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Ellen Berg : Willst du Blumen, kauf dir welche

Willst du Blumen, kauf dir welche
Willst du Blumen, kauf dir welche (K)ein Romantik-Roman Originalausgabe Aufbau Taschenbuch, Berlin 2020 ISBN 978-3-7466-3587-3, 480 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Lena Hagedorn lädt den Autor Benjamin Floros ein, sein Buch "Die ultimative Liebesformel" in ihrer Buchhandlung vorzustellen. Persönlich hält Lena davon nichts; sie träumt – bisher vergeblich – von ihrem Märchenprinzen. Ein bewährter Plot: Eine Frau und ein Mann, die sich nicht ausstehen können, finden nach einer Reihe von Missverständnissen glücklich zusammen.
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Kritik

Auf unterhaltsame Weise zweifelt Ellen Berg an der Möglichkeit einer sinnvollen Partner­vermittlung durch Algorithmen und plädiert stattdessen für Romantik in der Liebe. Bei "Willst du Blumen, kauf dir welche" handelt es sich um eine flotte, leichte und vergnügliche Mischung aus Komödie, Satire, Märchen und Wohlfühllektüre.
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Die ultimative Liebesformel

Früh verwaist, wächst Lena Hagedorn bei ihrer Tante Hilde in der Provinz auf. Als Lena Mitte 20 ist, bricht sie ihre Buchhändlerlehre ab und zieht in die nächste Großstadt. Weil sie sich dort nicht wohlfühlt, lässt sie sich nach zehn Jahren gern von ihrer inzwischen 73 Jahre alten Tante überreden, in den Heimatort zurückzukommen. Lena wohnt nun wieder mit ihrem Kater Dewey bei der Tante und richtet anstelle des aufgegebenen Bekleidungsgeschäfts im Erdgeschoss des Hauses eine Buchhandlung ein: „Lenas Leseparadies“.

Ihre städtische Existenz hatte sie Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins getauft, ihre kleinstädtische Vollbremsung Die Entdeckung der Langsamkeit.

Zwei Monate nach dem Umzug lädt die 34-jährige Buchhändlerin zu einer ersten Lesung ein. Der Erfolgsautor Benjamin Floros soll über sein Buch „Die ultimative Liebesformel“ sprechen. Schon kurz vor Beginn zwängen sich vierzig aufgeregte Frauen in die kleine Buchhandlung, darunter auch Lenas alte Freundin Michelle, die als Grundschullehrerin in der Kleinstadt geblieben ist und ihre beiden Kinder seit der Scheidung allein aufzieht.

Benjamin Floros schlägt das Publikum durch sein souveränes Auftreten in den Bann. Er beginnt mit einem Zitat der Schauspielerin Katharine Hepburn: „Frauen von heute warten nicht auf das Wunderbare, sie inszenieren ihre Wunder selbst!“ Der Buchautor fügt hinzu: „Willst du Blumen? Kauf dir welche! Willst du Männer, hol sie dir!“

Am Ende des Vortrags über sein empirisch erarbeitetes System erklärt er:

„Eure ganz persönliche Liebesformel erhaltet ihr online […]. Mit jedem Buchexemplar wird euch ein spezieller Code überreicht. Auf meiner Website gebt ihr einfach den Code ein, dann habt ihr Zugang zu einem Test. Am Ende errechnet mein exklusiv entwickelter Algorithmus ein individuell zugeschnittenes Suchprofil. Das gebe ich in die zehn größten Dating-Portale ein. Anschließend unterbreite ich den infrage kommenden Männern denselben Test. Und – Simsalabim! – präsentiere ich euch geeignete Kandidaten.“

Die 20 Exemplare, die Lena vorrätig hat, sind sofort verkauft. Noch einmal so viele Exemplare werden von den begeisterten Zuhörerinnen bestellt. Lena selbst hält weder etwas von Dating-Apps, noch von Algorithmen in Liebesbeziehungen; sie glaubt an Romantik und die große Liebe.

Wie langweilig und banal ist es denn, sich den angeblich Richtigen nach Plan auszusuchen? Wo bleiben da das Abenteuer, das Herzflimmern, das Bangen und Hoffen, die jede große Liebe begleiten?

Nach der Veranstaltung wirft sie Benjamin Floros vor, mit den Sehnsüchten von Frauen Geld zu verdienen.

„Für mich bist du ein Hochstapler. Deine Liebesformel funktioniert doch nie im Leben.“

Daraufhin wettet der Autor mit ihr, dass sie mittels seiner Liebesformel ihren Traumprinz finden werde. Lena glaubt, die Wette nicht verlieren zu können und lässt sich darauf ein.

