Heinrich Böll : Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann Erstausgabe: Kiepenheuer & Witsch 1974 Sonderausgabe, dtv, München 2017 ISBN 978-3-423-14605-0, 145 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Die 27-jährige einsame Haushälterin Katharina Blum lernt 1974 im Kölner Karneval Ludwig Götten kennen, von dem sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, dass es sich um einen von der Polizei gesuchten Kriminellen handelt. Rasch wird sie von der Polizei als Komplizin verdächtigt und von der Sensationspresse angeprangert ...
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Kritik

Mit der authentisch wirkenden fiktiven Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" protestiert der Nobelpreisträger Heinrich Böll auf eindringliche Weise gegen den Menschen verachtenden Sensationsjournalismus.
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Katharina Blum wurde am 2. März 1947 in Gemmelsbroich geboren. Ihr Vater, der Bergarbeiter Peter Blum, kam als menschliches Wrack aus der Gefangenschaft und starb 1953 an den Spätfolgen einer im Krieg erlittenen Lungenverletzung. Die verbitterte und zumindest zeitweise alkoholabhängige Mutter hatte verschiedene Putzstellen. Katharinas 13 Jahre ältere Patentante Else Woltersheim verschaffte ihr 1961 eine Stelle als Hausgehilfin in einer Metzgerei in Kuir und ermöglichte ihr durch finanzielle Unterstützung von 1962 bis 1965 den Besuch einer Hauswirtschaftsschule. 1966/67 arbeitete Katharina Blum als Wirtschafterin in einem Ganztagskindergarten in Oftersbroich. Die Stelle als Hausgehilfin bei Dr. Kluthen in Oftersbroich musste sie 1968 wieder aufgeben, weil die Ehefrau des Arztes merkte, dass er Katharina Blum nachstellte. Im selben Jahr lernte diese durch ihren älteren Bruder Kurt den Textilarbeiter Wilhelm Brettloh kennen. Den heiratete sie nach wenigen Monaten, wahrscheinlich vor allem, um von ihrer Mutter loszukommen. 1969 verließ sie ihren Mann, zog nach Köln, wurde wegen böswilligen Verlassens schuldig geschieden und nahm ihren Mädchennamen wieder an.

Zuerst wohnte sie einige Wochen lang bei Else Woltersheim, die zu ihrer Freundin geworden war. Dann fing sie als Hausmädchen bei dem Wirtschaftsprüfer Dr. Fehnern an und erhielt dort auch ein Zimmer. Als Dr. Fehnern Ende 1969 wegen Steuerhinterziehung bei Firmen, für die er tätig war, verhaftet wurde, verlor sie Stelle und Unterkunft. Aber nach kurzer Zeit kam sie als Haushaltshilfe bei dem erfolgreichen Industrieanwalt Dr. Hubert Blorna und dessen Ehefrau, der Architektin Dr. Gertrud („Trude“) Blorna, unter. Die beiden verhalfen ihr auch zu einer Eigentumswohnung in einem zehnstöckigen Mietshaus in einer Satellitenstadt im Süden von Köln.

Am 20. Februar 1974, dem Mittwoch vor Weiberfastnacht, zahlt Hubert Blorna seiner fast 27-jährigen Hausangestellten zwei Wochenlöhne aus, weil er noch am selben Tag mit seiner Frau in den Winterurlaub fliegt. Anschließend putzt Katharina Blum noch zwei Stunden bei dem pensionierten Studiendirektor Dr. Berthold Hiepertz und seiner Frau Erna.

Am Abend besucht sie einen Hausball bei Else Woltersheim. Dort lernt sie einen um ein Jahr älteren Mann kennen, tanzt mit ihm und lässt sich dann von ihm nach Hause bringen. Die Nacht über bleibt er bei ihr in ihrem Apartment.

Ludwig — seinen Nachnamen Götten erfährt sie erst später von der Polizei — gesteht ihr zwar, dass er von der Bundeswehr desertiert sei und deshalb nach ihm gefahndet werde, aber Katharina Blum ahnt nicht, dass die Polizei Ludwig Götten außerdem wegen eines Raubmords auf den Fersen ist. Auf dem Hausball wurde er von einem anderen Gast namens Karl beschattet, und seither überwacht ein Polizeikommando Katharina Blums Wohnung.

