Kansas City

Kansas City

Kansas City

Originaltitel: Kansas City - Regie: Robert Altman - Drehbuch: Robert Altman und Frank Barhydt - Kamera: Oliver Stapleton - Schnitt: Geraldine Peroni - Musik: Hal Willner - Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Miranda Richardson, Harry Belafonte, Michael Murphy, Dermot Mulroney, Steve Buscemi u.a. - 1996; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Durch einen Raub zieht der Kleinganove Johnny O'Hara sich den Unmut des Gangsterbosses Seldom Seen zu. Der lässt den Dieb von seinen Männern holen, und obwohl das gestohlene Geld noch vollzählig ist, will Seen ein Exempel statuieren, denn sein Ruf steht auf dem Spiel. Um Johnny freizupressen, entführt seine Frau Blondie die drogenabhängige Gattin des einflussreichen Senators Henry Stilton ...
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Kritik

Sehenswert ist die Gangster-Ballade "Kansas City" wegen der virtuosen Schnittfolgen, der vitalen Musik, der packenden Geschichte, großartiger Darsteller wie Jennifer Jason Leigh und Harry Belafonte – und der glänzenden Oldtimer, die von einem Museum zur Verfügung gestellt wurden.
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Kansas City in den Dreißigerjahren. Der Kleinganove Johnny O’Hara (Dermot Mulroney) raubt mit Hilfe des Taxifahrers „Blue“ Green (Martin Martin) den eitlen Würfelspieler Sheepshan Red (A. C. Smith) aus, der gerade mit dem Zug nach Kansas City gekommen ist, um im „Hey-Hey-Club“ zu spielen. Red beschwert sich daraufhin bei Seldom Seen (Harry Belafonte), einem Gangsterboss, dem der Klub gehört, in dem nicht nur Glücksspiele, sondern auch Jam Sessions stattfinden. Obwohl Johnny sich das Gesicht mit Ruß geschwärzt hatte, um im Dunkeln wie ein Schwarzer auszusehen, findet Seen rasch heraus, von wem sein Kunde ausgeraubt wurde, und er lässt den Dieb von seinen Männern holen. Das Geld ist noch vollzählig da; Johnny hat sich nicht einmal eine Schachtel Zigaretten davon gekauft. Trotzdem will Seen ihn nicht ungeschoren davonkommen lassen, denn sein Ruf steht auf dem Spiel. Fürs Erste sorgt er dafür, dass „Blue“ in einer Gasse totgeschlagen wird. Johnny bietet in seiner Furcht vor Folter und Tod dem farbigen Seen lebenslange Sklavendienste an, aber das amüsiert den Gangster nur.

Johnnys Ehefrau Blondie (Jennifer Jason Leigh) sucht Seen in seinem Klub auf und bettelt darum, ihren Mann freizulassen. Seen verhöhnt sie: „Wie wollen Sie ihn haben? In einer Kiste oder im Sack?“

In ihrer Verzweiflung beschließt Blondie, die Frau des Senators Henry Stilton (Michael Murphy) zu entführen und den einflussreichen Berater des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu erpressen, damit er für Johnnys Befreiung sorgt. Ihre Schwester Babe (Brooke Smith) manikürt Carolyn Stilton (Miranda Richardson) regelmäßig die Fingernägel. Blondie klingelt an der Haustür und sagt zu der schwarzen Dienerin Rose (Tawanna Benbow), ihre Schwester sei krank und habe sie als Vertretung geschickt. Dann bedroht sie die drogensüchtige Frau des Senators mit einer Pistole und zwingt sie, sich anzukleiden und in Blondies Auto zu steigen. Sie fahren zur Western Union, wo Blondie in der Telegrafie-Zentrale arbeitet. Während sie die Putzfrau Addie Parker (Jeff Feringa) bittet, auf die „rauschgiftsüchtige Frau, die ihrem prügelnden Ehemann davonlief“ aufzupassen, telegrafiert Blondie unter Carolyns Namen an den Bahnhof in Iowa, den Henry Stilton – er ist mit der Eisenbahn unterwegs – als nächstes erreichen wird. Man soll ihn wegen eines Notfalls aus dem Zug holen. Kurz nach der fahrplanmäßigen Ankunftszeit ruft Blondie den Bahnhof an und lässt Senator Stilton ans Telefon holen. Sie habe seine Frau in der Gewalt, erklärt sie ihm, und werde sie erst wieder laufen lassen, wenn er für die Befreiung ihres Ehemanns gesorgt habe. „Wer Roosevelt berät, schafft auch das!“

Ungeachtet des späten Abends ruft Henry Stilton sofort Gouverneur Guy Park (Cal Pritner) an und bittet ihn um Hilfe. Die beiden Politiker sind sich einig, dass die Polizei herausgehalten werden soll, um Aufsehen zu vermeiden. Der Gouverneur telefoniert mit Tom Pendergast (Jerry Fornelli), der sich wiederum mit John Lazia (Joe Digirolamo) in Verbindung setzt. Lazia soll die Entführung beenden. Henry Stilton nimmt den nächsten Zug zurück nach Kansas City.

Blondie übernachtet mit Carolyn Stilton auf einer Bank im Bahnhof. Am nächsten Tag wird in Kansas City gewählt. Johnny Flynn (Steve Buscemi), der Mann von Blondies Schwester Babe, schärft einer Horde von Arbeitslosen ein: „Ihr wählt, wen ich euch sage und so oft ich euch sage!“ Zufällig sieht er Blondie und die Frau des Senators im Auto. Kurz darauf taucht Babe entsetzt bei ihrer Schwester auf. Vergeblich warnt sie Blondie vor den Folgen ihrer Tat und weist sie darauf hin, dass auf Entführung die Todesstrafe steht, aber Blondie kann ohne ihren Johnny nicht leben.

