Die Stille nach dem Schuss

Die Stille nach dem Schuss

Die Stille nach dem Schuss

Originaltitel: Die Stille nach dem Schuss - Regie: Volker Schlöndorff - Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase - Kamera: Andreas Höfer - Schnitt: Peter Przygodda - Darsteller: Bibiana Beglau, Martin Wuttke, Nadja Uhl, Alexander Beyer, Harald Schrott, Jenny Schily, Richard Kropf, Mario Irrek, Thomas Arnold, Franca Kastein, Dietrich Körner, Alexander Hosfeld, Rudolf Donath, Monika Pietsch u.a. - 2000; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Ein freundlich wirkender Stasi-Offizier bietet der im Westen gesuchten Terroristin eine Zuflucht in der DDR, aber er verlangt von ihr, auf persönliche Gefühle wie Freundschaft und Liebe zu verzichten, um mögliche politische Verwicklungen zu vermeiden. Doch sie wird immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt.
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Kritik

"Die Stille nach dem Schuss" ist ein kühler, authentisch wirkender Film über eine bundesdeutsche Terroristin aus den Siebzigerjahren.
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Rita Vogt (Bibiana Beglau) ist überzeugt, dass der Kampf gegen den Imperialismus in die Metropolen getragen werden muss, damit Humanität und Gerechtigkeit eine Chance haben. Wenn sie und ihre Gesinnungsgenossen Banken überfallen, verstehen sie das als Akt der Umverteilung und schütten auf der Flucht schon mal den Hut eines Bettlers mit gerade geraubten Münzen voll. Zusammen mit Freunden befreit Rita in den Siebzigerjahren ihren Geliebten, den Terroristen Andreas Klein (Harald Schrott), aus dem Gefängnis. Dabei erschießt Klein einen Rechtsanwalt.

Als sie in Paris von einem Verkehrspolizisten verfolgt wird, weil sie auf dem Motorroller keinen Helm trägt, gerät sie in Panik und erschießt den Mann.

Auf der Suche nach einem Zufluchtsort nimmt die Gruppe in Ostberlin Kontakt mit dem Stasi-Offizier Erwin Hull (Martin Wuttke) auf. Er soll ihnen helfen, zum Beispiel nach Nicaragua zu kommen, wo sie sich im Kampf gegen die Armut engagieren wollen. Stattdessen bietet er den Terroristen an, unter neuen Identitäten in der DDR zu bleiben. Rita und Friederike Adebach (Jenny Schily) nehmen das Angebot an; die anderen nicht.

Aus Rita Vogt wird Susanne Schmidt, Arbeiterin im VEB Modedruck. Das wirre Leben einer Terroristin im Westen tauscht sie gegen ein biederes Spießerdasein im Kleine-Leute-Mief der DDR ein. Sie befreundet sich mit ihrer Kollegin Tatjana (Nadja Uhl), die der frustrierenden Realität mit Wodka zu entfliehen versucht.

Im Fernsehen wird berichtet, dass Andreas Klein und eine noch nicht identifizierte Begleiterin bei einer Schießerei mit der Polizei an der deutsch-französischen Grenze ums Leben gekommen seien. Gefahndet werde in diesem Zusammenhang auch nach der Terroristin Rita Vogt, die am Arm eine auffällige Narbe habe. Aufgrund der Nachrichtensendung wird Rita im Umkleideraum von einer Kollegin erkannt.

Rita sucht Hull auf und fragt ihn, was sie tun solle. Hull will nicht riskieren, dass etwas über das Zusammenspiel der Stasi mit der ehemaligen Terroristin bekannt wird. Obwohl Rita sich sträubt, ihre Freundschaft mit Tatjana aufzugeben, muss sie sich fügen und noch einmal ein neues Leben anfangen, diesmal als Sabine Walter in einem Kinderferienlager an der Ostsee. Dort verliebt sie sich im Sommer 1989 in den Hilfsbadenmeister Jochen (Alexander Beyer). Der möchte sie heiraten und mit nach Russland nehmen, wo man ihm eine aussichtsreiche Stelle angeboten hat. Hull verweigert Rita jedoch seine Zustimmung zu einer Ausreise in die UdSSR: Das Risiko eines politischen Konflikts zwischen den beiden Staaten im Fall einer Enttarnung der ehemaligen Terroristin ist ihm zu groß. In ihrer Verzweiflung offenbart Rita ihrem Geliebten, wer sie wirklich ist. Jochen reagiert verwirrt und verunsichert.

Nach dem Fall der Berliner Mauer (Wiedervereinigung) tun die DDR-Behörden alles, um ihre Zusammenarbeit mit Terroristen aus dem Westen zu vertuschen. Hull kann nichts mehr für Rita tun. Sowohl im Westen als auch im Osten wird jetzt nach ihr gefahndet. Als sie versucht, mit einem gestohlenen Motorrad eine Polizeikontrolle zu durchbrechen, wird sie erschossen.

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Der kühle, authentisch wirkende Film über eine bundesdeutsche Terroristin aus den Siebzigerjahren erinnert stilistisch an Volker Schlöndorffs Verfilmung des Romans „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“.

Ein freundlich wirkender Stasi-Offizier bietet der im Westen gesuchten Terroristin eine Zuflucht in der DDR, aber er verlangt von ihr, auf persönliche Gefühle wie Freundschaft und Liebe zu verzichten, um mögliche politische Verwicklungen zu vermeiden. Doch sie wird immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Volker Schlöndorff und Wolfgang Kohlhaase hatten wohl das Leben Inge Vietts vor Augen, als sie diese teils fiktive, teils realistische Geschichte konzipierten. Über den Vorwurf, ihre Autobiografie „Nie war ich furchtloser“ ohne ihr Einverständnis als Vorlage benutzt zu haben, einigte sich Inge Viett mit den Filmemachern schließlich außergerichtlich. Sie kritisierte an dem Film „Die Stille nach dem Schuss“ vor allem den fehlenden „gesellschaftlichen Kontext der Siebzigerjahre“: „Die Schauspieler bewegen sich im Niemandsland. Ihren Dialogen und Parolen fehlt der Prozess, der Boden, auf dem sie Sinn machten. Darum wirken sie oft lächerlich. Er [Volker Schlöndorff] sympathisiert zwar mit seiner Heldin, aber um das zu können, muss er sie entpolitisieren. Und sie muss tragisch enden. Die bürgerliche Moral: Schuld, Sühne, gerechtes Schicksal […]“

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003

Ministerium für Staatssicherheit (Stasi)

Inge Viett (Kurzbiografie)

Volker Schlöndorff: Der junge Törless
Volker Schlöndorff: Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Volker Schlöndorff: Der Fangschuss
Volker Schlöndorff: Die Blechtrommel
Volker Schlöndorff: Tod eines Handlungsreisenden
Volker Schlöndorff: Die Geschichte der Dienerin
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