Marina Frenk : ewig her und gar nicht wahr

ewig her und gar nicht wahr
ewig her und gar nicht wahr Originalausgabe Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2020 ISBN 978-3-8031-3319-9, 240 Seiten ISBN 978-3-8031-4271-9 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die Ich-Erzählerin Kira wurde wie die Autorin Marina Frenk 1986 in Moldawien geboren und kam 1993 mit den Eltern nach Deutschland. Kira lebt als Malerin in Berlin. Ihre einzige Ausstellung liegt jedoch lang zurück. Verzweifelt, aber auch selbstironisch und zynisch-distanziert versucht sie, sich im Leben zurechtzufinden und ihr Gefühl der Verlorenheit zu überwinden. Dabei denkt sie immer wieder an Fragmente der Geschichte ihrer jüdischen Familie.
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Kritik

Das Buch "ewig her und gar nicht wahr" kann man als introspektiven Künstler(innen)roman lesen, aber es dreht sich nicht nur um eine Schaffenskrise, sondern vor allem um Familie und Herkunft, Heimatlosigkeit, Verlorenheit und Selbstfindung. Marina Frenk erzählt im ständigen Wechsel zwischen den Zeiten. Das entspricht zwar dem Denken der Protagonistin, erschwert aber auch die Lektüre.
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Capresti, Bessarabien, 1941

[Kiras Großvater] Aaron ist zehn Jahre alt, als seine Eltern Rosa und Semion mit ihm vor den Deutschen aus ihrem Heimatdorf Capresti in Bessarabien fliehen, weil sie Juden sind. Seine Großmutter Bina müssen sie zurücklassen. Zu Fuß schaffen sie es nach Saporischschja in der Ukraine. Von dort bringen die Sowjets sie und andere Flüchtlinge in Frachtwaggons nach Usbekistan.

Bei Budapest, Ungarn, 1944

[Kiras anderer Großvater], der 32 Jahre alte russische Soldat Jurij Varlamov, liegt seit drei Tagen bewusstlos in einem Lazarett nahe Budapest. Als er wieder zu sich kommt, denkt er an Nadezhda und Vika.

Vika, meine Schöne, ich werde sie niemals wiedersehen … wäre nicht dieser furchtbare Streit mit Nadezhda gewesen, den Tag, bevor ich eingezogen wurde … wir hätten nicht streiten dürfen, unsere Nina, drei Jahre alt und schon ein Krieg […] und wenn Vika schwanger geworden ist, wie erkläre ich das Nadezhda? … ich werde nicht zurückkehren zu ihr … Nadezhda, ich komme nicht mehr zurück … ich habe dich nicht verdient … aber ich habe geliebt.

Chisinau, Moldawien, 1948

Die 17-jährige Sarah [Kiras Großmutter] trifft 1948 in Chisinau, der Hauptstadt von Moldawien, ihre Freundin Sunja, deren Freund Jewgenij und den gleichaltrigen Studenten Aaron Semionowitsch, der Maschinenbau-Ingenieur werden will. Wie Sarah war er während des Kriegs mit seinen Eltern in der Sowjetunion, um der Judenverfolgung zu entgehen.

Bei ihrer ersten Begegnung ahnen Sarah und Aaron noch nicht, dass sie 69 Jahre lang verheiratet sein werden.

Chabarowsk, Sowjetunion, 1968

[Kiras andere Großmutter] Nastja kam 1967 mit ihrer 12-jährigen Tochter Jelena („Lena“) aus Tadschikistan in die russische Stadt Chabarowsk nahe der chinesischen Grenze, während der volljährige Sohn Vlad in Tadschikistan blieb. Nastja arbeitet halbtags in einer Filzstiefelfabrik in Chabarowsk und ist seit drei Jahren dabei, ihren Abschluss als Bauingenieurin nachzuholen.

Lena möchte Rechtsanwältin werden. Als sie heimlich einen Karton ihrer Mutter öffnet, findet sie Briefe an ihren Vater Jurij Varlamov. Sie stammen von zwei Frauen, von denen sie noch nie etwas gehört hat: Nadezhda („Nadja“) Nikolajewna Skwarzowa und Viktoria („Vika“) Bondarenko.

