Reinhard Kaiser-Mühlecker : Wilderer

Wilderer
Wilderer Originalausgabe S. Fischer Verlag, Frankfurt/M 2022 ISBN 978-3-10-397104-0, 352 Seiten ISBN 978-3-10-491454-1 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Jakob Fischer muss sich um den vom Vater heruntergewirtschafteten Bauernhof unterhalb einer 30 Meter hohen Autobahnbrücke in Oberösterreich kümmern, denn sein älterer Bruder ist in Wien verheiratet und die Halbschwester Luisa lebt in Hamburg. Zunächst scheitern auch Jakobs Projekte, aber dann bewirbt sich die junge Künstlerin Katja als Praktikantin und sorgt tatkräftig für Erfolg ...
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Kritik

Die karge, realistische Darstellung täuscht über die Komplexität und Ambivalenz des Geschehens hinweg. Man könnte von einem wuchtigen Entwicklungsroman sprechen, denn der Erzähler bleibt dicht bei der schwierigen Hauptfigur, folgt den Fehlschlägen, dem Aufschwung und dem Zusammenbruch. Erst auf den letzten Seiten des Romans "Wilderer" lässt uns Reinhard Kaiser-Mühlecker das ganze Ausmaß der Tragödie erkennen.
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Jakob

Seit langem führt Jakob Fischer den Bauernhof in Oberösterreich, den der Vater Bert früh vom Großvater übernommen, aber mit wirren Ideen und durch Nichtstun heruntergewirtschaftet hatte. Es bleibt alles an Jakob hängen. Sein älterer Bruder Alexander lebt mit der Ehefrau Lilo und dem 15-jährigen Stiefsohn in Wien. Luisa wohnt mit ihrem fünfjährigen Sohn Eric in Hamburg. Marie, ihre zehnjährige Tochter, ist beim Vater in Göteborg.

Später wird Luisa während eines Besuchs bei der Familie in Oberösterreich ein Geheimnis aufdecken:

„Auf der Hochzeitsfeier hat er [Bert] die Kellnerin gevögelt, während Mama Alexander gestillt hat … Weißt du das denn nicht? Und dann hat sich Mama einmal gerächt, und das war dann ich. Sie hat es nie jemandem gesagt. Aber wegen des Erbes musste sie es ihm sagen. Und nach einer kurzen Schockstarre probiert er’s sogar bei mir. Nie bemerkt, wie er mich angafft? Papas Liebling, immer noch, nur ein bisschen anders als früher. Er ist widerlich […].“

Auf einer 30 Meter hoch über den Hof aufragenden Brücke führt die Autobahn. Auch das Sirren einer Stromleitung ist zu hören.

Als 15-Jähriger glaubte Jakob, eine Freundin zu haben – bis er nach ein paar Monaten durchschaute, dass Nina nicht von ihm schwanger war, sondern ihm eine Vaterschaft anzuhängen versuchte. Lustlos blättert er seither durch das Angebot bei Tinder.

Als der Nachbar Max eine neue Güllegrube betoniert, hilft Jakob ihm, obwohl er kaum weiß, wie er die Arbeit auf dem Hof seines Vaters bewältigen soll. Nach der Fertigstellung gibt Max ein kleines Fest für die Helfer, aber Jakob lehnt die Einladung ab und weist das angebotene Geld empört zurück.

Ein in der Gegend wohnendes Ehepaar benötigt dringend Hilfe, als der Landwirt erkrankt und operiert werden muss. Rosi und Fritz sind jünger als Jakobs Eltern. Zwei ihrer Kinder kamen blind zur Welt, das dritte, der älteste Sohn, bearbeitet in Wien Asylanträge. Jakob beginnt also auch, bei Fritz und Rosi auf dem Hof zu arbeiten.

Sein Versuch, den Ertrag des eigenen Betriebs durch fünf Fischteiche zu vergrößern, scheitert, weil Otter und Reiher darin wildern. Immerhin kann er die Teiche dann an Angler aus der Stadt verpachten.