Dating

Widerwillig beantwortet Lena eine Reihe von Fragen, damit Benjamin anhand der Antworten ihr Profil zusammenstellen kann. Kurz darauf präsentiert er ihr sieben passende Kandidaten. Im Rahmen der Wette muss sie mit den Männern Kontakt aufnehmen.

Der Erste heißt Alexander und ist ein Bibliothekar Anfang 30. Seine Äußerungen im Chat über Musik, Literatur und Spaziergänge klingen vielversprechend, aber zum Date in einer Gaststätte schickt er seinen Bruder Johannes. Er selbst ist viel zu verklemmt, um sich mit einer Unbekannten zu treffen. Lena verabschiedet sich von Johannes mit den Worten:

„Schöne Grüße an Alexander. Er braucht keine Frau, er braucht eine Therapeutin.“

Noch am selben Abend trifft sich Lena mit Arne-Christian, der Ende 30 ist und in einem Buchverlag arbeitet, in einer Bar. Er lädt sie zu einem Champagner-Cocktail „Prince of Wales“ ein, und sie findet ihn sympathisch.

Endlich mal ein Mann, der Fragen stellte, statt die übliche Ego-Show abzuziehen.

Nachdem Lena bereits mehrere Gläser getrunken hat, kreischt plötzlich eine Furie: „Sie graben meinen Gatten an!“

„Liebling, lass mich das bitte erklären“, winselte Arne-Christian.“
[…] „Elisabetta, bitte glaube mir, nein, ich schwöre dir, das ist nur eine völlig unbedeutende Zufallsbekanntschaft.“
„Ha! Das wird doch mal wieder so ein billiger Seitensprung!“, schrie seine Gattin wutentbrannt. „Und du faselst was von Geschäftstermin? Vor dir steht deine zukünftige Exfrau!“

„Du hast Glück, heute Abend mit mir hier zu sein“, meint der nächste Kandidat, ein 38-Jähriger namens Lennart. „Meine Mutter ist sehr wählerisch.“ Lennart betont, dass er nicht für eine lockere Beziehung zu haben sei, sondern eine Ehefrau suche.

„Künstliche Befruchtung wäre wohl das Beste in unserem Alter“, haute er den nächsten Klopfer raus. „Keine Sorge, das bezahlt alles meine Mutter.“

Rasch durchschaut Lena, dass sie ein schwules Muttersöhnchen vor sich hat, für das eine Alibi- bzw. Vorzeigefrau gesucht wird.

„Das letzte Wort über unsere Verbindung hat natürlich meine Mutter.“
„Natürlich“, trieb Lena das absurde Spiel ihrer verdeckten Ermittlung weiter. „Ich hoffe, ich lerne sie recht bald kennen.“
„Kannst du haben“, sagte er genüsslich kauend. „Sie sitzt an der Bar.“

Antonio

Antonio – der Vierte auf der Liste – führt in der Großstadt eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Lena findet ihn sympathisch und schätzt es, ernsthafte Gespräche mit ihm führen zu können. Das ist der Richtige! Zwischendurch tauchen allerdings Selbstzweifel auf: Hat sie überhaupt eine Chance bei so einem attraktiven Mann?

Die restlichen drei Kandidaten will Lena gar nicht mehr sehen, aber Benjamin besteht auf der Abmachung.

Michelle, die seit ihrer Scheidung nach einem neuen Lebensgefährten und Vater für die zehnjährige Madeleine und den vier Jahre alten Finn sucht, würde ihrer Freundin die Dates gern abnehmen. Über ihren letzten Versuch mit einem Mann klagt sie:

„Er rollte sich immer mit so einem stieren Blick von mir runter, und dann stöhnte er: Boah, der hat gesessen!“

Die Verabredung mit Jeff kann Michelle jedoch nicht übernehmen, weil sie zu ihrer Mutter muss.

Lena kann sich nicht vorstellen, dass der rüpelhafte Prolet Jeff, mit dem sie in einer Gaststätte am Tisch sitzt, ihr gleichnamiger Chatpartner war, und er gibt auch freimütig zu: „So was liegt mir nicht, Schreiben und all das. Ich überzeuge mehr im persönlichen Gespräch.“ Er sei in leitender Funktion am Empfang eines Fitnessstudios beschäftigt, erklärt er stolz. Da klopft jemand an die Fensterscheibe. Antonio!

In den Liebesromanen, die Lena so gern las, gehörten Missverständnisse zu den vertrauten Komplikationen. Aber dies war kein Roman. Dies passierte wirklich und war die entsetzliche Realität.

Als Lena ins Freie stürzt, ist Antonio nicht mehr da.