In einem Brief Nadezhdas heißt es:

Ich bin dir nach wie vor sehr dankbar, dass du uns finanziell unterstützt. […] habe es deshalb keinen Tag lang bereut, dass du der Vater unserer, wohl eher meiner Ninotschka bist. […] Ninotschka wird ja jetzt schon einunddreißig. Wie alt ist deine Lena jetzt? Nina hat noch immer nicht geheiratet […]. Vielleicht ist sie zu klug, ja, das wird es sein. Richtig gebildet ist sie, eine Studierte. Nur leider unverheiratet… […] Habt ihr euch gut eingelebt in Chabarowsk? […] Mitte Zwanzig warst du, als wir uns kennen lernten, oder? […] Ich bin auf dich reingefallen, aber ich war glücklich! Ich habe irgendwann nicht mehr auf dich gewartet, aber ich beklage mich nicht …

Vika schreibt:

Lieber Jurij,ich bin dir sehr dankbar für das Geld, es ist nicht viel, aber ich kann es brauchen, denn Gennadi muss seine eigene Familie versorgen. Vielleicht hast du doch irgendwann Interesse, deine Enkel einmal kennen zu lernen? […]
Wäre ich bloß nicht in dieser Nacht schwanger geworden, denke ich mir manchmal. Und dann verfluche ich mich wieder für solche Gedanken, denn dann gäbe es unseren Gennadi nicht. Vielleicht hätte ich dann eine andere Familie gegründet, wäre nicht so allein, hätte einen Mann an meiner Seite … nur unseren Gennadi gäbe es dann eben nicht. Schade, dass er seinen Vater nicht kennt. […] Ich war sehr wütend auf dich, viele Jahre lang, und es war erleichternd und erniedrigend zugleich, dass du mich nicht zur Hölle geschickt hast, als ich deine Adresse in Tadschikistan ausfindig gemacht habe. Meine Seele ist natürlich bitter von dem Gedanken daran, dass du deinen Sohn nie kennenlernen wolltest … […] Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde, und falls du dich entscheidest, deine Enkel und deinen Sohn doch einmal zu sehen, würde mir das etwas Frieden geben […]

Chisinau, Moldawien, 1993

Kira ist sechs Jahre alt, als ihre Eltern Wenja und Lena mit ihr Chisinau verlassen, die Stadt in Moldawien, die unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg und bis 1989 Kischinew bzw. Kishinjow hieß. Kiras dort lebende Großmutter Nastja verabschiedet sich von ihnen. Onkel Stas und Tante Katja begleiten die Emigranten sicherheitshalber in einem zweiten Auto bis kurz vor der rumänisch-ungarischen Grenze.

Obwohl Wenja die erforderlichen Papiere vorweisen kann, wollen die rumänischen Milizionäre die Familie nicht ausreisen lassen. Aber Wenja gibt Gas, und es gelingt ihm, die Verfolger abzuhängen.

Köln, Deutschland, 2005

Die Kunststudentin Kira lebt in Köln und ist mit einem rothaarigen Mann namens Theodor liiert, der auf der Suche nach sich selbst viele Reisen unternimmt.

Theodor kommt heute Abend von seiner monatelangen Tibet-Reise zurück. Entweder er meditiert dann, oder wir lieben uns.

Zufällig begegnet sie Cornelia („Nele“) Sophie Grünewald. Sie wuchs in einem ostdeutischen Dorf auf, studierte Slawistik, machte eine Ausbildung als Automechanikerin und verdient ihren Lebensunterhalt seit einiger Zeit als Musiklehrerin.

… also, ich könnte jetzt beruflich osteuropäische Autos reparieren und dabei Klarinette spielen, zum Beispiel.

Um Mietkosten zu sparen, sucht Nele eine Mitbewohnerin. Kira will es sich überlegen.

Berlin, Deutschland, 2007

Ein halbes Jahr nachdem die Musiklehrerin Nele nach Berlin gezogen ist und Kira als Freundin in Köln fehlt, fährt die Malerin anlässlich ihrer ersten Ausstellung in die Bundeshauptstadt. Die ehrgeizige Agentin Rita Galo hat alles organisiert und stellt die Künstlerin schick gekleideten Herren vor.

„Johann Jürgens, Nicolas Dubois, Jewgenij Winogradow, Daniel Winston…!“, verkündet sie stolz, und ich schüttele allen die Hände.

