Antonio Scurati : M. Der Sohn des Jahrhunderts

M. Der Sohn des Jahrhunderts
M. Il figlio del secolo Verlag Bompiani, Mailand 2018 M. Der Sohn des Jahrhunderts Übersetzung: Verena von Koskull Klett-Cotta, Stuttgart 2020 ISBN 978-3-608-98567-2, 830 Seiten ISBN 978-3-608-11587-1 (eBook)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

"M. Der Sohn des Jahrhunderts" beginnt mit der Gründung der faschistischen Kampfbünde am 23. März 1919 und endet mit Mussolinis Auftritt am 3. Januar 1925 in der Abgeordnetenkammer in Rom, mit dem er das Fundament für seine Diktatur legt. Antonio Scurati befasst sich nicht nur mit der Politik, sondern er veranschaulicht auch zahlreiche andere dramatische Ereignisse.
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Kritik

Im Mittelpunkt des Romans "M. Der Sohn des Jahrhunderts" steht zwar Benito Mussolini, aber wir erleben das Geschehen auch aus anderen Perspektiven. Zwar hält sich Antonio Scurati an die eingehend recherchierten Fakten und führt weder fiktive Romanfiguren noch erfundene Episoden ein, aber er denkt sich in die Szenen hinein und ergänzt die Tatsachen im Detail durch seine Fantasie.
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Vorgeschichte

Benito Mussolini wird am 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio als Sohn der Lehrerin Rosa (geborene Maltoni) und des Schmieds (und späteren Gastwirts) Alessandro Mussolini geboren. Nach zwei Jahren als Chefredakteur des „Avanti!“, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano (PSI), wird er am 24. November 1914 entlassen und aus der Partei ausgeschlossen, weil er sich für den Kriegseintritt Italiens ausspricht (der am 24. Mai 1915 erfolgt).

1919

Nach dem Ersten Weltkrieg gehört Mussolini zu den Initiatoren einer faschistischen Bewegung, für die er mit seiner Zeitung „Il Popolo d’Italia“ in Mailand wirbt. Am 23. März 1919 bildet er mit in Mailand zusammengerufenen Repräsentanten faschistischer Gruppen (Fasci) die nationale Dachorganisation der Fasci italiani di combattimento. (Sein Programm für diese als Antipartei verstandene Bewegung veröffentlicht er am 6. Juni 1919 in „Il Popolo d’Italia“.)

Eines der Gründungsmitglieder, der Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti, führt am 15. April 1919 eine Brandstiftung im Redaktionsgebäude des „Avanti!“ durch, aber das dadurch erzielte Aufsehen verpufft: Ende 1919 existieren gerade einmal 31 Fasci mit insgesamt 870 Mitgliedern in Italien.

Die Sozialisten hassen sie, die Republikaner finden ihre antimonarchistische Haltung zu schlaff, die Monarchisten wollen sie auslöschen, die Bürgerlichen quittieren ihre Brutalität mit beifälligem Lächeln […], die Nationalisten würdigen ihren Patriotismus, haben aber nichts für ihre sozialistischen Altlasten übrig, die Demokraten halten sie für Extremisten. Die Einzigen, mit denen die Faschisten einer Meinung sind, sind die Arditi und die Kriegsfreiwilligen.

Italien fühlt sich um den Sieg betrogen, denn US-Präsident Woodrow Wilson ignoriert die Abmachungen, denen zufolge Italien die vor dem Krieg zu Österreich-Ungarn gehörende Stadt Fiume und Dalmatien erhalten sollte. Die Faschisten, bei denen Angehörige der Arditi-Elitemilitäreinheiten den Ton angeben, schüren die Enttäuschung über den „verstümmelten Sieg“ (vittoria mutilata) und die Angst vor der Linken. Kopf dieser nationalistischen Bewegung ist 1919 nicht der Journalist Benito Mussolini, sondern der 20 Jahre ältere Dichter Gabriele D’Annunzio. Der Prominente, der sich als Mann der Tat versteht und Ideologien verachtet, lässt sich am 6. Mai 1919 am Kapitol in Rom feiern, trifft sich am 23. Juni erstmals mit Mussolini und besetzt Fiume am 12. September 1919 handstreichartig mit Arditi und Armeeangehörigen. Am 16. Oktober wird die Gemeindevertretung aufgelöst, und bei den Neuwahlen am 26. Oktober in Fiume triumphiert der „comandante“ D’Annunzio.