Antonios versteinertes Gesicht ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Diese Mischung aus Verblüffung, Vorwurf und grenzenloser Enttäuschung […].

Doppeldate

Nachdem Lena sich mit Antonio versöhnt hat, überredet Michelle sie zu einem Doppeldate: Lena, sie, Antonio und der vorletzte Kandidat, ein 42-jähriger Bergsteiger und Dozent für englische Literatur.

Die beiden Herren warten bereits im Ristorante „Amore mio“, und Michelle erklärt Markus, dass ihre Freundin sich bereits für Antonio entschieden habe und sie deshalb bei diesem Date einspringe.

Als Antonio den Kellner italienisch anspricht, stellt sich heraus, dass der Mann aus Kroatien stammt und kein Wort versteht.

Antonio sah aus wie ein Aristokrat, den es in eine Bedienstetenunterkunft verschlagen hatte.

Markus erweist sich als Trauerkloß, der das Bergsteigen schon lang aufgegeben hat und seiner unlängst von ihm geschiedenen Ehefrau nachtrauert.

„Meine Exfrau und ich, wir standen morgens auf, dann den Tag durch, machten abends den Fernseher an und uns gegenseitig was vor.“

Cats4ever

Am Abend des folgenden Tages findet in Antonios Galerie die Vernissage der Ausstellung „Cats4ever“ statt.

Lena ist eingeladen und nimmt Michelle, Tante Hilde und deren neuen Freund Bert Hansen mit. Als sie die Galerie betreten, spüren sie sofort, dass sie für diese „Heilige Messe des Kunstbetriebs“ falsch gekleidet sind. Lena wundert sich über das hochgestochene Wortgeklingel mit nachgeplapperten Worthülsen. Erst nach seiner Eröffnungsrede wendet Antonio sich kurz Lena zu, aber ihre Begleitung beachtet er nicht weiter.

Kurz darauf begrüßt er den erfolgreichen Buchautor Benjamin Floros, der zu den geladenen Gästen gehört, aber zu spät gekommen ist. Als Michelle sieht, wie sich Lenas Mimik durch Benjamins Anblick verändert, zerrt sie ihre Freundin in die Teeküche und eilt wieder hinaus. Gleich darauf kommt Benjamin herein und erklärt Lena, dass er sich im Widerspruch zu seiner Überzeugung, alles berechnen zu können, auf den ersten Blick in sie verliebt habe. Lena, die den Erfinder der ultimativen Liebesformel nicht nur für einen Scharlatan, sondern auch für einen Casanova hält, dem es nur darauf ankommt, eine weitere Frau ins Bett zu bekommen, weist ihn brüsk zurück.

Aber von dem arroganten Galeristen Antonio will sie auch nichts mehr wissen.

Sven und Michelle

Als Michelle zum Treffpunkt mit dem Kandidaten „Eduard“ kommt, entdeckt sie in der Gaststätte den früheren Mitschüler Sven Niedermeier. Sie erzählt ihm, dass sie ein Date habe, und er gesteht, mit Lena verabredet zu sein. Da klärt Michelle ihn darüber auf, dass sie für ihre Freundin eingesprungen ist.

Seinem introvertierten Naturell entsprechend arbeitet Sven als Software-Entwickler. Er hat einen kleinen Sohn, Donatus, lebt aber seit kurzem von seiner Frau getrennt. Michelle erzählt Lena am nächsten Tag begeistert:

„Die Nacht der Nächte! Totaler Systemabsturz und dann, wuuuusch, Phönizier aus der Asche! […] Life changing sex! Ich diesle immer noch nach. Unfassbar, wie dieser Mann im Bett abgeht.“

Der Retter

Lena hat ihr Handy ausgeschaltet, weil Benjamin fortwährend versucht, sie zu erreichen. Als sie es nach einiger Zeit wieder einschaltet, findet sie eine Nachricht der Kinderbuchautorin Hella Gumsemann, die in zwei Stunden in „Lenas Bücherparadies“ lesen sollte, aber mitgeteilt hat, dass sie mit einer Grippe im Bett liegt.

Weil Lena die Kinder nicht enttäuschen möchte, nimmt sie sich vor, für die Autorin einzuspringen. Aber wie soll sie das machen, ohne sich zu blamieren?

Die Buchhandlung füllt sich. Tante Hilde und Bert Hansen setzen sich in die erste Reihe. Lena wundert sich, wo Michelle mit ihren beiden Kindern bleibt. Endlich kommt sie durch die Tür – und hat außer den Kindern auch Benjamin im Schlepptau.

