Daniela Krien : Der Brand

Der Brand
Der Brand Originalausgabe Diogenes Verlag, Zürich 2021 ISBN 978-3-257-07048-4, 272 Seiten ISBN 978-3-257-61200-4
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Ein Ehepaar um die 50 plant einen Wanderurlaub und hofft, dabei die fragil gewordene Ehe retten zu können. Aber das gebuchte Ferienhaus brennt kurz vor der Abreise ab. Weil der Brand ihre Pläne durchkreuzt, können Rachel und Peter den Wunsch einer älteren Freundin erfüllen, deren Haus in der Uckermark zu hüten ...
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Kritik

Den Roman "Der Brand" hat Daniela Krien wie ein Kammerspiel angelegt. Er dreht sich um die Bemühungen der beiden Hauptfiguren, ihre gefährdete Ehe nach 30 Jahren nicht scheitern zu lassen. Daniela Krien stellt das konsequent aus Rachels Perspektive dar.
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Die Wunderlichs

Rachel und Peter Wunderlich sind seit fast 30 Jahren verheiratet, haben zwei erwachsene Kinder und leben in Dresden, wo Rachel eine psychotherapeutische Praxis betreibt, während Peter als Germanistik- bzw. Literaturprofessor an der TU lehrt.

Ihren Vater kennt Rachel nicht. Es sei bei einem One-Night-Stand mit einer Zufallsbekanntschaft passiert, behauptete die Mutter Edith, bevor sie vor einigen Jahren starb. Edith führte ein unstetes Leben mit häufig wechselnden Lebensgefährten.

Sechs Jahre bevor Edith geboren wurde, hatte ihre Mutter Anna die Verwüstung Dresdens durch Luftangriffe der Royal Air Force (RAF) und der United States Army Air Forces (USAAF) vom 13. bis 15. Februar 1945 überlebt. Dabei waren ihre Mutter und ihre Brüder umgekommen. Annas Vater starb in russischer Kriegsgefangenschaft.

Als Rachel und Peter noch studierten, bekamen sie die Tochter Selma. Das sechsjährige Kind brachten sie zu Peters depressiver Mutter, die am Rand der Sächsischen Schweiz lebte. Dort wuchs Selma auf. Inzwischen bedauern die Eltern das, aber damals sahen sie keinen anderen Ausweg.

Selmas Liebesleben begann mit 14. Mit 19 verliebte sie sich in Vincent, der gerade sein Studium der Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hatte und dann Karriere bei der Sächsischen Aufbaubank machte. Im Gegensatz zu ihm schloss Selma keine ihrer zahlreichen Ausbildungen ab. Dabei konnte sie sich auf die beiden Söhne Maximilian und Theodor hinausreden.

Ihr Bruder Simon strebt dagegen klar definierte Ziele an. Er studiert an der Universität der Bundeswehr München, ist bei den Gebirgsjägern und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung für die Heeresbergführer-Ausbildung vor.

Vor 15 Jahren beichtete Rachel ihrem Ehemann, dass sie ihn während einer Fortbildungsveranstaltung für Systemische Therapie im Tagungshotel im Taunus betrogen habe. Im Alter von 45 Jahren wurde sie noch einmal schwanger, aber sie ließ eine Abtreibung vornehmen.

Inzwischen ist Rachel 49 Jahre alt, und Peter wird demnächst seinen 55. Geburtstag feiern.

Vor einem Jahr und vier Monaten brach in den sozialen Medien ein Shitstorm über Prof. Peter Wunderlich herein, weil er eine/n Studierende/n namens Olivia P. mit „Frau“ angesprochen und sich trotz des Protests („Ich bin ein nichtbinärer Mensch!“) nicht sofort korrigiert hatte.

Der Brand

2020 buchen die Wunderlichs weit im Voraus ein Ferienhaus in den oberbayrischen Alpen und hoffen, dort ihre fragil gewordene Ehe retten zu können. Peter stellt Wandertouren zusammen, Rachel trainiert ihren Körper, und sie besorgen teure Ausrüstung. Aber wenige Tage vor der Abreise erhalten sie einen Anruf des Vermieters: das Ferienhaus ist abgebrannt.