In Italien suchen viele Kriegsveteranen vergeblich nach Arbeit. Not und Wut werden auch durch Streiks und Aussperrungen verursacht. Die Politik wird von radikalen Sozialisten geprägt, denen es gelingt, Massen zu mobilisieren. Sie streben eine Revolution nach dem Vorbild der russischen an. Bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 wird der PSI mit 32,5 Prozent der Stimmen und 156 Mandaten die stärkste Partei, während Mussolini und seine Bewegung kein einziges Mandat erobern.

Der zu den Mailänder Arditi zählende Kriegsheld Albino Volpi reagiert auf das Wahldebakel, indem er eine Splitterhandgranate vom Ponte delle Sirenette in einen Aufmarsch der Sozialisten wirft. Mussolini wird als Drahtzieher des Anschlags verdächtigt und festgenommen, aber nach 24 Stunden wieder freigelassen, weil ihn die Verantwortlichen nicht zum Märtyrer machen wollen.

Bei der Parlamentseröffnung am 1. Dezember 1919 in Rom brüskieren die 156 sozialistischen Abgeordneten König Viktor Emanuel III., indem sie vor der Thronrede demonstrativ den Saal verlassen.

1920

In der Emilia-Romagna und der Po-Ebene regieren die Sozialisten in den meisten Kommunen, und es gelingt der sozialistischen Gewerkschaft Federterra, die Landarbeiter zu organisieren. In monatelangen Aufständen ringen sie den Großgrundbesitzern Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitsbedingungen ab. Im Herbst 1920 reagiert Alfa Romeo in Mailand auf Streiks mit einer Aussperrung. Daraufhin besetzen 500 000 Arbeiter in ganz Italien 600 Fabriken.

Von nun an erhalten aber auch die Faschisten Zulauf. Dafür sorgt nicht zuletzt der faschistische Überfall im November 1920 auf die konstituierende Sitzung des neugewählten sozialistischen Gemeinderates von Bologna im Palazzo d’Accursio, bei dem neun Menschen ums Leben kommen. Die Zahl der lokalen Fasci wächst von 190 im Oktober 1920 auf 2200 Ende 1921. Zum Teil von Industriellen und Großgrundbesitzern finanzierte Squadristen führen vor allem in der Po-Ebene, der Emilia-Romagna und der Toskana bewaffnete „Strafexpeditionen“ gegen sozialistische, gewerkschaftliche und andere linke Einrichtungen durch, ohne zentral koordiniert zu werden.

Im Grenzvertrag von Rapallo vom 12. November 1920 einigen sich Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen auf die Anerkennung eines unabhängigen Freistaats Fiume. Gabriele D’Annunzio, der den Vertrag ablehnt, wird Ende 1920 von regulären Truppen der italienischen Armee aus Fiume vertrieben. Er zieht grollend in eine Villa bei Gardone Riviera am Gardasee und hofft vergeblich darauf, vom König einen Auftrag zur Regierungsbildung zu bekommen.

1921

Eine „Strafexpedition“ der Squadra „Celibano“ (abgeleitet von Cherry Brandy) aus Ferrara am 23. Januar 1921 in ländliche Vorgebiete und die Zerschlagung von Bauernbünden in der Po-Ebene treiben den Faschisten weitere Anhänger zu.

Italo Balbo, der Führer der Squadren von Ferrara, gibt die Weisung aus, Gegnern Rizinusöl einzuflößsen, sie dann auf die Motorhaube zu fesseln und durch die Straßen zu fahren. Furzende und sich in die Hosen scheißende Männer werden nämlich keine Märtyrer, sondern der Lächerlichkeit preisgegeben.

Der Abgeordnete Giacomo Matteotti, der als „Sozialist im Pelzmantel“ bezeichnete Sohn eines Großgrundbesitzers, prangert am 10. März 1921 den faschistischen Terror an. Mussolini behauptet dagegen, die Aktionen der Faschisten seien erforderlich, um den Terrorismus der Linken einzudämmen. Er stachelt die Squadristen an und tut gleichzeitig so, als sei er allein in der Lage, für Ordnung zu sorgen.

