Christian Oelemann : Nur raus damit!

Nur raus damit!

Christian Oelemann

Nur raus damit!

Nur raus damit! Originalausgabe: Illustrationen: Volker Fredrich Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien 2004 ISBN: 3-522-17677-4, 140 Seiten, 8.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Der Wuppertaler Gymnasiast Caesar Thelen ist heimlich in seine Mitschülerin Julia Terstegen verliebt, wagt jedoch aus Angst vor einer Abfuhr nicht, es ihr zu sagen und weiß deshalb auch nicht, ob sie seine Gefühle teilt. Als sein Freund Dirk Dautzenberg Moderator der Fernsehsendung "Nur raus damit!" wird, in der Jugendliche mit Liebeskummer oder Fragen zu sexuellen Themen anrufen, überschlagen sich die Ereignisse ...
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Kritik

In der Rolle des jugendlichen Protagonisten erzählt Christian Oelemann flott und humorvoll, aber ohne Effekthascherei. "Nur raus damit!" ist kein verklemmtes Jugendbuch, in dem mit erhobenem Zeigefinger belehrt wird.
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Der pubertierende Gymnasiast Caesar Thelen wohnt mit seiner 34-jährigen, als Maskenbildnerin an der Oper und am Stadttheater in Wuppertal arbeitenden Mutter Sabine in einem heruntergekommenen Fachwerkhaus im Flüsterbach-Wald. Da ist die Miete für sie noch erschwinglich. Seinen Vater kennt Caesar nicht, denn er wurde bei einem One-Night-Stand nach einer Künstlerfete in Paris gezeugt, obwohl seine Mutter die Pille genommen hatte.

In der Stadtbibliothek, wo Caesar nachsieht, ob neue Jazz-CDs eingetroffen sind, wird er von einem dicken, hässlichen und ungewaschenen Jungen angesprochen. Der heißt Dirk Dautzenberg und begeistert sich ebenfalls für Jazz. Mit seiner 52-jährigen, Motorrad fahrenden Großmutter zusammen spielt er Saxophon. Marion Hasenclever ist übrigens die Mutter seines Vaters, heißt jedoch anders, denn ihr Sohn nahm bei der Eheschließung den Namen seiner Frau an.

Weil Dirk ihn ansprach, befürchtet Caesar, er könne schwul sein. Als er es seiner Mutter erzählt, fragt sie rhetorisch: „Ja und, wo liegt das Problem?“ Die beiden Jungs werden Freunde.

Heimlich ist Caesar in seine Mitschülerin Julia Terstegen verliebt. Als Dr. Dr. Horatius Schmitz-Werlé, bei dem die Klasse Deutsch und Geschichte hat, Julia einmal bei einem Diktat an der Tafel demütigt, setzt Caesar sich für sie ein, obwohl seine Mutter ihm geraten hat, nicht noch einmal den Zorn des Lehrers auf sich zu lenken. Vor ein paar Tagen wurde sie nämlich in die Schule zitiert, und Dr. Dr. Horatius Schmitz-Werlé beschwerte sich darüber, dass Caesar vor der Klasse verraten hatte, dass er eigentlich Horst Schmitz heißt. Zuvor war Caesar allerdings von ihm wegen der Namensgleichheit mit dem römischen Imperator verspottet worden.

Lucy Herrmanns bewirbt sich bei einem Casting für eine Nebenrolle in einem Film. Ihre Freundin Julia schlägt Caesar vor, mit ihr hinzugehen, aber am Eingang des Gymnasiums, in dem das Casting stattfindet, werden sie abgewiesen, denn es sind keine Zuschauer zugelassen. Auf der Straße treffen Julia und Caesar zufällig Dirk. Der geht hier zur Schule und versteht sich gut mit dem Hausmeister. So gelangen sie zu dritt durch einen Nebeneingang ins Gebäude. Der Weg zur Turnhalle, wo das Casting stattfindet, führt durch den Heizungskeller und eine Toilette für Jungs. Ausgerechnet dort stoßen sie auf den Filmschauspieler Boris Weibscheu. Der schickt sie zwar wieder zurück, meint zuvor aber noch, Julia hätte bei dem Casting gute Chancen gehabt und lässt sich von ihr den Namen und die E-Mail-Adresse geben.

