Volker Bitzer : Sex und Tod in New York City

Sex und Tod in New York City
Sex und Tod in New York City Originalausgabe mainbook Verlag, Frankfurt/M 2021 ISBN 978-3-948987-05-3, 218 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Einmal im Monat zeigt eine Person, die einen Motorradhelm trägt, im Darknet, wie sie einen Menschen ermordet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Mordserie, dem Fall eines kürzlich erschossenen Richters und einem vermutlich vorgetäuschten tödlichen Bootsunfall vor 13 Jahren?
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Kritik

Mit "Sex und Tod in New York City" hat Volker Bitzer einen kurzen und einfachen Krimi geschrieben, der sich zur Unterhaltung rasch und leicht lesen lässt. Plot und Handlung sind mit heißer Nadel gestrickt.
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Team Darknet

In den letzten beiden Monaten stellte jemand jeweils am ersten Dienstag um 20 Uhr einen Link ins Darknet, dessen Anklicken das Bild einer Videokamera öffnete. In beiden Fällen lag ein Mann gefesselt auf einem Tisch. Eine Person betrat den Raum, die ihr Gesicht in einem Motorradhelm verbarg. Dem ersten Opfer rammte der Mörder ein Messer durchs Auge ins Gehirn, dem zweiten schnitt er das Gemächt ab.

Leichen hat man bisher nicht gefunden, aber die Videos sahen nicht nach Fakes aus. Die Namen der beiden Ermordeten lauten Ronald J. Furbs und David Hummerfield; der Verbrecher nennt sich Totengräber88.

Den Hinweis auf den Link bekamen Journalisten der New York Times zugespielt. Benjamin („Ben“) Huntler und seine auf IT spezialisierten Kollegen Terry Richels und Zacharias („Zac“) Preston haben daraufhin das Team Darknet gebildet und über das Verbrechen berichtet. Mit einer Fortsetzung ist zu rechnen, und Ben hofft auf einen Scoop.

Sam Drickson und sein Team

Ben arbeitet heimlich mit Samuel („Sam“) Drickson vom New York Police Department zusammen. Der Journalist und der Polizist, der in neun Wochen pensioniert werden soll, helfen sich seit längerem gegenseitig als Informanten.

Davon weiß nicht einmal Sams Partner Jefferson („Jeff“) Drummond etwas.

Weil der Fall im Darknet Wellen schlägt, will der Polizeipräsident, dass sich Sam Drickson mit seinem Team darauf konzentriert und die soeben begonnenen Ermittlungen im Fall des erschossen in seiner Wohnung aufgefundenen Richters Joseph P. Hackerton an Frank Fazetti abgibt, den Leiter des 19. Reviers.

Liebesbeziehungen

Als Ben, Terry und Zac an einer Theke stehen und sich darüber unterhalten, wie man am besten Frauen aufreißt, werden sie von zwei erfolgreichen Models angesprochen: Tessa McKinnock und Zoe Farnley. Ben und Tessa, Zac und Zoe fangen Liebesbeziehungen an; nur Terry geht leer aus.

Der Nerd beschließt kurz darauf, sich den Vollbart abrasieren und die Haare schneiden zu lassen, um etwas gepflegter auszusehen. Beim Betreten des West Village Barber Shop bleibt er wie angewurzelt stehen und verliebt sich auf den ersten Blick in die Frisörin Ella, die dort jobbt, um ihr Medizinstudium an der NYU zu finanzieren. Das Haareschneiden lernte sie bei ihren Eltern, die in Boston einen Frisörsalon betreiben. Ella, die Terrys Gefühle erwidert, hat einen achtjährigen Sohn, dessen Vater vor vier Jahren bei einem Kletterunfall ums Leben kam. Mit dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter bekommt Miles nun einen Vaterersatz.