Während die letzten Besucherinnen und Besucher ihre Jacken holen, wird Kira von der Agentin in einen Nebenraum gezogen:

„Baby, du bist eingeladen nach London und Buenos Aires! Kira, verdammte Scheiße, du bist eine verdammt geile Sau! Verdammt, ich wusste es von Anfang an!“, Rita verdammt mich noch einige weitere Male und beschenkt mich mit immer mehr nassen und satten Küssen auf beide Wangen, so aufgelöst habe ich sie noch nie erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass uns niemand sieht.

Statt Ritas Einladung anzunehmen, bei ihr im Gästezimmer zu übernachten, geht Kira zu ihrer draußen wartenden Freundin Nele hinaus.

Zurück in Köln, beabsichtigt sie, Theodor zu sagen, dass sie schwanger ist und das Kind behalten will, obwohl sie weiß, dass es ihn bei seinen Meditationen stören wird. Aber sie kommt nicht zu Wort. Theodor gesteht ihr, dass er bei einem Konzert in Jakarta eine zehn Jahre ältere englische Steuerberaterin namens Catherine kennengelernt habe und volle drei Tage mit ihr zusammen gewesen sei.

Am nächsten Morgen finde ich einen Zettel neben meinem Kopfkissen: „Ich bin weg, ruf bitte nicht mehr an … England … Aber ich hatte das Gefühl, du wolltest mir noch etwas sagen? Also, wenn es wichtig ist, ruf doch an. Ciao, Theo“

Kira erleidet eine Fehlgeburt und zieht dann zu ihrer Freundin Nele nach Berlin.

Haifa, Israel, 2008

Kira besucht nach zehn Jahren zum zweiten Mal ihre Großeltern Sarah und Aaron − die Eltern ihres Vaters Wenja − in Israel.

Ich bin vor drei Tagen in Tel Aviv gelandet, habe den Zug nach Haifa genommen und dann fast eine Stunde mit dem Bus aus Haifa gebraucht, um sie auf ihrem Berg zu erreichen, auf dem sie seit zwanzig Jahren in dem kleinen weißen Mietshaus leben.

Oma Sarah erinnert sich an früher:

„Ich wurde … 1932 in Bessarabien geboren … Das ist heute Moldawien und gehörte damals zu Rumänien, wir haben als Kinder noch Rumänisch gesprochen und auch in der Schule gelernt […]. 1940 kamen die Sowjets und haben aufgeräumt, Besitz verstaatlicht, Rumänen, die nationalistisch oder antisowjetisch eingestellt waren, deportiert. Der Gemüseladen meines Vaters war nicht interessant, die Einnahmen nicht hoch genug und die Familie zu kinderreich, um ihn zu enteignen, man ließ uns in Ruhe. Ich habe vier Schwestern, Kirotschka … fünf hübsche Mädchen waren wir. Und nun sind nur noch zwei alte Hexen übrig … eine amerikanische und … ich! […] Ein Jahr lang haben wir unter sowjetischer Macht gelebt und angefangen Russisch zu sprechen […] 1941 erreichte uns der Krieg“, haucht sie dunkel aus.

Sowohl Sarahs als auch Aarons Familie wurden 1941 von den Sowjets nach Usbekistan gebracht und so vor den Deutschen gerettet.

„Die Rumänen, die Deutschen, die Moldawier, die Russen auch ab und an, die auch, aber wir sind der Sowjetmacht dankbar, wir sind trotzdem dankbar … Die Rumänen, unter denen wir lebten damals, in Bessarabien noch, die haben nur auf die Deutschen gewartet, dann durften sie erst recht Juden abschlachten. Aber die Sowjets nicht, die nicht, Kirotschka. Unsere 100 Gramm Brot in der Evakuierung bekamen wir, und zurückkehren nach dem Krieg durften wir auch. Wir haben unsere Ausbildung vom sowjetischen Staat erhalten und wir sind dankbar.“

New York, USA, 2012

Rimma, eine der vier Schwestern Sarahs, lebt mit ihrer Tochter Sweta in New York. Als Kira 2012 für drei Wochen nach New York fliegt, möchte sie der Verwandtschaft eigentlich aus dem Weg gehen und hat deshalb ein Zimmer in einem Hostel in Brooklyn gebucht, aber bei ihrer Ankunft erfährt sie, dass nur noch ein Bett in einem Männerzimmer verfügbar ist. Notgedrungen ruft sie Sweta an.