Als am Donnerstag auch nach 10 Uhr niemand aus Katharina Blums Wohnung kommt, verliert Kriminalkommisar Erwin Beizmenne die Geduld und er dringt mit acht schwer bewaffneten Beamten in das Apartment ein, stürmt es regelrecht und durchsucht es nach Ludwig Götten. Aber der floh am frühen Morgen durch einen Heizungsschacht, den Katharina Blum ihm gezeigt hatte.

„Hat er dich denn gefickt?“, soll Beizmenne gefragt haben. Katharina Blum darauf: „Nein, ich würde es nicht so nennen.“

Sie wird abgeführt. Auf Handschellen wird verzichtet. Drei Dutzend Hausbewohner stehen gaffend Spalier, und Pressefotografen sind auch zur Stelle.

Das Verhör zieht sich bis zum Abend hin. Kommisar Beizmenne konfrontiert Katharina Blum mit der Aussage von zwei Nachbarn — der Inhaberin eines Friseursalons und einem pensionierten Beamten –, sie habe seit zwei Jahren hin und wieder Herrenbesuch empfangen bzw. mitgebracht. Katharina ist konsterniert und nicht bereit, den Namen des Herrn zu verraten. Daraus folgert Beizmenne: „Sie kennen den Götten also schon zwei Jahre.“ Vergeblich beteuert sie, Ludwig Götten erst vor weniger als 24 Stunden kennen gelernt zu haben. Am Abend fährt Beizmennes Assistent, Kriminalkommisar Walter Moeding, Katharina Blum nach Hause. Die Vernehmung soll am Freitagmorgen fortgesetzt werden.

Gerade als Hubert Blorna sich am Donnerstagnachmittag erstmals die Skier anschnallt, spricht ihn ein Journalist von der Zeitung an und versucht ihn über Katharina Blum auszufragen. Er erzählt Blorna, die Hausangestellte habe einem seit langer Zeit von der Polizei gesuchten Verbrecher nicht nur Unterschlupf gewährt, sondern auch zur Flucht verholfen und werde deshalb jetzt verhört.

Als Hubert und Trude Blorna am Freitagmorgen die Zeitung aufschlagen, sehen sie Katharina Blums Bild groß auf der ersten Seite und in Riesenlettern die Schlagzeile: „Räuberliebchen Katharina Blum verweigert Aussage über Herrenbesuche“. In dem Artikel heißt es:

Der seit eineinhalb Jahren gesuchte Bandit und Mörder Ludwig Götten hätte gestern verhaftet werden können, hätte nicht seine Geliebte, die Hausangestellte Katharina Blum, seine Spuren verwischt und seine Flucht gedeckt. Die Polizei vermutet, dass die Blum schon seit längerer Zeit in die Verschwörung verwickelt ist. … Die Blum erhielt seit zwei Jahren regelmäßig Herrenbesuch. War ihre Wohnung ein Konspirationszentrum, ein Bandentreff, ein Waffenumschlagplatz?

Überrumpelt hatte Hubert Blorna sich hinreißen lassen, Katharina Blum gegenüber dem Journalisten als „klug und kühl“ zu charakterisieren. Die Zeitung machte daraus „eiskalt und berechnend“. Diffamierende Aussagen des Pfarrers von Gemmelbroich über Katharina Blums Eltern folgen. Bewusst werden Tatsachen und Meinungen vermischt.

Das Ehepaar Blorna bricht den Urlaub nach gerade mal 40 Stunden ab und reist zurück, um der Hausangestellten beizustehen. Am Samstagmorgen treffen Hubert und Trude Blorna in Köln ein.

Bei der zweiten Vernehmung am Freitag rechnet Kommisar Beizmenne Katharina Blum vor, dass sie mit dem roten Volkswagen, Baujahr 1968, den sie sich 1972 kaufte, weit mehr gefahren sein muss als nur zu ihren Arbeitsplätzen und zu gelegentlichen Besuchen bei ihrer Mutter und ihrem seit eineinhalb Jahren wegen eines Einbruchs inhaftierten Bruder. Katharina Blum erklärt, sie sei hin und wieder nach getaner Arbeit ziellos herumgefahren, um nicht einsam in ihrer Wohnung sitzen zu müssen.