Video #3

Am ersten Dienstag des dritten Monats klicken sich sowohl das Journalistenteam Darknet als auch Sam Drickson mit seinen Leuten in das neue Totengräber88-Video. Sam Drickson und Jeff Drummond werden durch die IT-Expertin Liv Avenor, die Lippenleserin Youn Freeman und die Polizeipsychologin Hellen Grish verstärkt.

Diesmal liegt eine Frau gefesselt auf dem Foltertisch. Es ist die Unternehmerin Eva Greenstein. Als ihr der Mörder eine Brust abschneidet, rutscht das Implantat heraus.

Familie van Hasting

Eva Greenstein war Geschäftspartnerin der Familie van Hasting, die in Brasilien Mate anbaut und den Tee in die USA importiert. Ebenso wie Eva Greenstein hatten Ronald J. Furbs und David Hummerfield zum Freundeskreis der van Hastings gezählt, bevor die Unternehmerfamilie vor 13 Jahren von einem Schicksalsschlag getroffen wurde.

Als das Ehepaar van Hasting mit den Zwillingssöhnen Henry und Vincent und der langjährigen Hausdame Elisabeth Treatmill während eines Aufenthalts in Brasilien mit einer Motoryacht zur Inselgruppe Fernando de Noronha unterwegs war, brach ein Feuer aus, und das Boot sank. Nur Vincent van Hasting und Elisabeth Treatmill wurden gerettet. Die anderen kamen ums Leben, und von Henry konnte nicht einmal die Leiche geborgen werden. Vincent lebt seit damals im Manhattan Psychiatric Center auf Ward Island.

Das Familienunternehmen wird von Julius van Hasting weitergeführt, dem Bruder des tödlich verunglückten Teeimporteurs. Er bewohnt die Stadtvilla der van Hastings. Elisabeth Treatmill, die vor 23 Jahren in den Dienst der Familie trat und inzwischen 67 Jahre alt ist, führt auch ihm den Haushalt. Sie hat eine 31-jährige Tochter, die den Namen ihres geschiedenen Vaters trägt: Tessa McKinnock. Als Kind half Tessa ihrer Mutter des Öfteren bei der Arbeit in der Villa der Familie van Hasting.

Weil die Polizeipsychologin Hellen Grish mit der im Manhattan Psychiatric Center praktizierenden Psychiaterin Patricia Darvids befreundet ist, erfährt sie, dass der Dauerpatient Vincent van Hasting an Schizophrenie leidet und regelmäßig von einer jungen Frau besucht wird, die stets ein Kopftuch trägt und ihm Pistazien mitbringt.

Der Beschreibung nach handelt es sich bei der Besucherin um dieselbe Person, die im Haus des erschossenen Richters putzte und angeblich Tahita Ramirez hieß. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Fall Joseph P. Hackerton und der Mordserie im Darknet?

Video #4

Die Polizei geht den Fragen nach, ob die 88 im Namen des Verbrechers im Darknet für HH steht und auf einen Neonazi-Hintergrund hindeutet oder ob der Alleinerbe Julius van Hasting etwas mit dem angeblichen Schiffsunglück und den aktuellen Mordfällen zu tun hat. Bevor es dazu abschließende Erkenntnisse gibt, sehen die Teams der Journalisten und der Ermittler am ersten Dienstag des neuen Monats den Hauptverdächtigen im vierten Video.

Julius van Hasting liegt gefesselt und fixiert auf dem Foltertisch. Über einen Trichter füllt ihm der Mörder Pistazien in den Mund, und während der Mitfünfziger erstickt, schneidet ihm der Verbrecher zwei Finger ab.

Verdacht

Bei den weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass Ronald J. Furbs vor 15 Jahren durch eine anonyme Anzeige beschuldigt wurde, sich an kleinen Jungen sexuell vergangen zu haben – an Henry und Vincent van Hasting. Weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte und Daniel Prosnaski, der Chauffeur der Familie van Hasting, zu seinen Gunsten aussagte, sprach der Richter Joseph P. Hackerton den Angeklagten frei.

