt. Das freut sie, aber wenige Minuten später kündigt Stephen an, dass Elaine ihn zu einer Ehrung in den USA begleiten werde.

Während die beiden fort sind, geht Jane in die Kirche zu Jonathan, der sich nach dem Camping-Aufenthalt von der Familie Hawking zurückgezogen hat. Sie küsst ihn und nimmt die Liebesbeziehung mit ihm neu auf, denn sie weiß, dass sie ihren Mann an Elaine verloren hat.

Obwohl sie nun beide andere Partner haben, lässt sich Stephen Hawking von Jane begleiten, als er 1989 von Königin Elisabeth II. empfangen und zum Companion of Honor ernannt wird.

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Der Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ von Anthony McCarten (Drehbuch) und James Marsh (Regie) basiert auf dem 2008 von Jane Hawking veröffentlichten Buch „Die Liebe hat elf Dimensionen. Mein Leben mit Stephen Hawking„. Aber es ist nicht nur ein Biopic, sondern auch ein Melodram, das eine große Bandbreite von Gefühlen evoziert. „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ beginnt wie eine unbeschwerte Liebeskomödie, entwickelt sich dann aber zu einer ergreifenden Krankengeschichte und einem Liebesdrama mit vier Personen.

Anthony McCarten und James Marsh beschränken sich auf die Zeit von 1962 bis 1989. Sie erzählen linear und chronologisch. Nur die teilweise recht krasse Farb­regie ist ungewöhnlich. Stephen Hawkings kosmologische Theorien zu erläutern, wird gar nicht versucht. Nur schwer nachvollziehen lässt sich Janes große Liebe. Aber es ist gelungen, trotz der deprimierenden Krankheit des Protagonisten eine ermutigende und lebensfrohe Geschichte ohne falsche Sentimentalität zu entwickeln. Dazu tragen vor allem Eddie Redmayne und Felicity Jones mit ihren schauspielerischen Leistungen bei. Eddie Redmayne verkörpert den Gelähmten nicht nur überzeugend, sondern es gelingt ihm darüber hinaus, mit den wenigen am Ende verbliebenen mimischen Möglichkeiten den englischen Humor und die Selbstironie des Kosmologen auszudrücken. Damit macht Eddie Redmayne „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zu einem ganz besonderen Film.

Er wurde dafür mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Für einen „Oscar“ nominiert hatte man „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ auch in den Kategorien Bester Film, Beste Hauptdarstellerin (Felicity Jones), Bestes adaptiertes Drehbuch (Anthony McCarten) und Beste Filmmusik (Jóhann Jóhannsson).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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