Ein paar Tage später erhält Julia eine Mail von Boris Weibscheu. Marcus Riedinger, sein bester Freund, ist Produzent und Redakteur der an jedem Samstagabend von Meike Bosbach und Fabian von Feiertag im Wechsel moderierten Fernsehsendung „Nur raus damit!“. Weil Fabian von Feiertag überraschend abgesprungen ist, benötigt Marcus Riedinger dringend Ersatz. Und Boris Weibscheu glaubt, dass der dicke Junge, der bei seiner kurzen Begegnung mit Julia dabei war, beim jugendlichen Publikum gut ankommen würde, weil er glaubwürdig aussieht.

Dirk wird tatsächlich genommen und von einem Psychologen auf seine Rolle vorbereitet. Sein Problem ist vor allem, dass die Sendung von jugendlichen Anrufern mit Liebeskummer oder Fragen zu sexuellen Themen lebt, er aber schon rot wird, wenn nur das Wort Büstenhalter fällt.

Während Dirk für die Sendung übt, erfährt Caesar, dass Julia sich von Thomas trennte. Bis dahin wusste er gar nicht, dass sie einen Freund gehabt hatte. Um mehr darüber herauszufinden, geht er zu ihrer Freundin Rebecca Becker. Die empfängt ihn in Slip und BH. Als jemand anruft, sagt sie lachend, sie sei nicht angezogen, und Caesar sei bei ihr. Caesar ist bestürzt, denn er will nicht, dass in der Schule über ihn und Rebecca getuschelt wird.

Zu Hause versucht er, das Bild von Rebecca in Slip und BH aus dem Kopf zu kriegen. Aber dann stellt er sich Julia anstelle von Rebecca vor und beginnt zu masturbieren. Das Telefon klingelt. Er springt auf, stolpert über seine heruntergelassene Hose, verletzt sich am Knie. Am nächsten Morgen ist es geschwollen. Sabine holt ihren Freund Wiglaf Wenzel, der bei ihr übernachtet hat, Arzt ist und sofort feststellt, dass es sich um eine Blutvergiftung handelt. Caesar muss ins Krankenhaus. Aber dort erträgt er es nicht, dass sein Bettnachbar im Fernsehen ständig Viva laufen hat. Wiglaf befreit ihn schließlich von dem „Popschrott“ und aus der „Viva-Hölle“, indem er mit dem behandelnden Arzt von Kollege zu Kollege spricht und die Verantwortung für Caesars Behandlung zu Hause übernimmt.

Dirks erste Sendung trägt den Titel: „Küss mich endlich, du Trottel! Wenn Jungs sich nicht recht trauen“. Wegen des Lampenfiebers bittet er seinen Freund, unter falschem Namen den ersten Anrufer zu spielen und spricht mit Caesar dessen Frage ab.

Am Mittwoch vor der Sendung vertraut Dirk seinem Freund in einem Telefongespräch an, dass er sich in Meike Bosbach verknallt habe, es jedoch aus Furcht vor einer Zurückweisung nicht wage, sie darauf anzusprechen.

„Du, ich hätte den Megatipp für dich!“, kam es mir spontan. „Am Samstag gibt es eine Sendung, bei der verknallte Jungs anrufen können, um sich Rat zu holen.“

Als Dirk daraufhin das Gespräch abbricht, merkt Caesar, dass sein Freund den Witz nicht lustig fand. Er will zurückrufen und sich entschuldigen, erfährt aber von Marion Hasenclever, dass ihr Enkel mit seinem Vater nach Köln unterwegs ist und bis zur Sendung dort im Hotel wohnen wird.

Am Samstagabend meldet Caesar telefonisch seine mit Dirk abgesprochene Frage für „Nur raus damit!“ an und schaltet dann die Sendung ein. Aber an seiner Stelle sagt ein 15-Jähriger namens Holger Weinlast den von Dirk vorgegebenen Text auf. Hat Caesar seinen Freund mit dem Witz so verletzt, dass dieser nichts mehr von ihm wissen will?