Kurz darauf ist Ruth am Telefon, eine Tanzlehrerin Ende 60, die schon als Kind mit Rachels Mutter Edith befreundet war und mit ihrem zehn Jahre älteren Ehemann, dem Bildhauer Viktor, einen 150 Jahre alten Hof in Dorotheenfelde in der Uckermark bewohnt. Edith war dort oft mit ihren wechselnden Lebensgefährten und den beiden Töchtern Tamara und Rachel zu Besuch.

Ruth fragt Rachel, ob sie und Peter drei Wochen lang das Haus in Dorotheenfelde hüten und die Tiere versorgen könnten. Viktor erlitt unlängst einen Schlaganfall, und Ruth will zu ihm in die Rehaklinik in Ahrenshoop. Weil der Brand in Bayern die Urlaubspläne durchkreuzt hat, sagen Rachel und Peter zu.

Drei Wochen in Dorotheenfelde

In Dorotheenfelde kümmert sich Peter um die Tiere, eine 23 Jahre alte Stute, einen flugunfähigen Weißstorch und eine Reihe von Katzen, darunter eine, der ein Ohr fehlt.

Rachel schaut in das in einer früheren Scheune eingerichtete Atelier des Bildhauers und stößt dort zu ihrer Verwunderung auf zahlreiche Zeichnungen sowohl von ihrer Mutter als auch von ihr. Tamara hat Viktor dagegen nie interessiert. In Rachel keimt ein Verdacht auf: Könnte es sein, dass Viktor ihr Vater ist?

Für drei Tage kommt Selma mit den beiden kleinen Söhnen zu Besuch. Sie spielt mit dem Gedanken, sich von Vincent zu trennen. Der Liebhaber heißt Moritz, hat vier Kinder von zwei Frauen und beschäftigt sich mit elektroakustischen Installationen. Rachel und Peter sind entsetzt.

Ruth klagt am Telefon darüber, dass Viktor sie an ihr gegenseitiges Versprechen erinnert habe, einander im Fall einer hoffnungslosen Prognose Sterbehilfe zu leisten. Der Künstler hat sich zwar einigermaßen vom Schlaganfall erholt, wird aber seinen Beruf wegen der gestörten Feinmotorik nie mehr ausüben können − und es graut ihm vor so einer Zukunft.

Rachel und Peter haben in Dorotheenfelde gerade geplant, Ruth und Viktor in Ahrenshoop zu besuchen, als Ruth verzweifelt anruft und mitteilt, dass Viktor aus der Rehaklinik verschwunden sei. Bald darauf bestätigt sich die Befürchtung: Er hat sich in der Ostsee ertränkt.

Als Ruth nach Dorotheenfelde zurückkommt, fragt Rachel sie, ob Viktor ihr Vater gewesen sei. Ruth hat die Frage längst erwartet. Sie selbst sei im Winter 1978/79 auf den Gedanken gekommen, aber Viktor habe auf ihre entsprechende Frage mit „nein“ geantwortet, ebenso wie später Edith auf dem Sterbebett. Dass Viktor aber Rachel als Erbin des Hauses eingesetzt habe deute darauf hin, dass Rachel seine Tochter sei.

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Den Roman „Der Brand“ hat Daniela Krien wie ein Kammerspiel angelegt. Die Handlung spielt innerhalb weniger Wochen zunächst kurz in Dresden, dann auf einem früheren Bauernhof in der Uckermark, und neben den beiden Hauptfiguren Rachel und Peter Wunderlich treten nur wenige Personen auf.

„Der Brand“ kreist um die Bemühungen der beiden Hauptfiguren, die gefährdete Ehe nach 30 Jahren nicht scheitern zu lassen. Daniela Krien stellt das mit viel Einfühlungsvermögen konsequent aus Rachels Perspektive dar.

Entsprechend der drei Wochen, die Rachel und Peter auf dem Anwesen in Dorotheenfelde verbringen, hat Daniela Krien „Der Brand“ chronologisch in Wochen und Tage gegliedert. Dieser Aufbau ist so unspektakulär wie die äußere Handlung und die Sprache. Vielleicht liegt es an dieser Schlichtheit, dass der Eindruck entsteht, die Lektüre bewege sich dicht an der Grenze zur Wohlfühlliteratur.

Den Roman „Der Brand“ von Daniela Krien gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Dagmar Manzel.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2021
Textauszüge: © Diogenes Verlag

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