Handelt es sich bei den Morden um Rache für den sexuellen Missbrauch der Zwillinge? Vincent van Hasting kann nicht der Täter sein. Die Leiche seines nach dem Bootsunfall für tot erklärten Bruders wurde nie gefunden. Es ist davon auszugehen, dass Henry van Hasting lebt und der Verbrecher mit dem Motorradhelm ist.

Half Elisabeth Treatmill den Zwillingen, die Eltern bei einem vorgetäuschten Schiffsunglück zu ermorden?


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Spoiler

Es gibt noch einen weiteren Toten, den Rentner Daniel Prosnaski. Die Leiche wurde in seiner Wohnung gefunden. Er war Nachbar des Models Tessa McKinnock.

Bei einem Treffen mit seinem Informanten Ben Huntler sichert Sam Drickson unbemerkt ein paar Haare von dessen Jacke und lässt sie im Labor untersuchen. Die DNA stimmt mit der von Vincent van Hasting überein! Die Haare könnten also von dessen Zwillingsbruder Henry stammen.

Tessa McKinnock und Zoe Farnley sind verschwunden. Die Polizei ortet zwar die beiden Mobiltelefone, aber sie werden in einem Paket gefunden, mit dem ein Taxifahrer im Auftrag der Models durch New York gefahren ist.

Ben Huntler erhält einen Brief von Zoe Farnley, der alles erklärt.

Die Zwillinge Henry und Vincent van Hasting wurden an jedem ersten Dienstag im Monat auf Initiative ihrer Eltern sowohl von ihrem Onkel Julius van Hasting als auch von Ronald J. Furbs, David Hummerfield und Eva Greenstein sexuell missbraucht. Als Furbs angezeigt wurde, sorgten die van Hastings für eine Falschaussage ihres Chauffeurs Daniel Prosnaski, und der Richter Joseph P. Hackerton sprach den Schuldigen frei.

Vincent wurde psychisch krank, aber Henry fand im Alter von 18 Jahren eine Gelegenheit, mit Hilfe von Elisabeth Treatmill die Eltern umzubringen und seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Er unterzog sich in Brasilien einer Geschlechtsumwandlung und wurde Model – ebenso wie Tessa McKinnock, mit der er/sie seit der Kindheit befreundet ist.

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Man kann „Sex und Tod in New York City“ von Volker Bitzer als „Krimi“ (so der Verlag) oder als Persiflage auf das Genre lesen. Plot und Handlung sind mit heißer Nadel gestrickt und nicht besonders einfallsreich. Als auktorialer Erzähler wechselt Volker Bitzer in 45 chronologisch angeordneten kurzen Kapiteln rasch zwischen den Handlungssträngen hin und her. Ab und zu versucht er die Leserinnen und Leser auf eine falsche Fährte zu locken, um Suspense zu erzeugen, aber der Spannungsbogen flacht zum Beispiel bei uninspirierten Kneipengesprächen ab. Die Figuren wirken klischeehaft: zwei bildschöne Models, zwei schlampig gekleidete Nerds … Volker Bitzers Thriller-Persiflage „Die Dick-Tossek-Verschwörung“ hat deutlich mehr Witz und Esprit als sein neues Buch „Sex und Tod in New York City“.

Wie im Titel versprochen, spielt die Handlung in New York. Im Nachwort weist Volker Bitzer darauf hin, dass er seit Mitte der Neunzigerjahre mindestens einmal jährlich nach New York fliegt und die Stadt seine zweite Heimat nennt. „Alle Pubs und Restaurants, die in der Geschichte genannt werden, existieren.“ Das Lokalkolorit von „Tod und Sex in New York City“ bleibt jedoch blass.

NB: Das Präteritum von „schwören“ lautet nicht „schwörte“ (Seite 41).

Fazit: Mit „Sex und Tod in New York City“ hat Volker Bitzer einen kurzen und einfachen Krimi geschrieben, der sich zur Unterhaltung rasch und leicht lesen lässt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021

Volker Bitzer: Die Dick-Tossek-Verschwörung

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