„Kirotschka, aber natürlich komme ich dich sofort abholen! Mein Gott, Mutter, sie ist bei den Orthodoxen gelandet, na immerhin, da kann ihr nichts passieren, immerhin. In einem бомжатник! Mutter, sie wollte tatsächlich in einem Bomschatnik übernachten. Sie ist verrückt! Sie denkt, das sei hier Europa. Das ist New York, Kirotschka! Brooklyn!“, schreit mich Tante Sweta mit einem Unterton von Todesangst bei dem Wort Brooklyn aus dem Telefon an. „Meine liebe Nachbarin Dinotschka wird mich sicherlich mit dem Auto zu dir fahren. Bleibe dort und rühre dich nicht vom Fleck! Wo bist du? Wo stehst du, Kirotschka? Hast du etwas gegessen? Bist du warm angezogen?“

[…] ich weiß jetzt schon, dass sie mich in den Wahnsinn treiben werden, die jüdischen Verwandten meines Vaters, aber ich habe keine andere Wahl.

Berlin, Deutschland, 2014

Rita Galo ließ Kira fallen wie einen faulen Apfel, als sie merkte, dass es der Künstlerin an Disziplin fehlte.

Alles, was keinen Erfolg mehr bedeutete, strich sie von ihrer Liste. Und dazu gehörte auch ich […].

Kira steht 2014 ihrer Freundin Nele bei, als diese zwei Wochen vor der Zeit einen Sohn zur Welt bringt. Manuels Vater Suk schafft es nicht mehr rechtzeitig, von eienr Konzertreise in Australien zurückzukehren, um bei der Geburt dabei zu sein.

Hiddensee, Deutschland, 2015

2015 reist Kira mit dem 35-jährigen Journalisten und Dozenten Marc Brückner, mit dem sie seit knapp einem Jahr zusammenlebt, nach Hiddensee. Sie ist schwanger und spürt am Strand die Stöße des Fötus in ihrem Bauch.

Bochum, Deutschland, 2019

Lena zeigt sich enttäuscht, als ihre Tochter Kira sie in Bochum besucht, aber den Enkel Karl bei Marc in Berlin zurückgelassen hat. Die 64-Jährige, die seit einem Jahr Witwe ist und eine Chemotherapie wegen einer zweiten Krebserkrankung hinter sich hat, lebt seit ihrer Ankunft in Deutschland im Ruhrgebiet, versteht jedoch noch immer nicht, was die Menschen dort bewegt.

„Ach, was soll’s… in diesem Land ist sowieso alles anders, ich habe das nie begriffen. Ich habe nie begriffen, worum es hier geht. Den Menschen… worum geht es denen?“

Kira meint:

„Vielleicht sollte ja jeder selbst rausfinden, worum es geht, Mama. Ich glaube, verallgemeinernd kommst du da nicht weit.“

Sie erinnert sich, wie sie ihren Eltern mitteilte, es sei ihre Absicht, eine Kunsthochschule zu besuchen.

Mama setzt ihre Brille ab und starrt mich an, Papa packt mich regelrecht am Nacken.
„Bist du übergeschnappt? Für wen war das denn alles hier? Für wen haben wir denn diesen beschissenen Anhänger mit ihren beschissenen Burda-Heften hierher gezogen? Jelena, hast du das gehört? Wo sie hingehen will?“
„Ich hab es gehört, Wenja. Beruhige dich, Kunst ist … auch ein Beruf … wenn man ein Künstler ist … oder so. Aber was ist mit dem Abitur, Kira?“

„Wofür haben wir denn gekämpft hier? […] Weißt du, wie anstrengend das war, dich in diesem Scheißgymnasium unterzukriegen, damit du eine Zukunft hast in diesem freien Land hier? Dachte ich zumindest, dass wir aus einem unfreien Land in ein freies Land fahren, davon haben ja permanent alle gequatscht … Was willst du, Kira? Willst du frei sein, oder was? … „

Berlin, Deutschland, jetzt

Kira Liberman unterrichtet mehrmals pro Woche sechsjährige Schüler im Zeichnen. Ihre eigenen Bilder befinden sich auf dem dafür ungeeigneten Dachboden, den ihr der Vermieter als „Atelier“ zur Verfügung gestellt hat. Dorthin zieht sie sich immer wieder zurück – und drückt Zigaretten auf ihrem Bauch aus. Sie hat Albträume, schlimme Befürchtungen und trägt sich mit Suizidgedanken, die sie nur wegen ihres fünfjährigen Sohnes Karl verwirft, aber mit Marc kann sie darüber nicht reden. Sie argwöhnt, dass er sie mit anderen Frauen betrügt.