Einige Stunden verbringen Blondie und Caroyln im Haus von Addie. Deren Sohn Charlie Parker (Albert J. Burnes), ein junger Jazz-Musiker, hat sich einer vierzehnjährigen schwangeren Schwarzen angenommen, die verloren im Bahnhof herumstand, weil Nettie Bolt (Jane Adams) vom Frauenverband sie verpasst hatte: Pearl Cummings (Ajia Mignon Johnson). Blondie, die selbst im Alter von siebzehn Jahren schwanger nach Kansas City gekommen war und ihr Kind dann zur Adoption freigegeben hatte, bringt Pearl in ein Heim für ledige Mütter, bevor sie mit Carolyn in ihre Wohnung fährt, um dort auf Johnny zu warten.

Mehrmals telefoniert sie mit dem inzwischen nach Kansas City zurückgekehrten Senator. Obwohl er sich in Wirklichkeit nicht um Johnny O’Hara kümmert, hält er Blondie hin, um Zeit zu gewinnen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Am Abend kommt Johnny endlich zur Tür herein. Aber er bricht auf dem Fußboden zusammen. Sein Hemd ist vorn voller Blut. Verzweifelt wirft Blondie sich über den Sterbenden und fleht Carolyn um Hilfe an. Die Frau des Senators nimmt ganz ruhig eine Pistole, zielt und erschießt Blondie. Offenbar war es ihr gelungen, ihren Mann anzurufen, ohne dass Blondie es gemerkt hatte, denn er wartet im Wagen vor dem Haus auf sie. „Weißt du, was ich versäumt habe?“, fragt Caroyln. „Zu wählen.“

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Robert Altman beginnt seinen Film mit der Entführung der Frau des Senators, und während er das weitere Geschehen zeigt, holt er die Vorgeschichte stückweise nach. Obwohl dazu fortwährend zwischen den Zeit- und Handlungsebenen hin- und hergeschnitten wird, wirkt „Kansas City“ in keiner Weise hektisch, sondern mitreißend und durch den Wechsel von schnellen und ruhigen Szenen dynamisch – wie die den ganzen Film über anhaltende Jam Session im „Hey-Hey-Club“, für die Robert Altman einundzwanzig Jazzmusiker engagiert hatte. Deren die Atmosphäre bestimmende Musik hören wir auch in den Szenen, die nicht im „Hey-Hey-Club“ spielen. „Kansas City“ ist aber nicht nur eine Hommage an die Jazz-Szene in den Dreißigerjahren in Robert Altmans Geburtsstadt, sondern zugleich eine Gangsterballade über die Kehrseite des „American Way of Life“: Rassismus, Korruption und organisiertes Verbrechen. Sehenswert ist „Kansas City“ wegen der virtuosen Schnittfolgen, der vitalen Musik, der packenden Geschichte, großartiger Darsteller wie Jennifer Jason Leigh und Harry Belafonte – und der glänzenden Oldtimer, die von einem Museum zur Verfügung gestellt wurden.

Die 21 Jazz-Musiker in „Kansas City“:

  • Geri Allen (Klavier)
  • Don Byron (Klarinette und Altsaxophon)
  • James Carter (Tenorsaxophon)
  • Ron Carter (Bass)
  • Cyrus Chestnut (Klavier)
  • Tyrone Clark (Bass)
  • Olu Dara (Trompete)
  • Jesse Davis (Altsaxophon)
  • Curtis Fowlkes (Posaune)
  • Clark Gayton (Posaune)
  • Craig Handy (Tenorsaxophon)
  • Victor Lewis (Schlagzeug)
  • Kevin Mahogany (Gesang)
  • Russell Malone (Gitarre)
  • Christian McBride (Bass)
  • David Murray (Tenorsaxophon)
  • David „Fathead“ Newman Jr. (Altsaxophon)
  • Nicholas Payton (Trompete)
  • Joshua Redman (Tenorsaxophon)
  • Mark Whitfield (Gitarre)
  • James Zollar (Trompete)

Sie spielen folgende Titel:

  • „Hosts of Freedom“ von Karl L. King
  • „Tickle Toe“ von Lester Young
  • „Moten Swing“ von Bennie Moten und Buster Moten
  • „Indiana“ von Ballard MacDonald und James F. Hanley
  • „I Surrender, Dear“ von Harry Barris und Gordon Clifford
  • „Blues in the Dark“ von Count Basie und James Rushing
  • „I Left My Baby“ von Count Basie, Andy Gibson und James Rushing
  • „Pagin‘ the Devil“ von Walter Page und Milton Gabler
  • „Yeah Man“ von J. Russel Robinson und Noble Sissle
  • „Froggy Bottom“ von John Williams
  • „Lafayette“ von Count Basie und Ed Durham
  • „Lullaby of the Leaves“ von Joe Young und Bernice Petkere
  • „Solitude“ von Eddie de Lange, Duke Ellington und Irving Mills
  • „Queer Notions“ von Coleman Hawkins
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Robert Altman (Kurzbiografie)

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Robert Altman u. a.: Aria
Robert Altman: The Player
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Robert Altman: The Company. Das Ensemble

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