McCabe & Mrs Miller

McCabe & Mrs Miller

McCabe & Mrs Miller

McCabe & Mrs Miller – Originaltitel: McCabe & Mrs Miller – Regie: Robert Altman – Drehbuch: Robert Altman, Warren Beatty, Brian McKay, nach dem Roman "McCabe" von Edmund Naughton – Kamera: Vilmos Zsigmond – Schnitt: Lou Lombardo – Musik: Leonard Cohen – Darsteller: Warren Beatty, Julie Christie, René Auberjonois, William Devane, John Schuck, Corey Fischer, Bert Remsen, Shelley Duvall, Keith Carradine, Hugh Millais u.a. – 1971; 120  Minuten

Inhaltsangabe

John McCabe baut in einem Bergdorf einen Spielsaloon und kauft einem Zuhälter drei billige Huren ab. Mrs Miller kommt aus Seattle. Die erfahrene Prostituierte über­redet McCabe zur Partnerschaft: Während er sich um den Saloon kümmert, holt sie Mädchen aus Seattle fürs Bordell. Das Zusammensein mit einer ihm überlegenen Frau verunsichert McCabe. Dass er das Kaufangebot eines Bergwerk-Konzerns für sein Land ablehnt, weil er glaubt, den Preis hochtreiben zu können, hält sie für einen verhängnisvollen Fehler ...
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Kritik

"McCabe und Mrs Miller" ist ein Anti-Western. Robert Altman ent­wickelt die Handlung ruhig und lakonisch. Die düsteren, mono­chro­men Bilder evozieren eine dichte Atmosphäre der Melancholie und Trostlosigkeit.
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Der professionelle Poker-Spieler John McCabe (Warren Beatty) reitet 1902 in den Gebirgsort Presbyterian Church. Dort animiert er in Sheehans (René Auberjonois) Hotel und Saloon einige Minenarbeiter zu einer Poker-Runde. Sein eigenes Etablissement in Presbyterian Church befindet sich noch im Bau. Lily, Kate und Alma (Jackie Crossland, Elizabeth Murphy, Carey Lee McKenzie), die drei Huren, die John McCabe einem Zuhälter (Thomas Hill) in einem nahen Dorf abkauft, müssen deshalb erst einmal im Zelt arbeiten und schlafen. Sheehan schlägt McCabe eine Partnerschaft vor, aber der Neuankömmling geht nicht darauf ein.

In dieser abgelegenen Gegend gibt es zwar keine Gleise, aber eine auf der Straße fahrende Dampflokomotive zieht einen Waggon nach Presbyterian Church. Ihm entsteigt Constance Miller (Julie Christie), eine erfahrene Edelhure. Mit dem Argument, sich besser als ein Mann mit Prostituierten auszukennen, gewinnt sie McCabe für eine Partnerschaft. Sie leitet den Bordellbetrieb, während er sich um den Saloon kümmert. Aus Seattle lässt sie fünf Prostituierte kommen (Linda Sorensen, Elisabeth Knight, Janet Wright, Maysie Hoy, Linda Kupecek).

Im Gegensatz zu McCabe ist Mrs Miller illusionslos. Die Partnerschaft mit einer Frau, die ihm auf Augenhöhe begegnet und in einigen Bereichen überlegen ist, verunsichert John McCabe. Zugleich verliebt er sich in Constance Miller, kann es aber nicht artikulieren, zumal sie ihn auf Distanz hält. Sie lässt ihn zwar in ihr Bett, aber nur wenn er sie zuvor bezahlt. Mrs Miller verlangt von ihren Freiern 5 Dollar; die anderen Mädchen sind für 1.50 Dollar zu haben.

Eines Tages tauchen zwei Herren eines Bergwerk-Konzerns in Presbyterian Church auf und bieten John McCabe 5500 Dollar für sein Land. Weil McCabe glaubt, mehr herausschlagen zu können, geht er nicht darauf ein. Mrs Miller meint, da habe er einen großen Fehler gemacht, denn sie befürchtet, dass der Konzern sein Vorhaben notfalls gewaltsam durchsetzen wird.

Zwei andere Unterhändler – Eugen Sears (Michael Murphy) und Earnie Hollander (Antony Holland) –, überbringen McCabe ein auf 6250 Dollar erhöhtes Angebot. Trotz Mrs Millers Warnung verlangt McCabe stattdessen 14 000 bis 15 000 Dollar, eine völlig unrealistische Summe, und will darüber beim Frühstück am nächsten Morgen mit den beiden Herren verhandeln. Am nächsten Morgen erfährt er jedoch, dass Sears und Hollander bereits abgereist sind.

Drei fremde Reiter kommen nach Presbyterian Church und quartieren sich bei Sheehan ein: Butler (Hugh Millais), Kid (Manfred Schulz) und Breed (Jace Van Der Veen). McCabe schickt seinen Vertrauten Smalley (John Schuck) hinüber. Der kommt mit der Nachricht zurück, dass die Fremden für den Konzern tätig sind, aber keine Verhandlungen mit McCabe planen. Also geht John McCabe selbst hinüber, wendet sich an Butler, den Wortführer der drei Männer und erklärt sich bereit, sein Land für 6500 Dollar zu verkaufen. Mr Butler stellt jedoch klar, dass er keine Verhandlungen führen werde. Stattdessen beschuldigt er McCabe, Bill Roundtree, den Freund eines Freundes, erschossen zu haben. (Das erzählte ihm Sheehan.) McCabe beginnt zu ahnen, dass es sich bei den drei Fremden um auf ihn angesetzte Killer handelt.