Das vierte Telefongespräch in der Sendung führt Dirk mit – Julia. Sie sagt, sie habe sich wegen ihres Mitschülers Caesar von ihrem Freund getrennt, aber nun erfahren, dass Caesar mit einer Anderen zusammen sei, das habe diese ihr selbst gesagt. Während Dirk ihr rät, Caesar offen darauf anzusprechen, meldet sich eine Mitarbeiterin des WDR bei Caesar und fordert ihn auf, den Ton des Fernsehgeräts leiser zu stellen, um Rückkoppelungen zu vermeiden. Was soll das jetzt? Caesar kann Holger Weinlasts Frage doch nicht noch einmal stellen. Dirk, der selbstverständlich nicht verrät, dass er den Anrufer gut kennt, fragt:

„Warum rufst du an, Caesar?“
„Tja, ich weiß nicht, ich bin jetzt irgendwie völlig von der Rolle.“

Am Ende bringt Caesar nur heraus:

„Ich habe keine andere und ich liebe dich, Julia!“

Dann legt er bestürzt auf.

Der Rest der Geschichte ist so kitschig, dass ich ihn einfach nicht erzähle. Höchstens noch den Anfang vom Ende.

Als das Telefon erneut klingelt, hebt Caesar nicht ab. Eine halbe Stunde später hält ein Taxi vor dem Haus, und Julia steigt aus. Sie müsse gleich wieder zu ihren Eltern zurück, erklärt sie, und der Taxifahrer wolle nicht lange warten. Dann sagt sie noch:

„Küss mich doch endlich, du Trottel!“

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Eine Lehrerin erzählte mir, dass die Jungs an ihrer Realschule Lesen für uncool halten und deshalb beim Betreten der Schulbibliothek nicht von Mitschülern gesehen werden möchten. Für die 12- bis 15-Jährigen unter ihnen hat Christian Oelemann eine Jugendbuchreihe unter dem Motto „Für Mädchen verboten!“ geschrieben. Einer der Bände trägt den Titel „Nur raus damit!“

Im Mittelpunkt der flott und humorvoll erzählten Handlung steht ein Gymnasiast, der in eine Mitschülerin verliebt ist, aber nicht wagt, es ihr zu sagen und deshalb auch nicht weiß, dass sie seine Gefühle erwidert. Ohne Effekthascherei entwickelt Christian Oelemann die einfache Geschichte. Sprachlich orientiert er sich an der Schnoddrigkeit Jugendlicher, ahmt jedoch nicht deren „mega geile“ Redewendungen nach. „Nur raus damit!“ ist kein verklemmtes Jugendbuch, in dem die Leser mit erhobenem Zeigefinger belehrt werden. Da kichern Mädchen vor der Auslage eines Beate-Uhse-Ladens, die Jungs bestaunen den „Gigantobusen“ einer „Tittenqueen“, und es wird natürlich auch masturbiert.

Christian Oelemann wurde am 7. Oktober 1958 in Wuppertal als zweites Kind von Kurt und Ingeborg Oelemann geboren. Der Vater war Buchhändler, die in Indonesien als Tochter eines Missionars geborene Mutter Geigerin. In der Jugend interessierte sich Christian Oelemann mehr für Musik und Literatur als für die Schule. Mit 13 Jahren gründete er seine erste Band und besaß bereits einen Stapel selbst geschriebener Gedichte und Kurzgeschichten. Nach dem Zivildienst studierte er von 1980 bis 1985 Germanistik und Literaturwissenschaften, zog aber auch mit Jazz-Bands herum und ließ sich von dem elf Jahre älteren niederländischen Jazz-Pianisten Jasper van’t Hof unterrichten. 1996 veröffentlichte Christian Oelemann sein erstes Kinderbuch („Erich und die Fahrraddiebe“). Für das Hörspiel „Isabellas Welt“ wurde er 2007 mit dem Kinderhörspielpreis des MDR ausgezeichnet. Ab 2007 half er im Rahmen des Wuppertaler Projekts „Schulhausroman“ Schulklassen, einen Roman zu schreiben. Und er führt die Ronsdorfer Bücherstube seines Vaters in Wuppertal weiter.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013
Textauszüge: © Thienemann Verlag

Christian Oelemann (kurze Biografie)

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Christian Oelemann: Isabellas Welt
Christian Oelemann: Dumme Gedanken
Christian Oelemann: Freundschaftspiel
Christian Oelemann (Hg.): Paternoster. Vom Auf und Ab des Lebens

Hans-Dieter Otto - "Im Namen des Irrtums!"
"Im Namen des Irrtums!" ist alles andere als ein verstaubtes Fachbuch; es handelt sich vielmehr um eine Art Lesebuch, ein Sammelsurium haarsträubender, erschütternder Fehlurteile in Mordprozessen.
„Im Namen des Irrtums!“

Hans-Dieter Otto

"Im Namen des Irrtums!"

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