Als Bert beabsichtigt, einen Schweinestall zu bauen, versucht Jakob ihm das auszureden. Aber dann begreift er, dass die Großmutter doch noch über Geld aus der Hinterlassenschaft des vor fünf Jahren gestorbenen Großvaters verfügt und bereit ist, es ihrem Sohn „warm“ – also zu Lebzeiten – zu vererben.

Die Alte hatte das Geld noch, und wie auch immer es zugegangen war, sie hatte sich bereit erklärt, den Stall zu bezahlen.

Katja

Gegen ein geringes Monatseinkommen schaut Jakob in der Schule wie ein Hausmeister nach dem Rechten. So erhält er von Franziska („Franzi“) Pührendorfer nun auch den Auftrag, die Innenwände des Schulwärterhäuschens neu zu streichen, denn die Gemeinde erwartet eine Künstlerin aus Salzburg, die ein Stipendium für einen dreimonatigen Aufenthalt bekommen hat.

Katja, so heißt die 27-jährige Malerin, erkennt Jakob, denn sie sah sein Bild bei Tinder. Er habe sie nicht zurückgelikt, beschwert sie sich schelmisch.

Nach Ablauf des Stipendiums fragt Katja, ob sie auf dem Hof mitarbeiten könne.

„Ich würde zur Abwechslung gerne einmal etwas Sinnvolles tun, Jakob. Ich könnte dir helfen, und du könntest damit mir helfen. Gegen Kost und Logis.“

Jakob stellt sie der Familie als Praktikantin vor und quartiert sie im Zimmer seiner Halbschwester Luisa ein. Es dauert nicht lang, bis Katja und Jakob ein Paar werden. Die junge Frau packt beherzt mit an, „voll Lust auf Arbeit und Leben“. Gemeinsam stellen sie den Hof auf biologische Tierhaltung um.

Glück? Glücklich? Das war ein großes Wort, das Jakob noch nie mit sich in Verbindung gebracht hatte. Und doch fühlte er sich oft so, dass auf den Zustand eigentlich kein anderes Wort passte oder ihm kein anderes einfiel, das besser gepasst hätte. Zugleich war die Gewohnheit zäh, und sein Misstrauen blieb: Das hier würde nicht dauern; das hier würde keinen Bestand haben; irgendwann, früher oder später, würde sie genug haben, sie würde wieder gehen […].

Als sich herausstellt, dass Fritz auch in Zukunft keine körperliche Arbeit mehr leisten kann und nichts unternimmt, um Jakob zu entlasten, reagiert dieser verärgert:

„Sie nehmen es als etwas Selbstverständliches. Sie zahlen für mich nur einen Fünfer, das Restliche bezahlt seine Krankenversicherung. Die ganze Kohle aber, die erwirtschaftet wird, weil ich sie erwirtschafte, die landet auf ihrem Konto. Fünf Euro! Arschlöcher.“
Katja sagte, er solle sich nicht aufregen. Wenn er wolle, sagte sie, rede sie einmal mit dem Alten […].

Katja handelt mit Fritz eine Regelung aus, derzufolge Jakob den anderen Hof gegen eine Jahrespacht von 25.000 Euro auf eigene Rechnung führen darf. Allerdings verlangt Fritz die erste Rate sofort, und die Summe könnte Jakob nicht ohne einen Kredit stemmen. Katja gelingt es, den Bankberater mit einer Präsentation auf dem Laptop zu überzeugen.

Bevor die verwitwete Großmutter auf dem Hof stirbt, erfüllt sie den Wunsch ihres Ehemanns und setzt Jakob als Alleinerben ein. Der sträubt sich zunächst gegen das Erbe, denn in der Familie weiß man, dass der Großvater das Geld nicht ehrlich erworben hat. Es sei „Judengeld“, heißt es. Aber Katja bringt ihn zum Umdenken.

„Pecunia non olet, Jakob. Geld stinkt nicht. Niemand fragt, woher es kommt. Du solltest dich rasch daran gewöhnen.“
Er befolgte ihren Rat, und es gelang ihm schneller, sich an den Reichtum zu gewöhnen, als erwartet. […] Feld um Feld kaufte er auf […].