Ein junger, unbedarfter Cowboy (Keith Carradine) kommt nach Presbyterian Church geritten und vergnügt sich im Bordell. Als er wieder aufbricht, will er sich bei Sheehan Socken kaufen. Kid stellt sich ihm in den Weg. Der Cowboy trägt zwar einen Colt, erklärt dem Herausforderer jedoch, dass er nicht damit umgehen könne. Kid fordert ihn auf, ihm die Waffe zu zeigen, und als der Cowboy sie aus dem Holster zieht, erschießt Kid ihn zum Spaß. Ein paar Männer haben dabei zugesehen, unternehmen jedoch nichts weiter.

John McCabe sucht einen Rechtsanwalt (William Devane) auf. Der Jurist, der Senator werden möchte, erklärt sich bereit, den Fall pro bono zu übernehmen. McCabe murmelt: „Ich will nur, dass ich nicht umgebracht werde.“ Das überhört der Anwalt, der zu einer Rede ansetzt. Es gehe darum, die mächtigen Konzerne in die Schranken zu weisen, die kleineren Unternehmer zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen, erklärt er. Er werde den Fall in die Presse und vor Gericht bringen.

Am Abend versucht John McCabe, Constance Miller endlich zu erklären, was er für sie empfindet, aber es bleibt bei einem Gestammel, und sie fordert ihn schließlich auf, sich zu ihr ins Bett zu legen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Als er am nächsten Morgen aufwacht, ist sie fort. Über Nacht hat es geschneit. Mit einem Gewehr in der Hand läuft McCabe zur Kirche, die wie die Häuser aus Holz gebaut wurde. Vom Turm aus beobachtet er, wie die drei Killer nach ihm suchen. Er steigt wieder nach unten, findet aber sein am Fuß der Leiter abgestelltes Gewehr nicht mehr vor. Das richtet der Reverend auf ihn und vertreibt ihn aus dem Gotteshaus. Im nächsten Augenblick tritt Butler die Kirchentüre ein und erschießt den Reverend, den er im Licht einer Öllampe wegen des Gewehrs für McCabe hält.

Einer der Bewohner sieht, dass die Kirche brennt und schlägt Alarm. Männer, Frauen und Kinder rennen los und versuchen, das Feuer zu löschen.

McCabe, der inzwischen einen Revolver aus seinem Haus geholt hat, erschießt Kid, aber im Fallen gibt der Killer noch zwei Schüsse ab, die McCabe in den Bauch beziehungsweise Oberschenkel treffen. Trotz seiner schweren Verletzungen kann er kurz darauf auch Breed erschießen. Aber dann jagt Butler ihm aus einem Hinterhalt eine Kugel in den Rücken. McCabe stürzt in den Schnee und bleibt leblos liegen. Vorsichtig nähert sich Butler. Plötzlich reißt der Totgeglaubte den Revolver hoch und trifft Butler zwischen die Augen. McCabe versucht ins Dorf zu robben, bleibt jedoch vor den ersten Häusern erschöpft im tiefen Schnee liegen und stirbt – unbemerkt von den anderen Bewohnern, denen es gelungen ist, das Feuer in der Kirche zu löschen.

Mrs Miller bekommt von all dem nichts mit. Sie hat sich zu den chinesischen Minenarbeitern zurückgezogen und Opium geraucht.

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Robert Altman hat den 1959 von Edmund Naughton (1926 – 2013) veröffentlichten Debütroman „McCabe“ verfilmt („Keine Chance für McCabe“, Übersetzung: Lore Treplin, Rowohlt Verlag, Reinbek 1966).

„McCabe und Mrs Miller“ ist ein Anti-Western. Da reitet zwar zu Beginn ein Mann in eine Ortschaft, und am Ende gibt es einen Shootout, aber vom Mythos und der Romantik des Genres ist nichts mehr übrig. Die unwirtliche Landschaft spiegelt die Trostlosigkeit. Der Protagonist ist wortkarg, wie ein Westernheld, aber alles andere als ein Held. Eine desillusionierte Frau – Mrs Miller – ist McCabe überlegen, und seine Liebe zu ihr bleibt unerfüllt: Wie andere Freier auch, muss er bezahlen, wenn er mit ihr ins Bett will. McCabe hat auch keine Chance, Gesetz und Ordnung wiederherzustellen, denn Konzerne setzen ihre Interessen skrupellos durch. Der Rechtsanwalt, der bereit ist, McCabe zu vertreten, hält zwar eine flammende Rede gegen den Machtmissbrauch der Konzerne, aber nur, weil er eine politische Karriere anstrebt und sich von dem Fall Aufmerksamkeit in der Presse verspricht.

Robert Altman evoziert in „McCabe und Mrs Miller“ eine dichte Atmosphäre der Melancholie und Trostlosigkeit. Die Handlung entwickelt er ruhig und lakonisch. Die Bilder sind düster und monochrom.

Die Dreharbeiten für „McCabe und Mrs Miller“ fanden in Vancouver statt. Bei den Gebäuden handelt es sich nicht um Kulissen, sondern um bewohnbare Häuser, die während der Dreharbeiten gebaut und dann auch bewohnt wurden.

Julie Christie wurde für ihre Rolle in „McCabe und Mrs Miller“ für einen „Oscar“ nominiert. Die Trophäe wurde dann allerdings Jane Fonda für „Klute“ zugesprochen.

Die kongeniale Musikuntermalung von „McCabe und Mrs Miller“ stammt aus drei Songs von Leonard Cohen: „The Stranger Song“, „Sisters of Mercy“ und „Winter Lady“. Die Titel gehören zu seinem 1967 veröffentlichten Debütalbum „Songs from Leonard Cohen“.

2010 nahm das National Film Preservation Board „McCabe und Mrs Miller“ in das National Film Registry auf, das Verzeichnis US-amerikanischer Filme, die als besonders erhaltenswert gelten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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