Nach einem Bombenanschlag bei einer Aufführung der Operette „Die blaue Mazur“ von Franz Lehár im Kursaal Diana in Mailand im März 1921 mit 20 Toten und 80 Verletzten marschieren im Trauerzug 2000 Faschisten ungehindert mit.

Im April 1921 wählen die Bewohner von Fiume den Plan zur Gründung eines Freistaats und verschaffen der Autonomistischen Partei fast doppelt so viele Stimmen wie dem aus Faschisten, Liberalen und Demokraten zusammengesetzten Nationalen Block.

Vor den Parlamentswahlen am 15. Mai 1921 bindet Mussolini die Fasci in einen von dem liberalen Greis Giovanni Giolitti geführten Wahlblock ein (blocco nazionale). Auf diese Weise gewinnen Mussolini und 34 weitere Faschisten ein Mandat in Rom. Gleich in seiner Antrittsrede im Parlament wendet sich der Onorevole Mussolini gegen Giovanni Giolitti.

Am 21. Juli 1921 wollen 500 Squadristen eine „Strafexpedition“ in Sarzana durchführen. Unerwartet stellen sich ihnen eine Handvoll Carabinieri entgegen – und schlagen die Übermacht in die Flucht. 18 Menschen sterben.

Die schockierende Nachricht mag dazu beigetragen haben, dass Mussolini am 2. August einen „Befriedigungspakt“ mit sozialistischen Abgeordneten und Gewerkschaftsfunktionären schließt. Wegen der Kritik seiner Anhänger an diesem Schritt kündigt Mussolini am 18. August 1921 seinen Austritt aus dem Exekutivkomitee der Fasci di combattimento an. (Und ein Jahr später tut er den „Befriedungspakt“ als lächerliche Episode ab.)

Beim Nationalkongress der Kampfbünde im November im Teatro Augusteo in Rom setzt Mussolini sich gegen Widersacher wie Dino Grandi durch. Drei Stunden lang redet er aus dem Stegreif und entwirft dabei ein Programm. Es gelingt ihm, aus der Bewegung eine politische Partei zu formen, den Partito Nazionale Fascista (PNF), die Squadristen einzugliedern und sich als Führer (Duce) der Faschisten zu etablieren.

Die faschistische Bewegung […] – ursprünglich antiparteiisch, antiklerikal, sozialistisch, revolutionär und republikanisch – hat sich in eine konservative, monarchistische Partei mit eigener Armee verwandelt, in einen Verbündeten jener herrschenden Klasse, die die beiden Waffenbrüder einst gemeinsam bekämpften.

Bis Ende 1921 sind 80 Prozent der katholischen bzw. sozialistischen Verwaltungen in Norditalien durch faschistische „Strafexpeditionen“ aufgelöst und kommissarisch von den Präfekten übernommen worden.

1922

Am 3. März 1922 reißen italienische Faschisten mit einem Staatsstreich die Macht in Fiume an sich. (Am 16. März 1924 annektiert Italien den Freistaat Fiume.)

Mit Großaktionen von Squadristen in Norditallien beginnt eine zweite Welle der Gewalt. Die sozialistischen Gewerkschaften reagieren darauf am 1. August mit einem Generalstreik, den sie allerdings schon am 3. August wieder aufgeben. Bei den Auseinandersetzungen, die im Oktober ihren Höhepunkt erreichen, kommen Tausende ums Leben. Dabei wird die Linke als politischer Faktor ausgeschaltet, und die Masse der Gewerkschaftsmitglieder wechselt zu faschistischen Organisationen.

Während sich Mussolini vorübergehend nach Mailand zurückgezogen hat, beginnt am 27. Oktober der später zum Umsturz verklärte „Marsch auf Rom“ von etwa 5000 Squadristen. Die Führung übernimmt ein von Italo Balbo, Michele Bianchi, Emilio De Bono und Cesare Maria De Vecchi gebildetes Quadrumvirat. Die Regierung von Luigi Facta proklamiert den seit 1898 nicht mehr angewandten Belagerungszustand, um sich militärisch zu wehren, aber als der König wider Erwarten die Unterschrift verweigert, wird der Belagerungszustand noch am selben Tag widerrufen.