Katja und Jakob heiraten und bekommen einen Sohn, den sie Marlon nennen.

Als Fritz stirbt, kündigt die Witwe die Vereinbarung mit Jakob.

Sie fühle sich nicht an den Vertrag gebunden, sie habe lange genug zugesehen, wie sie ausgenutzt worden seien, sagte die Alte. Ausgenutzt? Sie? Jakob glaubte, nicht recht zu hören. Er, der noch nie jemanden ausgenutzt hatte, der hier ausgeholfen hatte, als sie schon ganz verzweifelt gewesen waren, der ihnen für einen Hungerlohn, weniger, als irgendein Ungelernter bekommen hätte, den Betrieb geschaukelt hatte?

Katja ist, wie immer, Jakob einen Schritt voraus. Weil sie den Stall auf dem anderen Hof nicht länger benutzen dürfen, stellen sie auf Freilandschweine um. Und Jakob denkt:

Ich darf diese Frau niemals verlieren.

Aufschwung

Eines Tages überrascht Katja ihren Mann mit der Nachricht, dass man ihr ein attraktives, gut bezahltes Kunststipendium für drei Monate in Hamburg angeboten habe, ausgerechnet von Juni bis September, in der arbeitsintensivsten Zeit des Jahres. Jakob stellt deshalb zwei rumänische Tagelöhner ein: Adrian und Konstantin („Kostja“).

Katja richtet zwei Instagram-Accounts ein, einen als Künstlerin, den anderen als Landwirtin, verlinkt  die beiden Webpräsenzen allerdings nicht miteinander.

Es gab nicht einen Hinweis darauf, dass die Künstlerin ihr Geld in der Landwirtschaft verdiente, verheiratet war, ein Kind hatte; und es gab keinen Hinweis darauf, dass die Landwirtin eine immer gefragtere Künstlerin war, vertreten von einem bekannten deutschen Galeristen. Das eine Konto folgte nicht einmal dem anderen.

Während Katja erneut in Hamburg zu tun hat, lässt Jakob sich von Kostja überreden, ins „Rose“ zu fahren, das Laufhaus im Nachbardorf. Auf irgendeine Weise erfährt Katja davon. Aus Sorge, sie zu verlieren, überschreibt Jakob ihr die Hälfte des Besitzes.

Ihr gehörte jetzt die Hälfte. Warum auch nicht? Ohne sie wäre hier schon längst alles überwuchert … Ohne sie wäre der Revolver des Großvaters schon längst einmal losgegangen …

Ohne sich mit Sohn oder Schwiegertochter abzusprechen, gibt Bert seinen Hund Axel, der die meiste Zeit nicht bei ihm, sondern bei Jakob und Katja gewesen ist, Alexander mit. Aber der kann ihn nicht behalten, denn Lilo leidet schon bald unter einer Allergie. Deshalb bittet er seinen Bruder, das Tier in Wien abzuholen und auf den Hof in Oberösterreich zurückzubringen.

Bald darauf lässt Adrian versehentlich die Tür zum Hühnerstall offen. Bis Jakob den Rüden am Halsband packen und ins Freie zerren kann, hat dieser bereits im Blutrausch fünfzig der fünftausend frisch geschlüpften Küken zerbissen. Wiederholt sich da, was vor einigen Jahren mit der Hündin Landa geschehen war? Jakob hatte sie beim Wildern erwischt, ihr danach in zwei Schinkenscheiben eingewickelte Rasierklingen zum Fressen gegeben und sie damit umgebracht.

Katja überrascht Jakob mit einer Feier, zu der nicht nur Lilo und Alexander, Katjas Eltern und Luisa kommen, sondern auch der Bürgermeister, der Präsident des Bauernbundes und der Agrarlandesrat. Der Hof wurde zum „Betrieb des Jahres“ erkoren, als erster im Rosental überhaupt. Katja organisierte alles, und Jakob erfährt nun als Letzter von der Ehrung.