Inzwischen hat die Polizei Katharina Blums Apartment durchsucht und ihre Konten überprüft. Dabei haben sich keine Verdachtsmomente ergeben — bis auf einen mit Brillanten besetzten Ring. Katharina Blum sagt aus, sie wisse nicht, wieviel er wert sei. Kommisar Beizmenne hat ihn schätzen lassen und sagt es ihr: 8 000 bis 10 000 Mark! Katharina Blum weigert sich, den Namen des Mannes zu nennen, der ihr den Ring schenkte.

Die Polizei verdächtigt sie, Ludwig Götten bei dem Hausball ihrer Tante nicht zum ersten Mal getroffen, sondern sich mit ihm dort verabredet zu haben. Ein Indiz dafür sei, dass sie nicht mit ihrem Auto, sondern mit der Straßenbahn hinfuhr. Ihren Einwand, das habe sie aus Vorsicht wegen des möglichen Alkholkonsums getan, lässt Kommisar Beizmenne nicht gelten, denn er hat herausgefunden, dass Katharina Blum nie viel trinkt. Seiner Meinung nach wusste sie von Anfang an, dass Ludwig Götten sie in seinem gestohlenen Porsche nach Hause bringen würde.

Else Woltersheim gibt bei ihrer Vernehmung an, Ludwig Götten sei zu dem Hausball mit der 17-jährigen Hertha Scheumel, deren Freundin Claudia sowie einem Herrn namens Karl erschienen. (Sie kann nicht wissen, dass es sich bei „Karl“ um einen der polizeilichen Beschatter Ludwig Göttens handelte.)

Weil Else Woltersheim in Sorge gewesen war, es könne auf dem Hausball zu wenig Tanzpartner geben, hatten Hertha und Claudia versprochen, ihre Freunde mitzubringen. Herthas Freund musste im letzten Augenblick absagen, und Claudias Freund war schon am frühen Mittwochnachmittag zu betrunken. Deshalb gingen die beiden Mädchen noch rasch ins Café Polkt. Dort lernten sie zwei Männer kennen, Ludwig und Karl, die sie zu dem Hausball begleiteten.

Nach ihrer Vernehmung im Polizeipräsidium fragt Katharina Blum die Beamten, ob sie nichts gegen die Presse unternehmen könne, um ihre verlorene Ehre wiederherzustellen. Da wird sie auf die Pressefreiheit hingewiesen. Durch die Bekanntschaft mit Ludwig Götten sei sie eine „Person der Zeitgeschichte“ und Objekt berechtigten öffentlichen Interesses. Gegen Verleumdungen könne sie selbstverständlich mit einer Privatklage vorgehen.

Katharina Blums Briefkasten quillt über von zum großen Teil anonymen Briefen, und sie wird fortwährend telefonisch beschimpft.

Der Journalist Werner Tötges — ein Mitarbeiter der Zeitung –, macht Katharina Blums Mutter im Krankenhaus ausfindig und versucht sie dort zu befragen. Aber Dr. Heinen, der behandelnde Arzt, lässt ihn nicht ans Krankenbett, da die Patientin nach einer schweren, erfolgreich verlaufenen Krebsoperation ruhebedürftig sei und auf keinen Fall aufgeregt werden dürfe. Tötges schleicht sich daraufhin als Anstreicher ein und konfrontiert die schwer kranke Frau mit den Vorwürfen gegen ihre Tochter. Sie stirbt noch während der Nacht.

Die Zeitung zitiert in der Samstagsausgabe nicht nur Katharina Blums Mutter, sondern auch Wilhelm Brettloh und vergisst nicht, zu erwähnen, dass Katharina Blum schuldig von ihm geschieden wurde:

Unser bescheidenes Glück genügte ihr nicht. Sie wollte hoch hinaus … Jetzt weiß ich, warum ich ihre Radikalität und Kirchenfeindlichkeit immer gefürchtet habe, und ich segne den Entschluss unseres Herrgotts, uns keine Kinder zu schenken. Und wenn ich dann noch erfahre, dass ihr die Zärtlichkeiten eines Mörders und Räubers lieber waren als meine unkomplizierte Zuneigung, dann ist auch dieses Kapitel geklärt.

