James Salter : Cassada

Cassada

James Salter

Cassada

Originalausgabe: Cassada Counterpoint, Washington, D. C., 2001 Übersetzung: Malte Friedrich ISBN 3-8270-0094-7, 203 Seiten, 18 € (D) Berliner Taschenbuch Verlag, 2005
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

In den späten 50er-Jahren fliegen die beiden amerikanischen Düsenjäger-Piloten Isbell und Cassada trotz des schlechten Wetters von Marseille zu ihrem Stützpunkt in der Eifel. Als Isbells Funkgerät ausfällt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als Cassada auf Sicht hinterherzufliegen. Wegen der tief hängenden Wolkendecke verfehlen sie mehrmals die Landebahn, und der Treibstoff geht zur Neige ...
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Kritik

Obwohl James Salter lakonisch und sachlich konzentriert erzählt, ist der Stil des Fliegerromans "Cassada" nicht frei von Pathos.
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Major Davis R. („Bud“) Dunning, der Kommandeur der in der Eifel stationierten 44. Jagdstaffel der US Air Force, steht Ende der Fünfzigerjahre vor der Beförderung zum Lieutenant Colonel. Seine rechte Hand ist der einunddreißigjährige Einsatzoffizier Captain Tommy Isbell, ein erfahrener Kampfpilot und Veteran des Koreakriegs.

Mit einem Kurierflugzeug trifft ein Neuer bei der 44. Jagdstaffel ein: Roberto Cassada, ein junger Second Lieutenant aus Puerto Rico, der gerade erst seine Flugausbildung absolviert hat. Zur Verwunderung aller trinkt Cassada keinen Kaffee, sondern allenfalls Tee. Nach der Einweisung durch Lieutenant Grace wird Cassada dem zynischen Staffelführer Captain Wickenden zugeteilt, der ihn nicht leiden kann. Der Außenseiter Cassada spürt Wickendens Verachtung und wird auch von seinen Kameraden nicht akzeptiert. Nur Captain Isbell zeigt Verständnis für den unerfahrenen Offizier.

In der Nacht, bevor die Fliegerstaffel für fünf Wochen nach Nordafrika verlegt wird, möchte Isbell noch einmal mit seiner Frau schlafen, aber sie zieht es vor, noch ein Kapitel zu lesen und behauptet, sich nicht wohl zu fühlen.

Auf dem Weg nach Süden macht die Staffel in Fürstenfeldbruck Station. Cassada lernt in München die junge Textildesignerin Lommi kennen, die ihn mit nach Hause nimmt, als ihre Mutter nicht da ist. Dann verliebt er sich in der Bar „Elysée“ auf den ersten Blick in eine außergewöhnlich attraktive Frau namens Karen, doch während er mit ihr spricht, taucht Isbell auf, und Cassada begreift, dass Karen die Geliebte des verheirateten Captains ist.

Bei Tripoli führen die Kampfpiloten Schießübungen durch und feuern aus ihren Düsenjägern auf eine Zielfahne. Cassada trifft anfangs kaum etwas, arbeitet eifrig daran, sich zu verbessern, verliert aber dennoch am Ende mit der Wette, bis zum Ende der Übungen Wes Harlan zu übertreffen, einen ganzen Monatssold.

Auf dem Rückflug zu ihrer Einheit in Deutschland wählt die Staffel Marseille als Etappenziel. Dort bleiben alle Piloten bis auf Isbell und Cassada wegen des schlechten Wetters am Boden. Cassada hofft, sich durch die Bewährung in einer gefährlichen Situation den Respekt der anderen verschaffen zu können. Nach gut einer Stunde Flug, eine Viertelstunde vor dem Ziel, fällt Isbells Sprechfunk aus. Durch Flügelwippen und Handzeichen bedeutet er Cassada, was los ist. Isbell bleibt nichts anderes übrig, als Cassada nachzufliegen. Die Wolkendecke hängt so tief, dass sie die Landebahn mehrmals verfehlen. Der restliche Treibstoff reicht nicht, um einen Ausweichflughafen anzufliegen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Plötzlich sieht Isbell die andere Maschine nicht mehr. Orientierungslos zieht er sein Flugzeug nach oben, sprengt das Kabinendach ab und steigt mit dem Schleudersitz aus.

Dunning, der die vergeblichen Landungsversuche vom Boden aus verfolgt, macht sich nicht nur um die beiden Männer Sorgen, sondern auch wegen der drohenden Untersuchungskommission: Der Verlust einer Maschine könnte durch den Ausfall des Sprechfunks erklärt werden, aber er hofft, dass nicht beide Maschinen abstürzen, denn das würde die Frage aufwerfen, warum die Piloten trotz des schlechten Wetters überhaupt starteten und ein schlechtes Licht auf ihren Kommandeur werfen.

Der Wunsch erfüllt sich nicht: Cassada stürzt wegen des Treibstoffmangels mit seinem Flugzeug ab und kommt dabei ums Leben.

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Der in den Fünfzigerjahren spielende Fliegerroman „Cassada“ von James Salter handelt im Kern von einem spannenden Ereignis, das weniger als eine Stunde dauert: Fünfzehn Minuten vor der Landung auf dem Stützpunkt in der Eifel fällt bei einem US-Piloten der Sprechfunk aus, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als einem Kameraden hinterherzufliegen. Wegen der tief hängenden Wolkendecke verfehlen sie mehrmals die Landebahn, und der Treibstoff geht zur Neige … – Dieses Unglück nimmt jedoch nur ein Zehntel des Romans ein; den meisten Raum widmet James Salter Rückblenden, in denen es um Rituale, Bewährungsproben und Machtkämpfe in der Männergesellschaft der Jagdstaffel geht: Die Piloten messen sich in Wettkämpfen, machen sich die besseren Plätze in der Hackordnung streitig und träumen davon, Helden zu sein. Kaum einer von ihnen führt eine glückliche Ehe.

James Salter hütet sich davor, das Verhalten der Männer in gut und böse einzuteilen. Obwohl er lakonisch und eher beiläufig, unaufgeregt und sachlich konzentriert erzählt, ist sein Stil nicht frei von Pathos. Dieser Eindruck entsteht wohl nicht zuletzt durch die fehlende Ironie. Lesenswert ist „Cassada“ vor allem, weil James Salter aus eigener Erfahrung und mit einem guten Blick für prägnante Details von den Erlebnissen der Kampfpiloten schreibt; das ist so konkret und einprägsam, dass man glaubt, mit im Cockpit zu sitzen. Stilistisch interessant ist, dass James Salter die eigentliche Handlung aus verschiedenen Perspektiven erzählt.

Bei „Cassada“ handelt es sich um die Neubearbeitung des 1961 veröffentlichten Romans „The Arm of Flesh“ durch James Salter selbst.

James Salter wurde 1925 geboren und wuchs in New York auf. Er studierte in West Point und war von 1945 bis 1957 bei der US Air Force. Den Koreakrieg erlebte er als Kampfpilot. Dann erschien sein erster Roman und er begann ein neues Leben als freier Schriftsteller. Am 19. Juni 2015 starb James Salter.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006
Textauszüge: © Berlin Verlag

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