Ich bin zu kleingeistig für Suizid, das wäre ja schon fast pathetisch, wie meine beschissenen Bilder. Außerdem braucht Karl mich.

Alleinsein in unserer Wohnung isoliert mich, versetzt mich in Panik. Weil alles stillzustehen scheint, sich nichts mehr bewegt, außer den sich wiederholenden Gedanken.

Dann folgt der nächste, noch beunruhigendere Gedanke, nämlich der, dass das Ersparte aus den fünf erfolgreichen Jahren, in denen ich malte und ausstellte, irgendwann aufgebraucht sein wird, und wir dann von Marcs Geld leben müssen, was ausreicht, aber höchstwahrscheinlich einen dritten ernüchternden Gedanken mit sich bringen würde, nämlich die Frage nach dem Sinn meiner Malerei, die ich mir sowieso schon lange gestellt habe, ob ich nun Geld dafür bekam oder nicht. Außer meiner Zuneigung dem handwerklichen Vorgang gegenüber und der Verbindung, die ich spüre, wenn ich male, finde ich keine Beweise dafür, dass das Ganze irgendeine Art von Sinn hat. Schaffte jemand die Kunst ab, würde sie dann in unseren Köpfen in Vergessenheit geraten?

Wegen der Brandwunden trägt Kira einen Badeanzug statt eines Bikinis, wenn sie mit Nele, Karl und Manuel im Schwimmbad ist.

Epilog

Obwohl Karl bereits 15 Jahre alt ist, will er noch einen Drachen steigen lassen und überredet er seine Mutter, ihn zum Tempelhofer Feld zu begleiten.

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Marina Frenk überlässt in ihrem Debütroman „ewig her und gar nicht wahr“ das Wort einer Ich-Erzählerin bzw. einem Alter Ego. Wie die Autorin wurde Kira Liberman 1986 in Chișinău (im Buch: Chisinau) in Moldawien geboren und kam 1993 mit ihren Eltern nach Deutschland. Anders als Marina Frenk ist Kira Liberman Malerin, aber ihre einzige Ausstellung fand 2007 statt – vor 13 Jahren. Sie unterrichtet Erstklässler im Zeichnen, und zum Malen geht sie auf den Dachboden – wo sie auch heimlich Zigaretten auf ihrem Bauch ausdrückt. Verzweifelt, aber auch selbstironisch und zynisch-distanziert versucht sie, sich im Leben zurechtzufinden und ihr Gefühl der Verlorenheit zu überwinden. Dabei denkt sie immer wieder an Fragmente der Geschichte ihrer 1941 aus Moldawien geflüchteten, durch verschiedene Gesellschaftssysteme gegangenen jüdischen Familie.

Das Buch „ewig her und gar nicht wahr“ kann man als introspektiven Künstler(innen)roman lesen, aber es dreht sich nicht nur um eine Schaffenskrise, sondern vor allem um Familie und Herkunft, Heimatlosigkeit, Verlorenheit und Selbstfindung. Marina Frenk bzw. Kira Liberman erzählt im ständigen Wechsel zwischen den Zeiten. Das entspricht zwar dem Denken der Protagonistin, erschwert aber auch die Lektüre, denn es ist nicht einfach, den Überblick über die Generationen in „ewig her und gar nicht wahr“ zu behalten.

Marina Frenk studierte 2005 bis 2008 Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Die Schauspielerin gehörte verschiedenen Ensembles an: Grillo-Theater Essen, Schauspielhaus Bochum, Leipziger Centraltheater, Schauspiel Köln und Maxim-Gorki-Theater Berlin. Seit 2015 ist sie freischaffende Schauspielerin, Musikerin, Sängerin und Autorin.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2020
Textauszüge: © Marina Frenk / Verlag Klaus Wagenbach

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Der 75-Jährige Urs Widmer erzählt im lockeren Plauderton. Vieles ist nicht nur gut beobachtet, sondern auch treffsicher dargestellt. Die Autobiografie "Reise an den Rand des Universums" bietet eine leicht lesbare und kurzweilige Lektüre.
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