An diesem Samstag sucht der Industrielle, Universitätsprofessor und Parteimanager Alois Sträubleder den mit ihm befreundeten Anwalt Hubert Blorna auf. Alois Sträubleder ist verheiratet und hat vier Kinder, aber als er vor zwei Jahren Katharina Blum bei den Blornas kennen lernte und nach Hause fuhr, wurde er zudringlich. Katharina Blum widerstand ihm, aber er hörte nicht auf, ihr Briefe und Blumen zu schicken; einige Male läutete er an ihrer Tür und dabei drängte er ihr den Ring auf. Obwohl es nicht einmal zu einem Kuss kam, bestand er darauf, ihr einen Schlüssel für sein Zweithaus in Kohlforstenheim anzuvertrauen. Da der Schlüssel offenbar nicht bei Katharina Blum gefunden worden sei, befürchte er, dass Ludwig Götten sich in seinem Haus verstecke. Das beunruhigt ihn weit mehr als die Gefahr einer Veröffentlichung über eine Liebesaffäre, von der er allenfalls private Schwierigkeiten zu erwarten hätte, denn wenn man ihn öffentlich in Verbindung mit einem Verbrecher bringen würde, müsste er mit geschäftlichen Einbußen rechnen. Sein Geschäftspartner Lüding habe zwar die Zeitung unter Kontrolle, nicht aber die Illustrierte, die Werner Tötges über einen Strohmann ebenfalls mit Sensationsberichten versorge.

Trude Blorna, die befürchtet, dass Katharina Blum über „zwei lebensgefährliche Eigenschaften“ verfüge: „Treue und Stolz“, kommt mit einem Transistorradio ins Zimmer. Soeben habe man gemeldet, dass Ludwig Götten im Zweithaus eines Industriellen verhaftet worden sei.In der Sonntagsausgabe der Zeitung wird auf Katharina Blums kriminellen Bruder hingewiesen und die Frage aufgeworfen, ob sie an den Unterschlagungen ihres früheren Arbeitgebers Dr. Fehnern beteiligt gewesen sei. Man wirft ihr vor, das Vertrauen eines bekannten Industriellen und Politikers missbraucht und dessen Karriere und Familienglück aufs Spiel gesetzt zu haben, indem sie Ludwig Götten den Schlüssel zum Zweithaus des Prominenten überließ. Außerdem berichtet die Zeitung, dass Katharina Blums Tante und Vertraute Else Woltersheim 1930 als uneheliches Kind einer Arbeiterin geboren wurde. Ihre Mutter lebe aus freien Stücken in der „DDR“, der Vater, ein gewisser Lumm, sei 1932 in die UdSSR emigriert und angeblich verschollen. Da liegt es nahe, Else Woltersheim mit sozialistischen oder gar kommunistischen Überzeugungen in Verbindung zu bringen.

Als Hubert Blorna das liest, platzt dem besonnenen Juristen der Kragen. Er greift sich in der Küche eine leere Flasche, läuft in die Garage, um einen Molotow-Cocktail zu basteln, den er entweder in die Redaktion der Zeitung oder in die Villa von Alois Sträubleder werfen will. Seine Frau kann ihn gerade noch davon abhalten.

Katharina Blum rief am Samstag die Zeitung an und stellte Werner Tötges ein Exklusivinterview in ihrem Apartment in Aussicht. Konrad Breiters, den 56 Jahre alten Lebensgefährten von Else Woltersheim, bat sie um die Schlüssel zu seiner kaum noch benützten Wohnung, weil sie zu Hause von Anrufern belästigt werde. Tatsächlich kam es ihr nur darauf an, seine Pistole holen zu können.