Während der Feier fragt Lilo unvermittelt, wo der Hund sei. Jakob findet Axel wie damals Landa bei einem gerissenen Rehkitz. Allein kehrt er auf den Hof zurück, wo Luisa ihn höhnisch fragt:

„Was? Dir ist schon wieder ein Hund weggelaufen? Wildert der etwa auch?“
[…] „Ich weiß es nicht, Luisa.“
[…] „Was bist du nur für ein Versager!“

War nicht eben, an diesem Tag, gewissermaßen amtlich festgestellt worden, dass er gerade das nicht war? Saßen sie nicht deshalb hier beisammen: weil er kein Versager war?


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Zusammenbruch

Jakob sperrt Axel in der Werkstatt ein. Nachts erdrosselt er ihn mit einem Flaschenzug. Nachdem er den Kadaver weggebracht hat, sagt er:

„Ich liebe dich, Katja.“
Kurz herrschte Stille, dann lachte sie. Prustete. Wusste offenbar nicht, wie ihr geschah. Noch nie hatte er das gesagt, nicht am Anfang, nicht einmal im ersten Überschwang […].

Kurz darauf sieht Jakob, wie Katja weinend ihre Sachen packt.

Er wusste augenblicklich, dass sie nicht nur für ein paar Tage packte, sondern für immer.

Luisa betritt grinsend den Raum und zeigt ihm auf ihrem Smartphone Aufnahmen von der Wildtierkamera, die er wegen des Otters an den Fischteichen angeschafft hatte. Darauf ist zu sehen, wie er Axel mit dem Flaschenzug erwürgt.

Als Luisa, Katja und Marlon fort sind, setzt Jakob sich in den Ohrensessel, in dem seine Großmutter starb. Er glaubt, dass das Video nicht die alleinige Ursache für das Scheitern der Ehe war.

Sie hatte es schon länger geplant. Sich immer die Hintertür offen gehalten. Das damals aus Hamburg geschickte Formular für die Krippe, das er unterschreiben sollte, mit dem Salzburger Wappen darauf … Ihre beiden durch nichts verbundenen Instagram-Accounts … […] Sie, die wohl nur ein bisschen wildern wollte in diesem fremden Leben, damit sie später sagen könnte: So einen habe ich auch mal gehabt … Zauk, verdammte!

Katja verlangt in ihrer ersten Nachricht aus Salzburg die Auszahlung ihres Anteils am Besitz.

Jakob ruft Kostja an, lädt ihn ein, vorbeizukommen und erzählt dem willigen Zuhörer bei ein paar Flaschen Bier dann alles, erst einmal von Markus, mit dem er seit der Schule befreundet war.

[…] von Markus, der so oft davon geredet hatte, sich umbringen zu wollen, bis Jakob auf einmal vorschlug: Machen wir es gemeinsam? In dem Moment hatte er es sogar ernst gemeint. Aber nur in dem Moment; eigentlich wollte er es allein machen. Und warum hatte er Markus überhaupt verraten, dass auch er daran dachte? Er bekam Widerwillen, als er sah, wie sehr Markus die Vorstellung begeisterte. Ekel. Und dann hatte er so getan, als stürze auch er bei drei sich in die Schlinge; Markus hatte es sogar noch bemerkt, dass Jakob nicht ernst machte, aber da war es schon zu spät gewesen, und während Markus an dem einen Strick gebaumelt war, den umgestürzten Schemel unter sich, hatte Jakob sich aus seinem Strick befreit und war abgehauen, ohne noch einmal hinter sich zu blicken.

Jakob erinnert sich daran, wie er einen Ziegelstein in den Kellerschacht stieß, weil er sich über seinen Vater ärgerte, der die fauligen Kartoffeln ausklauben sollte, aber seine Zeit vertrödelte.

Als sein Bruder Alexander darunter litt, dass Lilo von ihrem ersten Ehemann nicht freigegeben wurde, drang Jakob in die Villa des Offiziers ein und erschreckte ihn so, dass er noch in der Nacht einem Herzinfarkt erlag.