Dem Autor, der schon bei zahlreichen Lesungen Erfahrungen gesammelt hat, gelingt es im Handumdrehen, die Kinder und deren Eltern mit einer Improvisation zu begeistern.

Statt sich zu bedanken, unterstellt Lena ihrem Retter, dass er sie nur ins Bett kriegen wolle, gerade weil sie nicht bei seinem Anblick in Ohnmacht fällt. Ohne sich zu rechtfertigen, verlässt Benjamin die Buchhandlung und kehrt dann im Licht der untergehenden Sonne zwar nicht wie ein Traumprinz auf einem Pferd, aber auf seiner Vespa zurück, während ein offenbar rasch angeheuerter junger Mann Gitarre spielt.

Epilog

Benjamin hat in der Nähe der Buchhandlung ein Fachwerkhäuschen gekauft, in dem er nun mit Lena wohnt, deren Kater Dewey sich bestens mit seiner Katze Choupette verträgt. In Lenas Zimmer bei Tante Hilde wohnt jetzt Bert Hansen. Sven und Michelle sind ebenfalls ein glückliches Paar.

In der Buchhandlung macht Benjamin seiner inzwischen schwangeren Lebensgefährtin auf romantische Weise einen Heiratsantrag.

„Und Benjamin will wirklich monoton werden?“, fragt Michelle.
„Monogam ja, monoton wird es wohl eher nicht“, kicherte Lena.

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„Willst du Blumen, kauf dir welche. (K)ein Romantik-Roman“ nennt Ellen Berg ihre Liebeserklärung an die Welt der Bücher. Auf unterhaltsame Weise zweifelt sie an der Berechenbarkeit von Gefühlen, also an der Möglichkeit einer sinnvollen Partnervermittlung durch Algorithmen und plädiert stattdessen für Romantik in der Liebe.

Es handelt sich bei „Willst du Blumen, kauf dir welche“ um eine amüsante Mischung aus Komödie, Satire und Wohlfühllektüre.

Vor allem bei den mit der ultimativen Liebesformel ausgewählten Dating-Partnern schreckt Ellen Berg nicht vor Überzeichnungen zurück, die aus den Männern lächerliche Karikaturen machen. Dabei greift sie tief in die Klischee-Kiste. Auch wenn vieles eher märchenhaft als realistisch wirkt, tragen direkte Dialoge maßgeblich nur Lebendigkeit der Darstellung bei. Die flotte, einfache Sprache lässt sich rasch und ohne Anstrengung lesen.

Ellen Berg folgt in „Willst du Blumen, kauf dir welche“ einem Plotmuster, das sich schon vor langer Zeit in Hollywood-Komödien bewährt hat: Ein Mann und eine Frau, die zunächst glauben, sich nicht ausstehen zu können, finden nach einer Reihe von Konflikten und Missverständnissen glücklich zusammen. Das Ende ist also keine Überraschung.

Fazit: Mit „Willst du Blumen, kauf dir welche“ bietet Ellen Berg ein kurzweiliges, gegebenenfalls die Stimmung aufhellendes Lesevergnügen.

Den Roman „Willst du Blumen, kauf dir welche“ von Ellen Berg gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Tessa Mittelstaedt.

Ellen Berg schreibt Bücher wie „Du mich auch. (K)ein Rache Roman“, „Das bisschen Kuchen. (K)ein Diät-Roman“, „Den lass ich gleich an. (K)ein Single-Roman“, „Ich koch dich tot. (K)ein Liebes-Roman“, „Zur Hölle mit Seniorentellern! (K)ein Rentner-Roman“, „Ich will es doch auch! (K)ein Beziehungs-Roman“, „Gib’s mir, Schatz! (K)ein Fessel-Roman“, „Alles Tofu, oder was? (K)ein Koch-Roman“, „Mach mir den Garten, Liebling! (K)ein Landlust-Roman“, „Blonder wird’s nicht. (K)ein Friseur-Roman“, „Ich schenk dir die Hölle auf Erden. (K)ein Trennungs-Roman“, „Manche mögen’s steil. (K)ein Liebes-Roman“, „Wie heiß ist das denn? (K)ein Liebes-Roman“, „Trau dich doch. (K)ein Hochzeitsroman“, „Ich küss dich tot. (K)ein Familien-Roman“ und „Der ist für die Tonne. (K)ein Männer-Roman“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021
Textauszüge: © Aufbau Verlag

William Faulkner - Licht im August
Das Besondere an "Licht im August" sind die modernen Stilformen. Statt als allwissender Erzähler aufzutreten, versetzt William Faulkner sich abwechselnd in eine der Figuren und schildert nur, was diese weiß oder vermutet, beobachtet oder ihrerseits erzählt bekommt.
Licht im August