Zur vereinbarten Zeit am Sonntagmittag klingelt Werner Tötges an Katharina Blums Wohnungstür. Sie lässt den Journalisten ein, der sie erst einmal auffordert, mit ihm zu bumsen. Da zieht sie die Pistole aus der Handtasche und erschießt ihn.

Danach irrt sie stundenlang herum und wundert sich, dass sie keine Reue empfindet. Am Abend sucht sie Kriminalkommisar Walter Moeding in seiner Privatwohnung auf und gesteht den Mord.

Am Aschermittwoch wird in einem Waldstück die Leiche des Bildjournalisten Adolf Schönner gefunden. Der Verdacht fällt sofort auf Katharina Blum, aber es stellt sich heraus, dass sie ihn nicht getötet haben kann.

Staatsanwalt Peter Hach teilt seinem Schul- und Studienfreund Hubert Blorna vertraulich mit, dass man gegen Ludwig Götten keine Mordanklage erheben werde, weil sie nicht zu halten sei. Er erwarte für ihn eine acht- bis zehnjährige Freiheitsstrafe wegen der Plünderung eines Banksafes mit dem Wehrsold für zwei Regimenter sowie Fahnenflucht, Bilanzfälschung und Waffendiebstahl. Katharina Blum müsse mit einer etwa gleich langen Haftstrafe rechnen. Bei der Entlassung seien die beiden dann 34 oder 35 Jahre alt. Katharina Blum wolle dann zusammen mit Ludwig Götten ein Restaurant mit Traiteurservice eröffnen.

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In einer Art Vorwort zu „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ schreibt Heinrich Böll:

Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der „Bild“-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

Es geht um ein Massenblatt, das skrupellos Informationen über eine zu Unrecht als Mitglied einer linksradikalen Terroristengruppe verdächtigte 27-jährige Hausangestellte zusammenträgt und veröffentlicht, nicht vor Verdrehungen und hetzerischer Meinungsmache zurückschreckt und auf diese Weise die bürgerliche Existenz des Opfers zerstört. Die Erzählung handelt auch von Polizeibeamten und Staatsanwälten, die das Privatleben einer wehrlosen Verdächtigen respekt- und rücksichtslos durchleuchten. Auf die entwürdigende Behandlung und das übermächtige System reagiert das Opfer anfangs mit Fassungslosigkeit, am Ende mit verzweifelter Gegengewalt.

Vor dem Hintergrund der Hysterie über den Terrorismus der RAF protestiert Heinrich Böll mit der Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ gegen den Menschen verachtenden Sensationsjournalismus und nicht zuletzt gegen den Missbrauch der Staatsgewalt sowie die korrumpierenden Verflechtungen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien, Polizei und Rechtsprechung.

Die Namen der Figuren hat Heinrich Böll mit Bedacht gewählt: Tötges assoziiert man mit töten, und Katharina mit Reinheit.

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist eine fiktive Erzählung, die wie ein nüchterner Tatsachenbericht angelegt ist. Gleich zu Beginn nennt der sachlich wirkende Erzähler die Quellen, und im späteren Verlauf zitiert er seitenweise aus Vernehmungsprotokollen. Im dritten von insgesamt 58 Abschnitten fasst er die Tatsachen über den Mord an dem Journalisten Werner Tötges kurz zusammen. Mehrmals erklärt er den Leserinnen und Lesern seine Vorgehensweise bei der Abfassung des Berichts. Das wirkt sehr authentisch und verstärkt die ergreifende Wirkung der Erzählung.

Volker Schlöndorff verfilmte die Erzählung von Heinrich Böll: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Volker Schlöndorff: Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Heinrich Böll (Kurzbiografie)

Heinrich Böll: Und sagte kein Wort
Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns
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Heinrich Böll: Doktor Murkes gesammeltes Schweigen

Verena Lueken - Alles zählt
"Alles zählt" wirkt autobiografisch, aber die Frage, ob die Ich-Erzählerin die Autorin Verena Lueken vertritt, bleibt offen. Die Darstellung enthält essayistische Züge, und die Sprache ist so sachlich, als protokolliere hier tatsächlich eine Krebspatientin ihre Gedanken und Gefühle.
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Verena Lueken

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