Oder wie es war, als er zu den Gebetskreisen zu Elvira Hager ging […], und wie dann die hässliche Bäckerin aus dem Nachbarort anfing, diesen Zirkel, zu dem sie gerade selbst noch gehört hatte, zu bedrohen, und Jakob diesem einen Dummkopf, der sich bei den Andachten immer neben ihn setzte, sagte, er wünschte, diese Bäckerin würde von der Erdoberfläche verschwinden oder irgend so was in der Art, worauf der andere ihr nur wenige Tage nach diesem Gespräch, das eigentlich gar keins gewesen war, mit einer Axt kurzerhand den Schädel einschlug?

[…] so oft hatte er sich nicht in der Hand gehabt. Oft genug hatte er auch einen klaren Kopf dabei gehabt. Genau gewusst. Es absichtlich gemacht. Mit Vorsatz.

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Protagonist des düsteren Romans „Wilderer“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker ist Jakob Fischer, ein junger Landwirt in Oberösterreich, der Halt und Orientierung verloren hat. Dass Unheil droht, ergibt sich schon aus den ersten Zeilen des Buches:

Es dämmerte; konnte kaum später als vier Uhr früh sein. […] Das Metall war nur wenig kalt. Angenehm, beruhigend fühlte es sich an, auch als es gegen seine Schläfe drückte. Er hielt die Luft an, spannte den Finger an und betätigte den Abzug.
„Klack“, machte es. Ein leeres, langweiliges Geräusch, und er stieß die angehaltene Luft wieder aus. Wie war das möglich? Seit Jahr und Tag immer nur dieses Geräusch. Es war im Grunde unmöglich, so unmöglich, als falle bei einem Würfel, wie oft man ihn auch warf, niemals die Sechs, oder niemals die Eins, niemals eine bestimmte Augenzahl, niemals die, auf die man wartete. Er seufzte, nahm den Revolver von seiner Schläfe, drehte die Trommel ein paarmal und legte die Waffe in die Lade zurück, ohne sie zuzuschieben.

Der Bauernhof befindet sich unterhalb einer 30 Meter hohen Autobahnbrücke. Auch das Sirren einer Stromleitung ist zu hören. Mit diesen Sinnbildern der Devastierung kontrastiert die anachronistische bäuerliche Lebensweise. Dabei ist „Wilderer“ weder Heimatroman noch Anti-Heimatroman.

Die karge, realistische Darstellung täuscht über die Komplexität und Ambivalenz des Geschehens hinweg. Man könnte von einem wuchtigen Entwicklungsroman sprechen, denn der Erzähler bleibt dicht bei der schwierigen Hauptfigur, folgt den Fehlschlägen, dem Aufschwung und dem Zusammenbruch. Erst auf den letzten Seiten des Romans „Wilderer“ lässt uns Reinhard Kaiser-Mühlecker das ganze Ausmaß der Tragödie erkennen, und da folgen die schockierenden Enthüllungen dicht aufeinander. (Zwei weniger hätten gereicht.)

Mit dem Titel „Wilderer“ spielt Reinhard Kaiser-Mühlecker auf ein Leitmotiv des Romans an. Ein Fuchs schleppt Hühner davon, ein Otter und ein Reiher plündern Fischteiche, Hunde reißen Wild – und von der weiblichen Hauptfigur heißt es, sie habe wohl in fremdem Leben gewildert.

Beim Lesen des archaischen Romans stellt man sich einen älteren Schriftsteller als Autor vor, aber Reinhard Kaiser-Mühlecker ist bei der Veröffentlichung im März 2022 noch keine 40 Jahre alt.

Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde am 10. Dezember 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren und wuchs 20 Kilometer nordwestlich davon auf, in Hallwang. 2003 bis 2007 studierte er in Wien Landwirtschaft, Geschichte und Internationale Entwicklung.

2008 debütierte Reinhard Kaiser-Mühlecker mit dem Roman „Der lange Gang über die Stationen“, für den er den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und ein Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben in Rheinland-Pfalz bekam. „Fremde Seele, dunkler Wald“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016.

Weitere Romane von Reinhard Kaiser-Mühlecker: „Magdalenaberg“, „Wiedersehen in Fiumicino“, „Roter Flieder“, „Schwarzer Flieder“, „Enteignung“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2022
Textauszüge: © S. Fischer Verlag

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wiedersehen in Fiumicino
Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald
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