Insgesamt gibt es beim „Marsch auf Rom“ 30 Tote, davon allein zehn in Mantua.

Mussolini wird nach Rom gerufen, am 30. Oktober im Quirinalspalast von König Viktor Emanuel III. mit der Regierungsbildung beauftragt und tags darauf als Ministerpräsident eines Mitte-Rechts-Koalitionskabinetts vereidigt. In seiner Antrittsrede vor dem Parlament am 16. November verlangt er Sondervollmachten, um mit Verordnungen regieren zu können. Die erhält er eine Woche später, obwohl die faschistische Fraktion lediglich aus 35 Abgeordneten besteht.

Ende des Jahres transformiert Mussolini die Squadre in eine legale Miliz und richtet außerhalb der Verfassungsorgane einen Gran Consiglio del Fascismo ein.

1923

Die Mitgliederzahl des PNF steigt von weniger als 300 000 im Oktober 1922 auf mehr als 780 000 Ende 1923.

Am 15. Julli 1923 spricht das Parlament der Regierung Mussolini, der nur drei faschistische Minister angehören, mit 307 Ja- gegen 140 Nein-Stimmen das Vertrauen aus.

Im August wird eine Gruppe italienischer Offiziere an der griechisch-albanischen Grenze ermordet. Darauf setzt Mussolini einen aus 70 000 Soldaten auf 40 Schiffen bestehenden Flottenverband in Bewegung und lässt Korfu vorübergehend besetzen. Was für eine PR-Aktion!

Am 18. November 1923 tritt mit dem Acerbo-Gesetz ein neues Wahlrecht in Kraft, das der stärksten politischen Kraft mit mindestens 25 Prozent der Wählerstimmen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament sichert.

1924/25

Auf der Grundlage des neuen Wahlrechts erzielt Mussolini bei den Parlamentswahlen am 6. April 1924 einen überwältigenden Erfolg. Trotzdem beenden die Faschisten ihre gewalttätigen Aktionen nicht. Beispielsweise wird am 12. März 1924 in Mailand Mussolinis Gegner Cesare Forni erschlagen. Mussolini verteidigt die Eliminierung eines „Verräters“ in einem Zeitungsartikel. Eine Woche später verleiht ihm König Viktor Emanuel III. den Annunziaten-Orden, die höchste Auszeichnung des Königshauses Savoyen.

Am 10. Juni 1924 lauern Amerigo Dùmini, Giuseppe Viola, Albino Volpi, Augusto Malacria und Amleto Poveromo in Rom dem PSU-Abgeordneten Giacomo Matteotti auf, der am 30. Mai Unregelmäßigkeiten bei der Wahl im April anprangerte und über Belastungsmaterial gegen korrupte Faschisten verfügen könnte. Gewaltsam zerren Dùmini und seine Männer den sich heftig Wehrenden ins Auto und ermorden ihn außerhalb der Stadt.

Ob Mussolini persönlich den Mordanschlag in Auftrag gab, ist nicht erwiesen. Auf jeden Fall berichtet ihm Amerigo Dùmini noch am selben Tag davon. Mussolini verspricht im Parlament, man werde die Tat aufklären und die Schuldigen bestrafen. Velia Matteotti versichert er, es gebe Hoffnung, dass ihr entführter Ehemann lebend gefunden wird.

Aus Protest gegen den Mord und die vermutete Verstrickung Mussolinis darin verlässt ein Großteil der Abgeordneten (Aventinblock) am 13. Juni das Parlament. Aber am 24. Juni spricht der Senat dem Regierungschef das Vertrauen aus.

Im August entdeckt der Straßenwart Alceo Taccheri Kleidungsstücke von Giacomo Matteotti in einem verstopften Abwasserkanal, und der Carabiniere Ovidio Caratelli findet die verscharrte Leiche im Wald der Quartarella, 23 Kilometer nördlich von Rom.

Auch Mussolini muss damit rechnen, gerichtlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Abgeordnetenkammer könnte ihn nach Artikel 47 der Verfassung vor dem Obersten Gericht anklagen, aber kein Einziger verlangt es. In einer Rede am 3. Januar 1925 vor dem Parlament prangert Mussolini die aventinische Sezession als revolutionär an und übernimmt großspurig die Verantwortung für die Verbrechen.

„Wenn der Faschismus eine kriminelle Bande war, dann bin ich ihr Anführer!“

Damit gewinnt er die politische Initiative zurück. Den Abgeordneten der Oppositionsparteien wird die Rückkehr ins Parlament verweigert. Die Basis für Mussolinis Diktatur ist gelegt.

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Antonio Scurati beginnt seinen Roman „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ mit der Gründung der faschistischen Kampfbünde am 23. März 1919 in Mailand und beendet ihn mit Mussolinis Auftritt am 3. Januar 1925 in der Abgeordnetenkammer in Rom, mit dem er das Fundament für seine Diktatur legt. Zwei weitere Bände über die folgenden 20 Jahre soll Antonio Scurati geplant haben.

Die zahlreichen kurzen Kapitel in „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ sind chronologisch angeordnet und jeweils mit Angaben über Akteur, Schauplatz und Datum versehen. Dazwischen hat Antonio Scurati Zitate aus Dokumenten mit Quellenangaben eingefügt. Im Mittelpunkt steht zwar Benito Mussolini, der zu Beginn und am Schluss in der Ich-Form zu Wort kommt, aber wir erleben das Geschehen auch aus anderen Perspektiven. Das Personenverzeichnis umfasst 13 Seiten.

Zwar hält sich Antonio Scurati an die eingehend recherchierten Fakten und führt weder fiktive Romanfiguren noch erfundene Episoden ein, aber er denkt sich in die Szenen hinein und ergänzt die Tatsachen im Detail durch seine Fantasie.

Antonio Scurati befasst sich in „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ nicht nur mit der Politik, sondern auch mit Mussolinis Ehe- und Liebesleben.

Die sieben Jahre jüngere Rachele Guidi, die nie eine Schule besucht hat und erst im Alter von 29 Jahren lesen und schreiben lernt, heiratet er am 17. Dezember 1915. (Ihre verwitwete Mutter war die Lebensgefährtin seines Vaters Alessandro Mussolini.)

Seine minderjährige Sekretärin Bianca Ceccato zwingt er 1918 zu einer Abtreibung. Mit ihr zeugt er den 1920 in Mailand geborenen Sohn Glauco di Salle.

Mussolinis interessanteste Geliebte ist Margherita Sarfatti. 1913, als er noch beim „Avanti!“ ist, lernt er die drei Jahre ältere jüdische Kunstkritikerin kennen, die seit ihrer Flucht aus dem reichen Elternhaus im Alter von 18 Jahren mit dem deutlich älteren Rechtsanwalt Cesare Sarfatti verheiratet ist und seit 1902 in Mailand lebt. Margherita Sarfatti gründet 1922 die Künstlergruppe Novecento, und ihr Salon in Mailand bildet in den Zwanzigerjahren einen Treffpunkt der Künstler und Intellektuellen.

Antonio Scurati schildert in „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ auch drei von Benito Mussolini ausgefochtene Säbel- bzw. Degenduelle: mit Claudio Treves (1920), Francesco Ciccoti Scozzese (1921) und Mario Missiroli (1922) . Dazu kommen Mussolinis Flugzeugabsturz am 5. März 1921 bei Mailand und andere dramatische Ereignisse. Immer wieder veranschaulicht Antonio Scurati in „M. Der Sohn des Jahrhunderts“, wie Squadristen politische Gegner ermorden.

Die Vielzahl der chronologisch aneinandergereihten Episoden verhindert allerdings, dass die großen Entwicklungslinien hervortreten.

Antonio Scurati wurde am 25. Juni 1969 in Neapel geboren. Er studierte Philosophie, spezialisierte sich auf Medientheorie und promovierte. Sein Roman „M. Il figlio del secolo“ / „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ wurde mit dem Premio Strega 2019 ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2020
Textauszüge: © J. G. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung

Ödön von Horváth - Geschichten aus dem Wiener Wald
Bei dem 1931 uraufgeführten Volksstück "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth handelt es sich um eine bitterböse, tragikomische Gesellschaftssatire.
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